Test: The Council

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Im Test: Das Mystery-Adventure The Council – Bildquelle: Big Bad Wolf

Telltale trifft Cluedo – Im narrativen Mystery-Adventure The Council stoßt ihr nicht nur auf schillernde Persönlichkeiten der Weltgeschichte, sondern müsst euch gleichzeitig durch ein wirres Geflecht an okkulten Ereignissen, Lügen und Intrigen wühlen. Die erste von fünf Episoden steht bereits seit Anfang März in den Läden, ab heute wartet das letzte Kapitel darauf, enthüllt zu werden, um ein gelungenes Staffelfinale einzuleiten. Wir haben alle Episoden durchgespielt und können nun endlich ein abschließendes Fazit zum dialoglastigen Thriller abgeben.

Episode 1 – The Mad Ones

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Ein gemächlicher Beginn – Bildquelle: Big Bad Wolf

In unserem ausführlichen Test zur ersten Episode haben wir euch schon Anfang des Jahres in die fundamentalen Spielmechaniken und das Setting von The Council eingeführt. Dementsprechend soll es in den folgenden Zeilen vornehmlich darum gehen, die vielen Handlungsstränge des Spiels zu bündeln und auf ihre Qualität abzuklopfen. Die erste Episode sticht in dieser Hinsicht klar heraus, denn hier treffen wir zum ersten Mal auf die allesamt toll geschriebenen Charaktere und ihre faszinierenden Geschichten. Auch die Einführung in eine düstere Darstellung der französischen Revolution gelingt dem Adventure während der ersten Minuten hervorragend.

In vier Kapiteln und rund 3 Stunden Spielzeit bekommen wir es mit 16 Akteuren zu tun, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen und Louis, den recht blassen Protagonisten, reichlich ungern mit Informationen versorgen. Auf der Suche nach seiner verschollenen Mutter muss der Adelsspross folglich all seine manipulativen und charismatischen Talente einsetzen, um der Golden Order Stück für Stück auf die Schliche zu kommen. Dementsprechend stotternd kommt der Motor der verzwickten Geschichte in Gang, dafür kommen Fans okkulter Themen, hochgestochener Ausdrucksformen und cleverer Seitenhiebe voll auf ihre Kosten.

Dabei geht es primär darum, die Beziehungen zwischen den Charakteren klarzumachen und Louis einen Platz zwischen all den prominenten Größen zu geben. Dazu lassen wir ihn mit sämtlichen Teilnehmern der dubiosen Konferenz schwadronieren, bevor wir uns hundemüde aufmachen, um uns eine verdiente Pause zu gönnen. Mitten in der Nacht erwacht Louis jedoch, von Visionen geplagt, und findet sich schließlich im Zimmer der labilen Elizabeth Adams wieder – mit tödlichen Folgen.

Episode 2 – Hide and Seek

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Einem Mord auf der Spur – BIldquelle: Big Bad Wolf

Rund zwei Monate nach dem Auftakt zum zwielichtigen Adventure stand uns mit Hide and Seek die zweite Episode von The Council ins Haus. Anders als beim Veröffentlichungszyklus schließt die Geschichte allerdings direkt an die Geschehnisse der vergangenen Episode an. Nach einer durchzechten Nacht mit der jungen Miss Adams, erwacht Louis mit einem flauen Gefühl im Magen. Und das nicht ohne Grund, denn im Herrenhaus ist ein grauenvoller Mord geschehen. Die namensgebende Konferenz verzögert sich also weiterhin, schließlich muss zunächst ein Schuldiger gefunden werden. Glücklicherweise tritt nun erstmals der Hausherr auf den Plan und betraut Louis sogleich mit der Aufklärung des Mordes.

So schleppend die Geschichte in der ersten Episode begonnen hat, so setzt sie sich in der Folge leider fort. In den drei Kapiteln von Episode Zwei sind wir so sehr damit beschäftigt, Bücher zu wälzen und Verdächtige zu befragen, dass kaum Platz für Spannung oder gar Dramatik beibt. Hide and Seek stellt für uns den narrativen Tiefpunkt von The Council dar, auch wenn die Dialoge weiterhin auf Top-Niveau bleiben. Glücklicherweise lockern ab sofort die ersten wirklich knackigen Rätsel den Spielalltag sichtlich auf, sodass sich die fehlenden Highlights in der Geschichte recht gut verschmerzen lassen. Besonders der Einbruch ins Büro von Lord Mortimer hat es uns angetan, denn sein komplexes Schloss lässt sich nur mit reichlich Hirnschmalz und kreativem Umdenken überwinden.

Erste Probleme

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Bekannte aus der Geschichte – Bildquelle: Big Bad Wolf

Allerdings stießen wir bereits in der zweiten Episode auf einige Probleme in den Bereichen Technik und Balancing. Louis steuert sich ohnehin recht träge durch die Korridore des Anwesens, allerdings bereitete uns die Kontrolle des Helden besonders dann arge Probleme, wenn wir gerade durch eine Tür gegangen sind, was im Spiel enorm häufig vorkommt. Nicht selten ließ sich der Charakter anschließend für einige Sekunden gar nicht oder nur extrem behäbig steuern – kein Beinbruch für ein Adventure, aber auf Dauer nervtötend.

Wirklich schade ist allerdings, dass die Lösung von Dialogsituationen über das ganze Spiel hinweg extrem abhängig davon ist, wie viele versteckte Gegenstände ihr im Herrenhaus aufspürt. Gebt ihr nicht viel auf das systematische Absuchen der Umgebung, gehen euch recht schnell die wichtigen Aktionspunkte aus, sammelt ihr fleißig alles ein, was blinkt und glitzert, könnt ihr munter jede noch so teure Dialogoption mitnehmen, so viel Gelee Royale läuft euch aus den Taschen. Hier fehlt dem jungen Studio vielleicht noch etwas die Routine. Nichtsdestotrotz haben wir uns durch die zweite Episode gequält und stießen in einer versteckten Krypta endlich auf eine alte Bekannte, die frischen Wind in die Erzählung spült.

Episode 3 – Ripples

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Die Konferenz hat begonnen – Bildquelle: Big Bad Wolf

In der dritten Episode ist es dann endlich soweit: Die große Konferenz der Mächtigen beginnt. Sie entwickelt sich schnell zum Zentrum der Geschichte, als Lord Mortimer seine Pläne offenbart und den Anwesenden ein verlockendes Angebot macht. Im Streitgespräch zwischen den Figuren nimmt The Council endlich auch wieder etwas Fahrt auf, denn natürlich gehen nicht alle Mitgliedes des Rates mit den Ideen des Hausherren konform. Schnell spaltet sich die Gemeinschaft in zwei Lager und Louis muss sich für eine Seite entscheiden. Auch das Wiederauftauchen seiner Mutter bringt die Handlung ordentlich voran, sodass sich zwei konterkarierende Handlungsstränge bilden, die zwischen politischer Vernunft und blindem Okkultismus oszillieren.

Zu den absoluten Highlights des Spiel gehört auch das abschließende Rätsel der Episode, bei dem Kombinationsgabe und logisches Verständnis gefragt ist. Bevor ihr jedoch drauflosknobeln dürft, schickt euch das Spiel auf eine Odyssee durch das Anwesen, um ominöse Schlüsselgegenstände zu besorgen. Auch wenn es sich dabei um Backtracking der miesesten Art handelt, führte uns dieser Abstecher vor Augen, wie sehr das Herrenhaus uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Entwickler haben es geschafft, jeder Etage und jedem Raum ganz eigene Funktionen zuzuordnen und bleiben dabei immer subtil.

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Eine nebulöse Wendung – Bildquelle: Big Bad Wolf

Allgemein spielen Rätsel und Atmosphäre in The Council auf hohem Niveau, denn explizite Hilfestellungen sucht ihr vergebens. Stattdessen gelingt es dem Studio, die Konsequenz in der Erzählung auch auf die kniffligen Rätselpassagen zu übertragen. Da kann es schon einmal passieren, dass unser Held in die nächste Episode mit weniger Gliedmaßen geht als zuvor. Um den obligatorischen Cliffhanger kommt aber auch die dritte Episode nicht herum, während die Narrative so langsam in eine unerwartete Richtung abdriftet. Übernatürlich statt bodenständig scheint die Marschrichtung für die kommende Episode.

Episode 4 – Burning Bridges

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Eine außerkörperliche Erfahrung – Bildquelle: Big Bad Wolf

Das Ende von Episode Drei hat nicht zu viel versprochen. Was als Zusammentreffen der politischen Eliten begonnen hat, verkommt immer mehr zu einem undurchsichtigen Spiel übernatürlicher Mächte. Auch Louis Rolle in diesem verworrenen Spiel nimmt in Episode Vier eine größere Rolle ein, als der Edelmann erkennen muss, dass kaum noch weißt, wer er selbst überhaupt ist. Er ist gezwungen, alles zu hinterfragen, was er je zu wissen geglaubt hat und brennt somit Stück für Stück die Brücken hinter seiner Vergangenheit ab – deshalb auch der passende Titel. Als ihm Lord Mortimer und sein ewiger Erzfeind Sir Holm schließlich eröffnen, dass er selbst über paranormale Fähigkeiten verfügt, ist es um den jungen Franzosen geschehen.

Mit neuen Erkenntnissen gehen in Episode Vier auch frische Gameplay-Mechaniken einher. So vermag es Louis nun, mithilfe von zusätzlichen Aktionspunkten die Gedanken seiner Gesprächspartner zu lesen, um ihnen wertvolle Informationen zu entlocken. Ebenfalls nützlich: Die Kontrolle fremder Körper. Kurzerhand schlüpft er in z.B in den Geist des Kardinals Piaggi, um einen gefakten Brief an den Papst zu schreiben – übrigens eins der schwersten Rätsel im Spiel. Ihr seht also: Die Machtkämpfe zwischen George Washington, Napoleon Bonaparte und Co. rücken zum Ende hin mehr und mehr in den Hintergrund, was der Erzählung einerseits mehr Drama verlieht, andererseits aber das Potenzial der Charaktere verschenkt.

In drei Kapiteln erleben wir die große Wendung der Geschichte. Das retardierende Moment transformiert The Council immer mehr zu einem Spiel des Okkulten und leitet die finale Abstimmung der Konferenz mit einem Paukenschlag ein, der aus dem Nichts kommt.

Episode 5 – Checkmate

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Ein Duell auf Augenhöhe – Bildquelle: Big Bad Wolf

Mit Episode Fünf verabschiedet sich The Council endgültig vom politischen Fundament, das die ersten drei Abschnitte dominiert hat. Recht schnell etabliert das große Finale einen noch größeren Zweikampf zwischen dem pflichtbewussten Sir Holm und seinem machthungrigen Gegenpart Lord Mortimer. Louis gerät zwischen die Fronten, während sich die beiden Kontrahenten in einem packenden Showdown um die Seele unseres Helden streiten. Mit jeder Minute, die vergeht, driftet die Narrative dabei mehr vom Konkreten ins Abstrakte ab und findet ihren Klimax in einer metaphysischen Grundsatzdiskussion, in der Louis zum Zünglein an der Wage avanciert.

Bis zum Abspann dreht der Thriller in puncto Inszenierung und Erzählstruktur auf Vollgas und bringt die bröckelnden Handlungsstränge packend zu einem würdigen Ende. Schade nur, dass dabei die Rätsel deutlich zu kurz kommen. Diese fallen zum Endspurt hin nämlich wesentlich schlichter und ohne große Finesse aus. Dafür bekommt jeder verbleibende Charakter im Herrenhaus noch seine ganze eigene Auflösung, während die Konsequenz eurer Entscheidungen bis zum blutigen Ende gewahrt wird. Es lohnt sich also ohne Zweifel, auch die letzten Abschnitte noch einmal zu wiederholen, um herauszufinden, was hätte anders laufen können.

Der wohl größte Kritikpunkt am düsteren Adventure bleibt aber von Episode zu Episode die Präsentation. Grundlegend erinnert The Council optisch an Dishonored, kann aber bei Weitem nicht mit dem Charme des Steampunk-Epos mithalten. Mimik, Gestik und Animationen kommen so hölzern rüber wie die Dielen des Anwesens und die Texturen bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück – besonders ärgerlich für ein narratives Adventure. Hinzu kommt die beizeiten fummelige Steuerung und der ein oder andere technische Patzer. Angesichts der wendungsreichen Geschichte sind diese Macken aber schnell vergessen und wir warten gespannt auf das nächste Projekt der Big Bad Wolf Studios.

Authentisch geschriebene Charaktere
Geschichte mit vielen Wendungen
Großartig ausgearbeiteter Spannungsbogen
Durchdachtes Fortschritts-System
Dialoge und Handlungen mit Konsequenzen
Knackige Rätsel mit Konsequenzen
Ein Fest für Freunde des Okkulten
Grafisch nicht auf der Höhe der Zeit
Hölzerne Animationen
Fummelige Steuerung und Kamera

Christian Böttcher

The Council schafft in fünf Episoden, was so manch ein AAA-Titel nicht in 60 Stunden auf die Reihe bekommt und liefert eine runde, gut ausgearbeitete Geschichte, die einem packenden Spannungsbogen folgt. Was als düster-politischer Krimi beginnt, wandelt sich zu einem abstrakten Thriller, der tief in die Nebel des Okkulten vordringt und euch dabei einiges an Hirnschmalz und Nerven abverlangt. Die Mischung aus Persönlichkeiten der Weltgeschichte und einem sich stetig weiterentwickelnden Protagonisten hält über die volle Laufzeit bei Laune und scheut sich nicht vor radikalen Wendungen. Einiges Manko dabei ist die Präsentation, denn Gestik und Mimik der Figuren sind ein absoluter Graus, während die Optik nur Mittel zum Zweck bleibt. Von uns gibt es trotzdem eine uneingeschränkte Empfehlung für das Okkult-Adventure, solange bei euch Geschichte vor Gameplay kommt.
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