Test: The Crew

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Hinsetzen, anschnallen und durchtreten! Das 2007 gegründete Entwicklerstudio Ivory Tower mit Sitz in Lyon (Frankreich) veröffentlichte Anfang Dezember 2014, also nach etwa sechs Jahren Entwicklungszeit, ihr erstes Spiel: The Crew. In diesem MMO-Arcade-Racer steht euch ganz Amerika als Spielwiese zur Verfügung und um diese virtuelle Welt zu erschaffen, unterstützte Driver-Entwickler Ubisoft-Reflections das Studio bei der Entwicklung. Ehemalige Mitarbeiter von Eden Games (V-Rally Serie, Test Drive Unlimited 1 und 2) konnten außerdem für das neue Studio gewonnen werden und bringen ihre Erfahrung in Sachen Racern mit ins Team… öhm, in the Crew. Wir haben uns die Xbox One Version für euch angeschaut.

Die Story

Ja, eine Story hat es auch in dieses reine Online-Spiel geschafft, das übrigens eine dauerhafte Internetverbindung voraussetzt. Die Story könnt ihr als Crew mit euren Freunden bestreiten oder aber einfach alleine genießen. Beides ist möglich, letzteres aber etwas schwieriger. Die Story selbst ist dabei eher flach und schnell erzählt: Ihr werdet für den Mord an eurem Bruder eingebuchtet, den ihr aber natürlich nicht begangen habt. Eine pfiffige FBI-Ermittlerin möchte die verantwortlichen, korrupten Cops und die High Society im illegalen Renngeschäft hinter Gitter bringen und bietet euch dazu einen Job als Undercover-Informant an. Seid ihr erfolgreich, winkt der Strafferlass. Als ohnehin schon talentierter Fahrer müsst ihr nun auf der Straße überzeugen, um mit den dicken Fischen ins Geschäft zu kommen. Eine solche Geschichte wurde zwar schon oft erzählt, zwingt euch aber immerhin die gesamte Karte zu erkunden.

Und die Karte in The Crew ist gigantisch. Ganz Amerika steht für euch bereit, inkl. verschneiten Bergen, Wüsten, Großstädten und alles was das Original sonst so zu bieten hat. Natürlich ist die Karte etwas verkleinert und auf das Spiel angepasst, aber dennoch unglaublich riesig. Nach mehreren Stunden The Crew haben wir nicht annähernd die ganze Map aufgedeckt und deshalb noch lange nicht alles gesehen. Eine Fahrt von New York nach Los Angeles dauert mit einem einigermaßen schnellen Wagen etwa 2 Stunden – gigantisch. Wer sich auch mal abseits der Straßen umsieht, kann dort viele Dinge entdecken, etwa die Niagarafälle oder eine Raketenabschussbasis. Zwar erreicht The Crew bei weitem nicht den Detailgrad eines GTA 5 und auch die „Großstädte“ sind im virtuellen Amerika stark geschrumpft, die Entwickler haben den typischen Flair der Städte aber mal mehr mal weniger gut eingefangen. Viele Geschäfte wiederholen sich zu oft und auch die Texturen sind dort teilweise zu verwaschen, beim Vorbeirasen stört das aber nicht.The Crew Test 001

Du als Teil der Crew

Herzstück des Spiels ist natürlich die Crew, zu der ihr euch zusammenschließen könnt. Mit drei Freunden könnt ihr dann gemeinsam die Welt erkunden, an Rennen teilnehmen oder auch gegen andere Crews antreten (PvP). Geboten wird, Ubisoft typisch, eine ganze Menge, fast schon zu viel. Die Map ist zwar nicht ganz so mit Symbolen zugekleistert wie z.B. bei Far Cry und Assassins Creed, es geht aber schon stark in diese Richtung: Storymissionen, kleine Nebenmissionen, und Herausforderungen (etwa Slalom fahren) und mehr. Dazu noch Autohändler, Tuner, Onlinespieler, Crew-Mitglieder und so weiter und so fort. Anfangs wird man hier etwas von der Masse erschlagen.

Die gesamte Karte liegt Anfangs natürlich verborgen im Nebel. Wer jetzt denkt, er müsse mit dem Auto Türme erklimmen um ein Gebiet in der Karte zu verzeichnen, der irrt sich. Ihr müsst nichts weiter tun als zu fahren. Mit jedem Meter, den ihr in unbekanntem Terrain voranrollt, lichtet sich der Nebel auf der Karte. In freigelegte Bereiche könnt ihr an jede beliebige Stelle eine Schnellreise unternehmen. Auswählen, beamen, fertig. Lange Fahrten zum nächsten Ziel bzw. zu euren Crew-Mitgliedern bleiben euch so erspart.The Crew Test 002

Während sich die Wagen in The Crew Anfangs etwas schwerfällig steuern lassen, wird dies im späteren Spielverlauf zunehmend besser. Tuning sei Dank, denn an euren Wagen könnt ihr nach Lust und Laune herum schrauben und in den Optionen sogar einige Attribute der Steuerung ändern. Die Wagen steuern sich grundsätzlich natürlich sehr arcadelastig, was besonders bei den Off-Road Rennen richtig Laune macht. Für jedes Auto gibt es verschiedene Klassen, so sind etwa Off-Road Schlitten extrem hoch und mit fetten Reifen ausgestattet, markantestes Zeichen sind auch die Lampen an der Front. Straßenrennwagen hingegen sinf extrem tief und windschnittig. Was auch immer euch gefällt, ihr könnt es haben und das mit jedem Auto. Für den schnellen Wagenwechsel auf der Straße gibt es eine sogenannte mobile Garage.

Euer Wagen ist euer Charakter. Mit jedem gewonnen Rennen erhaltet ihr neue Teile und das Level eures Wagens, und damit natürlich auch die Leistung, steigen. The Crew bietet keine unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade, ist aber selbst für erfahrene Spieler eine Herausforderung. Die unterschiedlichen Rennen verlangen volle Konzentration, denn selbst ein kleiner Crash kann euch den Sieg kosten. Einfacher wird es in einer Crew, also mobilisiert eure Freunde oder lernt andere Fahrer kennen, die euch überall im virtuellen Amerika begegnen werden. Nach jedem Rennen bzw. jeder Herausfordern könnt ihr eure Punkte außerdem mit denen eurer Freunde vergleichen.The Crew Test 003

Da ist noch Luft nach oben

Leider wurde bei The Crew aber auch einiges vergeigt. Etwa die schwache KI, die bei Verfolgungsjagden immer den gleichen Fluchtweg fährt. Noch unglaubwürdiger wird das Ganze, wenn euch die Polizei am Hintern klebt, obwohl deren Fahrzeuge nicht annähernd mit eurem Tuning-Biest mithalten dürften. Ebenfalls fällt die doch recht schwache Next-Gen Optik auf, die mit anderen aktuellen Titeln schlicht nicht mithalten kann. Das Bild wirkt sehr körnig und es fehlt die Liebe zum Detail. Immerhin läuft das Spiel sehr flüssig und fällt laut Entwickler nicht unter die 30fps Marke. Störende Framerateeinbrüche konnten wir nicht beobachten. Weiteres Manko ist die Präsentation, die in den Zwischensequenzen der Missionen zwar absolut gelungen ist und gerade wegen des dröhnenden Sounds der Wagen ein Lächeln in unsere Gesichter zaubert, im Spiel selbst dann aber plötzlich abstinkt. Es ist, als würde nach den Sequenzen ein Hebel umgelegt werden, der einen Großteil der Atmosphäre raubt. Gerade Sound-Liebhabern wird dies negativ auffallen.

Riesige Map mit viel Abwechslung
Möglichkeiten mit Freunden zu fahren
Umfangreiche Tuning-Optionen
Schwache und teilweise unfaire KI
Grafik und Sound nicht auf Höhe der Zeit

Maik R.

Ganz Amerika in einem Spiel? Das gibt’s wohl nur in The Crew. Abwechslung ist da also schonmal geboten. Umfassende Tuningmöglichkeiten können lange motivieren und besonders die Möglichkeiten mit seinen Freunden als Crew zusammen durch die Gegend zu donnern, ist sehr unterhaltsam. Die schwache und teilweise unfaire KI, eine nicht ganz so starke Grafik und ein eher mittelmäßiger Sound sind die größten Minuspunkte des Titels. Einige, inzwischen größtenteils behobene, Bugs und Serverprobleme machten uns in den ersten Tagen außerdem besonders zu schaffen. Auch wenn The Crew nicht alles richtig macht, so macht es doch eins: Spaß. Und deshalb drehe ich auch nach dem Test weiter meine Runden im virtuellen Amerika.
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