Test: Tales of Berseria

Wenn Bandai Namco etwas mit dem hauseigenen Tales-Franchise geschafft hat, dann ist es wirklich spannende und vielseitige Geschichten zu erzählen sowie komplexe Charaktere zu entwickeln. Obwohl es sich meist nur darum dreht die Welt zu retten, so geht dies nicht immer zwangsläufig mit ehrenhaften und gut-gesinnten Protagonisten einher. In Tales of Vesperia hatten wir es so mit einem Helden zu tun, der des Öfteren mal zur Selbstjustiz griff und generell mehr den dunklen Ritter personifizierte. Obwohl wir hier schon eine recht düstere Geschichte erleben durften, so ist dies in keiner Weise mit dem zu vergleichen, was uns mit Tales of Berseria nun bevorsteht, denn hier eröffnen sich wahre Abgründe. Das Thema der Handlung ist nämlich Rache!

Vom Hass zerfressen

In Tales of Berseria erleben wir die Geschichte von Velvet Crowe, einem jungen 16-jährigen Mädchen, welches zusammen mit ihrem kleinen Bruder in einem abgelegenen Dorf ein besinnliches und friedvolles Leben führt. Dieses kommt allerdings zu einem jähen Ende, als sie eines Nachts aufwacht und Dämonen über ihr Dorf herfallen und alle Bewohner töten. Auf der Flucht findet sie ihren Bruder, welcher gerade von ihrem Mentor Artorius geopfert wird. Durch den aufkeimenden Hass verwandelt sie sich selbst in ein Mischwesen aus Mensch und Dämon, wird aber schlussendlich besiegt und findet sich daraufhin in einem Verließ wieder, in welchem sie drei Jahre der Haft und der Isolation erleben muss. Das einzige, was sie hier am Leben hält: Der Hass und der Wunsch nach Rache.

 

Hier beginnt nun auch direkt die eigentliche Geschichte, in der wir Velvet von der Flucht aus dem Gefängnis bis hin zur Suche nach Artorius begleiten. Besonders bemerkenswert ist hier der Charakterwandel unserer Heldin, welcher die Veränderung von einem freundlichen und selbstbewussten Mädchen zu einer von Hass zerfressenden Frau aufzeigt. Dies lässt sich auch im Verlauf der Geschichte immer wieder erleben, denn wo wir in anderen Ablegern des Franchises noch Not leidenden Menschen geholfen haben, so sieht Velvet hier keinen wirklichen Vorteil drin und überlässt solche Figuren lieber ihrem Schicksal, denn sie hat nur ein Ziel vor Augen: den Tod von Artorius.

Im Verlauf der Geschichte stoßen wir aber auch wieder auf eine Hand von Charakteren, die sich unserer Party anschließen werden. Obwohl der Großteil dieser Figuren kaum als heldenhaft bezeichnet werden kann und sie alle primär eigene Ziele verfolgen, so sind diese doch auf ihre Art sympathisch und gerade das ausgefallene Charakterdesign weiß hier besonders zu bestechen. Auf Schubladen-Charaktere, die mit ihren typischen Anime-Archtypen daherkommen, wartet man erfreulicherweise in Tales of Berseria vergebens. Stattdessen hat sich Bandai Namco hier auf eine Mischung aus Ernsthaftigkeit, Lässigkeit und hinterhältiger-Durchgeknalltheit beschränkt, die für viele Lacher aber auch tiefgreifende und spannende Hintergrundgeschichten sorgt.

Eine neue Kampfmechanik

Wie es Fans der Tales-Serie gewohnt sind, hat sich auch in Tales of Berseria das Kampfsystem nicht großartig geändert. Wie immer bekommen wir es hier mit schnellen und achtiongeladenen Echtzeitkämpfen zu tun, nachdem wir in der Welt einen Kontakt mit Gegnern erleben. Obgleich der Kern des Kampfsystems unverändert bleibt, so dürfen wir uns wieder auf gänzlich neue Mechaniken gefasst machen wie wir sie in noch keinem Serien-Ableger erleben durften. Hier bekommen wir es mit einer sogenannten Burst-Gauge zu tun, also einer aus fünf Energiekugeln bestehenden Anzeige. In der Regel beginnt jeder Charakter einen Kampf mit drei dieser aufgeladenen Kugeln, deren Anzahl sich durch erfolgreiches Austeilen von Statuseffekten erhöhen oder durch das Erleiden solcher verringern kann. Statuseffekte können hier durch fast jeden Angriff mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auftreten.

Der eigentliche Sinn dieser Burst-Gauge-Kugeln geht dabei in zwei Bereiche über. Zum einen bestimmt deren Anzahl, wie viele Kombo-Angriffe wir durchführen können und zum anderen können wir auch willentlich eine solche Kugel opfern, um einen besonderen Angriff zu inszenieren. Dabei verfügt jeder Charaktere über unterschiedliche Angriffe, die ebenso unterschiedliche Vorzüge bieten können. Etwas schade ist allerdings gerade das Balancing der Charaktere untereinander, da Velvet durch ihre Burst-Attacke ganzen Gegnerhorden im Alleingang den Gar ausmachen kann, während manch anderer Charakter schon mit einzelnen Feinden enorme Probleme hat.

Wie schon in Tales of Zestiria dürfen sich Spieler in Tales of Berseria wieder auf einen anpassbaren Schwierigkeitsgrad freuen, der zudem auch die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, mit der wir zum Kampfende Items von unseren Gegnern erhalten. Diese Items sind dabei besonders wichtig, da diese über passive Fähigkeiten verfügen, die jeder Charakter erlernen kann. Davon sollte auch unbedingt Gebrauch gemacht werden, denn auf diese Weise stärken wir unsere Helden weiter, wodurch beispielsweise die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Statuseffekte ausgelöst werden. Etwas schade ist jedoch, dass der Schwierigkeitsgrad an sich nur mäßig fordernd ausfällt. So schalten sich leider nicht wie in Zestiria neue Grade frei, wenn wir ausreichend oft gezeigt haben, dass wir den aktuellen ohne Probleme beherrschen – sehr schade!

Optisch ist Tales of Berseria zwar weit davon entfernt, neue Maßstäbe zu setzen, aber im Vergleich zu früheren Ablegern bekommen wir es hier mit einer sehr stimmigen und attraktiven Welt zu tun. Allerdings würden wir uns doch wünschen, dass man sich auch irgendwann endlich für den Schritt in Richtung einer offenen Spielewelt ermutigen würde, anstelle jeden Landstrich in mehrere kleine Areale zu unterteilen. Auch wäre es wünschenswert gewesen, mehr aus den Rätseln herauszuholen. Zwar bekommen wir es hier gelegentlich mit interessanteren zu tun, die ein etwas einfallsreicheres Dungeon-Design mit sich bringen, allerdings wurde das Potential hier nur angekratzt.

Actionreiches und schnelles Kampfsystem
Spannende und tiefgreifende Geschichte
Vielseitige und einzigartige Charaktere
Frische düstere Thematik
Untereinander schlecht balancierte Charaktere
Schwierigkeitsgrad zu niedrig
Keine offene Spielwelt

Daniel M.

Tales of Berseria schafft es, das wohl bislang beste Charakter-Ensemble des Franchise auf die Beine zu stellen, welches zudem für eine spannende, unterhaltsame aber auch über Strecken sehr düstere Geschichte sorgt. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, was für eine gute Arbeit Bandai Namco im Bereich des Storytellings leistet, gerade wenn man dieses Spiel mit Konkurrenten wie Final Fantasy XV vergleicht. Allerdings sind es leider andere Bereiche, in denen Tales of Berseria weniger glanzvoll daherkommt. Seien dies die untereinander schlecht balancierten Charaktere, der zu niedrig ausfallende Schwierigkeitsgrad oder das stete Warten auf eine offene Spielwelt – hier gibt es viele Punkte, an denen sich der Entwickler zukünftig auch weiterhin orientieren sollte, denn nicht alle dieser Defizite sind sonderlich neu. Fans werden aber nichtsdestotrotz ihre wahre Freude mit Tales of Berseria haben, nicht zuletzt, da es mit seiner düsteren Ausgangssituation doch sehr frisch daherkommt.
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