Test: The Witcher 3: Blood & Wine

Test: Witcher 3: Blood & Wine

Blood & Wine ist das neuste, aber zugleich auch letzte Abenteuer des Hexers Gerald.

Blut und Wein – um diese zwei Kernelemente dreht sich das neuste Abenteuer des Hexers Geralt von Riva. Mit dem zweiten DLC Blood & Wine schickt uns CD Projekt Red ein letztes Mal auf eine extraordinäre Reise durch die raue Welt des Zauberers. Mit geschärfter Klinge, gesatteltem Pferd und einer Fuhre hoher Erwartungen haben wir uns in das mörderische Unterfangen gestürzt und verraten euch nun, wie viel die Erweiterung taugt.

Willkommen im Land des guten Weins

Bevor ihr mit eurer Plötze in das neue Gebiet aufbrecht, habt ihr wie auch schon bei Hearts of Stone die Wahl, ob ihr euren Gerald aus dem Hauptspiel inklusive all eurer Ausrüstung und Items übernehmt oder einen vorgefertigten Helden der Stufe 34 ins Rennen schickt. Habt ihr eure Wahl getroffen, so ereilt euch eine Botschaft. Eine alte Bekanntschaft eurerseits hat einen Auftrag und bittet dringlichst um die Hilfe eines Experten. So schwingt ihr euch in den Sattel und reitet nach Süden in das bildhübsche Weinland Toussaint.

In Toussaint erwartet euch eine schöne Abwechslung zu den verdorrten Landschaften des Niemandslandes und den kalten Bergen von Skellige. Das Südland sprießt nämlich so vor farbenfrohen Facetten und entführt einen in eine idyllische Märchenwelt. Schon bei der Anreise fällt euch der Fürstensitz ins Auge, der einen Wiedererkennungswert für das Spiel kreiert, wie Anor Londo in Dark Souls. Doch der Schein trügt, da ihr umgehend von den Umständen erfahrt, unter denen das Fürstentum zu leiden hat.

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Wenn Toussaint in seinem vollen Glanz erscheint, müsste man den Moment eigentlich festhalten. Schade nur, dass Gerald keine Kamera hat.

Die gnädige Herrin

Geralds alte Bekannte, die niemand geringeres als die Fürstin höchstpersönlich ist, informiert euch über einen Serienmörder, der sich die ehrenwerten Ritter Toussaints vorknöpft – und ja, in dem Märchenstaat sind Tugenden wie Ehre, Großzügigkeit und Nächstenliebe noch nicht dem Untergang geweiht. Demnach startet ihr eure Ermittlungen und werdet dabei in eine mysteriöse Verschwörung hineingezogen, bei der Intrigen, Verrat und Rachsucht nicht zu kurz kommen.

Während eurer fortschreitenden Untersuchungen trefft ihr dabei sowohl auf neue und alte Freunde, die für die nötige Charaktervielfalt sorgen, euch helfen das Geheimnis zu lüften und den Mörder zu überführen. Dabei wird stets euer Gewissen auf die Probe gestellt, denn auf beiden Seiten finden sich Charaktere, die nicht unbedingt der Schublade Gut oder Böse zugeordnet werden können. Bei den Entscheidungen, die ihr teils unter Zeitdruck treffen müsst, könnt ihr also schnell mal einen Fehler begehen, wovon die Dramaturgie der Story enorm profitiert. Außerdem wurde auch an die Fans der Romanvorlagen gedacht. Hier und da gibt es ein paar kleine Anspielungen, die für ein Schmunzeln bei den Lesern sorgen dürften.

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Mit der gnädigen Herrin treffen wir auf eine von vielen alten Bekannten des Hexers.

Das Monster von Toussaint

Zu den faszinierenden Landstrichen von Toussaint haben wir zuvor genug Lob ausgesprochen, doch eine solche Kulisse an sich macht eine Welt noch lange nicht glaubhaft. Es sind hier vor allem Monster, bei denen man merkt, dass sich die Jungs und Mädels von CD Projekt Red etwas von ihrem Einfallsreichtum bis zum Ende aufgespart haben. Denn neben schwarzen Panthern und anderen „gewöhnlichen“ Feinden, die es im kalten Norden nicht gibt, trefft ihr auf mehr als 20 neue Monstertypen, von denen einer interessanter aussieht als der andere. Zum Teil begegnet ihr dabei sogar einigen Kreaturen aus den beiden Vorgängern, was durchweg eine echte Bereicherung für alle Witcher-Fans ist.

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Streift ihr durch die Wälder Toussaints, so nehmt euch vor den unangenehmen Viechern in Acht.

Der gewöhnliche Hexeralltag

Neben der wirklich starken Hauptstory erwarten uns natürlich wieder etliche Nebenquests in Form von Hexer-Aufträgen, Schatzsuchen und zahlreichen absurden Aktivitäten. Auch hier haben die Entwickler ihre großen Geschütze aufgefahren. So müsst ihr etwa das Haus der drei kleinen Schweinchen umpusten, wenn ihr nicht gerade durch die massive Bürokratie einer Bankfiliale gejagt werdet, um die notwendigen Dokumente für euer Bankschließfach zu erhalten.

Doch das ist bei Weitem nicht alles! Da es in Toussaint noch Ritter von Ehre gibt, wird ein Turnier veranstaltet, bei dem klassische Disziplinen wie Bogenschießen, Schwertkampf oder bewaffnetes Reiten auf der Agenda stehen. Bei der Teilnahme erhaltet ihr sogar eure eigene Ritterrüstung.

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Was ist spannender für das gewöhnliche Volk als ein Arenakampf gegen eine teuflische Bestie.

Und was wäre ein Witcher-Addon ohne eine kundige Partie Gwint. Dieses Mal erwartet euch sogar ein neuer Kartensatz, der die Skellige-Fraktion auf den virtuellen Kartentisch bringt. Mit diesem könnt ihr dann am Gwint-Tunier von Toussaint teilnehmen und euch mit den Besten der Besten messen.

Bei den Schatzsuchen stehen euch sechs neue Schema-Sets der Hexerschule zur Verfügung, die nur darauf warten gefunden und zur Herstellung einzigartiger Ausrüstung genutzt zu werden. Wenn ihr all diese Aufgaben bewältigt, so habt ihr nach Beendigung des DLCs wohl mindestens 30 Stunden auf der Uhr. Ein ziemlich lobenswerter Umfang für freundliche 19,99€.

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Auf eurer Reise lohnt es sich hier und dort mal einen Abstecher zu machen und die wertvollen Schätze einzusacken.

Des Hexers Haus

Doch seien wir mal ehrlich. Gerald ist nicht gerade der Typ, der sich ein Grundstück kauft, ein Haus baut und sich niederlässt. Doch genau dieses absurde Szenario schafft es Blood & Wine glaubhaft verkauft. Schließlich sorgt die Herrin von Toussaint persönlich dafür, dass es der angeheuerte Detektiv bequem hat. So sind wir kaum einen Tag in dem Fürstentum und schon fällt uns ein halber Großgrund inklusive Anwesen in den Schoß.

Allerdings ist der Verfall der Zeit über das besagte Grundstück gezogen, sodass ein paar Renovierungsarbeiten vonnöten sind. Deshalb habt ihr den Haushofmeister an eurer Seite, bei dem ihr eure Sanierungswünsche für ein paar Groschen in die Tat umsetzten könnt. Dekorationen wie Bilder und Pokale, die ihr erlangt habt können in dem Haus platziert werden, ebenso wie Waffen und Rüstungen auf den dazugehörigen Ständern. So wird über die Zeit aus dem baufälligen Gebäude ein kleiner Palast.

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Eure hart verdienten Moneten könnt ihr in euer Anwesen stecken, indem ihr dies ausbaut.

Aber nicht nur optisch könnt ihr euren privaten Rückzugsort verbessern. Mit einem Schleifstein und einer Rüstungswerkbank verleiht ihr eurer Ausrüstung vorübergehend vorteilhafte Effekte. Darüber hinaus findet ihr im Garten einen eigenen Kräuteranbau für die alchemischen Rezepte. Im Haus hat Gerald nun sogar sein eigenes Bett, welches ihm bei Benutzung vorübergehend einen Vitalitäs- und Erfahrungspunktebonus verleiht.

Das „Forschunslabor“

Im Keller erwartet uns sogar ein völlig neues Feature und zwar können nun Mutationen hergestellt werden. Das sind mächtige Effekte, von denen wir nur eins gleichzeitig ausrüsten können. Ansonsten wäre Gerald auch eine absolute Übermacht. Mit diesen Effekten könnt ihr in etwa Zeichen kritische Treffer hinzufügen oder einem Armbrustpfeil die Fähigkeit verleihen, Gegner zu durchbohren und dabei nicht nur Schaden zu verursachen, sondern sie auch zu lähmen. Hier haben die Entwickler all die Features des Spiels aufgeputscht, die im Hauptspiel aufgrund ihrer Schwächen nicht besonders beliebt waren. Chapeau an die Verantwortlichen!

Um diese Mutationen zu benutzen, erfordert es jedoch ein wenig Arbeit. Ihr müsst Mutagene und Fertigkeitspunkte benutzen, um eine Mutation zu kreieren. Auch wenn man nur eine Mutation ausrüsten kann, so lohnt es sich durchaus alle zu erforschen. Dadurch erhaltet ihr nämlich vier weitere Fertigkeitsplätze. In diese könnt ihr aber nur die zu der Mutation entsprechende Fertigkeit legen. Habt ihr eine Mutation für eure Zeichen, so könnt ihr nur Fertigkeiten bezüglich dieser in die Slots packen.

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Der Haushofmeister steht euch jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Die Jungs wissen was sie tun

Insgesamt haben die Entwickler aber auch die kleinen Dinge überarbeitet. Darunter zählt unter anderem das Interface, welches nun viel praktischer genutzt werden kann und sehr viel übersichtlicher wirkt als zuvor. Es gibt zudem zahlreiche neue Waffen, Rüstungen und Items, die ganz unterschiedliche neue Boni mit sich bringen. Diese hier zu erklären lassen wir an dieser Stelle aus, da wir euch sonst den Reiz nehmen würden, diese selbst zu entdecken. Es sei bloß gesagt, dass diese Inhalte so umfangreich sind, dass sie es wert wären eigene Guides spendiert zu kriegen.

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Die Ritter von Toussaint sind ehrenwerte Soldaten und waschechte Recken.

Auch das schönste Pferd kann hässlich sein

Was uns jedoch förmlich in die Weißglut getrieben hat, sind die Ladezeiten. Ja, das DLC ist umfangreich und muss dementsprechend etwas länger laden als manch anderer Titel. Doch Blood & Wine lädt so ewig lange, dass man nach zwei, drei Toden an derselben Stelle aufgrund von Ungeduld und Frust den Schwierigkeitsgrad runterschrauben möchte.

Zudem hängt manchmal die Kamera in den Kämpfen etwas hinterher, sodass man gerne mal nicht vom Gegner wegrollt, sondern genau in seinen Angriff rutscht. Hinzu kommt die grausige Steuerung von Plötze, dem Pferd des Hexers. Diese ist so sensibel, dass man an jedem Baum, jeder Ecke gar jedem kleinen Stein hängen bleibt. Aber das ist an dieser Stelle eher ein Problem aus dem Hauptspiel und viel weniger der Erweiterung. Und auch hier und da finden sich ein paar optische Bugs, die einen kurz aus der sonst so gelungenen Illusion reißen, aber sich nicht gravierend auf das Spielerlebnis auswirken.

Auch das schönste Pferd kann hässlich sein

Auch Gerald ist sich nicht immer sicher, ob er glauben soll, was er gerade sieht.

Grandioser Schauplatz
Genialer Abwechslungsreichtum
Kreative Monster
Tolle Neuerungen
Packende Story
Interessantes Housing
Ausgemerzte Schwächen
Lobenswerter Umfang
Endlose Ladezeiten
Kleine Grafikbugs
Nachhängende Kamera

Oliver K

Mit Blood and Wine wird ein irrsinniges Meisterwerk gekrönt von einem famosen Abschluss. CD Projekt Red hat es geschafft das hohe Niveau von The Witcher 3 noch einmal anzuziehen und den Titel mit dem Abschluss fast zur Vervollkommnung getriezt. Aus den klitzekleinen Schwächen des Hauptspiels wurden Stärken und aus den starken Features wurden noch größere Eckpfeiler. Ein großer Held der Videospielgeschichte findet hier einen würdigen Abschluss und verschwindet mit viel Aufsehen und Begeisterung von der Bildfläche.
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