Test: Wargroove – Advance Wars mit Indie-Anstrich

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Wargroove: Advance Wars in Indie? Wir haben es getestet.

Im Indie-Bereich haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Spiele-Perlen aufgetan. Oftmals zählten dazu Titel, die sich dem Spielprinzip bestehender Marken gewidmet und dieses sogar perfektioniert haben. Stardew Valley hat so das Harvest Moon-Franchise in die Schranken gewiesen und 2018 hat Dead Cells ein klares Ausrufezeichen im Bereich der Metroidvania-Games gesetzt. Mit Wargroove bekommen Fans es nun mit dem nächsten Indie-Titel zu tun, der an den klassischen Advance Wars Spielen ansetzt. Dass sich der Titel nicht verstecken muss, das konnte bereits nach kürzester Spielzeit festgestellt werden.

Simples Spielprinzip, doch schwer zu meistern

Das Gameplay in Wargroove gestaltet sich so einfach wie komplex. Dank der umfangreichen Story, die euch Schritt für Schritt die verschiedenen Einheiten und Taktiken näherbringt, ist der Kern des Spielprinzips einfach erlernt. Diese Mechaniken aber auch in eine sinnvolle Strategie umzusetzen, die euch schlussendlich zum Sieg führt, das liegt ganz in eurer Hand. Und eines sei hier gesagt: Gegen menschliche Kontrahenten wird der Sieg alles andere als einfach zu erringen sein!

Spielerisch findet ihr euch in Wargroove auf einer 2D Map wieder, die in klassischer Advance Wars Pixeloptik daherkommt. Auf dieser müsst ihr eure Einheiten navigieren, wobei jeder Einheitentyp nur eine gewisse Reichweite je Zug laufen kann. Durch das Einnehmen von Dörfern schafft ihr euch eine Ressourcengrundlage. In jeder Runde generieren diese Geldmittel, die ihr in der Kaserne wiederum in neue Einheiten investiert. Pro Runde kann zudem in einer Kaserne immer eine neue Einheit gebaut werden, sodass das Schlachtfeld schon bald von willigen Kämpfern vollgestopft ist.

Aber natürlich steht euch gegenüber auch mindestens ein Gegner, der ebenfalls Dörfer und Territorium erobern möchte. Der ultimative Weg zum Sieg liegt entweder im Einnehmen der feindlichen Feste oder im Besiegen des gegnerischen Generals. Doch der Weg dahin ist lang und steinig. Zumal es die große Anzahl an verschiedenen Einheiten und Fähigkeiten zu erlernen gilt, die enorme Spieltiefe mit sich bringen.

Strategischer Tiefgang vom Feinsten

Jede einzelne Einheit in Wargroove kommt mit besonderen Stärken und Schwächen daher. Dies betrifft nicht nur das klassische Schere, Stein, Papier-System eurer Soldaten, auch warten diese mit tiefergreifenden Mechaniken auf. Einfache Fußsoldaten sind bspw. stark gegen Bogenschützen, aber gleichzeitig fast jeder anderen Einheit unterlegen. Dafür ist sie jedoch die günstigste Einheit im Spiel, und sollte diese neben dem General platziert sein, werden die Angriffe der der Soldaten deutlich verstärkt.

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Über solche passiven Fähigkeiten verfügt in Wargroove jede Einheit. Bogenschützen sind effektiver, wenn sie im gleichen Zug nicht bewegt worden sind und Kavallerie nutzt den eigenen Ansturm für verheerende Angriffe aus. Dazu muss letztere aber mindestens sechs Felder geritten sein, bevor ein Angriff durchgeführt wird. Diese Vorteile sind nicht zu unterschätzen, denn sie können das Blatt schnell zum eigenen Sieg wenden.

Aber auch der General ist ein Trumpf auf dem Feld. Nicht nur ist dieser übermäßig stark, auch verfügt er über eine besondere aktive Fähigkeit, die sich im Laufe der Gefechte auflädt. Je nach gewähltem Helden könnt ihr so Verbündete heilen, Untote beschwören, Blockaden aufstellen oder Verteidigungskristalle platzieren. Letztere verbessern bspw. die Rüstungswerte von Verbündeten in Reichweite.

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Story vs. Multiplayer

Die Einzelspieler-Kampagne in Wargrovve kommt sehr lieblich und mit einem ansprechend dezenten Humor daher, wie man ihn insbesondere von Nintendo-Spielen her kennt. Entsprechend richtet sich der Titel an alle Altersklassen. Gleichzeitig gestaltet sich die Kampagne aber auch sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. König Mercival II wurde durch die Vampirin Sigrid getötet. Nun droht die untote Armee der Felheim Legion das Königreich Cherrystone zu überrollen.

Wir begleiten die neue Königin Mercia auf der Flucht und müssen durchs Land reisen, um den Angreifern zu entkommen, aber auch um Verbündete zu finden. Dabei gestaltet sich das Gameplay alles andere als eintönig. Mal gilt es mit begrenzten Einheiten ein feindliches Lager zu durchqueren, ein anderes Mal Dorfbewohner zu evakuieren und gleichzeitig feindliche Wellen an Feinden zu überstehen. Dabei schlüpfen wir nicht nur in die Rolle der Cherrystone Armee, auch können in Nebenmissionen andere Völker und sogar die eigenen Feinde dirigiert werden.

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Der Wiederspielwert hinter Wargroove ist enorm. Zum einen ist dies dem Anreiz zu verdanken, in jeder Storymission eine Goldmedaille zu erlangen. Dies ist jedoch nur in sehr effektiven Schlachten mit minimalen Verlusten möglich. Während die Missionen der Kampagne nicht allzu schwer ausfallen, so sorgt gerade das Medaillensystem für den notwendigen Anreiz, auch Core-Gamer zu motivieren. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich dem Mehrspieler-Part widmen. Dieser verspricht nochmals eine deutlich erhöhte Dosis an spielerischer Qualität.

Dies liegt nicht nur an dem deutlich höheren Anspruch, sich gegen andere Spieler zu behaupten, sondern auch an den Möglichkeiten dahinter. So können hier sogar bis zu vier Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten. Dies kann entweder auf einer der zahlreich voreingestellten Maps geschehen, oder aber ihr ladet euch eine benutzerdefinierte herunter. Dank des integrierten Map-Editors könnt ihr auch selbst Hand anlegen und euren eigenen Schauplatz erstellen. Der Editor präsentiert sich äußerst intuitiv und bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich auszutoben.

Schöne und humorvolle Story...
Hohe taktische Tiefe
Große Einheitenvielfalt
Einheiten und Helden mit besonderen Fähigkeiten
Vier unterschiedliche Fraktionen
Nostalgisch-schönes Pixeldesign
... die inhaltlich sehr seicht ausfällt
Keine asynchronen Fraktionen
Reichweiten von Einheiten nicht konstant einblendbar
Kein EXP-System für Einheiten

Name

Wargroove gehört zweifellos zu den Indie-Spielen, die ohne großen Namen punkten. Dabei richtet sich das Spiel insbesondere an Fans der Advance Wars-Serie und kommt mit nicht minder anspruchsvollen Gefechten daher. Viele kleine Gameplay-Mechaniken resultieren in einer enormen taktischen Spieltiefe, die im Speziellen gegen andere Spieler in vollem Glanze erstrahlt. Gleichzeitig bereitet die Solo-Kampagne lieblichem Humor so manchen Schmunzler, und mit vielen Freischaltmöglichkeiten bietet sich ebenso viel Arbeit für Perfektionisten. Für gerade einmal rund 20 Euro liefert Wargroove enorm viel und kann auf allen Plattformen wärmstens empfohlen werden.
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