Test: X-Code

Sieht man sich die Produktlinie des Amigo-Verlags an, so findet man dort überwiegend kleine Kartenspiele wieder. Im vergangenen Herbst machte Amigo jedoch gleich mehrfach eine Ausnahme von der üblichen Packungsgröße. Mit deutlich größerer Schachtel kam das Spiel Lighthouse Run daher, genauso wie das nun vorliegende X-Code. Letztgenanntes ist nicht nur dank seines Hacker-Themas interessant, sondern macht auch mit seiner kooperativen Spielweise und insbesondere mit seinem sich immer wieder verändernden Spielablauf auf sich aufmerksam.

In X-Code hat eine geheime Organisation aus dem Darknet zugeschlagen. Mit einer Schadsoftware haben sie die Kontrolle über das weltweite Netz gewonnen. Eure Hackergruppe ist die letzte Hoffnung, die Ordnung im Netz wiederherzustellen und die Kontrolle über das Netz zurückzugewinnen. Dazu müsst ihr jedoch einen zwölfstelligen Code knacken, um diesen am Supercomputer einzugeben.

Kooperatives Hacking

Vor euch ausgebreitet liegt das Spielbrett, der Supercomputer, in den ihr im Spielverlauf den Code eingeben müsst. So richtig nach Hightech sieht er ja nicht aus, eher wie ein einfacher Taschenrechner, der nicht viel mehr als die Grundfunktionen der Mathematik beherrscht. Seitlich baut ihr lediglich noch ein weiteres kleineres Spielfeld an. Dieses dient als Ablagefläche für die Spielkarten sowie für die beiliegende Sanduhr.

Ihr müsst also ein wenig Fantasie einbringen, um ein Gefühl für die immense Bedeutung des Supercomputers zu bekommen. Für die mechanische Umsetzung reicht das kleine Spielfeld aber locker aus. In X-Code dreht sich alles um Zahlen, zwölf Ziffern sollen es sein, die ihr in den Rechner eingebt. Die korrekte Zahlenkombination müsst ihr zuvor durch geschicktes Hantieren mit den Handkarten ermitteln. Im Hintergrund rieseln allerdings unerbittlich die Sandkörner durch die Uhr. Die Zeit drängt, sie ist euer größter Feind im Spiel.

Die Zeit drängt

X-Code könnt ihr tatsächlich mit bis zu acht Personen spielen. Je weniger Spieler sich in eurer Hackergruppe befinden, desto größer ist im Spiel euer Handkartenlimit. Viele Karten auf der Hand erleichtern euch das Knacken des Codes erheblich. Zunächst müsst ihr allerdings mit drei Handkarten pro Spieler auskommen.  Dann dreht ihr die Sanduhr herum und die Zeit läuft. Drei Minuten sind eine verdammt kurze Zeit, um den Code zu entschlüsseln.

Die Aufgabe klingt zunächst simpel. Das Spielfeld besteht aus den Ziffern von 0-9 sowie den beiden Sonderzeichen * und #. Im Set aus insgesamt 48 Karten befinden sich Spielkarten mit den gleichen Ziffern und Zeichen. Eure Mission besteht darin, jedes einzelne der zwölf Felder mit genau drei Karten der passenden Ziffer oder des passenden Sonderzeichens zu belegen. Das Problem: ihr dürft diese drei Karten nur mit einem Schlag ablegen.

Da die Zeit drängt, müsst ihr auch nicht warten, bis der Spieler vor euch in der Reihe seine Aktion beendet hat. In X-Code dürfen alle Spieler gleichzeitig agieren. Auch die Anzahl der Aktionen ist in keiner Weise beschränkt. Die Regeln sind denkbar einfach. Im Spiel stehen euch lediglich vier mögliche Aktionen zur Verfügung. Von der ersten Aktion werdet ihr reichlich Gebrauch machen müssen. Sie erlaubt euch, eine einzelne Karte vom Nachziehstapel aufzunehmen. Diese Aktion dürft ihr so lange ausführen, bis euer Handkartenlimit erreicht ist.

Vier einfache Aktionen

Wenn ihr selbst mit dem Ausreizen des Handkartenlimits keine brauchbare Kartenkombination erspielt habt, dürft ihr mit einer weiteren Aktion drei beliebige Handkarten wieder abwerfen. Es ist dabei nicht erlaubt, weniger als drei Karten abzuwerfen. Durch das Abwerfen von Karten, macht ihr wieder etwas Platz für neues Spielmaterial auf der Hand.

Etwas zielgerichteter geht ihr vor, wenn ihr eine Karte mit einen Mitspieler tauscht. Dazu müsst ihr gut miteinander kommunizieren. Ihr dürft einen Mitspieler zum Beispiel fragen, ob er euch eine Fünfer-Karte geben kann. Die Weitergabe von Karten unterliegt allerdings einer Einschränkung. Auf jeder Zahlenkarte befindet sich ein Pfeil, der entweder nach links oder nach rechts zeigt. Die Karten dürfen lediglich an den Sitznachbarn in Pfeilrichtung getauscht werden. Ihr dürft zudem eine Karte nicht einfach so abgeben, sondern müsst auch immer eine andere Karte dafür erhalten, bei der die Richtung des Pfeils ebenso passend sein muss. Ganz schön knifflig!

Code geknackt!

Mit der vierten und letzten Aktionsmöglichkeit legt ihr ein Set aus drei gleichen Karten auf das Spielfeld ab. Damit habt ihr einen Teil des Codes bereits geknackt. Das Spiel habt ihr aber erst gewonnen, wenn alle zwölf Felder mit einem passenden Kartenset belegt wurden. Drei Minuten werden vermutlich kaum reichen, um die Karten so zu organisieren, dass alle Felder gefüllt werden. Ihr seid also auf die Hilfe von einigen Sonderkarten angewiesen.

Da wären zunächst sechs Joker-Karten. Diese Karten können als eine beliebige Zahl oder auch als Sonderzeichen abgelegt werden. Leider befinden sich auf den Joker-Karten keine Pfeile. Sie können also auch nicht mit anderen Mitspielern getauscht werden. Wenn die Zeit knapp wird, kann euch ein Set aus drei Zeit-Karten aus der Patsche helfen. Sobald ein Spieler drei Zeit-Karten gleichzeitig abwirft, dürft ihr die Sanduhr herumdrehen. So habt ihr wieder ein wenig Zeit gewonnen, um den restlichen Code zu entschlüsseln.

Steigender Schwierigkeitsgrad

Mit diesen wenigen Regeln habt ihr das Grundspiel auch schon erlernt. Doch dies war lediglich eine erste Trainingsmission zum Warmwerden. Das Regelwerk schlägt zunächst weitere Trainingseinheiten vor, bevor ihr den Schritt ins Darknet wagt. In den weiteren Missionen wird der Schwierigkeitsgrad nochmal ordentlich erhöht. In den höheren Leveln spielt ihr etwa ohne Joker oder mit einer geringeren Zahl an Zeit-Karten. Im vierten Trainingslevel müsst ihr statt drei Karten nun sogar 4er Sets auf die Felder auf dem Spielbrett legen.

Habt ihr auch diese Herausforderung geschafft, dürft ihr endlich den Mitgliedern der geheimen Organisation im Darknet nachsteigen. An dieser Stelle wird der Spielablauf nochmal verändert. In der Spieleschachtel findet einige Schlüssel sowie drei kleine Tresore wieder. Öffnet nun den ersten Tresor. Im Tresor findet ihr neue Spielelemente wieder, so wie ein paar Anweisungen, wie ihr das Spiel nun fortsetzen müsst. Die Grundidee der Trainingsmissionen bleibt zwar erhalten, bekommen aber nochmal eine neue Wendung.

Drei Tresore, drei Geheimnisse

Jeder der drei Tresore birgt seine ganz eigenen Geheimnisse, die ihr nach und nach erkunden könnt. So bleibt das Spiel auch nach einigen Partien noch spannend, da ihr immer wieder etwas Neues entdecken könnt. Was sich hinter den Tresortüren verbirgt, müsst ihr allerdings schon selbst herausfinden.

X-Code ist ein hektisches, kooperatives Brettspiel für zwei bis acht Personen ab etwa zehn Jahren. Erschienen ist das Spiel über den Amigo-Verlag. Es ist ab sofort im Handel erhältlich und kostet zwischen 25€ und 30€.

für bis zu 8 Spieler geeignet
kooperative Spielweise
Spielablauf wird ständig erneuert
einfache Regeln
wird mitunter ziemlich hektisch

Sebastian Hamers

Für X-Code ist Amigo tatsächlich ein wenig von der üblichen Produktlinie abgewichen. Doch auch wenn sich das Spiel in seinen Ausmaßen ziemlich von der traditionellen Amigo-Verpackungsgröße unterscheidet, so finden sich spielerisch einige Parallelen wieder. Einfache Regeln sowie ein hoher Wiederspielwert sind zwei Eigenschaften, die sich auch in X-Code wiederfinden. Das Regelwerk habt ihr euch innerhalb von fünf Minuten draufgeschaufelt, dann kann es auch direkt losgehen. Der Einstieg ist noch relativ einfach, doch schon bald zieht der Schwierigkeitsgrad ordentlich an. Dabei hat man aber nie das Gefühl, vor eine Aufgabe zu stehen, die man nicht bewältigen kann. Selbst wenn der Code mal nicht vor Ablauf der Zeit geknackt wurde, geht es mit hoher Motivation in eine neue Runde. Das hohe Stresslevel ist aber vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, selbst wenn der Druck durch das kooperative Vorgehen etwas gemildert wird. X-Code fordert von euch ein koordiniertes Vorgehen ein, bei dem ihr euch immer gut absprechen müsst. Entsprechend hoch ist auch das Maß an Interaktion im Spielverlauf. Die kleinen Überraschungen, die in den Tresoren auf euch warten, erhöhen die Motivation, im Spiel voranzukommen, zusätzlich. Für Fans von unkomplizierten kooperativen Spielen, die auch mit etwas Zeitdruck umgehen können, ist X-Code eine echte Empfehlung.
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