The Princess Guide – Spielerisches Experiment ohne Identität – Test

The Princess Guide: Als Berater am Königshof

Vier Prinzessinnen und ein Coach

In The Princess Guide schlüpfen wir in die Rolle eines alteingesessenen Kriegers. Nach zahllosen Jahren auf dem Schlachtfeld, zieht sich dieser nun zurück, um ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Es verschlägt ihn in vier verschiedene Königreiche, in denen er als Mentor für die dort ansässigen Prinzessinnen agieren will. Zu diesen gehören die grausame und arrogante Magierin Veronica, die naive und verfressene Liliarte, die bescheidene und übereifrige Monomaria, sowie die Drachenprinzessin Alpana. Letztere begibt sich so bspw. auf Weltreise, um einen Glauben an eine Gottheit zu predigen, und das notfalls auch mit Gewalt. Das Charakterdesign fällt attraktiv aus, jedoch hätten wir uns mehr Events gewünscht. Ein paar mehr Dialoge, Events und Artworks hätten hier nicht geschadet.

Zum Spielstart können wir uns für eine der vier Prinzessinnen entscheiden, die mit jeweils einer eigenen Handlung daherkommen. Ebenso unterscheiden sich die Kampfstile dieser besonders drastisch. Alpana gleitet so bspw. wie ein Pfeil über das Schlachtfeld, wohingegen Veronica mit Zaubersprüchen um sich wirft. Aber keine Sorge, wir müssen uns nicht zwingend für einen Charakter entscheiden – zumindest vorerst nicht. In den ersten zehn Spielstunden durchschreiten wir einen Prolog aller vier Prinzessinnen und können die Kampfeigenschaften dieser austesten. Erst zu einem späteren Zeitpunkt muss dann der favorisierte Charakter gewählt werden, um dessen Story mitzuerleben. Zusätzlich können wir auch stets mit unserem eigenen Charakter in den Kampf ziehen, der mit dem Breitschwert ebenfalls ordentlich austeilen kann.

Eine durch und durch chaotische Inszenierung

Während die Grundidee recht solide daherkommt, so scheitert The Princess Guide leider in zahlreichen Bereichen wie Gameplay, Skillsystem, Strategiekarte und u.a. das Belohnungssystem. Das Gameplay kommt so mit vielen Merkmalen eines Action-Rollenspiels daher. Wir bewegen unsere Truppenverbände, von denen wir vier Stück gleichzeitig auf der Weltkarte haben können, zu Missionszielen, Nebenquests und weiteren interessanten Punkten. Bei Kontakt mit Gegnern werden hier Kämpfe inszeniert, die entweder in kleinen Arenen und etwas größeren Leveln durchgeführt werden. Hier müssen wir mit unserem aktuellen Charakter im Hack’N Slay-Prinzip losprügeln, feindlichen Angriffen ausweichen und Fähigkeiten einsetzen.

Die Anzahl der Mängel fällt allein hier bereits beispiellos aus. So findet ihr in allen Leveln Fallen vor, in die wir trappen oder wahlweise durch unsere Truppen übernehmen können. Der letztendliche Mehrwert dieser fällt allerdings gering aus, da sie einzunehmen den Spielfluss stört. Die Kämpfe selbst haben zudem mit einem schlechten Balancing zu kämpfen. Entweder fallen sie  zu einfach oder aber frustrierend schwierig aus. Außerdem verfügen unsere Heldinnen über individuelle Kampfverbände, die hinter ihnen hertrotten und mit eigenen Angriffen unterstützend mitwirken – die Durchschlagskraft ist allerdings ernüchternd. Während das Kampfsystem großes Potential besitzt, bekommen wir es leider nur mit einem chaotischen Gemetzel zu tun, welches sowohl durch Grafik- als auch Soundeffekte massiv überladen daherkommt.

Selbiges gilt auch für den eigentlichen Kern des Spiels. Wie der Titel „The Princess Guide“ schon aussagt, müssen wir die Prinzessinnen führen und anleiten. Dies geschieht durch eine „Loben“ bzw. „Schelten“-Funktion (Praise und Scold). Dies können wir pro Kampf drei Mal durchführen. Dabei spielt der Zeitpunkt eine wichtige Rolle, denn so können die sogenannten Materia freigeschaltet werden. Dies sind Erfahrungen, die in der Basis auf der Weltkarte unseren Prinzessinnen beigebracht werden können. Auf diese Weise steigen deren Attribute, sodass diese effektiver im Kampf werden. Wer hier jedoch ein S&M-Feature erwartet, der ist auf dem Holzweg. The Princess Guide kommt insgesamt sehr neutral und unschuldig daher. Entsprechend fällt die Idee interessant aus, wird jedoch nicht weit genug geführt und bleibt bis zum Schluss eher ein marginales Extra zum Leveln.

Relikte: Neue Fähigkeiten für die Heldinnen

Besiegen wir Gegner, dann können wir im Spielverlauf massenweise Münzen und gelegentlich Truhen finden. Münzen werden benötigt, um Soldaten für unsere Truppen zu kaufen, aber primär zum Aufwerten von Relikten. Letztere können in den besagten Truhen gefunden werden und bieten, neben Attributsverbesserungen, auch bestimmte Fähigkeiten. Mit diesen können Wirbelstürme beschworen, Gegner vereist und sogar Sturmangriffe ausgeführt werden, die eine Schneise der Verwüstung anrichten.

Die Implementierung dieser Relikte ist allerdings weniger gut gelungen. Zum einen können diese nur ausgerüstet werden, wenn der jeweilige Charakter in die eigene Basis zurückgekehrt ist und zum anderen lassen sie sich nur schlecht austesten. Es reicht also nicht, unsere Charaktere auf das Basisfeld zu bewegen, wir müssen einen Rückzug anordnen. Ist dies geschehen, kann der jeweilige Charakter für eine gewisse Zeit nicht genutzt werden. Wird das falsche und zu schwache Relikt ausgewählt, so kann dies schnell in Frustration resultieren, was den recht steilen Schwierigkeitsspitzen zu verdanken ist

Ein ambitioniertes Konzept...
Hochkarätige Synchronisierung
Prinzessinnen mit eigenen Kampfmechaniken
... das chaotisch und diffus präsentiert wird
Langatmige Storyentfaltung
Guidance-System zu eindimensional
Überladenes Gameplay
Unausgereiftes Skillsystem
Stark schwankender Schwierigkeitsgrad
Gelegentliche Abstürze

Daniel Meyer

Ein weiteres Mal beweist Nippon Ichi Software lobenswerte Experimentierfreudigkeit, von der sich viele Entwickler eine Scheibe abschneiden können. Gerade in den letzten Jahren durften sich Gamer auf so manche Perle gefasst machen, doch als Schattenseite leider auch auf diverse weniger gute Spiele. Leider gehört The Princess Guide zur letzteren Kategorie. Dabei leidet der Titel unter einer Identitätskrise, denn so richtig weiß dieser nicht, zu welchem Genre er gehören möchte. Derartige Unklarheiten ziehen sich durch das gesamte Spiel und nahezu alle Spielelemente. Während zumindest die Story einigermaßen solide und die Synchronisation herausragend ist, so habe ich mit großer Sehnsucht den Credits entgegengefiebert. Schlussendlich gehört The Princess Guides zu den eher vergessenswerteren Spielen von Nippon Ichi Software. Bleibt zu hoffen, dass wir mit dem nächsten wieder eine Perle abgeliefert bekommen.
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