Test: Ys – Lacrimosa of Dana

Wenn wir über japanische Rollenspiele reden, dann sind in der Regel die großen Werke wie Tales of, Final Fantasy oder u.a. Dragon Quest das Gesprächsthema. Aber selbstverständlich existieren da draußen noch weitere Marken, die es stellenweise auch schon viele Jahre lang gibt und qualitativ mindestens ebenso hochwertig sind. Diese schlicht und einfach zu ignorieren wäre fatal, wie sich beispielsweise schon am hierzulande wenig bekannten The Legend of Heroes-Franchise zeigte. Eine weitere Serie, die ebenso wenigen bekannt ist, ist Ys. Und genau dieses Franchise feiert mit Ys – Lacrimosa of Dana nun, mit einiger Verspätung, auf der Switch sein Debüt. Warum ihr den Titel etwas nähere Beachtung schenken solltet, verraten wir euch im Folgenden.

Eine Seefahrt mit Karibik-Flair

Zugegeben, dass Ys unter Nintendo Fans eher weniger ein Begriff sein mag, liegt an der Geschichte der Serie. Der letzte Nintendo-Ableger kam 1995 auf den Markt, und auch hier nur exklusiv in Japan. Seitdem gab es diverse weitere Ableger wie Ys Seven auf der PSP und YS – Memories of Celceta (2013) auf der Vita. Mit Lacromosa of Dana dürfen sich Nintendo Anhänger von daher glücklich schätzen, zumal der Titel durch sein actionreiches Gameplay sehr intensiv und geladen daherkommt.

Wie auch in den früheren Ablegern schlüpfen wir in Ys – Lacrimosa of Dana in die Rolle des Abenteurers Adol Christin, der nach seiner letzten Reise auf dem luxuriösen Passagierschiff Lombardia angeheuert hat. Von hier aus gilt es über die Gaete See zu schippern um nach Eresia zu gelangen, wo auch das vermeintlich nächste Abenteuer lauert. Entsprechend müssen wir uns zunächst mit dem Schiff und den Passagieren vertraut machen, denn der Zielhafen wird nicht allzu früh angelaufen werden. Dies liegt allerdings nicht an der Entfernung, sondern an einigen riesigen Tentakeln, die aus dem Meer sausen und das Schiff auf den Grund des Meeresbodens ziehen.

Das Nächste, was wir nach dem Erwachen mitbekommen, ist ein tropisches Island, an dem wir angespült werden. Mit einem Schwert bewaffnet, gilt es sich so durch die Insel zu kämpfen um weitere Überlebende ausfindig zu machen und den geheimnisvollen Hintergründen der Insel auf die Spur zu kommen. Denn hier handelt es sich offenbar um die sagenumwobene Insel Seiren. Laut Legenden würde niemand, der sich dieser Insel auch nur nähert, lebendig zurückkehren. Ein Schicksal, welches Adol und die restlichen Überlebenden (davon gibt es einige) natürlich nicht hinnehmen wollen.

Das Leben und Überleben auf Seiren

Schlussendlich dauert es nicht lange, bis wir auf Überleben treffen. So beginnt der gemeinsame Akt um auf der Insel zu überleben und einen Fluchtweg zu finden. So wird zunächst ein Lager errichtet, in dem wir uns zwischen unseren Erkundungstrips ausruhen, Quests aufnehmen und abgeben, als auch besser ausrüsten können. Jeder neue Charakter, der sich unserem Pulk aus Überlenden anschließt, kommt mit nützlichen Fähigkeiten daher – nun gut, nicht jeder aber die meisten Figuren. Auch können wir in Form unterhaltsamer Dialoge hier mehr über die unterschiedlichen Charaktere erfahren, die über mehr Tiefgang verfügen, als man sich zunächst vorstellen möchte.

In Ys – Lacrimosa of Dana bekommen wir es mit einem knallharten Action-jRPG zu tun. Ergo gibt es keine rundenbasierten Kämpfe, stattdessen gilt es sich gegen die heimische Fauna mit schnellen Manövern zu erwehren. Dabei solltet ihr euch zudem die feindlichen Angriffe gut einzuprägen, denn das Spiel kommt alles andere als einfach daher und richtet sich sogar immens stark an absolute Hardcore-Gamer – zumindest gemessen an den zahlreichen Schwierigkeitsgraden, die über der anspruchsvollen Stufe „Normal“ angesiedelt sind.

Timing ist alles!

Das Kampfsystem in Ys – Lacrimosa of Dana kommt von der Steuerung her nicht allzu komplex daher. Eure Partie besteht aus bis zu drei Charakteren, die jeweils eine bestimmte Stärke besitzen. Entweder sind die eigenen Angriffe effektiv gegen gepanzerte, fliegende oder normale Gegner. Das Wechseln zwischen diesen drei Charakteren, die auch allesamt stets an den Kämpfen teilnehmen, erfolgt durch einen einfachen Knopfdruck. Dies ist auch anzuraten, denn so kann ein Break-Status an Feinden hervorgerufen werden, wodurch zusätzlicher Schaden generiert werden kann.

Essentiell für das Obsiegen ist schlussendlich gutes Timing. Dabei gilt es stets die Gegner im Auge zu behalten und effektiv Abwehr- und Ausweich-Manöver durchzuführen. Stimmt das Timing hier, so können sogar kurzfristige Vorteile inkl. verzögerter Zeit erspielt werden. Dafür bedarf es allerdings Übung und einem guten Auge. Abgesehen davon stehen euch auch noch diverse Fähigkeiten zur Verfügung. Diese sehen nicht nur spektakulär aus, sondern bringen auch weitere Vorzüge und taktische Möglichkeiten als auch Abwechslung ins Spielgeschehen. Nicht zu vergessen sind hier zudem die zahlreichen Bossgegner, die es so richtig in sich haben und eine ganz andere Sorte von Herausforderung darstellen.

Viel zu erkunden

Die Insel von Seiren ist wirklich riesig, und genau diese gilt es im Spielverlauf komplett zu erkunden. Dabei müssen wir nicht nur gegen zahlreiche Tiere und Monster kämpfen. Auch ist das Sammeln von Rohstoffen, das Erstellen einer Karte der Insel und das Finden von weiteren Überlebenden an der Tagesordnung. Rohstoffe werden dabei benötigt um bspw. die verschiedenen Einrichtungen des Lagers auszubauen bzw. neue Gegenstände oder Upgrades der eigenen Waffen zu erhalten.

So schön die Insel von Seiren doch ist, und so wunderbar der qualitativ gute Soundtrack ins Ohr geht, so schlägt sich Ys – Lacrimosa of Dana insbesondere mit einer Kleinigkeit herum: Der Grafik. Optisch kommt der Titel sehr pixlig daher und wirkt alles andere als modern. Zwar gilt es hier zu betrachten, dass die Videospiel-Serie nie wirklich ein Aushängeschild für beste Grafik gewesen ist, eine große Schwäche ist die Optik des Spiels nichtsdestotrotz. Sobald man sich an dieses Manko jedoch gewöhnt hat, bleibt der Spielspaß ungebrochen.

Anspruchsvoll bis tödlich schwer
Abwechslungsreiche Kämpfe
Stete Weiterentwicklung des eigenen LAgers
Unterhaltsame Dialoge
Wunderschönes Inselabenteuer
Grafisch nicht das Maß der Dinge

Daniel Meyer

Mit Ys – Lacrimosa of Dana kann man nicht allzu viel falsch machen, sofern man auf Action-Rollenspiele steht. Das rasante Kampfsystem, der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad und die sympathischen Charaktere setzen dem attraktiven Island-Setting quasi die Krone auf und sorgen für zahlreiche Stunden bester Unterhaltung. Auch im gesamten Spielverlauf kommen immer wieder erfrischende Neuerungen hinzu, sodass das Spielgefühl selten als eintönig empfunden werden kann. Lediglich die optische Präsentation, welche nicht den Stand der technischen Entwicklung widerspiegelt, sorgt für Abzüge in der B-Note. Abgesehen davon ist Ys – Lacrimosa of Dana ein Juwel.
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