Test: Vudu

Die kleine Voodoo-Puppe lässt schon vielleicht schon erahnen, dass dieses Spiel kein gutes Ende nehmen wird. Die Vorzeichen werden sich bewahrheiten. In Vudu, dem verflucht guten Partyspiel, bekommt jeder sein Fett weg. Ihr werdet euch vor der gesamten Runde zum Clown machen. Verantwortlich dafür sind natürlich eure lieben Mitspieler. Das könnt ihr doch wohl nicht auf euch sitzen lassen, oder? Schleudert ihnen also eurerseits die fiesesten Flüche um die Ohren. Lasst sie Höllenqualen erleiden. Schadenfreude ist doch immer noch die schönste Freude. Wenn ihr genau dieser Meinung seid, dann solltet ihr euch Vudu auf jeden Fall einmal etwas genauer ansehen.

Vudu erfordert weder ein langes Regelstudium noch stundenlanges Taktieren. Ein paar gut gelaunte Mitspieler wären allerdings nicht schlecht, mindestens drei Voodoo-Priester solltet ihr schon sein, je mehr sich am Spiel beteiligen, desto lustiger wird es allerdings. Zunächst müsst ihr allerdings die Fluchkarten nach ihrer Kategorie sortieren. Im Spiel gibt es einfache Flüche, dauerhafte Flüche sowie Artefakte. Die Karten stellen auch das zentrale Element des Spiels dar. Ihr beginnt das Spiel mit einer einfachen Fluchkarte, alle weiteren Karten müsst ihr euch erst erarbeiten.

Auch ein Voodoo-Hexer braucht Würfelglück

Dafür setzt ihr die fünf speziellen Würfel ein, die dem Spiel beiliegen. Es handelt sich von der Form her zwar um ganz normale sechsseitige Würfel, die aber über besondere Oberflächen verfügen. Dort seht ihr unterschiedliche Symbole: Geister, Schädel, Raben, Kürbisse, Fledermäuse und Sterne. Die Zeichen auf den Würfeln benötigt ihr zum Sprechen der Flüche. Jeder Fluch fordert andere Ressourcen, um ihn auszulösen. Beim Sammeln der Symbole geht ihr ähnlich vor wie beim guten alten Kniffel.

Gefällt euch das Würfelergebnis nicht, könnt ihr den Wurf wiederholen. Die Wiederholung geht allerdings auf Kosten eines Würfels, den ihr nun zur Seite legen müsst. Der entfernte Würfel und seine Ressource kann in diesem Zug nicht mehr eingesetzt werden. Bevor ihr den Wurf tatsächlich wiederholt, dürft ihr auch beliebig viele Würfelergebnisse des aktuellen Wurfs reservieren und sichern. So könnt ihr euch das gewünschte Ergebnis in mehreren Würfen hoffentlich zusammenstellen und so eventuell eine Fluchkarte ausspielen.

Kartenspielen mit Handicap

Das Erwürfeln der Voodoo-Symbole ist die erste Phase eines jeden Zugs, sie dauert in der Regel kaum eine Minute. Euer Würfelergebnis dürft ihr nun für unterschiedliche Aktionen verwenden. Die wichtigste Aktion ist natürlich das Wirken der Flüche selbst. Dazu müsst ihr nur die auf der Karte angegebenen Kosten aufbringen. Unter den Mitspielern könnt ihr im Regelfall frei wählen, wen der Fluch treffen soll. Habt ihr euch für ein Opfer entschieden, erhält dieser Spieler jetzt die sogenannte Zielscheibenkarte. Spieler, die in Besitz dieser Karte sind, können nicht mehr das Ziel von weiteren Flüchen werden. Dadurch wird verhindert, dass ein Spieler gezielt von allen gemeinsam boykottiert wird. Da die Zielscheibenkarte jedoch dauernd seinen Besitzer wechselt, seid ihr allerdings nie besonders lange vor den Attacken der Gegenspieler geschützt. Ihr bekommt höchstens eine kurze Atempause, doch selbst die ist mehr als willkommen.

Für zwei beliebige Ressourcen könnt ihr auch eine weitere Fluchkarte ziehen. Von dieser Option müsst ihr wohl oder übel regelmäßig Gebrauch machen, um an frisches Kartenmaterial zu gelangen. Ebenso zwei beliebige Ressourcen kostet ein Artefakt. Artefakte sind ziemlich praktische Hilfsmittel. Einmal erworben, könnt ihr die Artefakte in eurem Zug ohne weitere Kosten einsetzen. Im dritten und letzten Schritt eines Zuges gebt ihr die kleine Voodoo-Puppe weiter. Diese zeigt lediglich an, wer gerade der aktive Spieler ist. Einen stylisheren Marker um den aktiven Spieler zu kennzeichnen, habe ich selten gesehen.

Fluchbrecher

Immer wenn ihr einen Fluch auf einen Gegenspieler schleudert, bekommt ihr ein paar Siegpunkte auf das eigene Konto gutgeschrieben. Die Siegpunktleiste ist praktischerweise gleich in den Boden der Spieleverpackung integriert. Die Leiste fällt mit gerade einmal elf Feldern ohnehin nicht besonders üppig aus. Wenn ihr dort als erster Spieler angelangt, habt ihr das Spiel gewonnen und dürft euch als wahrer Meister der Voodoo-Magie fühlen.

Doch zuvor werdet ihr so manchen Fluch über euch ergehen lassen müssen. Doch was bewirken die Flüche überhaupt? Die Flüche finden nicht nur spielmechanisch Relevanz, sondern werden unmittelbar an den Spieltisch und euch als Spieler selbst übertragen. Beispiel gefällig? Der Fluch „Lächerlich“ etwa bewirkt, dass sein Opfer vor dem Weitergeben der Voodoo-Puppe immer erst laut lachen muss. „Schwerer Kopf“ hingegen lässt sein Opfer dauerhaft den Kopf auf dem Tisch niederbetten und diese Position permanent beibehalten. Ein paar wenige Flüche betreffen sogar gleich alle Gegenspieler.

Die Situation kann auf Dauer richtig unangenehm werden, gerade wenn gleich mehrere Flüche aktiv sind. Zum Glück können die Flüche aber auch wieder gebrochen werden. Irgendwann werdet ihr vielleicht mal vergessen, eure Fluchaktion durchzuführen… oder ihr wollt es vergessen. Schon ist der Fluch gebrochen, die Karte wird abgelegt und die Fluchaktion muss auch nicht länger durchgeführt werden. Allerdings geschieht dies, wie euch sicher schon gedacht habt, nicht ganz ohne Reibungsverluste. Der Spieler, der den Fluch einst ausgesprochen hat, bekommt nun seinerseits Siegpunkte hinzu und zieht auf der Siegpunktleiste davon. Einen Fluch könnt ihr durchaus willentlich brechen, manchmal geschieht es aber auch einfach, weil ihr vergesslich seid oder gerade dringend aufs Klo müsst.

Dauerhafte Flüche

Auf der kurzen Siegpunktleiste befinden sich insgesamt drei große Totenköpfe. Immer wenn ihr ein solches Feld betreten oder es überschreitet, müsst ihr euch einen der dauerhaften Flüche ziehen und vor euch auslegen. Diese Flüche werdet ihr bis zum Ende des Spiels behalten, es gibt keine Möglichkeit, sie wieder loszuwerden. Ihr solltet euch also auf jeden Fall an die Vorgaben auf den Karten halten. Ansonsten erwarten euch unterschiedliche Strafen. Je nach Fluch wird ein Nichtbefolgen mit Punkten für die Gegner, einem Würfel-Malus, Kartenabzug oder einer anderen Sanktion bestraft.

Unter den dauerhaften Flüchen befinden sich ein paar besonders lustige Aktionen. Beispielsweise müsst ihr euch immer ausheulen, warum ihr das eine Artefakt nicht bekommen habt, das ein Mitspieler gerade ausgespielt hat. Ein anderer dauerhafter Fluch sorgt dafür, dass ihr euch vor jedem Würfeln über die Mitspieler mit weniger Punkten als ihr selbst lustig macht.

Ihr seht schon, das ganze Spiel ist ziemlich klamaukig. Wer in Vudu tatsächlich zuerst über die Ziellinie tritt, ist ziemlich zweitrangig. Der Spaß steht hier auf jeden Fall im Mittelpunkt des Spiels. Als beinharte Strategiespieler werdet ihr von Vudu nicht angesprochen. Eine Partie dauert auch nicht sonderlich lange. Selbst wenn ihr in der Vollbesetzung mit sechs Spielern antretet, kommt ihr mit der Spieldauer von einer Viertelstunde meist ganz gut aus. Vudu taugt auch nicht als abendfüllendes Programm, als schnelle Auflockerung ist das Spiel aber dafür umso besser geeignet. Vudu ist ganz frisch über den Huch-Verlag erschienen und kostet zwischen 17€ und 20€.

für bis zu sechs Spieler geeignet
voll partytauglich
sehr klamaukig
wenig herausfordernd

Sebastian Hamers

Es müssen eben nicht immer die epischen Strategiespiele sein. Vudu von Huch fällt ganz sicher nicht in diese Kategorie. Es fordert euch kaum taktisches Gespür ab, ebensowenig wie Gehirnschmalz. Vudu ist einfach nur ein lustiges Spiel, in der sich jeder Spieler zum Affen machen darf. Die Verflechtung unterschiedlicher Flüche sorgt schnell für Lacher am Tisch. Es ist zu komisch, die Verrenkungen und verbalen Entgleisungen der anderen Spieler zu beobachten und mit fiesen Flüchen ihre Situation nur noch weiter zu verschärfen. (Freundschaftliche) Schadenfreude spielt in Vudu eine große Rolle. Mit einer Spieldauer von nur einer Viertelstunde lässt sich das Spiel zudem gut in eigentlichen jeden Spieleabend integrieren und macht als Eisbrecher einen exzellenten Job.
Test: Mercado Test: World of Warriors