Test: Valkyria Chronicles 4

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©Bildquelle: SEGA

Zehn Jahre sind mittlerweile ins Land gegangen, seit das erste Valkyria Chronicles 2008 für die PlayStation 3 auf den Markt kam. Zwei Jahre später folgte die unmittelbare Fortsetzung, die allerdings nur für PSP erschien, sowie der dritte Teil, der dem Westen gänzlich verwehrt blieb. Fans dürfen sich daher nun umso mehr freuen, denn mit Valkyria Chronicles 4 kehrt die Spielserie zurück und neue einzigartige Schlachten warten darauf, gefochten zu werden.

Es geht wieder anspruchsvoll zur Sache

Bereits das erste Valkyria Chronicles konnte durch viele Aspekte bestechen. Zum einen das einzigartige, rundenbasierte Gameplay, in dem ihr eure Einheiten über die Map bewegt, in Stellung bringt und Gegner ausschalten müsst – dabei aber jederzeit unter Abwehrfeuer geraten könnt. Aber auch die Optik wusste hier zu überzeugen, die mit einem Kunstfilter daherkam. So wirkte das Spiel stets, als würde es direkt aus einem Portrait entstammen. Auch Valkyria Chronicles 4 setzt an diesem Erfolgsrezept wieder an und beschreitet hier den absolut richtigen Weg. Zum Glück ist dies so, so muss man sagen, denn Sega hat es auch schon anders versucht, wie jüngst mit dem katastrophalen Valkyria Revolution.

Die Geschichte hinter Valkyria Chronicles 4 setzt zur gleichen Zeit wie die übrigen Ableger der Serie an. Wir finden uns in einem fiktionalen Europa wieder, das sich gerade im Krieg befindet. Das finstere Imperium versucht den Rest des Kontinents zu erobern, doch mit geballter Entschlossenheit und taktischer Raffinesse können wir uns den Aggressoren entgegenstellen. Dabei begleiten wir den Kommandanten Claude Wallace und sein Ranger-Bataillon auf einem langen Feldzug voll aussichtslos erscheinender Kämpfe.

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Neben der eigentlichen Geschichte, die den Verlauf des Krieges aufzeigt, bekommen wir es auch mit zahllosen Zwischensequenzen und Dialogen zu tun, welche auf die Charaktere selbst eingehen. So haben wir bspw. Wallace, der in seiner Jugend aus Angst geflüchtet ist, was zum Tod mancher Menschen führte. Daher haben einige Mitglieder des Bataillons Probleme, ihn zu akzeptieren und müssen erst erkennen, dass Wallace dieses Stigma überwunden hat. Aber auch auf die anderen Charaktere geht das Spiel näher ein. Kämpfen verschiedene Charaktere eurer Einheit häufiger zusammen, dann werden zudem weitere Hintergrundgeschichten freigeschaltet. Und es gibt wirklich viele Charaktere in eurem Trupp!

Der Krieg, und was sich verändert hat

Die ersten paar Missionen in Valkyria Chronicles 4 fallen relativ harmlos aus und sind einfach zu meistern. Täuschen lassen solltet ihr euch hier jedoch nicht, denn diese sind eher als Tutorial anzusehen. Sobald ihr hingegen euren Truppentransporter erhaltet, zieht das Spiel stark an und Missionen sind deutlich riskanter und schwieriger zu meistern. Da euch nur 20 Runden bis zur endgültigen Niederlage bleiben, werdet ihr zudem zusätzlich unter Druck gesetzt.

Jede Mission hat verschiedene Ziele, die es zu erledigen gilt. Valkyria Chronicles 4 macht hier eine besonders gute Figur, denn das Missionsdesign ist alles andere als repetitiv und stellt auch taktische Anforderungen an euch. So gilt es beispielsweise, simultan verschiedene Wege zu beschreiten, sodass eure Soldaten sich gegenseitig Deckungsfeuer geben können. Gerade um befestigte Stellungen wie Bunker und Geschütze auszuschalten, ist dies unbedingt Pflicht, denn sonst enden eure Helden als Schweizer Käse.

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Jeder wie er kann

Insgesamt besteht eure Einheit aus zahlreichen Soldaten, die jeweils unterschiedliche Klassen besitzen. Pro Spielrunde steht euch nur eine bestimmte Anzahl an Aktionen zur Verfügung. Pro Aktion wählt ihr eine Einheit aus, lauft mit dieser über das Schlachtfeld und führt einen Skill aus, bspw. Schießen, Reparieren, Heilen, etc. Da jeder Charakter pro Zug nur eine begrenzte Reichweite hat, bieten sich Scouts an, um lange Strecken hinter sich zu bringen und Feinde auszuspähen. Lancer hingegen sind mit Raketenwerfer bestückt und Ingenieure könnt ihr nutzen, um Minen zu räumen, Barrieren zu errichten oder Fahrzeuge zu reparieren. Entsprechend ist ein guter Mix eurer Einheiten Trumpf.

Insgesamt ist die größte eurer Einheiten im Schnitt auf zehn Soldaten beschränkt, sodass sich hier gut zu überlegen gilt, wen ihr in den Kampf schickt. Zudem sind manche Soldaten miteinander befreundet, sodass diese sich gegenseitig Deckungsfeuer geben können. Aber auch Potentiale sollen nicht unterschätzt werden. Dies sind positive und negative Eigenschaften, die im Verlauf der Schlacht ausgelöst werden können. Diese erhöhen bspw. eure Genauigkeit oder verringern eure Munition.

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Große Maps und neue Einheiten

Der Truppentransporter bietet gerade im Vergleich zum ersten Ableger der Serie eine willkommene Ergänzung, denn die Karten des Spiels fallen dank technischer Entwicklung deutlich größer aus. Da wir nur eine bestimmte Anzahl von Zügen pro Runde haben, können wir so bis zu zwei Soldaten einladen und die relativ weit und kostengünstig transportieren. Auch die Mörser-Einheit ist eine tolle Ergänzung, da diese nicht nur unebenes Gelände kinderleicht überwinden kann, sondern auch, weil bei feindlichen Zügen konstant Beschuss möglich ist. Negativ ist dies, wenn wir selbst unter Mörserbeschuss stehen.

Eine weitere Neuerung sind die „Last Stand“-Befehle. Wenn eine eurer Einheiten vom Feind erledigt wird, habt ihr in der Regel die Chance, die Einheit vor dem endgültigen Ableben noch zu retten, sodass diese ins Lazarett transportiert wird. Aber mit Last Stand hat die Einheit vor dem Fallen noch eine Chance, aktiv zu werden. Hier müsst ihr aus verschiedenen Optionen auswählen. So könnt ihr entweder kurz unbesiegbar werden und einen letzten Angriff ausführen, das Feuer auf euren Gegner erwidern oder aber die nächste verbündete Einheit buffen und ihr einen weiteren Zug schenken.

Solide Geschichte mit enormem Character-Development
Großartiges Taktik-RPG-Gameplay
Anspruchsvoller als man zunächst denken mag
Optisch, dank Kunstfilter, wunderschön
Langsamer Einstieg

Daniel Meyer

Valkyria Chronicles 4 ist die Fortsetzung der Serie, auf die Fans so lange gehofft und gewartet haben. Die besten Mechaniken der Reihe werden hier erneut aufgegriffen und tatsächlich nur wenig verändert. Die wenigen neuen Features erweitern dabei das Spielerlebnis eher marginal, allerdings positiv. Wünschenswert wären für den nächsten Ableger auch einige mutigere Veränderungen, jedoch keine, die den Kern derart verstümmeln wie es bei Valkyria Revolution gewesen ist. Im Endeffekt ist Valkyria Chronicles 4 ein sehr guter Titel, der sich allen Fans von Strategie-Rollenspielen ohne Zögern empfehlen lässt.
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