Test: The World Ends With You – Final Remix

Fans japanischer Rollenspiele, insbesondere solcher, die einen frischen Wind in das Genre bringen, kann The World Ends With You – Final Remix nur ans Herz gelegt werden. Der Nintendo Switch Port ist auch heute, geschlagene elf Jahre seit dem erstmaligen Launch auf dem Nintendo DS, noch immer spielenswert, auch wenn man dem Titel anmerkt, dass der Zahn der Zeit hier bereits einige Spuren hinterlassen hat. Aber gehen wir doch etwas näher auf den Titel selbst ein, den ihr ab sofort auf der Switch spielen könnt!

Noch immer ein Ausnahme-Titel

Solltet ihr das Original aus dem Jahr 2011 auf dem Nintendo DS noch nicht gespielt haben, so dürft ihr euch auf etwas ganz Besonderes gefasst machen. The World Ends With You – Final Remix gehört nämlich zu der Sorte Spiel, die nur wenige Male pro Konsolen- bzw. Handheld-Generation zu Tage tritt. Es sind diese Ausnahme-Spiele, die teils noch Jahre in Erinnerung bleiben und oft mit bestimmten technischen oder spielerischen Merkmalen zu überzeugen wissen.

Die Geschichte rückt den jungen Neku Sakuraba in den Mittelpunkt des Geschehens, der sich mitten im Tokioter Distrikt Shibuya wiederfindet und zudem nicht weiß, wie er hierhin gekommen ist. Schnell stellt sich heraus, dass er tot ist. Er soll am „Reapers Game“ teilnehmen, bei dem die frisch Verstorbenen die Chance bekommen, ihr Leben zurückzugewinnen.

Erschwert wird dies, da Neku Partner finden muss, mit denen es darum geht, die anstehenden Herausforderungen zusammen zu meistern. Denn während dies normalerweise kein großes Problem darstellt, so ist es für Neku alles andere als leicht, denn er hat ein kleines Problem damit, anderen zu vertrauen. Dass dies den Grundstein für einen tiefer reichenden Story-Aufhänger darstellt, ist dabei wenig überraschend. Allerdings hat Neku nur eine Woche Zeit beim dem Reapers Game lebendig als Sieger herauszutreten.

Du bist nicht allein!

Zugegeben, der Anfang des Spiels ist etwas irritierend. Wir finden uns in Shibuya wieder und die Massen an Passanten reagieren nicht auf uns. Zudem kann er durch einen mysteriösen Pin die Gedanken der Menschen lesen und auf seinem Handy taucht eine vermeintliche Spamnachricht auf. Wenn er einen bestimmten Ort nicht innerhalb von 60 Minuten erreicht, würde er ausgelöscht werden. Als dann jedoch ein Countdown auf seiner Hand auftaucht und fiese Monsterfrösche auftauchen und einen Kampf inszenieren, wird schnell klar, dass hier etwas ganz Besonders im Argen liegt.

Zum Glück stößt Neku anschließend auf das Mädchen Shiki, mit der er gezwungenermaßen einen Pakt eingeht, um gegen die Monster bestehen zu können. Kurz darauf erhält er einen weiteren Pin, mit dem er Feuerbälle verschießen und den Kampf wenden kann.  Von diesen Pins gibt es zudem im gesamten Spiel rund 300 Stück zu finden, die unser Leben, oder besser gesagt unser Überleben, vereinfachen. Während viele davon einfach nur zum Kämpfen genutzt werden können – sei es zu Angriff, zum Heilen oder zum Unterstützen – so sind manche deutlich wichtiger, um die Story voranzubringen.

Schlussendlich finden wir uns nämlich in einer etwas makabren Schnitzeljagd wieder. Hier gilt es, stets unter Zeitdruck, von einem Punkt zum nächsten in Tokio zu hetzen. Dabei müssen wir Rätsel lösen, Hinweisen nachgehen und sogar die Gehirne der Menschen waschen. Nicht etwa mit Seife, sondern mit einem speziellen Pin. Mit diesem können wir den Menschen nämlich fremdes Gedankengut einpflanzen, quasi Fake-News. Die Idee dahinter ist simpel, denn so können wir an wichtige Informationen gelangen. Da die Menschen uns nicht wahrnehmen können, ist dies quasi eine der wenigen Möglichkeiten einer Interaktion.

Aber nicht nur im Spiel selbst ist es wichtig, Bande mit anderen Charakteren einzugehen, auch könnt ihr nun einen Mitspieler ins Spiel eingreifen lassen. Via Koop kann sich so einer Freund schnell und einfach in die Kämpfe einschalten, sodass hier etwas Support gegeben ist. Allerdings ist es hilfreich, wenn dieser Mitspieler The World Ends With You – Final Remix, bzw. das Original für den NDS oder den iOS-Ableger schon gespielt hat. Ist man gut aufeinander abgestimmt, ist es möglich, die richtig verheerenden Komboattacken schnell und effektiv zu starten!

Stylisch und klangvoll

Neben dem recht originellen Storyverlauf, welcher natürlich auch mit vielen Wendungen, weiteren interessanten Charakteren und spannenden Kämpfen daherkommt, besticht The World Ends With You – Final Remix vor allem durch Optik und Sound. Zwar lässt sich hinsichtlich der Präsentation schon gut erkennen, dass dies ein Game ist, welches für den NDS entwickelt wurde, doch auch heute ist der Titel noch sehr ansehnlich und stylisch. Allerdings ist aufgrund des zeitlichen Verfalls eher der Handheld-Modus zu empfehlen, als das Game auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer zu spielen, was auch aufgrund der Touch-Steuerung deutlich besser funktioniert. Diese ist wesentlich intuitiver als die JoyCon-Alternative.

Besonders bemerkenswert bleibt zudem der Soundtrack des Komponisten Takeharu Ishimoto, der schon an Soundtracks von bekannten Spiele-Serien wie Kingdom Hearts und Final Fantasy beteiligt gewesen ist. In The World Ends With You – Final Remix dürft ihr euch so auf den originalen Soundtrack des Games freuen, aber auch auf eine Remix-Fassung. In letzterer bekommt ihr es mit Remix-Versionen der bekannten Pop-, Rock- und Hip-Hop-Tracks zu tun. Welchen Soundtrack ihr bevorzugt, bleibt euch überlassen.

Es ist jedoch schade, dass man nicht die Extra-Maile gegangen ist. Denn gerade hinsichtlich der Sprachausgabe fehlt es hier deutlich an Inhalten. Dass auf dem NDS eher wenige Synchronisationen vorhanden waren, ist aufgrund des begrenzten Speicherplatzes verständlich. Natürlich hätte dies beachtliche Neuverhandlungen mit den damaligen Synchronsprechern bedeutet, jedoch wäre ein größeres Repertoire für den Switch-Port trotzdem wünschenswert und zudem eine willkommene Anpassung gewesen.

Auch inhaltlich bietet The World Ends With You – Final Remix nur etwas Zusatzcontent. So gibt es im Nachgang zur Story noch ein zusätzliches Kapitel, welches das rund 25-stündige Abenteuer um einige weitere Stunden verlängert. Während dies zumindest inhaltlich eine nette Ergänzung ist und mit neuen Monstern, einem neuen Charakter und einer kleinen Sidestory daherkommt, so ist dies im Vergleich zum Hauptspiel eher vergessenswert und wirkt fast schon aufgezwungen.

Großartiger Soundtrack
Einzigartige Optik ...
Mitreißende Story
Gut umgesetztes Kampfsystem...
JoyCon-Steuerung weniger empfehlenswert
... die merklich gealtert ist
Nur marginal synchronisiert
... das Übung braucht

Daniel M.

The World Ends With You – Final Remix ist, wie schon das Original, ein tolles und unterhaltsames Spiel. Jedoch gilt dies umso mehr, wenn man noch nie Hand angelegt hat. Der Port selbst kommt zwar mit einigen Extras daher, die es zur NDS-Zeit nicht gegeben hat, jedoch sind diese eher vorsichtige Versuche noch mehr aus dem Spiel herauszuholen, und das mit wenig Erfolg. Aber die eigentliche und große Stärke von The World Ends with you liegt auch nicht auf diesen Zusatzinhalten, sondern auf der großartigen Rollenspiel-Action, der auch heute noch frisch-wirkenden Story, dem skurrilen und düsteren Setting, sowie auf der stimmigen Präsentation im Art- und Sound-Bereich. Solltet ihr das Game noch nicht kennen, so ist es auf jeden Fall einen Blick wert. Solltet ihr es schon gespielt haben, so kann sich ein Replay sicher lohnen, jedoch gilt es sich zu fragen, ob es nicht auch reicht, den NDS nochmals herauszukramen.
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