Test: Welcome back to the Dungeon

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Wenn sich ein Videospiel gut verkauft, bekommt es einen Nachfolger. Verkauft sich ein Brett- oder Kartenspiel gut, bekommt es nicht nur einen Nachfolger, sondern auch eine neue Auflage. Genauso ist der französische Verlag Iello mit seinem beliebten Kartenspiel Welcome to the Dungeon verfahren. Nachdem das Spiel einige Zeit nur schwer zu bekommen war, steht nun druckfrisch die neue Auflage in den Regalen der Händler.

Als wagemutiger Held stürzt ihr euch in einen Dungeon, natürlich vollgestopft mit schrecklichen Monstern. Das Problem: Nur ein Spieler kann seinen Helden auf die Reise durch die Höhle schicken. Bekommt ihr den Zuschlag, hofft ihr natürlich darauf, dass der Held seinen Trip durch den Dungeon überlebt. Als passiver Spieler hingegen, feuert ihr die Dungeon-Bewohner an, damit sie dem Helden das Lebenslicht auspusten, bevor er das Ende der Höhle erreicht hat. Welcher Spieler letztlich den Helden aktiv bei seiner Mission begleiten darf, stellt aber erst im letzten Moment heraus. So beginnt ein Bangen und Hoffen, das in einem spannenden Kampf des Helden gegen die Monster des Dungeons endet.

Barbar, Krieger, Schurke oder Magier

Da nicht jeder Spieler über einen eigenen Helden verfügt, gilt es zunächst einen der vier verfügbaren Heroen für das Abenteuer auszusuchen. Zur Wahl stehen vier archetypische Abenteuer: Barbar, Krieger, Schurke und Magier. Jeder Held verfügt über ein eigenes Set mit sechs Ausrüstungsgegenständen. Diese stellen seinen wertvollsten Besitz dar und sind wichtige Waffen im Kampf gegen die Monster. Weiterhin braucht ihr noch den Stapel mit den Monstern, der aus dreizehn Karten besteht.

In diesem Stapel finden sich Gegner verschiedener Couleur wieder. Kleine widerliche Goblins gehören ebenso zum Set wie axtschwingende Orks, der Sensenmann und natürlich der feuerspuckende Drache. Sie fügen dem eindringenden Helden Schaden zwischen einem und neun Punkten zu, sofern sie ihn zu packen kriegen. Jeder Abenteurer hat ein paar hilfreiche Gimmicks dabei, die ihn den Kopf aus der Schlinge ziehen lassen.

Der ungewisse Kampf des Helden

Seid ihr am Zug, zieht ihr die oberste Karte vom Monsterstapel und guckt euch das Monster an, ohne es euren Mitspielern zu zeigen. Ihr habt nun die Wahl zwischen zwei Optionen. Ihr könnt die gezogene Monsterkarte einfach verdeckt in den Dungeon legen. Dort werden alle Monster gesammelt, die sich dem Helden später in den Weg stellen werden. Alternativ legt ihr die Monsterkarte verdeckt vor euch ab, diese Karte scheidet vorerst aus dem Spiel aus, sie wird später nicht zum Teil des Dungeons und ist somit für den Abenteurer ungefährlich. Allerdings geht diese Aktion auf Kosten eines Ausrüstungsgegenstands. Einen beliebigen Gegenstand müsst ihr für diese Aktion opfern und ebenfalls aus dem Spiel nehmen.

Anschließend ist auch schon der nächste Spieler an der Reihe, dem sich nun ebenfalls die oben beschriebenen Möglichkeiten bieten. Eine weitere Option ist auch immer das Passen. In diesem Fall zieht ihr keine weitere Monsterkarte vom Nachziehstapel und verabschiedet euch zunächst aus dem Spiel. Erst wenn alle bis auf einen Spieler gepasst haben, geht das Spiel in die nächste Phase über. Dieser letzte verbleibende Spieler darf nun in die Rolle des Helden schlüpfen und versuchen den Dungeon zu überleben.

Zu hoch gepokert?

Alle Monster, die zuvor im Dungeon abgelegt wurden, stellen sich nun dem waghalsigen Helden in den Weg. Ihm bleiben nun die kümmerlichen Reste seiner Ausrüstung, die zuvor nicht geopfert wurden. Je nach gewähltem Abenteurer verfügt ihr zunächst über zwei bis vier Lebenspunkte. Jedes Monster fügt euch Schadenspunkte in Höhe seines Kartenwerts zu. Die Bandbreite des Schadens variiert hier zwischen einem und neun Punkten.

Die Helden verfügen aber noch, sofern nicht zuvor geopfert, über Gegenstände, die ihre Lebenspunkte erhöhen. Der Krieger erhöht seine Lebenspunkte etwa mit einem dicken Plattenpanzer, während der Magier auf einen Schutzarmreif zurückgreifen kann. Jeder Charakter startet das Spiel mit zwei solchen Gegenständen, die ihnen mehr Lebenspunkte verschaffen. Im Gepäck befinden sich aber auch noch ein paar Dinge, mit denen sie mächtige Gegner ausschalten können.

Die Achillesfersen der Monster

Jedes Monster hat in Welcome to the Dungeon eine oder gleich zwei besondere Schwächen. Die ohnehin schon nicht sonderlich starken Goblins etwa, reagieren auf die Anwesenheit von Feuer besonders empfindlich. Habt ihr also eine Fackel mit in die Höhle genommen, könnt ihr die Grünhäuter damit vertreiben. Die Fackel selbst müsst ihr anschließend noch nicht einmal ablegen. Tauchen weitere Kreaturen mit dieser Schwäche auf, könnt ihr die Fackel erneut einsetzen.

Einige Ausrüstungsgegenstände bezwingen Monster mit gerader Stärkezahl oder auch Monster mit einer Stärke von zwei oder weniger Punkten. Jeder Charakter verfügt über seine ganz speziellen Kniffe, um mit den anstürmenden Monstern fertig zu werden. Diese Macht ist aber nur graue Theorie, wenn die dafür erforderlichen Gegenstände zuvor schon geopfert wurden. Auf der anderen Seite kann euch etwa der Drache mit seiner Stärke von neun Punkten schon alleine aus dem Dungeon fegen, wenn sich ein entsprechendes Gegenmittel gar nicht im Repertoire des Helden befindet. In diesem Fall kann es vielleicht besser sein, einen der wertvollen Gegenstände abzulegen, um die Kollision mit diesem Ungetüm zu vermeiden.

Eine Frage der Strategie

Möglicherweise legt ihr es aber auch gar nicht darauf an, die Höhle selbst zu stürmen. Ebenso gut könnt ihr den Helden soweit wie möglich schwächen, damit er sein Abenteuer nicht überlebt. Jeder Spieler hat nur einen Fehlversuch gut, dann scheidet er komplett aus dem Spiel aus. Sind alle anderen Spieler ausgeschieden, habt ihr das Spiel vielleicht sogar gewonnen und seid nicht ein einziges Mal selbst in die Höhle geklettert.

Bei dieser Strategie besteht allerdings auch immer die Gefahr, dass alle anderen Spieler vor euch gepasst haben. Dann steht ihr plötzlich schlecht ausgerüstet selbst vor dem Dungeon und müsst euch den Monstern stellen. Viel Spaß damit! Das Spiel gewinnen könnt ihr aber natürlich auch in der aktiven Rolle. Gelingt es euch zweimal den Dungeon als aktiver Spieler zu bezwingen, geht ihr ebenso als Sieger aus der Partie hervor. Gut gepokert ist also halb gewonnen.

Welcome back to the Dungeon

Zeitgleich zum Re-Release von Welcome to the Dungeon steht auch der Nachfolger wieder im Handel. Dieser hört – ziemlich logisch – auf den Namen Welcome back to the Dungeon. Es handelt sich dabei um ein eigenständiges Spiel, das ihr auch problemlos spielen könnt, wenn ihr den Vorgänger nicht besitzt. Es ist allerdings möglich, die Inhalte beider Spiele zu kombinieren.

Welcome back to the Dungeon enthält neue Monster und natürlich auch neue Helden. Ab sofort könnt ihr auch als Ninja, Barde, Nekromant oder als Prinzessin die Höhle stürmen. Mit dabei ist diesmal auch ein praktischer Lebenspunkte-Zähler, mit dem ihr den aktuellen Zustand des Helden im Blick behaltet. Regeltechnisch hat sich gegenüber dem ersten Teil nicht viel getan, die neuen Möglichkeiten der vier Zusatz-Charaktere sorgen aber auf jeden Fall für frischen Abenteuer-Wind.

Welcome to the Dungeon und Welcome back to the Dungeon dürften mittlerweile wieder problemlos im Handel zu finden sein. Preislich bewegen sich die Spieler bei irgendwo zwischen 10€ und 15€. Ausgelegt ist das Spiel für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren. Für eine Partie müsst ihr etwa eine halbe Stunde einplanen.

spannende Entscheidungen bis zum Schluss
schöne Grafik
sehr zugänglich
nur bedingt kontrollierbar

Sebastian Hamers

Schön, dass Welcome to the Dungeon wieder da ist. Das kleine Kartenspiel verfügt zwar nicht über die epischen Ausmaße wie das Abenteuer, das unsere Helden zu bestehen haben, sorgt aber immer wieder für viel Spannung und jede Menge Lacher. Sowohl als wagemutiger Held als auch als feiger Drückeberger könnt ihr in Welcome to the Dungeon bestehen. Möglicherweise lauft ihr nicht selten in euer selbst gestecktes Messer, wenn ihr als Drückeberger plötzlich doch vor der Höhle steht. Die Lacher sind dann aber auf eurer Seite, wenn ihr – wider Erwarten – dieses Himmelfahrtskommando am Ende auch noch überlebt. So richtig sicher kann sich niemand sein, wie die Mission des Helden letztlich ausgehen wird. Zu viele Faktoren sind nicht kalkulierbar. Genau das macht Welcome back to the Dungeon auch zu einem so spannenden Spiel. Wenn der Dungeon-Stapel in der finalen Phase nach und nach offengelegt wird, ist für Nervenkitzel gesorgt. Pluspunkte sammelt das Spiel auch für seine tolle und witzige Optik, seit jeher ein Markenzeichen von Iello. Wenn euch die ordentliche Portion Glück im Spiel nicht weiter stört, findet ihr in Welcome to the Dungeon ein tolles Kartenspiel, das schnell erklärt ist und Viel- und Gelegenheitsspieler zusammenbringt.
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