Test: Zombicide

Rette sich, wer kann! Die Zombie-Apokalypse ist ausgebrochen. Auf den Straßen ist es nicht mehr sicher, wahre Horden von Untoten strömen umher. Am besten verbarrikadiert ihr euch in eurem Versteck. Doch leider fehlt es euch am Nötigsten: Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente, Klopapier… Es hilft also nichts, ihr müsst raus auf die Straße. Gemeinsam stellt ihr euch der untoten Brut. Rüstet euch also besser gut aus und sprecht euch noch besser ab, sonst endet ihr unweigerlich als Zombiefutter.

Das Brettspiel Zombicide ist eine Erfolgsgeschichte. Initiativ über Kickstarter finanziert, findet ihr das Spiel mittlerweile auch problemlos im regulären Handel. Das erste Spiel erschien bereits im Jahr 2012, mittlerweile stehen allerdings schon etliche Varianten zur Verfügung. Während die ersten Spiele der Serie in der heutigen Zeit angesiedelt sind, gibt es inzwischen auch einige Ausgaben, bei denen das Szenario in ein Mittelalter-Fantasy-Setting verlegt wurde.

An dieser Stelle möchten wir euch das Ursprungswerk vorstellen. Die Nachfolger spielen sich ganz ähnlich, bieten aber immer wieder neue Missionen, neue Herausforderungen und natürlich noch mehr Spielmaterial. Die Spiele lassen sich völlig eigenständig spielen, können aber auch miteinander kombiniert werden. Einzig für das Spielen der Erweiterungen wird der Besitz eines Basispakets vorausgesetzt. Durch das Zusammenfügen mehrerer Spiele lässt sich zudem die Spieldauer sowie auch die Zahl der Mitspieler deutlich erhöhen. Wenn ihr es drauf anlegt, lässt sich ein episches Spiel erstellen, in das ihr gut und gerne auch mal acht Stunden versenken könnt.

Immer wieder neue Zombie-Abenteuer

Zombicide ist ein rein kooperatives Spiel. Ihr übernehmt dabei die Kontrolle über die Überlebenden. Jeder Spieler steuert dabei, je nach Mitspielerzahl, einen oder mehrere Überlebende. Die Zombies werden allein durch die vorgegebene Mechanik kontrolliert. Ihr braucht also keinen Spieler ausmachen, der sich aufopferungsvoll um die Aktionen der Zombies kümmert. Da Zombies bekanntermaßen nicht sonderlich intelligent vorgehen, funktioniert die Zombie-Steuerung auch ziemlich gut. Die Untoten folgen klaren Richtlinien, sodass ihr schon im Vorfeld ungefähr berechnen könnt, wie die Zombies reagieren werden.

Im Regelheft findet ihr insgesamt zehn vorgefertigte Missionen wieder, jede von ihnen dauert zwischen einer und drei Stunden. Auf der offiziellen Homepage gibt es zudem weitere Missionen zum kostenloses Download. Die Auswahl ist wirklich groß, der Stoff für neue Zombie-Abenteuer sollte euch also nicht so schnell ausgehen. Je nach gewählter Mission sucht ihr euch das passende Material aus der Spieleschachtel. Ihr steckt die benötigten Straßenteile zusammen, platziert bestimmte Marker wie Türen, Autos oder Zombie-Brut-Zonen auf dem Spielplan. Anschließend stellt ihr eure Überlebenden-Miniaturen gemeinsam auf die Startzone. In jeder Mission müsst ihr bestimmte Aufgaben abhandeln, die auch immer in eine kleine Geschichte einbettet sind. Ob dabei alle eure Charaktere überleben, ist jedoch mehr als fraglich…

Einzigartige Überlebende

In einer Partie Zombicide stehen, mit der Grundausstattung, maximal sechs Überlebende auf dem Spielfeld. Zu jedem Überlebenden gehört eine passende Miniatur sowie ein Charakterblatt. Die einzelnen Figuren verfügen über unterschiedliche Eigenschaften, die sich spielerisch durchaus bemerkbar machen. Während sich Amy schneller über das Spielfeld bewegen kann, erweist sich Ned als besonders effektiv bei der Suche nach Gegenständen. Phil hingegen bringt direkt eine Pistole mit ins Spiel, was sicherlich ebenso ziemlich nützlich ist. Im Verlauf des Spiels sammelt ihr zudem Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. Jeder Levelaufstieg bringt euch weitere Sonderfähigkeiten ein, sodass die einzelnen Charaktere weiter individualisiert werden.

Im Spiel werden zunächst alle Aktionen der Überlebenden abgehandelt. Bei Spielbeginn verfügt jeder Charakter über drei Aktionen pro Spielrunde, durch die Levelaufstiege werden eure Möglichkeiten aber später noch erweitert. Zunächst müsst ihr noch mit den Basisaktionen auskommen. Das Repertoire wird allerdings immer weiter anwachsen und durch zusätzliche Fertigkeiten ergänzt.

In den Straßen von Zombicide

Mit den Basisaktionen könnt ihr euch über das Spielfeld bewegen, Gebäude nach Gegenständen durchsuchen, Türen öffnen und einiges mehr. Ebenso dazu gehören natürlich die Kampfaktionen, die ein wesentlicher Bestandteil von Zombicide sind. Auf den Waffenkarten findet ihr unterschiedliche Angaben zu den Werten der Waffe.

Die Genauigkeit einer Waffe zeigt euch an, welche Zahl ihr mit dem Würfel mindestens erreichen müsst, um euer Ziel zu treffen. Ebenso findet ihr eine Würfelzahl dort wieder. Sie zeigt euch an, wie viele Würfel ihr werfen dürft. Je mehr Würfel, desto höher ist natürlich die Chance, mit mindestens einem Würfel die geforderte Zahl zu erreichen oder zu übertreffen. Auf diese Art könnt ihr zudem gleich mehrere Treffer erzielen und mehr als einen Zombie ausschalten. Eine weitere wichtige Angabe ist der Schaden einer Waffe. Diese ist keine Variable, sondern eine fixe Größe.

Einige Zombies lassen sich von Waffen mit geringem Schaden nicht verletzen, hier müsst ihr also schon größere Kaliber auffahren. Ansonsten reicht ein einziger Treffer, um einen Zombie von der Bildfläche zu putzen. Ebenso relevant ist die Reichweite einer Waffe. Gerade auf offener Straße kann es sehr hilfreich sein, die Zombies aus der Entfernung zu attackieren. In Gebäuden könnt ihr allerdings keine größeren Strecken überwinden, lediglich in den Nebenraum könnt ihr mit einer Fernkampfwaffe feuern.

Make some noise

Eine möglicherweise entscheidende Aktion kann das schlichte Verursachen von Lärm sein. Die Zombies sind einfache Gemüter und handeln ihre Aktionen zuverlässig nach Schema F ab. Haben sie die Möglichkeit auf einen Angriff, so werden sie sich diese Chance nicht entgehen lassen. Ansonsten sind die Untoten immer bestrebt, sich ihren potentiellen Opfern zu nähern. Sie bewegen sich immer auf Überlebende in Sichtweite zu. Sollte kein menschliches Futter zu sehen sein, verlassen sich die Zombies auf die Geräuschkulisse.

Jeder Überlebende verursacht eine Lautstärke von einem Punkt. Der Lärmpegel kann durch Schüsse oder Explosionen erhöht werden. Ebenso sorgt das Einschlagen einer Tür für laute Geräusche. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Hilfsmittel auch tatsächlich Krach auslösen. Ein gezielter Hieb mit dem Katana kann einen Zombie auch geräuschlos vernichten. Ebenso könnt ihr mit einem Brecheisen auch eine Tür lautlos öffnen. Den Lautstärkepegel könnt ihr taktisch einsetzen, um die Zombies in die gewünschte Richtung zu lenken. Deshalb könnt ihr auch mit einer Basisaktion Lärm verursachen, um die Untoten auf eine falsche Fährte zu locken.

Zombies und Super-Zombies

Egal, wie ihr euch die Taktik zurechtlegt, es werden auf jeden Fall ziemlich viele Zombies auf dem Spielfeld stehen. Ihr müsst dazu gar nicht zwingend alle Zombies vernichten, vielmehr gilt es, ein vorbestimmtes Ziel zu erfüllen. Dieses findet ihr in den kleinen Vorgeschichten in den Missionen wieder. Manchmal müsst ihr Nahrungsvorräte sammeln oder bestimmte Ziele auf der Karte einsammeln, bevor ihr dann das Weite sucht. Zwischenzeitlich sammelt ihr hilfreiche Waffen oder andere Gegenstände ein, die euch das Leben ein wenig leichter machen.

Eine gute Ausrüstung werdet ihr sicher brauchen, denn in jeder Runde kommen neue Zombies ins Spiel. Darunter befinden sich hin und wieder auch ein paar ganz spezielle Exemplare. Kommt ein Fettbrocken-Zombie ins Spiel, ploppen in seiner Zone automatisch auch zwei Standard-Zombies, sogenannte Schlurfer, auf. Außerdem könnt ihr die Fettbrocken nur mit besonders effektiven Waffen treffen. Die Kugeln einer Pistole etwa prallen wirkungslos an ihm ab. Noch dicker ist die Rüstung beim Monstrum, dem dicksten und gemeinsten Zombie im Spiel. Ein Monstrum lässt sich wirklich nur mit besonders durchschlagkräftigen Waffen bezwingen. Bleiben noch die Läufer-Zombies. Sie bewegen sich besonders schnell über das Spielfeld und verfügen über gleich zwei Aktionen pro Runde.

Den Tod im Nacken

Eine Läufer-Attacke kann schnell den Tod eines Charakters bedeuten. Beim ersten Angriff eines Zombies handelt sich der Überlebende noch eine Wunde ein. Dies führt lediglich zum Verlust eines Inventarplatzes. Doch schon beim zweiten Treffer beißt der Überlebende ins Straßenpflaster und scheidet aus dem Spiel aus. Hilfreich kann da eine Rüstung sein, die den ein oder anderen Treffer möglicherweise verhindert.

Wird die Zombie-Brut irgendwann zu groß, werdet ihr einfach von ihr überrollt und es gibt kein Entrinnen mehr. Zum Glück gibt es einige Waffen, mit denen ihr mit einem Angriff gleich mehrere Zombies ausschalten könnt. Eine ordentliche Salve mit einer Maschinenpistole kann für Entlastung sorgen. Richtig aufräumen könnt ihr mit einem Molotow-Cocktail. Dazu müsst ihr lediglich eine Flasche und etwas Benzin finden. Das explosive Geschoss vernichtet gleich alle Zombies innerhalb einer Zone. Vielleicht setzt ihr euch aber auch ein in ein herumstehendes Auto und rast einmal mitten in die Menge, ein paar Untote werdet ihr dabei wohl bestimmt erwischen.

Kooperativer Spaß

Zombicide ist ein kooperatives Erlebnis für bis zu sechs Spieler. Die Spielzeit der beigefügten Missionen schwankt zwischen einer und drei Stunden. Weitere Missionen könnt ihr entweder kostenlos online herunterladen oder aber weitere Zombicide-Sets hinzukaufen. Das Basispaket kostet etwa 70€. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, mit der ersten Staffel zu beginnen. Wenn ihr ein Fantasy-Szenario bevorzugt, könnt ihr zudem auch mit Zombicide: Black Plague beginnen.

für bis zu 6 Spieler
kooperative Spielweise
üppige Materialausstattung
ZOMBIIIIIES!!!
herunterladbare Zusatzmissionen
etwas zu leicht

Sebastian Hamers

Zombicide schwimmt mit auf der Zombie-Welle und bedient so ziemlich alle Klischees, die wir so lieben. Es ist eine ziemliche Materialschlacht geworden: 40 Schlurfer, 16 Läufer, 8 Fettbrocken, ein Monstrum, dazu die 6 Überlebenden. Das Spielfeld lässt sich dank des modularen Aufbaus immer wieder neu zusammensetzen, neun doppelseitige Kartenteile stehen euch dazu zur Verfügung. Zombicide bietet euch auf jeden Fall reichlich Material für viele Stunden Spielspaß. Auf dem Brett ist auch immer jede Menge los, die Action steht im Vordergrund. Mir hat es große Freude bereitet, mich mit der Kettensäge im Suizid-Modus zum Wohle der Gruppe durch die Zombiemassen zu schnetzeln. Taktisch hat Zombicide aber auch einiges zu bieten, die Schritte der Gruppe wollen gut überlegt sein. Freude bereitet ebenso das Levelsystem der Überlebenden. Sie werden im Verlauf des Spiels immer stärker, was natürlich motiviert. Zeitgleich kommen allerdings auch mehr und mächtigere Zombies ins Spiel. Unter dem Strich hätte Zombicide aber durchaus noch eine Spur schwerer sein dürfen. Notfalls könnt ihr den Schwierigkeitsgrad aber auch ein wenig modulieren, indem ihr mit weniger Charakteren ins Spiel geht. Trotz dieses kleinen Makels ist Zombicide ein tolles Koop-Spiel, das sich vor allem Fans von Zombie-Splatter-Filmen nicht entgehen lassen sollten.
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