Test: The Wolf Among Us

Test: The Wolf Among Us

Kurz eine rauchen bevor es losgeht

Spätestens seit The Walking Dead weiß jeder, dass Telltale für qualitativ hochwertige Geschichten im Videospielformat steht. Mit The Wolf Among Us erschien am 7. November der neueste Streich der Adventure-Pioniere nun endlich auch in einer handfesten Retail-Fassung. Ich habe die PlayStation 4-Version genauer unter die Lupe genommen und fand mich in einer unwirklichen Welt voller Mysterien und seltsamer Ereignisse wieder.

Grimm mal anders

Weil das mit den Comics als Vorlage schon bei The Walking Dead gut funktioniert hat, haben sich die Entwickler von Telltale dieses Mal bei DC nach Inspiration umgeschaut. The Wolf Among Us basiert auf den spannenden Krmi-Geschichten der Fables-Reihe, die seit 2002 bei Vertigo publiziert werden. Das was Fables jedoch einzigartig macht, sind nicht die Mordfälle, sondern die Charaktere. Die Figuren basieren nämlich alle auf Fabelwesen und Märchengestalten.

The Wolf Among Us wirft mich in eine Stadt Namens Fabletown, in der der Hauptprotagonist ein haariger Sheriff ist, der sich wenig später als der Böse Wolf aus den alten Märchen um Rotkäppchen und die sieben Geisslein herausstellt. Der gehört jetzt zu den Guten und arbeitet gemeinsam mit Schneewittchen und Ichabod Crane (Sleepy Hollow) in einer Agentur, die sich dem Schutz und der Beobachtung von Fabelwesen verschrieben hat.

Test: The Wolf Among Us

Die Fabletown-Bewohner wie wir sie kennen

Warum Charaktere wie Das Biest, Cinderella und der Froschprinz in die Menschenwelt mussten, wird in The Wolf Among Us mit keiner einzigen Silbe erwähnt. Ein Umstand, der mich unweigerlich dazu zwingt, Fragen zu stellen, auf die ich – neben den vielen anderen Fragen bezüglich späterer Ereignisse – selbstverständlich Antworten möchte. Ein guter Trick, um den Spieler am Ball zu halten und noch enger an die Charaktere zu binden.

Was mich aber noch viel mehr beeindruckt hat als die Star-Besetzung, war die unverblümte Art, wie unsere Kindheitshelden portraitiert wurden. Wer in Fabletown bleiben will, muss sich an Regeln halten. Geld ist ein ständiges Thema. Wer sich keinen “Glimmer” leisten kann, um menschliche Gestalt anzunehmen, muss in die Farm, so etwas wie ein Asylantenheim für Fabelwesen ohne Bürgerrechte. Anderen Figuren fällt es schwer Teil der menschlichen Gesellschaft zu werden, weshalb sie auf ständiger Jobsuche sind. Wiederum andere kommen über ihr Schicksal nicht hinweg und spülen ihren Kummer mit Alkohol herunter. Wenn ich als eingefleischter Disney-Fan dann sehen muss, wie eine einst gefeierte Prinzessin auf dem Strich anschaffen geht, um sich die Mietkosten ihrer heruntergekommenen Wohnung leisten zu können, bleibt mir die Spucke weg.

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Schneewittchen ist der Boss

Ein Thriller nimmt seinen Lauf

Als hätten die Bewohner Fabletowns nicht schon genug Sorgen am Hals, sorgt ein bizarrer Mord für Unruhe in der Stadt. Vor dem Apartment des Sheriffs wurde der Kopf einer Prostituierten Märchengestalt platziert, um die Aufmerksamkeit des Wolfes zu erregen. Nachdem einige Ermittlungen später erneut ein Kopf vor der Tür des Stadthüters gefunden wurde, wird schnell klar, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

In den folgenden Episoden von The Wolf Among Us erwarten euch zahlreiche Wendungen, einige davon relativ vorhersehbar, andere ohne Ende spannend. Ich wage mich in die dunkelsten Orte der Stadt, um auch nur den kleinsten Hinweisen zu folgen. Ich werde mit Wahrheiten konfrontiert, die ich eigentlich nie wissen wollte, die mich aber eben deshalb emotional treffen. Ich lerne allseits bekannte Charaktere von einer Seite kennen, die mir bislang verborgen blieb. Ganz ehrlich: Hätte einer von euch je damit gerechnet, dass es in der Ehe von Belle und das Biest krieselt? Oder wusstet ihr, dass einer der drei kleinen Schweinchen ein arbeitsloser Schmarotzer ist?

Test: The Wolf Among Us

Der große böse Wolf dreht den Spieß um

Bei so vielen genial ausgearbeiteten Details, stört es mich auch nicht, dass The Wolf Among Us nicht ganz frei von Klischees ist. Sheriff Bigby Wolf ist ein abgebrühter, bärtiger Typ, wie man ihn schon in zig Krimibüchern serviert bekommt. Schneewittchen ist die aufstrebende Business-Frau, die dem Hauptprotagonisten mit Rat, Tat und Anordnungen zur Seite steht. Und dann gibt es da noch diverse abgedroschene One-Liner, die man bei Bedarf in den Dialogen raushauen darf.

Mal abgesehen davon, dass es weitaus Schlimmeres als einen grimmigen Gesetzeshüter mit immer passenden Sprüchen auf den Lippen gibt, liefert Telltale mit The Wolf Among Us ein stimmiges Gesamtpaket bestehend aus einem soliden Plot, charmanten Charakteren und frischen Ideen. Und ja, eure Entscheidungen in The Wolf Among Us haben einen geringen Einfluss auf das Finale. Aber wen juckt das, wenn die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, genauso zermürbend sind, wie in einer guten Folge The Walking Dead?

Test: The Wolf Among Us

Der Wolf nimmt eine Fährte auf

Tiefgründige Charaktere
Erfrischende Story
Eine Mordserie zum Mitfiebern
Ein paar Klischees zu viel
Relativ vorhersehbare Wendungen

Clif A.

Glücklicherweise ist Telltale mit The Wolf Among Us ein weiteres Adventure gelungen, dass mich mit seiner packenden Story gebannt vor den Bildschirm gefesselt hat. Wenn Bigby Wolf auch ein wenig klischemäßig daher kommt, war mir der grimmige Sheriff doch immer sehr symphathisch. Richtig gut hat mir auch die Chemie zwischen den Charakteren gefallen, die sich durch ihr gemeinsames Schicksal näher standen als es auf den ersten Blick den Anschein gemacht hat. Bock auf einen Thriller mit facettenreichen Darstellern? Dann unbedingt The Wolf Among Us spielen!
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