Test: The Long Journey Home

Im Test: The Long Journey Home – Bildquelle: Daedalic Entertainment

Es gibt nicht viele große deutsche Spieleentwickler, und gleichzeitig gehört Hamburg hier zu den bedeutenderen Ballungsgebieten. Das wohl mit bekannteste Studio ist Daedalic Entertainment, welches vor allem für die herausragenden Point and Click Adventures Deponia, Edna bricht aus und The Whispered World bekannt geworden ist. Dass es allerdings auch anders geht, das zeigte die Spieleschmiede bereits im vergangenen Jahr mit The Long Journey Home.  Der Titel erschien 2017 erstmals für den PC, doch nun dürfen sich auch Xbox One und PlayStation 4 Spieler auf die lange Reise begeben, die deutlich anspruchsvoller daherkommt, als man zunächst denken mag.

Die lange kurze Reise

Die Weiten des Weltraums und was dort draußen alles für Abenteuer auf die Menschheit warten mögen – Der Abenteuersinn war stets das, was den Menschen angetrieben hat. Etwas Neues und Unbekanntes zu entdecken, hat ohne Frage seinen Reiz, dumm ist es nur, wenn man durch einen Unfall elendig weit von der Heimat strandet. So ergeht es auch uns in The Long Journey Home. Unser Raumschiff, mit vier Astronauten an Bord, muss sich nach einer fatalen Fehlfunktion nun auf die Heimreise machen, die es möglichst zu überleben gilt. Je nachdem wie sehr ihr euch von den Geschehnissen des Universums ablenken lasst, kann die Reise wenige Stunden bis Tage dauern.

Dabei kommt The Long Journey Home als eine interessante Mischung aus verschiedenen Gameplay-Elementen daher, die ihr so noch nicht gesehen habt. Der Titel fühlt sich fast schon wie eine Kombination aus Minispielen an. Dies beginnt mit der Steuerung durch die vielfältigen Sternensysteme. Wie in Faster Than Light (FTL) gilt es hier, von System zu System zu springen. Hier angekommen, gilt es allerdings die Physik zu beachten. Denn die Steuerung ist stellenweise realistisch nachempfunden.

Bildquelle: Daedalic Entertainment

So kommt das reguläre Sternensystem als 2D-Karte daher, auf der ihr euer Schiff navigieren müsst. Allerdings habt ihr nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung, zu denen auch Treibstoff zählt. Einfach Vollgas bringt also wenig. Entsprechend gilt es, sich die Himmelskörper des Systems zu Nutze zu machen. Mit dem richtigen Anflugvektor könnt ihr so die Gravitation eines Planeten oder Sterns nutzen, um Schub zu bekommen und eure Bahn zu beeinflussen. Aber selbstverständlich könnt ihr auf diesen auch landen – doch hier bitte zunächst einen Kurs um den Himmelskörper einschlagen und nicht drauf zusteuern!

Ressourcenknappheit

Ein Crewmitglied wird in die Landesonde gesetzt und schon beginnt die Außenmission. Auch diese kommt in 2D-Manier daher, und hier müsst ihr mit Schubregler die Landungsfähre entsprechend navigieren. Je nach Planet kann dies allerdings nicht gerade ungefährlich sein. Hohe Schwerkraft sorgt für harte bzw. schwierige Landungen, Winde machen das Navigieren beschwerlich und Lava sorgt für steten Hitzeschaden. Diese Planeten machen die Arbeit daher besonders kompliziert, denn das Abernten ist mit großen Risiken verbunden.

Bildquelle: Daedalic Entertainment

Auf Gasriesen können wir bspw. Gase aus der Atmosphäre fischen, doch dafür müssen wir sehr präzise fliegen – zumal die Gase im Wind davonwehen. Lohnt sich das Landen auf einem Planeten mit großer Schwerkraft? Gerade der Rückflug verbraucht hier verdammt viel Treibstoff. Wenn wir das Landemodul verlieren, verlieren wir nicht nur unseren Piloten sondern auch die Möglichkeit, Ressourcen zu erhalten. Damit scheitert die Rückreise sehr schnell. Eine harte Landung kann übrigens euer Crewmitglied auch verletzen – Wunden oder Krankheiten sind die Folge. Hat eurer Crewmitglied fünf Wehwehchen, stirbt es – also gut aufpassen, denn es kann nicht ersetzt werden!

Die Ressourcen, die bspw. für Antrieb, Hyperantrieb und Lebenserhaltung benötigt werden, lassen sich auf den Planeten der Sternensysteme finden. Wenn ihr ein solches System erreicht, habt ihr dank Scanner bereits eine gute Übersicht, was ihr hier abernten könnt. Damit ist im Grunde auch schon das Grundrezept hinter The Long Journey Home erklärt: Sich von System zu System bewegen, nötige Ressourcen zusammenkratzen und hoffentlich lebendig zur Erde zurückkehren. Doch natürlich warten noch andere Gefahren auf euch.

Bildquelle: Daedalic Entertainment

Nicht allein

Wer hätte es gedacht? Wir sind nicht allein im Weltraum! Verschiedene Spezies bevölkern die unterschiedlichen Regionen der Milchstraße, mit denen wir auch in Kontakt treten können und werden. In diesem Rahmen gibt es auch zahlreiche spannende und witzige Quests zu erleben, und jede Spezies kommt mit einem ganz eigenen Flair daher. Die Quests selbst sind ebenfalls sehr abwechslungsreich, wenn auch gelegentlich nicht ganz ungefährlich. Eine galaktische Rally quer durch ein Asteroidenfeld? Natürlich winkt hier eine ordentliche Belohnung, doch sind Hüllenbrüche das wert? Übrigens gibt es natürlich auch kriegerische Spezies, sodass spaßige Feuergefechte ebenfalls mit dabei sind, jedoch alles andere als den Mittelpunkt des Spiels darstellen.

Schlussendlich muss im Hinterkopf bleiben, dass The Long Journey Home ein Rogue-like ist. Der Titel ist alles andere als einfach. So kann es öfters vorkommen, dass die Lebenserhaltungssysteme versagen, einzelne Crewmitglieder an Verletzungen verenden und Hüllenbrüche zusätzlichen Stress verusachen. Und hin und wieder flucht man, welcher Depp das Schiff schon wieder in einer Sonne geparkt hat – wohlwissend, dass dies auf die eigene Unachtsamkeit zurückzuführen ist. Ist der Weg nach Hause jedoch geschafft, ist das Belohnungsgefühl umso größer.

Bildquelle: Daedalic Entertainment

Abwechslungsreiche Galaxiebereiche
Wunderschöne Inszenierung
Unterschiedliche Schiffe/Charaktere/Upgrades
Spannende Heimreise
Unterhaltsame Quests und Aliens
Tutorial nicht umfassend genug
Stellenweise zu arge Schwierigkeitsspitzen
Teils repetitive Minispiele

Daniel Meyer

The Long Journey Home ist ein kleiner Überraschungstitel, der gerade für Indie-Fans zu empfehlen ist, die nicht den x-ten Teil von Call of Duty, Assassin’s Creed oder Fallout spielen möchten. Daedalic hat hier ein kleines aber sehr feines Rogue-like Adventure auf die Beine gestellt, das sich zudem von den meisten Genrevertretern deutlich abhebt – zumindest, was die spielerische Art und Weise angeht. Dabei stellt vor allem das vom Prinzip simpel gestrickte Ressourcen-Sammeln die größte Gefahr dar, denn die Landungssonde zu übersteuern, passiert nur allzu leicht. Kurz nicht aufgepasst, und schon wird sie stark beschädigt. Planung, Sorgfalt und eine klare Strategie gehören zu The Long Journey Home ohne Frage dazu, sofern man es heil nach Hause schaffen möchte.
Test: A Thief's Fortune Test: Just Cause 4
Comments