Test: Wolfenstein 2: The New Colossus

Als Bethesda 2014 Wolfenstein 2: The New Order herausbrachte, wurden die Erwartungen der Spieler nahezu nicht erfüllt. Dies lag allerdings nicht an fehlender Action, sondern daran, dass man geschafft hat, weg von einem schnöden Schlauchlevel-Shooter zu gehen und stattdessen ein sehr emotionales, menschliches und auch hartgesottenes, mit humorvollen Sprüchen untermaltes Spiel auf die Beine zu stellen. Wolfenstein war nie so großartig gewesen wie zu diesem Zeitpunkt! Nun mag man denken, dass es dem Entwickler schwer fallen dürfte, auf diesen Erfolg noch eins drauf zu setzen. Dass dies sogar deutlich und in einem fulminanten Ausmaß gelungen ist, zeigt sich anhand von Wolfenstein 2: The New Colossus bravourös, und ohne Frage ist es als Resultat daraus ein Pflichtspiel für jeden Shooter-Fan!

Terror-Billy schlägt wieder zu!

Zugegeben, an dieser Stelle würden wir euch nur allzu gerne über all die glorreichen Geschehnisse, die es im Spielverlauf von Wolfenstein 2: The New Colossus zu erleben gilt, berichten, aber da dies nur in großflächigen Spoilern enden und die Überraschung verderben würde, begrenzen wir uns in unserem Test dieses Mal auf eine recht oberflächliche Betrachtung der Geschehnisse und der Spielelemente. Aber eines sei bereits verraten: Die hier umgesetzten Ideen sind schockierend, oft sehr radikal und gleichzeitig urkomisch und brillant – Ihr werdet euch kaum auf eurem Stuhl halten können!

Die Geschichte von Wolfenstein 2: The New Colossus setzt an den Geschehnissen des Vorgängers an und wir finden uns so im Jahr 1961 wieder. Das deutsche Regime hat quasi gewonnen und auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich der Herrschaft der Nationalsozialisten unterworfen, nachdem diese eine Atombombe auf New York abgeworfen haben. Doch natürlich ist dies nur der Anfang der Geschichte, in der wir in der Rolle unseres geliebten Helden William Jacob Blazkowicz (besser bekannt als BJ oder Billie) einmal mehr den Aufstand wagen werden.

Doch tatsächlich beginnt die Geschichte alles anderes als schlagkräftig, denn BJ erwacht hier aus einem Monate-langem Koma, gerade als die Deutschen unsere Helden und deren U-Boot ausfindig gemacht haben und es zu entern versuchen. BJ kann sich kaum auf den Beinen halten und muss sich vorerst mit Maschinenpistole im Rollstuhl durch die Eingeweide des Submarines kämpfen, nur um dann von der fiesen deutschen Schurkin General Engel gefangen genommen zu werden. Besonders die Original-Deutsche-Synchronisation der Regime-Charaktere ist hier gelungen, und auch Frau Engel macht als widerwärtige und abscheuliche Schurkin eine verdammt gute Figur.

Die Mischung macht’s!

Spielerisch dürft ihr euch mit Wolfenstein 2: The New Colossus auf einen rasanten und action-geladen Shooter freuen, der sich am ehesten mit einem Doom vergleichen lässt. Oftmals, und gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden, ist insbesondere das schnelle Manövrieren in den teils großflächigen Arealen die bessere Wahl, als das stille Verschanzen – und zudem macht es auch besonders viel Spaß! Die Steuerung kommt dabei sehr präzise daher, was allerdings mit einem Abzug in der B-Note endet, da die Zielsteuerung nicht ideal ausbalanciert wurde. Die Empfindlichkeit ist so leider in den ersten 25 Prozent der Stick-Bewegung zu aggressiv und schlagartig, sodass ein genaues Anvisieren von Feinden oft recht schwer fällt. Hier ist definitiv Nachbesserungsbedarf nötig.

Auf der optischen Seite gibt es hingegen kaum etwas zu bemängeln. Die Level sind abwechslungsreich und gerade die imposanten Regime-Bauten vermitteln einen sehr attraktiven Eindruck und zugleich auch einen düsteren Hauch in Richtung Dystopie. Und gerade diese Thematik schafft Wolfenstein 2: The New Colossus großartig widerzuspiegeln. Auf der einen Seite herrscht ein vermeintlicher Frieden, nachdem der Krieg vorbei ist und das Regime obsiegt hat. Aber durchgehend wird beim Spielen klar, wie düster dieses Szenario für die Welt tatsächlich ausfällt. Alles was gut und rechtschaffen ist, wird im Keim erstickt und die Welt wird durch Propaganda, Angst und Lügen geradezu vergewaltigt.

Das U-Boot, welches BJ und seine Mitstreiter als Operationsbasis verwenden, dient in Wolfenstein 2: The New Colossus zugleich auch als ein Auffangbecken für den Spieler. Zwischen den brutalen Kämpfen in dieser düsteren Welt, stellt das Unterseeboot eine Art Gegengewicht dar. So bekommt man es hier im Spielverlauf mit witzigen, sympathischen aber manchmal auch tragischen Nebengeschichten zu tun, die zwischen den verschiedenen Charakteren des eigenen Teams ablaufen. Dass dabei nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, verstärkt nur noch die Tiefe der Charaktere, die einem sehr schnell ans Herz wachsen und vor allem bestens zu unterhalten wissen.

Die Charaktertiefe endet aber nicht bei den Mitstreitern; auch Herr Blazkowicz hat mit einigen Dämonen zu kämpfen. Insbesondere nachdem seine Beine durch das lange Koma verkümmert sind, wachsen in ihm große Zweifel. Auch wird er im Verlauf der Geschichte eine Reise zurück in seine Kindheit machen, in der wir mitverfolgen dürfen, wie sein Elternhaus gewesen ist, und dass es auch hier zu manch tragischen Erlebnissen kam. Ohne Frage lässt sich sagen, dass mit Wolfenstein 2: The New Colossus eine großartige Balance zwischen Charakterentwicklung, actiongeladenem Gameplay und grandios inszenierten Zwischensequenzen gelungen ist.

Bombastische Action
Rasantes Gameplay
Schwarzer Humor vom Feinsten
Großartige Story mit spannenden Ideen
Brillantes Charakter-Ensemble
Zielsteuerung stellenweise zu ungenau
Leveldesign nicht immer ganz schlüssig

Daniel M.

Abgesehen von einigen kleinen Makeln hinsichtlich des Leveldesigns und der Spielsteuerung kommt Wolfenstein 2: The New Colossus als brillante Meisterleistung daher. Das Spiel hat einfach alles, was ein guter Shooter heutzutage haben sollte: Eine packende Geschichte mit emotionalen Ereignissen, tiefgreifende und abwechslungsreiche Charaktere, ein actiongeladenes Gameplay und natürlich die gewisse Note schwarzen Humor. Unterstrichen wird das Geschehen nur noch durch diverse geniale Ideen im Rahmen der Story-Inszenierung, auf die wir hier nicht näher eingehen werden, weil diese nur aus erster Hand genossen werden sollten. An Wolfenstein 2: The New Colossus gibt es eigentlich keinen Weg vorbei. Außerdem: Wer will nicht gerne als Terror-Billie dem Regime ordentlich eine verpassen wollen?

Christian Böttcher

Schon mit The New Order hat das internationale Team von Machinegames bewiesen, dass sich kompromisslose Shooter, schwarz-derber Humor und die dunklen Flecken der Weltgeschichte gegenseitig nicht ausschließen. Wolfenstein 2: The New Colossus setzt dieses Jahr eine gute Schippe obendrauf und präsentiert die Vereinigten Staaten wie man sie sich kaum vorstellen kann: Ihrer Freiheit beraubt. Der Spieler hingegen bekommt alle Möglichkeiten, sich in direkten Shooter-Passagen mit hochgezüchteten Waffen ordentlich auszutoben und das Regime gehörig auf die Hörner zu nehmen. Abwechslung bieten packend inszenierte Wortgefechte, in denen Wolfensteins starke Charaktere voll zur Geltung kommen. Lediglich die Zensur der berüchtigten "German Edition" könnte dem ein oder anderen sauer aufstoßen. Dass verfassungswidrige Symbole aus dem Spiel entfernt werden, ist nur verständlich. Albern wird es allerdings, wenn schon die kleinste Referenz an real existierende Charaktere aus Angst vor negativem Feedback im Keim erstickt wird. Das ist insbesondere deshalb schade, weil der Rest des Spiels so kompromisslos und herrlich überzeichnet mit seinem Thema umgeht.
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