Test: The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel

Gamer der ersten Stunde haben im Super Nintendo Zeitalter die Sternstunde der japanischen Rollenspiele miterlebt. Sei es ein Secret of Mana, ein Terranigma oder ein Lufia, alleine bei der Nennung dieser Namen werden nostalgische Gefühle und Erinnerungen an epische Abenteuer geweckt. Seither hatten es japanische Rollenspiele jedoch nicht sonderlich leicht diese Maßstäbe wieder zu erreichen, obwohl es gelegentlich immer wieder einige Ausnahmen wie beispielsweise das Persona Franchise gab. Eine unerwartete Überraschung durften wir allerdings nun mit The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel erleben, denn das eher als Mittelmaß eingeschätzte Spiel entpuppte als etwas ganz Besonderes.

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Die Geschichte von Class VII

Zugegebener Maßen handelt es sich bei der The Legend of Heroes nicht um ein neues Franchise, sondern um eine Reihe die ihren Ursprung im Jahre 1989 hat und seither diverse Ableger produzierte, von denen insbesondere Trails in the Sky so einige Erfolge aufweisen kann. Da es sich bei The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel um den ersten von insgesamt mittlerweile drei angekündigten Teilen einer neuen Geschichte handelt, ist der Titel ebenso für Neueinsteiger wie auch für Fans geeignet. So werden nicht nur frühere Geschehnisse aufgegriffen, auch werden diese neuen Spieler in mundgerechten Stückchen serviert.

Die Erzählung ist im erebonischen Imperium angesiedelt, in dem der Spieler die Rolle von Rean Schwarzer übernimmt, der frisch an der Thors Militärakademie seine Ausbildung beginnt. Mit insgesamt acht Mitschülern wird der Spieler der sogenannten „Class VII“ zugeteilt, einer Klasse die sich im Vergleich zu allen restlichen durch insbesondere ein Merkmal abhebt: Sowohl gewöhnliche als auch adelige Schüler werden hier zusammen unterrichtet und auf die gleiche gesellschaftliche Ebene gestellt, was in dem streng hierarchischen Erebonien als ziemlich ungewöhnlich angesehen werden kann und natürlich auch für ordentlich Konfliktpotential sorgt.

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Fortan verfolgt der Spieler in The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel den Fortschritt dieser Klasse insbesondere in zwei unterschiedlichen Phasen, die sich im Verlauf des Spiels mehrfach wiederholen. Zum einen finden wir uns hier in der Akademie Thors wieder, in der Kurse besucht und der Campus sowie die vorgelagerte Stadt frei erkundet werden können. Neben zahlreichen Quests ist es hier auch möglich mit den Einwohnern und Mitschülern Dialoge zu führen, um auf diese Weise an vielerlei Hintergrundinformationen zu gelangen. In diesem Punkt lässt sich bereits erstmalig die große Liebe zum Detail verspüren, die Entwickler Nihon Falcom hier hat einfließen lassen. Denn so lernt man nicht nur die zahlreichen Figuren kennen, die in anderen Spielen uninteressante NPCs darstellen, auch lassen sich hier zahlreiche kleine Nebengeschichten aus deren Alltag miterleben, die sich oftmals sogar über mehrere Tage erstrecken.

Die „Field Trainings“ stellen hingegen Erlebnisse dar, bei denen unsere Klasse die Akademie verlässt und in ganz Erebonien ihre Studien fortführt. Wie schon in der Akademie lässt sich hier wieder das gleiche Schema an Quests vorfinden, wie es schon an der Thors der Fall gewesen ist. Hier gilt es die einheimische Bevölkerung durch das absolvieren kleiner Aufgaben kennen zu lernen, die allerdings rein optional sind. Neben zwei solcher Quests lässt sich auch eine primäre Aufgabe, die die Story vorantreibt und diverse größere Ereignisse erzählt, die zu meist sehr spannend erzählt werden. Trails of Cold Steel erinnert dabei sehr stark an handelsübliche Action-Animes, bei denen auch eine ordentliche Dosis Highschool Comedy enthalten ist.

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Orbments und Quarze

Das Kampfsystem von The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel ist komplex und vor allem mit viel Potential für strategisches Vorgehen aufgebaut. Taktiker seien hier allerdings direkt gut beraten einen der beiden höchsten Schwierigkeitsgrade des Spiels auszuwählen, denn Grinding ist etwas, was in diesem Spiel kaum notwendig ist und die Kämpfe sonst einfach zu leicht ausfallen. Diese sind, abgesehen von Story-relevanten Begegnungen, zudem rein optional, da sich Gegner einfach umgehen lassen können.

Das Kampfsystem von The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel ist rundenbasiert und bietet dem Spieler die Möglichkeit mit fünf Charakteren, wovon einer als Support dient, am Kampfgeschehen teilzunehmen. Der Supportcharakter stellt dabei eine Art Auswechselspieler dar, der zu jedem Zeitpunkt eine andere Figur ablösen kann. Jeder Charakter kann während seines Zuges diverse Aktivitäten ausführen, wozu neben eines strategischen Positionswechsels und der Verwendung von Items auch die Auswahl aus drei unterschiedlichen Angriffstypen besteht.

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Neben normalen Angriffen stehen dem Spieler auch magische und technische Attacken zur Verfügung. Techniken werden durch höhere Charakterstufen freigeschaltet wohingegen Magieangriffe auf der sogenannten Orbal-Technologie basieren, die im The Legend of Heroes Universum die Grundlage der technologischen Entwicklung darstellt. Jeder Charakter verfügt hier über ein sogenanntes Orbment, in welchen Quarze eingesetzt werden können, die wiederum magische Attacken oder Verbesserungen von Attributen verleihen. Dem Spieler wird hier gänzlich freie Hand gelassen, welcher Charakter welche Funktion im Kampf erfüllen soll.

Ein weiteres wichtiges Feature stellen die Charakter-Links dar. Im Kampf lassen sich so immer zwei Charaktere miteinander verbinden, wodurch Combos und weitere nützliche Effekte hervorgerufen werden können. Diese Verlinkungen werden im Verlauf des Spiels stärker und bieten somit mehr Möglichkeiten im Kampf. Als Basis dient hier der Link-Level, welcher den Beziehungsstatus zweier Charaktere zueinander beschreibt. Erhöht wird dieser zum einen via durchgeführten Links und zum anderen durch spezielle Eventszenen, die der Spieler bis zu drei Mal pro Tag ausführen kann. Hierbei steht es dem Spieler offen mit welchen Charakteren Events durchgeführt werden sollen, allerdings gilt es hier Bedacht walten zu lassen, da meist mehr Events zur Auswahl stehen als durchgeführt werden können.

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Eine fast perfekte Präsentation

Optisch kann sich The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel wirklich sehen lassen, auch wenn sich die Charaktere etwas hölzern bewegen. Die verschiedenen Orte wurden mit viel Liebe zum Detail kreiert, was sich im gesamten Verlauf des Spiels wiederspiegelt. Dies beginnt bei den packenden und strategischen Kämpfen, geht hin über die abwechslungsreichen Quests und endet bei der tollen Synchronisierung. Letztere lässt sich aufgrund von Lizenzproblemen allerdings leider nur in englischer Sprachausgabe vorfinden, die dafür jedoch ungewöhnlich hochkarätig ausfällt und schon fast Japan-Niveau erreicht.

Neben der Sprachausgabe dürfen wir zudem einen weiteren wichtigen Punkt nicht vergessen, in welchem The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel deutlich punktet. Hierbei dreht es sich selbstverständlich um die musikalische Seite des Geschehens. Es kommt selten vor, dass ein Spiel einen derartig stimmigen und ins Ohr gehenden Soundtrack mitliefert, der nicht nur das Geschehen ausgezeichnet untermalt sondern auch zum Mitsummen animiert – Grandios!

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Hochkarätige Synchronisierung ...
Spannende Story
Großartiger Soundtrack
Wunderschöne optische Präsentation
Taktisch ansprechende Kämpfe
Viel Liebe zum Detail
... die leider nur in englisch daher kommt
Nicht alle Dialoge sind synchronisiert

Daniel M.

Im Verlauf der Jahre konnte ich Hand an unterschiedlichste japanische Spiele anlegen, von denen viele leider wesentlich schlechter waren, als das, was man sich als Fan von diesen erhofft hatte. Entsprechend niedrig angesetzt waren die Erwartungen an The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel, zumal der erste Blick wieder nur ein generisches JRPG versprach. Wie sehr ein solcher erster Eindruck jedoch von der Realität abweichen kann, zeigte sich bereits nach den ersten Spielstunden. Nach und nach offenbarte das Spiel seine wahre Natur, die nicht nur durch fesselnde Kämpfe sondern auch durch eine äußerst detaillierte Hintergrundgeschichte, die vielen tollen Charaktere und die rundum gelungene Präsentation vermittelt wurde. Besonders der Mix aus Kämpfen und dem friedlichen Leben an der Akademie konnte hier besonders bestechen, womit sich The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel für mich zu einem der besten JRPGs der letzten Jahren avanciert. Fans japanischer Rollenspiele sollten sich diesen Titel auf keinen Fall entgehen lassen!
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