Test: The Council – Episode 1 (The Mad Ones)

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Spiele in Episodenform – für einige sind sie der Inbegriff moderner Konsumkultur, schließlich werfen sie uns spielerische Inhalte nur häppchenweise und in verdaulichen Dosen vor die Nase. Für andere repräsentieren sie alles, was aktuell in der Branche daneben geht: Wenig Inhalt auf große Zeiträume verteilt und ein Bezahlmodell, mit dem wir zwar selbst entscheiden dürfen, was genau wir zocken, aber leider nicht, wann wir es zocken. Auch The Council schlägt in diese Kerbe und erzählt über die kommenden Monate eine Kriminalgeschichte in fünf Akten. Die erste Episode unter dem Titel „The Mad Ones“ ist seit dem 13. März erhältlich und spaltet die Gemüter.

Ein Mosaik der Persönlichkeiten – und Louis

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Auf einer privaten Insel vor der Küste des Vereinten Königreichs spielt sich allerhand Merkwürdiges ab. Eine zwielichtige Gruppe großer Namen kommt 1793 auf Einladung eines gewissen Lord Mortimer zusammen, um während einer Konferenz der etwas anderen Art die Geschicke der freien Welt in die Bahnen zu lenken – zum Guten oder zum Bösen. Auch Louis de Richet, der Sohn einer französischen Adligen, ist mit von der Partie. Ihm geht es jedoch nicht um Canapés, gute Gespräche oder die europäische Gemeinschaft. Stattdessen ist er dort, um seine verschollene Mutter Sarah aufzuspüren.

Auf dem Eiland angekommen, wird Louis sofort mit den exzentrischen Gästen von Mortimer konfrontiert. Sie alle sind Mitglied der sogenannten Council of the Golden Order und rücken mit Informationen äußerst ungern heraus.  Nur mit diplomatischem Geschick, Manipulation und Überzeugungskraft kann es dem Detektiv wider Willen gelingen, genügend Hinweise zu sammeln, um seine Mutter bald wieder in die Arme schließen zu können. Aber warum ist sie überhaupt verschwunden? Und was haben George Washington, Napoleon Bonaparte oder die psychisch labile Elizabeth Adams mit der Sache zu tun?

Eine Geschichte mit Konsequenzen

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In der ersten Episode schauen wir Louis dabei über die Schulter wie er sämtliche Gäste auf dem Anwesen kennen lernt und sich einen Eindruck verschafft, in welcher Beziehung die 16 Akteure zueinander stehen. In Grundzügen könnt ihr euch die Geschichte von The Council wie eine Art digitales Cluedo vorstellen. Stück für Stück erarbeitet ihr euch mithilfe von Louis detektivischen Fähigkeiten Informationen zu jedem Charakter, ergründet finstere Motivationen oder sichert euch starke Verbündete auf der Suche nach der verschollenen Sarah. Da Louis allerdings nichtsahnend in die feine Gesellschaft hineinstolpert, müsst ihr euch zunächst ein wenig an die hochtrabenden, aber gut geschriebenen Dialoge gewöhnen.

Wie schon viele Adventures zuvor legt auch The Council großen Wert auf Konsequenzen. Ihr sollt euch nicht nur gelangweilt durch endlose Gesprächsoptionen klicken, sondern mit der Wahl der richtigen Vorgehensweise den Verlauf der Geschichte beeinflussen können. Hier funktioniert das Dialog-lastige Spieldesign enorm gut. Schnellspeichern und -laden sucht ihr vergeblich und zahlreiche Lösungswege sorgen dafür, dass ihr immer das Gefühl habt, die Geschichte könnte sich in alle Richtungen weiterentwickeln. Am Ende einer jeden Quest, in Episode 1 warten vier davon auf euch, zeigt euch eine Übersicht schließlich, welche alternativen Wege ihr verpasst habt und welche Konfrontationen ihr hättet anders lösen können. Somit ist auch der Wiederspielwert gewährleistet. Angesichts der Spielzeit von knapp 3 Stunden sind solche erzählerischen Kniffe natürlich dringend notwendig.

Der Weg ist das Ziel

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Wie für narrative Adventures üblich, fährt auch The Council die spielerischen Elemente deutlich zurück. Mehr als herumzulaufen, imposante Gemälde zu betrachten und gelegentlich versteckte Münzen und Bonus-Gegenstände zu ergattern, ist für Louis nicht drin. Dass ihr euch dennoch in einem Spiel und nicht in einem Film befindet, wird klar, sobald ihr euch ins Menü begebt. Am Ende jeder Quest winken nämlich, abhängig von der gewählten Vorgehensweise, begehrte Erfahrungspunkte, mit denen ihr den französischen Adelsspross zu einem noch besseren Ermittler macht. Der ewige Kampf Spezialist vs. Alleskönner wird auf die Spitze getrieben, denn sowohl als das eine wie auch das andere kommt ihr in Episode 1 vorwärts.

Bevor ihr euch so richtig in die Kriminalgeschichte stürzt, habt ihr nämlich die Wahl, welchen Pfad ihr als frischgebackener Privatschnüffler einschlagt. Als Detektiv sucht ihr stets nach winzigen Details, die auf größere Zusammenhänge schließen lassen. Wählt ihr hingegen die Profession des Diplomaten, müsst ihr euch auf euren Charme verlassen können. Der zwielichtige Okkultist beruft sich stattdessen auf diebische Tugenden und glänzt mit verschollenem Wissen aus einer vergangenen Zeit. Habt ihr euch für einen Pfad entschieden, steht es euch anschließend frei, die wohlverdienten Levelpunkte in Talente wie Schlösserknacken, Manipulation oder Politikwissen zu stecken. Jedes Talent findet im Verlauf der ersten Episode seine Daseinsberechtigung und so liegt es ganz an  euch, was ihr aus dem blassen Louis macht.

Auf der Jagd nach Stärken und Schwächen

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Die vielen Talente nutzt ihr anschließend, um eurem Gegenüben Informationen zu entlocken oder auf der emotionalen Ebene einen Zugangspunkt zu finden. Innerhalb der Dialoge zeigt euch das Spiel genau an, welche Fähigkeiten euch aktuell zur Verfügung stehen. Doch Vorsicht: Nicht jeder Gast springt auf eure voll ausgebildeten Manipulationskünste an. Stattdessen verfügen alle Figuren über Stärken und Schwächen, die es im Verlauf der Geschichte herauszufinden gilt. Während ihr bei den Bediensteten mit roher Beeinflussung zum Ziel kommt, lässt sich George Washington nur mit Kenntnissen der weltpolitischen Lage überzeugen.

Das System ist simpel, funktioniert aber ganz gut. Leider sind die Figuren etwas freigiebig mit ihren Immunitäten und Schwächen, sodass ihr euch recht schnell auf eine Vorgehensweise versteift, wenn es darum geht, Informationen zu beschaffen. Dem entgegen wirkt die begrenzte Anzahl der Aktionspunkte. Habt ihr anfangs nur fünf von ihnen zur Verfügung, müsst ihr euch zwei Mal überlegen, in welchen Gesprächen ihr eure Fähigkeiten nutzt. Nur mit spärlich verstreuten Gegenständen oder zwischen den Quests regeneriert ihr die Punkte und könnt am nächsten Tag frohen Mutes drauflos manipulieren und einschüchtern. Zwischen die Dialoge gesellen sich immer wieder kleinere Rätsel, die Genre-Veteranen allerdings nicht mehr als ein müdes Lächeln entlocken.

Katastrophale Präsentation

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Das wohl größte Manko von The Council zieht sich wie ein roter Faden durch die erste Episode: Die Präsentation. Grafisch ist das Adventure schlicht nicht auf der Höhe der Zeit. Natürlich haben wir es mit einem Indie-Titel zu tun, professionelle Motion-Capturing-Aufnahmen hätten dem Spielgefühl jedoch einen enormen Gefallen getan. Dialoge sind das A und O in Adventures und wenn Mimik, Gestik und Animationen der Charaktere so hölzern rüberkommen wie die Dielen des Anwesens, dann geht die Lust am Zuhören schnell verloren. Gleiches gilt auch für ihr Verhalten außerhalb der Dialoge. Sind sie gerade nicht im Gespräch mit Louis, dann bleiben sie auf einem Fleck und warten starr wie Gipsbüsten auf ihren Einsatz. Immersion sieht anders aus.

Hatten wir die Charaktere in unserer Vorschau mit denen aus Dishonored verglichen, bleibt uns nur amtliches Zurückrudern. Ihre charakterliche Vielfalt mag überzeugen, ihr Look tut es leider nicht. Das Abenteuer erstreckt sich über mehrere Tage und so könnte man erwarten, dass sich Kleidung und Gesichtsanimationen stetig ändern – Fehlanzeige. Die Figuren bleiben statisch, lediglich die Dialoge ändern sich. Das gilt insbesondere für den Protagonisten, der nicht nur die schlechtesten Zeilen im ganzen Spiel für sich vereinnahmt, sondern auch in puncto Gesichtsanimation noch jede Menge Luft nach oben hat. Sympathie für den übereifrigen Ermittler kommt nur selten auf und so überwiegt schnell das Interesse für die vermeintlichen Nebencharaktere – kein besonders fruchtbarer Ansatz für ein narratives Adventure.

So wenig spielerische Elemente The Council bietet, so mangelhaft sind sie umgesetzt. Louis steuert sich extrem behäbig und auch die Kameraperspektive, mit der wir ihm über die Schulter schauen, ist fragwürdig gewählt. Das große Anwesen lädt zu kurzen Erkundungstouren ein und gerade die Gemälde, die überall ausgestellt sind, könnten die Präsentation deutlich verbessern – wenn man sie denn betrachten könnte. Stattdessen schauen wir per Default auf den Boden, wenn wir uns umherbewegen und die träge Steuerung macht den Blick nach oben nicht gerade zu einem Kinderspiel. Das erleichtert möglicherweise die Suche nach versteckten Münzen, dreht der Atmosphäre allerdings einen Strick.

Charaktere, die neugierig machen
Interessantes Setting
Gut geschriebene Dialoge
Durchdachtes Fortschritts-System
Lösungswege mit Konsequenzen
Grafisch nicht auf der Höhe
Hölzerne Animationen
Mangelhafte Kamera und Steuerung

Christian Böttcher

The Council setzt mit Episode 1 einen soliden Startpunkt für die Zukunft. Interessante Charaktere aus der Geschichte werden im okkulten Setting mit einer Kriminalgeschichte verwoben und so kann das Spiel durchaus überzeugen. Allerdings solltet ihr während der knapp 3-stündigen Episode regelmäßig die Augen schließen, denn die Präsentation ist selbst für einen Indie-Titel problematisch. Dialog-lastige Adventures leben von Gestik, Mimik und Animationen. Leider versagt The Council in allen drei Disziplinen und die Lust, das nächste Gespräch zu führen, geht schnell gegen Null. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt einen spannenden Auftakt serviert, der konsequent erzählt und mit seinem Fortschritts-System überzeugt.
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