Test: Village Attacks

Village Attacks kehrt den Bösewicht in euch zum Vorschein

Dungeon Crawler? Kennt jeder! Spätestens seit Diablo wissen Videospieler, wie befriedigend die Jagd nach immer besserem Equipment in düsteren Verließen ist. Im Jahr 1997 stellte Peter Molyneux und sein legendäres Bullfrog-Team die ganze Sache auf den Kopf. Der Spieler sollte nun selbst in die Rolle des Dungeonlords schlüpfen. Mit allen Mitteln sollten die in den Dungeon eindringenden Helden vernichtet werden. Dungeon Keeper sorgte vor mittlerweile mehr als 20 Jahren für reichlich Aufsehen und erntete trotz einiger spielerischen Schwächen viele Erfolge. Mit Village Attacks gibt es jetzt den Versuch, das Spielprinzip von Dungeon Keeper auf das Brett zu übertragen. Das kooperative Brettspiel lässt euch die Aufgaben der Monster übernehmen. Eure Mission: die heranstürmenden Bauern davon abzuhalten, in das Herz des Dungeons vorzudringen.

Thematisch bewegt sich Village Attacks tatsächlich nicht allzu weit weg vom großen digitalen Vorbild. Der wohl größte Unterschied liegt in der kooperativen Spielweise. Bis zu fünf Dungeon-Herrscher dürfen gleichzeitig antreten, um ihr gemeinsames Ziel zu verfolgen. Im umfangreichen Spielepaket findet ihr fünf Monster-Miniaturen wieder, in deren Haut ihr schlüpfen könnt. Jedes Monster verfügt dabei natürlich über individuelle Fähigkeiten sowie über abweichende Stärken und Schwächen.

Fünf Monster – ein Team

Die Crew der Monster teilen sich grob drei verschiedene Rollen. Wächter-Monster sind im Kampf besonderes robust, sie halten einiges aus und stellen sich den Angreifern ausdauernd in den Weg. Einen solchen Tank braucht jeder in seinem Team. Die Dezimierer sind die typischen Damage-Dealer. Sie fügen den Helden den meisten Schaden zu, sind im Kampf aber leider auch ziemlich verwundbar. Ihnen zur Seite stehen die Unterstützer. Sie verfügen über besondere Fähigkeiten. Einige Monster haben sich auf das Heilen spezialisiert, andere verbessern die Beweglichkeit der anderen Monster oder manipulieren die Angreifer. Mit einer guten Mischung dieser drei Rollen habt ihr die besten Chancen, die wütenden Attacken der Bauern zu abzuwehren.

 

Euch gegenüber steht eine wilde Horde, die sich vor allem aus Bauern rekrutiert. Sie sind nicht sonderlich gefährlich, einzig ihre schiere Masse macht sie zu einer echten Bedrohung. Etwas ernstzunehmender sind da schon die Jäger. Sie haben sich auf einen bestimmten Monstertypen spezialisiert, dem sie besonders viel Schaden zufügen. Noch eine Stufe gefährlicher sind die Stadthelden, die widerstandfähiger sind und natürlich auch mehr Schaden austeilen.

Das Herz der Burg

Alle Angreifer haben nur ein Ziel. Sie bewegen sich in jeder Runde auf das Herz der Burg zu, die Seele eurer Existenz. Sollte das Herz eine bestimmte Anzahl von Schadenspunkten erleiden, habt ihr das Spiel sofort verloren. Ihr solltet also alles daransetzen, die Angreifer vom Herz der Burg fernzuhalten. Vor jedem Szenario, im Grundspiel sind vierzehn Kapitel enthalten, baut ihr den Dungeon nach einem vorgegebenen Bauplan auf.

Dazu verwendet ihr die aufgelisteten Spielplanteile, die ihr zu einem großen Dungeonplan zusammensetzt. Durch den modularen Aufbau steht ihr in jedem Kapitel immer wieder vor einem völlig neuen Spielplan. Grundsätzlich unterscheidet das Spiel zwischen großen Räumen, kleinen Räumen und Korridoren. Diese Unterscheidung ist im Spielverlauf noch von Bedeutung, da einige Effekte nur in bestimmten Raumtypen zum Tragen kommen.

Die Macht der Monster

Im Gegensatz zu Diablo & Co. wird Village Attacks in Runden gespielt. Ihr könnt eure Aktionen also in Ruhe planen und euch auch untereinander absprechen. Eure größte Waffe sind die sechs Spezial-Würfel, die ihr vor jedem Zug werft. Die erwürfelten Symbole zeigen euch die Aktionen an, die euch in diese Runde zur Verfügung stehen.

Ziemlich einfach zu absolvieren sind die Nah- und Fernkampfangriffe. Mit jedem dieser Würfel erzielt ihr einen Schadenspunkt an einem Gegner. Im Nahkampf attackiert ihr einen Feind in der eigenen Zone, Nahkampfangriffe gelten Gegnern, die auf einem benachbarten Spielplanteil stehen. Soweit, so einfach. Zu defensiven Aktionen sind die Monster natürlich auch in der Lage. Würfelt ihr eine Verteidigungsaktion, blockt ihr bis zu zwei Schadenspunkte ab. Der Konter hingegen schützt euch zwar nicht vor dem Verlust von Lebenspunkten, sorgt aber dafür, dass der Angreifer ebenfalls verletzt wird.

Sehr hilfreich sind zudem die Magie-Symbole auf den Würfeln. Mit ihnen könnt ihr eure Spezialfähigkeiten einsetzen. Ihr dürft nun eure Zaubersprüche ins Spiel bringen oder andere Monster heilen. Weniger wünschenswert sind hingegen die Dorfbewohner-Symbole auf den Würfeln. Sie aktivieren einen Feind, der sich nun um ein Feld in Richtung des Herzens der Burg bewegt. So dürft ihr oft nicht alle sechs Würfel zu euren Gunsten einsetzen, sondern forciert möglicherweise auch den Fortschritt der Dorfbewohner.

Der Weg durch das Verließ

Um die Verteidigung des Dungeons zu organisieren müsst ihr als Monster natürlich auch selbst durch die Gänge streifen. Jedes Würfelsymbol, abgesehen vom Dorfbewohner-Zeichen, lässt sich auch für die Bewegung eures Monsters verwenden. Euren Freiheiten sind jedoch einige Grenzen gesetzt. Auf dem Charakterbogen eurer Figur findet ihr vorgefertigte Ablageplätze für bestimmte Würfel. Ihr dürft also nicht beliebig viele Würfel für eure Aktionen einsetzen. Dadurch wird die unterschiedliche Spielweise der Monster weiter verstärkt.

Einige Monster können sich schneller durch das Verließ bewegen, andere sind besonders gut darin, sich gegen feindliche Angriffe zu wehren. Je mehr Slots euer Monster in einer Kategorie verfügt, desto mehr Möglichkeiten stehen euch offen. Besonders flexibel seid ihr durch die Reservefelder auf eurem Charakterbogen. Auf diesen dürft ihr einzelne Würfel für einen späteren Zug aufheben und sie dann einsetzen, wenn ihr sie am dringendsten benötigt.

Weiter… immer weiter…

Natürlich sind eure Monster „strong, healthy und full of energy“. Doch genau wie die Bewohner des Dschungelcamps, so wachsen auch die Monster mit ihren Aufgaben. Mit jedem ausgeschalteten Dorfbewohner wächst ihre Erfahrung, die im Spielverlauf neue Fähigkeiten freischalten. In diesen unterscheiden sich die Dungeonlords wieder einmal enorm.

Zudem habt ihr die Möglichkeit aus unterschiedlichen neuen Fähigkeiten zu wählen. Der Fortschritt eurer Spielfigur liegt also ganz in eurer Hand. Die Monster können neue Fähigkeiten erlernen, sowie auch bereits bestehende Sonderfertigkeiten verbessern. Dadurch ergibt sich ein Mini-Baum an Fähigkeiten, den ihr ganz nach euren Vorstellungen gestalten könnt.

Von Raum zu Raum

Doch nicht nur die Monster verändern sich stetig. Auch die einzelnen Räume unterliegen einem steten Wandel. Durch bestimmte Effekte kann sich der Zustand eines Orts verändern. Räume ohne Lichtquelle machen die Durchführung von Distanzangriffen unmöglich, unheilvolle Zonen können einen Patzer bei der Attacke auslösen. Diese Erschwernisse gelten für Monster und Dorfbewohner gleichermaßen. Bei guter Planung könnt ihr die Ortszustände aber sicher zu euren Gunsten ausnutzen.

Diverse Zustände können auch Dorfbewohner und Monster selbst betreffen. So kann es bei eurer Ausrüstung zu einem Bruch kommen, was eure Abwehrmöglichkeiten einschränkt. Das Monster kann zudem auch langsamer werden, an einer Verbrennung leiden oder von Stille betroffen sein. Alles ziemlich lästig, doch zum Glück gibt es Mittel und Wege diese Mängel wieder loszuwerden.

Eine Möglichkeit besteht darin, das Herz der Burg aufzusuchen. Das Zentrum eurer Macht hat eine heilende Wirkung. Dort könnt ihr nicht nur die lästigen Zustandsmarker loswerden, sondern auch verlorene Lebenskraft zurückgewinnen. Dazu müsst ihr lediglich Würfel mit Magie-Symbol investieren, die ihr hoffentlich zuvor in eure Reserve geschaufelt habt.

Kleine Geschenke erhalten die Feindschaft

Leider besitzen jedoch auch die Dorfbewohner einen Quell der Regeneration. In regelmäßigen Abständen werden Ereignisse im Dorf ausgelöst. Über diese kommen häufig neue Gegnerwellen ins Spiel, so dass der Strom der Gegner niemals abreißt. Ihr habt also nur eine Chance, die Bauern für immer in die Flucht zu schlagen. Ihr müsst sie demoralisieren. Dies geschieht in erster Linie über die Vernichtung von Bauern, Jägern und Stadthelden. Die Moral der Angreifer sinkt somit immer weiter. Erst wenn ihr ein im Szenario festgelegtes Ziel erreicht habt, endet die Mission und das Volk zieht sich zurück.

Dabei müsst ihr euch vor allem auf die Fähigkeiten eurer Monster verlassen. Als kleine Hilfe könnt ihr den Angreifern aber in den Räumen einige Fallen stellen. Somit kommt in der Tat eine gute Portion Dungeon-Keeper-Charme ins Spiel. Wie in vielen Dingen, so unterliegen auch die Fallen einigen Auflagen. Längst nicht alle Fallen betreffen auch alle Angreifer. Manchmal sind bestimmte Angreifer-Typen immun gegen eine Falle. Andere Fallen lassen sich vielleicht nicht in Räumen aller Art aufstellen.

Der randalierende Troll

Das Platzieren der Fallen bedarf auf jeden Fall einer guten Planung. Sonst werden die Fallen vielleicht von einem Angreifer ausgelöst, der von dieser gar nicht betroffen wird. Ansonsten sind die Fallen aber eine sehr hilfreiche Option, die Dorfbewohner vom Herz der Burg fernzuhalten. Legt ihr beispielsweise eine Schatzfalle in einen Raum, müssen alle Angreifer erstmal eine Runde am Ort verbleiben, da sie damit beschäftigt sind, den wertlosen Plunder zu durchstöbern.

Als kleines Gimmick kommt zudem noch der randalierende Troll ins Spiel. Der Troll ist ein ziemlich unstetes Wesen, das von niemandem kontrolliert werden kann. Er kommt über ein Dorfereignis ins Spiel und wandert nach dem Zufallsprinzip im Dungeon umher. Dabei schlägt er auf alles ein, was ihm in den Weg kommt. Ihr könnt den Troll weder töten noch vernichten. Allerdings könnt ihr den Troll aus der Reserve locken und ihn so mit etwas Glück auf die armen Dorfbewohner hetzen.

Das schmeckt nach mehr

Das Basisspiel von Village Attacks besitzt bereits eine ziemlich üppige Ausstattung: 66 Miniaturen, 16 Spielplanteile und haufenweise Karten, Marker, Tableaus und Würfel. Das umfangreiche Zubehör hat natürlich auch seinen Preis. Etwa 80€ bis 90€ müsst ihr schon anlegen, wenn ihr das analoge Dungeon-Master-Flair genießen möchtet. Dafür erhaltet ihr allerdings auch ein Spiel mit 14 Kapiteln. Jedes Szenario dauert zwischen 40 und 90 Minuten. Das sollte für einige spannende Spielabende erstmal reichen. Die ersten Erweiterungen stehen aber auch schon parat. Inzwischen wurden die Addons sogar schon in die deutsche Sprache übersetzt und sind im Handel verfügbar.

kooperative Spielweise
tolles Spielmaterial
14 spannende Missionen
levelbare Monster
taktisch fordernd
Erweiterungen in deutscher Sprache verfügbar
zaubert das Gefühl von Dungeon Keeper wieder hervor
relativ hoher Anschaffungspreis

Sebastian Hamers

Village Attacks fängt die Atmosphäre des altehrwürdigen Dungeon Keeper tatsächlich gut ein und verbindet es mit einem kooperativen Ansatz. Gemeinsam stellt ihr euch den Wellen der wütenden Dorfbewohner, die es auf das Herz der Burg abgesehen haben. Die Monster verfügen über verschiedene Fähigkeiten, so dass die Absprache untereinander von hoher Bedeutung ist, wollt ihr die Dorftrottel erfolgreich zurückschlagen. Durch das ständige Aufleveln der Monster ist das Durchleben der 14 Spielkapitel besonders motivierend. Der Fähigkeitenbaum ist zwar nicht besonders umfangreich, erweitert die Möglichkeiten der Spielfigur aber stetig und das eigene Monster wird zunehmend stärker und böser. Strategisch ist Village Attacks durchaus anspruchsvoll. Auch wenn ihr es nur mit ein paar Dorfbewohnern zu schaffen habt, eure Mission ist kein Spaziergang. Einige Szenarien sind ziemlich knackig und erfordern ein hohes Maß an taktischem Geschick. Das größte Plus von Village Attacks ist allerdings das Spielgefühl mit seiner hohen immersiven Qualität, die euch ganz tief in das Spiel hineinzieht. Dazu trägt natürlich auch das hochwertige Spielmaterial bei. Die Figuren sind durchweg sehr detailreich gestaltet und auch das übrige Spielmaterial ist wirklich ziemlich hochwertig. Mit rund 80€ ist der Anschaffungswiderstand natürlich nicht gerade gering. Die Investition lohnt sich aber dennoch, wenn ihr das Spielgefühl von Dungeon Keeper wieder hervorzaubern wollt. Umso schöner, dass ihr diese Erfahrung gleich mit bis zu fünf Spielern gemeinsam erleben könnt.
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