Test: The Walking Dead: A New Frontier-Episode 3

Die 3. Episode von Telltale Games‚ The Walking Dead: A New Frontier mit dem Titel „Über dem Gesetz“ erschien nach langem Warten am 28. März . Natürlich mussten wir uns in dieser mit Protagonist Javier Garcia erneut mit reichlich Untoten aber auch allzu menschlichen Problemen herumgeschlagen. Gut, dass Javi einen Baseballschläger bei sich trägt – für Zombies und für Menschen.

Test: The Walking Dead: A New Frontier-Episode 3

Im Januar erschienen im ungewohnten Doppelpack die ersten beiden Episoden „Verpflichtende Bande: Teil 1“ und „Verpflichtende Bande: Teil 2“, welche uns mit einem gehörigen Cliffhanger zurückließen. Unsere Review der ersten beiden Episoden findet ihr hier. Telltale thematisiert in der 3. Staffel von The Walking Dead durch die Rolle des neuen Protagonisten Javier die Bedeutung von Familie, Bindungen und Zugehörigkeit.

*Spoiler-Warnung* Wir werden im Rahmen der Rezension auf einige Geschehnisse und Entscheidungen eingehen, die wir euch ungerne vorweg nehmen würden. Lest euch die Rezension also erst durch, nachdem ihr die Episoden selbst gespielt habt. Spoilerfrei ist unser Fazit weiter unten.

Neustart in New Richmond?

Test: The Walking Dead: A New Frontier-Episode 3

Können wir David vertrauen?

Nachdem Prescott von der blutrünstigen Gemeinschaft New Frontier zerstört wurde, begeben wir uns in die Höhle des Löwen: Das von der New Frontier besetzte Richmond, um das Leben der schwer verletzten Kate zu retten. Mit Feindseligkeit hatten wir gerechnet, aber nicht damit, dass einer der vier Anführer der New Frontier Javiers tot geglaubter Bruder David ist. Wie gehen wir mit der Situation um? Wer ist unser Feind? Wem können wir trauen? Welche Familie bedeutet uns mehr? Doch nicht nur in uns scheint es zu brodeln, auch in den sicher geglaubten Mauern von Richmond stimmt so einiges nicht.

Javiers Bruder David wurde uns von Anfang an als unangenehmer und nicht sehr liebenswerter Charakter präsentiert, welcher seinem Bruder eine reinhaut und seine Frau schlecht behandelt. Auch wenn eine Zombie-Apokalypse einen Menschen deutlich verändern kann – auch Javier hat sich stark gewandelt – sind wir uns bei David unsicher. Er ließ seine Frau, Kinder und seinen Bruder nach dem Ausbruch der Zombie-Invasion einfach zurück und ist der Anführer einer Organisation, von welcher wir bisher nur kaltherzige Mörder kennen lernten. Die Familie, die wir mittlerweile haben, ist uns sehr ans Herz gewachsen und dass David diese äußerst schlecht behandelt, bringt nur noch mehr Minuspunkte auf sein Konto. Blut ist dicker als Wasser kann hier also keinesfalls gelten.

Viel Tale Telling im Telltale Spiel

In bekannter Telltale-Manier müssen wir auch in A New Frontier neben Quicktime-Events und einigen Erkundungen im Point-and-Click-Stil vor allem unter Zeitdruck zwischen verschiedenen Antworten wählen, welche den Charakter von Javier formen und den Verlauf der Geschichte bestimmen. Die Episode „Über dem Gesetz“ legt den Fokus stark auf die letzte Mechanik, die Gespräche und unsere gewählten Antworten. Actionszenen mit wildem Q und E Gedrücke gibt es kaum und auch nur in der ersten Hälfte der Episode. Das stört uns allerings nicht, denn die verworrenen Geschehnisse in Richmond und die vielen neuen Charaktere verlangen nach Erklärungen.

Javi und Clem are goin‘ strong

Stets haben wir uns bemüht, Javier nett, aufopfernd und ehrlich zu gestalten. Diese Werte soll er vertreten. In Über dem Gesetz gewinnt Javier weitere Dimensionen dazu. Wir üben aktiv Rache und müssen uns gegen Gefahren innerhalb der menschlichen Gemeinde stellen. Durch die Verstrickungen in Richmond wird es immer schwieriger, unsere Familie zusammenzuhalten. Wir wollen allen gerecht werden und keinen Streit provozieren, doch auf Rache und Wahrheit müssen wir bestehen und handeln uns so einigen Ärger ein.

Die Flashbacks sind auch in dieser Episode sehr emotional und verleihen der Geschichte mehr Tiefe. Wir treffen in diesen Entscheidungen, welche aktuelle Situationen erklären und die Charaktere verständlicher und vielschichtiger gestalten- das gilt besonders für Clementine und Javier. Wir erfahren so, welche Verbindung Clementine zu der New Frontier hat, warum sie auf diese so schlecht zu sprechen ist und vor allem, wie sie zu der toughen jungen Frau geworden ist, die wir in der Staffel kennenlernen.

Die Folge wird mit einem Flashback Javiers eröffnet, in der er sich, vorher als Aussenseiter, der Familie seines Bruders endgültig annimmt und sie beschützt. Die so geschaffenen tiefe Bindung verleiht Geschehnissen im Nachhinein mehr Gewicht und trägt dazu bei, in folgenden Situationen emotionaler auf Entscheidungen zu reagieren.

Leider wird nicht allen Charakteren so viel Aufmerksamkeit gewidmet. So haben wir uns zwar sehr über den Auftritt von Serien-Liebling Jesus gefreut, dieser hat allerdings keinen allzu großen Einfluss auf die Geschichte und verschwindet in der 3. Episode fast ohne großes Aufsehen. Wir hoffen natürlich, dass er in den nächsten Folgen noch einen spektakulären Auftritt haben wird, aber fürs erste tauchte er auf, war cool und ging wieder – wie Jesus.

We found love in a hopeless place?

Test: The Walking Dead: A New Frontier-Episode 3

Ich muss ehrlich sagen: Kate ist mir nicht besonders sympathisch. Natürlich bin ich besorgt um sie und stimme mit ihr überein, dass David kein guter Ehemann ist. Doch dass sie sich bei jeder Gelegenheit, sowohl vor der Zombie-Apokalypse als auch danach, an mich heranmacht und alle anderen Charaktere mich auf unser Verhältnis ansprechen, ist zu viel. Stets habe ich nette aber abweisende Optionen gewählt, wenn es romantisch wurde. Und trotzdem sagt mir das Spiel immer wieder, ich solle doch bitte eine Liebesbeziehung zu meiner Schwägerin aufbauen. Meine Entscheidung scheint wenig zu zählen, seltsam in einem Spiel, in dem es fast ausschließlich darum geht, die Geschichte durch seine Entscheidungen zu beeinflussen. Telltale plant hier wohl in den kommenden Episoden einen Showdown zwischen Javier, Kate und David und dafür ist das Liebesdreieck einfach notwendig.

Flackernde Bäume und ein Rucksack auf Abwegen

Obwohl durch die lange Entwicklungszeit der 3. Episode Entwickler Telltale eigentlich alle Glitches und Probleme behoben haben sollte, sind uns doch einige untergekommen. Neben flackernden Bäumen entwickelte der Rucksack von Javier ein Eigenleben und glitchte über den gesamten Bildschirm. Nichts, was wir mit einem Neustart des Spiels nicht behoben bekommen haben, allerdings hatten wir gehofft, eine einwandfreie Episode abgeliefert zu bekommen.

Während uns Episode 1 und 2 oft mit offenem Mund und entgeistertem Ausdruck zurückließen, sind die Entwicklungen in Episode 3 recht vorhersehrbar. Die erste Hälfte der Episode hält einige actionreiche Situationen und schwierige Entscheidungen bereit, die zweite Hälfte fällt dagegen jedoch stark ab und hält wenig Überraschungen bereit. Dass die New Frontier keine großzügigen Menschen mit weißen Westen sind, verwundert uns nicht – Brandzeichen sind nie ein gutes Omen.

Wir lauschen in Über dem Gesetz recht vielen Gesprächen, da viele neue Personen und Beziehungen eingeführt werden. Zweifellos wurde in der 3. Episode durch die vielen Verbindungsstränge der Grundstein für das Finale gelegt, Javiers Situation wird immer aussichtsloser und kaum eine Entscheidung führt zu einem klaren positiven Ausgang. Doch das Ende stellte uns nicht zufrieden. Dass die Episode zu Ende war, haben wir erst einmal gar nicht realisiert. Es war zu abrupt und wirkte eher wie eine Überleitung zu einer weiteren Szene. Auch kam uns die Folge recht kurz vor und deshalb haben wir einfach noch mehr erwartet. Wie wir Telltale kennen, ist dies nur die Ruhe vor dem Sturm und wir harren der nächsten Folgen, die hoffentlich mit schockierenden und emotionalen Wendepunkten sowie packenden Entscheidungen gespickt sind.

Die nächste und vorletzte Episode „Dicker als Wasser“ soll noch in diesem Monat, April, erscheinen. Der Titel lässt vermuten, dass Javier sich endgültig für eine Familie entscheiden muss.

Viele schwierige Entscheidungen
Rückblenden gehen auf Charakterentwicklung ein
Clementine hat viele Badass-Momente
Javier bleibt spannender Protagonist
Enormer Spannungsaufbau für weitere Episoden
Episode kommt einem recht kurz vor
Keine Jaw-Dropping Twists
Ende zu abrupt und ohne große Überraschungen
Einige technische Fehler und Glitches

Nele

Nach dem bombastischen und schockierenden Start der ersten beiden Episoden, geraten wir in "Über dem Gesetz" zusehends tiefer in ein Netz verstrickter menschlicher Beziehungen und lauschen vor allem Gesprächen. Richmond erweist sich als alles andere als eine sichere Zuflucht und der Konflikt in der New Frontier, sowie in Javier selbst, stehen kurz vor einem Ausbruch. Wem können wir vertrauen und welcher Familie fühlen wir uns mehr verbunden? Protagonist Javier sieht sich in der 3. Episode vor schwierige Entscheidungen und Zweifel gestellt. Wir lernen ihn außerdem von einer anderen, schwärzen Seite kennen. Die gut inszenierten Flashbacks verleihen der Geschichte mehr emotionale Schwere und lassen uns die Charaktere besser verstehen. Obwohl das Ende der Episode zu sehr einem Klischee glich und die Entwicklungen keine allzu großen Überraschungen bereit hielten, sind die Grundsteine für ein mitreißendes und emotionales Finale in den nächsten beiden Episoden gelegt.

David O.

Die lange Pause zwischen Episode 2 und 3 haben die Erwartung nochmal ein Stück erhöht, weswegen wir kaum abwarten konnten zu erfahren was mit unserer Gruppe in Richmond passiert. Bekommen haben wir eine solide Episode die sehr gesprächslastig war. Trotzdem gab es kaum Verschnaufpausen, da wir uns durch enorme moralische Zwickmühlen kämpfen mussten. Der Fokus lag ganz klar auf der Bestimmung unserer Loyalität gegenüber einer Fraktion, was definitiv eine spannungsgeladene Atmosphäre erzeugt. Viel Zeit zum erneuten Einleben in der Welt der Zombies bleibt jedoch, dank der knappen 2 Stunden Spielzeit, wieder einmal kaum. Stattdessen bekommen wir erneut einen abrupten Cut, anstatt einen deftigen Cliffhanger. Wir hoffen nun auf einen krassen (und hoffentlich nicht zu kurzen) Endspurt mit einem brandheißen Staffel-Finale - Bring it on, Telltale!
Drawn to Death: Was taugt der PS4-Shooter? Test: A Rose in the Twilight
Comments