Test: Victor Vran

Victor_Vran_thumbAction-Rollenspiele gibt es viele auf dem Markt. Neben dem wohl bekanntesten Platzhirsch Diablo 3 haben sich Spiele wie Torchlight und Path of Exile ihren Platz erkämpft und erfreuen sich auch über einen längeren Zeitraum einer großen Schar an spielfreudigen Fans. Victor Vran will nun im wahrsten Sinne des Wortes in diese Kerbe schlagen. Entwickelt wurde das Spiel von Haemimont Games aus Bulgarien, die in den letzten Jahren durch die Tropico-Serie bekannt wurden und damit einige Erfolge feiern konnten. Im Februar wurde Victor Vran als Early-Access-Titel auf den Markt gebracht, seitdem haben sich die Entwickler wirklich vorbildlich um das Spiel gekümmert. Im Gegensatz zu manch anderem Early-Access-Spiel, dass jahrelang nicht fertig wird, wurden regelmäßig Updates implementiert und die Entwickler lauschten fleißig den Meinungen der Spieler. Ob das nun veröffentlichte Endergebnis die Mühe wert war, lest ihr hier.

Story

Test: Victor Vran

Die Dialoge sind zwar nicht animiert aber dafür sehr gut vertont.

Die Story von Victor Vran gewinnt sicherlich keinen Preis und ist schnell erklärt: Ihr spielt den Dämonenjäger Victor, der einen verschollenen Freund in der von Dämonen verseuchten Stadt Zagoravia sucht. Soweit so abgedroschen. Dialoge werden in Victor Vran nur mit Bildern der Charaktere dargestellt, alle Dialoge sind dafür sehr stimmungsvoll vertont. Die Bilder und Charaktere im Steampunk-Stil sind auch wirklich liebevoll gezeichnet.

Während des Spielgeschehens meldet sich zusätzlich in regelmäßigen Abständen eine mysteriöse Stimme aus dem Nichts und kommentiert sarkastisch das Spielgeschehen. Hierbei fallen auch häufig lustige Anspielungen und Wortspiele, die uns regelmäßig zum Schmunzeln brachten. Was es mit dieser Stimme auf sich hat und ob sie vielleicht wirklich nur in Victors Kopf existiert, ist ein weiterer Teil der Geschichte des Spiels. Wenn euch die deutsche Stimme Victors übrigens bekannt vorkommt, könnte dies daran liegen, dass es sich dabei um den deutschen Synchronsprecher von Nicholas Cage und Vin Diesel handelt.

Steuerung und Kampfsystem

Der Dämonenjäger darf entweder klassisch mit der Maus gesteuert werden, oder alternativ per WSAD durch die Gegend flitzen. Per Leertaste springt ihr durch die Gegend, eine nette Idee, die euch ermöglicht, auch aus brenzligen Situation fliehen zu können oder mit einem gewagten Manöver mitten in die Gegnerhorden hinein zu hüpfen. Manche der vielen Secrets sind nur mit Sprungmanövern (es gibt sogar Wandsprünge) zu erreichen. Die Alternative Steuerung per WSAD-Tasten gibt dem Spiel nochmal einen ganz besonderen Reiz. Es gibt sogar eine Ausweichrolle, die wir allerdings eher selten benutzten.

Für Angriffe klickt ihr mit der Maus. Dort wo der Cursor liegt, landet der Angriff oder Schuß, diese Skillshots lassen die Kämpfe noch dynamischer werden. Angriffe gibt es drei an der Zahl, einen normalen Schlag oder Schuß sowie zwei Spezialangriffe. Anstatt eines Talentbaums oder einer Klassenwahl bestimmen die gewählten Waffen eure Spezialattacken. Das Rapier erlaubt schnelle schnittige Nahkampfattacken während der Hammer langsamer zuschlägt, dafür aber mehr Schaden verursacht. Die jeweiligen Spezialattacken passen natürlich zu der gewählten Waffenart. Neben vier Nahkampfwaffen gibt es auch drei Schußwaffen, hier habt ihr ebenfalls unterschiedliche Attacken zur Auswahl. Es bleiben dem Spieler also alle Möglichkeiten offen, um den Charakter so zu spielen wie es gefällt. Besonders schön ist die Funktion, in jeder Hand eine Waffe zu tragen, per Mausklick wechselt ihr blitzschnell zwischen diesen hin und her und könnt euch immer auf die jeweilige Situation einstellen. Steht ihr plötzlich in einer Horde Gegner, reicht ein Sprung und schon könnt ihr aus sicherer Entfernung per Fernkampfwaffe weiterkämpfen.

Zusätzlich zu den drei Waffenattacken besitzt ihr Dämonenfähigkeiten (wieso ein Dämonenjäger diese Fähigkeiten besitzt ist uns bisher noch nicht ganz klar). Die Palette an Effekten reicht hier vom Schutzschild über Meteoritenstürme bis hin zu Heilauren. Diese Kräfte verbrauchen Overdrive, das am ehesten mit Mana zu vergleichen ist. Overdrive läd sich, je nachdem welches Kostüm ihr tragt, entweder automatisch auf oder muss durch das Töten von Gegnern aufgeladen werden.

Während ihr durch die verschiedenen Level zieht, erhaltet ihr weitere Dämonenfähigkeiten, die sich, wie Waffen, in verschiedene Seltenheitsgrade einteilen. Die Möglichkeit, auch diese Kräfte jederzeit im Inventar zu wechseln, ermöglicht eine tolle Flexibilität. Im nächsten Level warten ganze Horden schwacher Gegner? Wählt den Meteoritensturm. Der Endgegner haut zu stark zu? Dann wechselt ihr am besten schnell auf den Schutzschild und seid damit auch gegen diesen Gegner gerüstet.

Inventar und Beute

Test:Victor Vran

Das Inventar ist übersichtlich gestaltet, eine Itemflut erwartet euch aber ohnehin nicht.

Das Inventar im Spiel ist etwas spartanisch gehalten, neben den zwei Slots für Waffen könnt ihr zwei Tränke, und zwei Dämonenfähigkeiten ausrüsten. Es gibt auch nur einen Inventarplatz für Körperschutz, euer Kostüm. Dieses ist im Spiel etwas besonderes und bestimmt in gewisser Weise euren Spielstil, daher findet ihr im weiteren Verlauf auch nicht wirklich viele davon. Insgesamt sind uns bisher sechs Kostüme bekannt, eines von vier wählt ihr zu Beginn aus, die anderen erhaltet ihr beim Levelaufstieg oder in Secret-Truhen.

Ist euer Inventar dann irgendwann voll, könnt ihr überflüssige Gegenstände nicht nur verkaufen, sondern ab Stufe 16 auch transmutieren, also zu neuen Waffen, Schicksalskarten oder sogar Kräften zusammenschustern.  Alle Händler, eine Art Bank für Gegenstände sowie der Tisch zum Transmutieren befinden sich im Schloss, dieses ist sozsuagen eure Basis. Im Gegensatz zu Diablo 3 werdet ihr in Victor Vran übrigens nicht mit Items am laufenden Band beworfen. Richtig, besondere Waffen sind tatsächlich selten und dann auch wirklich stark.

Talentbaum

Es gibt im Spiel zwar keinen klassischen Talentbaum, durch Schicksalskarten könnt ihr euren Spielstil dennoch minimal in eine Richtung lenken. Bis zu fünf dieser Karten, die ihr durch Levelaufstiege bekommt, in Truhen findet oder bei einem Händler kaufen könnt, können dann kombiniert und eingesetzt werden. Der Vorteil dabei ist, dass ihr keine schwerwiegenden Entscheidungen nach dem Schema „Erhöhe ich jetzt meine Lebensenergie oder doch lieber den Schaden meiner Waffe?“ treffen müsst, die dann unwiderruflich feststehen.

Ihr sammelt mit der Zeit eine beträchtliche Anzahl an Karten und könnt diese jederzeit so kombinieren, wie es euch am besten passt. Dadurch dass es nur 5 Plätze für Karten gibt, bleibt die Spezialisierung des Spielstils auch übersichtlich. Im Gegensatz zum extrem umfangreichen Skillsystem von Spielen wie Path of Exile könnt ihr innerhalb weniger Mausklicks den Fokus von Lebensenergie auf kritischen Schaden wechseln, was dem Spielfluss sehr zuträglich ist.

Level

Test: Victor Vran

Herausforderungen und Secrets motivieren zum mehrfachen Durchspielen der Level.

Die einzelnen Spielwelten sind in sich fest abgeschlossen und gehen nicht ineinander über. Jedes Level hat einen Intro-Screen, auf dem ihr optionale Zusatzaufgaben ablesen könnt, die euch bei Erfüllung Bonusgold oder besondere Items geben. So sollt ihr zum Beispiel innerhalb von 5 Minuten 50 Gegner töten oder 80 Kills mit der Schrotflinte erzielen. Außerdem wird euch die Anzahl der im Level versteckten Secrets angezeigt. Diese Zusatzaufgaben motivieren ungemein zum mehrfachen Durchspielen der einzelnen Abschnitte. Auch wenn das Level schon von allen Gegnern befreit war, liefen wir noch Minutenlang durch so manches Level, um das letzte Secret zu finden. Um in den vielen Gängen nicht die Übersicht zu verlieren, werden euch eure zurückgelegten Schritte auf der Minimap angezeigt, das ist sehr praktisch, da die einzelnen Level mitunter ziemlich groß sind.

Die Grafik des Spiels ist im ganzen relativ durchschnittlich, großartige Effekte und Animationen gibt es bei Victor Vran nicht. Dennoch sieht das Spiel alles andere als schlecht aus. Bei einem Hack&Slay-Spiel haben wir allerdings auch kein grafisches Feuerwerk erwartet. Die Level sind liebevoll gestaltet, die verwendeten Texturen wiederholen sich zwar und werden nach ein paar Spielstunden etwas eintönig, aber da die Spielwelt auch nur die Stadt Zagoravia und ihr Umland umfasst, hätten uns Eiswüsten und Gebirgspässe auch eher verwundert.

Test: Victor Vran

Die Spielgrafik setzt keine neuen Maßstäbe, ist aber stimmungsvoll gestaltet.

 

Gutes Kampfsystem
Verschiedene Waffentypen mit eigenen Fähigkeiten
Dämonenfähigkeiten sehr gute Ergänzung
Tolle Synchronisation der Sprecher
Herausforderungen als Langzeit-Motivator
Abgedroschene Geschichte
Kaum Spielraum zum Entwickeln des Charakters

Görs D.

Victor Vran bietet vieles, was ich von einem guten Hack&Slay-Spiel erwarte. Abgesehen von der wirklich einfallslosen Geschichte und dem sehr simplen Talentsystem, hat das Abhaken der einzelnen Herausforderungen durchaus Suchtpotenzial und das Ausprobieren der verschiedenen Kombinationen aus Waffen, Dämonenfähigkeiten und Schicksalskarten ist für mich genauso erfüllend, wie ein stundenlanges Abwägen von einzelnen Talenten. Victor Vran spielt sich einfach etwas anders als die Platzhirsche in diesem Genre, macht aber genauso viel Spaß.
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