Test: Thief

Meisterdieb Garret ist zurück. Nach über 10 Jahren versuchen Publisher Square Enix und Entwickler Eidos Montreal der Spieleserie Thief neues Leben einzuhauchen. Eine neue Geschichte und stimmungsvolle Optik sollen dafür sorgen, dass sich auch der nun mehr vierte Teil der Serie in eure Gunst stiehlt. Ob das klappt, oder ob Thief nicht aus dem Schatten seiner Vorgänger heraustreten kann, haben wir für euch herausgefunden.

Wie man Spielserien neues Leben einhaucht, haben die Entwickler von Eidos Montreal bereits mit Deus Ex: Human Revolution eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit Thief gehen Sie einen ganz ähnlichen Weg und so hat sich auch im neuen Teil einiges geändert. Die wohl offensichtlichste Veränderung, ist der bewusste Bruch mit der Vergangenheit. Von der eigentlichen Geschichte ist nicht viel mehr übrig außer der Protagonist Garret und der mittelalterliche Steampunk Schauplatz.

Test: Thief

Dark City

Protagonist Garret hatte es in seinem Leben nicht leicht. Er wächst im Handlungsort der City als Waisenkind auf. Früh lernt er, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt und so nimmt er sich einfach alles was er braucht, von all jenen, die es im Überfluss haben. Über die Jahre mausert er sich zum Meisterdieb und stiehlt nicht nur zum reinen Überleben, sondern fast schon aus sportlichem Ehrgeiz.

Thief Keine Remakes der Vorgänger geplant

Jedoch hat auch ein Dieb so seine Prinzipien. Garret verabscheut Gewalt und nimmt anderen Leute nur dann das Leben, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Ein nicht ganz einfacher Antiheld, der stets einen nüchternen One-Liner auf den Lippen hat, welcher ihn dann doch wieder sympathisch und glaubhaft wirken lässt.

Die Sache mit dem Pazifismus sieht eure Begleitern Erin jedoch gänzlich anders. Wo Garret seine filigranen Fingerfertigkeiten spielen lässt, greift sie doch schon mal gerne zur Keule. Das ist auch der Grund warum einer eurer gemeinsamen Beutezeuge, den ihr von eurem Auftraggeber Basso bekommt, gewaltig in die Hose geht.

Test: Thief

Ein Streit, ein Unfall, ein Blackout

Ihr seit unterwegs nach Nothcrest Mannor, dem Sitz des Baron Nothcrest. In dem Anwesen findet eine mysteriöse Zeremonie statt. Spätestens hier werden sich alt eingefleischte Fans der Serie richtig wohlfühlen. Das mysthische Szenario, mit geheimnissen vollen Kräften wie der Urkraft, baut eine unheimlich dichte und beklemmende Atmosphäre auf, der ihr euch kaum entziehen könnt.

Doch zurück zum Raubzug: Auf dem Dach des Schlosses angekommen, beginnt ein Streit. Erin stürzt ab und stirbt. Garret kommt auch nicht heil davon und erleidet einen Blackout. Nachdem er ein Jahr später wieder aufwacht, ist die Stadt nicht die, die er einst kannte. Wo vorher halbwegs Leben war, ist nun nur noch Tod. Die City ist befallen von einer Art Krankheit, der Schwermut, welche die Stadt gemeinsam mit dem neuen Herrscher, dem Baron, fest im Griff hat.

Vorschau: Thief

Meisterdieb und Held?

Als wäre das nicht schon beklemmend genug, hat der Baron seine eigene, riesige Privatarmee auf die Beine gestellt, die sogenannte Wache. Diese hält die Bevölkerung in einem eisernen Griff und patroulliert auf den Straßen der City Tag und Nacht. Kein Wunder also, dass ihr euch nur noch in den Schatten bewegen könnt. Doch einige Dinge verändern sich nie. Und so verteilt der gute Basso immer noch fleißig Aufträge, bei deren Erledigung natürlich fette Beute winkt.

Test: Thief

Wie ein Hund dem Ball hinterher wetzt, kann Garret seinen Drang nach Beute nicht unterdrücken. Doch diese Einstellung wird dem Alleingänger und zynischen Antihelden zum Verhängnis. Schon mit dem ersten Auftrag von Basso befindet er sich gleich zwischen den Fronten. Und so wird er zwangsweise zum Instrument des Auftraggebers Orion, dem Kopf des Widerstandes und Stimme des Volkes. Nebenbei geht ihr auch noch der Frage nach, ob Erin wirklich tot ist und was es mit der Schwermut eigentlich auf sich hat.

Wie das Ganze ausgeht wollen wir euch an dieser Stelle natürlich noch nicht verraten. Leider haben sich die Entwickler von Thief das wohl stellenweise auch gedacht und lassen an der ein oder anderen Stelle einfach ein Fragezeichen im Raum stehen.

Test: Thief

Pfeil und Keule

Serientypisch schleicht ihr auch im neuesten Teil wieder von Schatten zu Schatten um den Blicken der Wachen zu entgehen. Das funktioniert dank neuer Mechaniken wie dem Swipe (kurzer Sprint) auch wirklich gut und lässt euch stellenweise vor Spannung den Atem stocken. Aus dieser Illusion werdet ihr nur durch die stark schwankende Intelligenz eurer Gegner gerissen. Manchmal reicht auch nur der kleinste Mucks und schon werdet ihr erwischt. Hingegen könnt ihr euch stellenweise zwei Zentimeter neben die Wachen hocken und sie bemerken euch nicht.

Test: Thief Auch ihre Verhaltensmuster wirken größtenteils zu unlogisch und gescriptet. Besonders wenn Wachen von einer Sekunde auf die andere in einem Stuhl sofort in einen komatösen Tiefschlaf fallen. Spass und Nervenkitzel bringt es jedoch immer wieder mit Wasserpfeilen Feuer zu löschen oder mit der stumpfen Variante unerreichbare Schalter zu betätigen. Dann ist Thief wieder ganz so, wie ich es in Erinnerung hatte.

Auf eurem Weg durch die City findet ihr jede Menge Türen und Fenster zum knacken und aufhebeln. Einmal geöffnet finden sich dort zahlreicher Kram anderer Leute, den ihr euch frech aneignen könnt – lasst euch nur nicht dabei erwischen! Bei seinem Unfall in Northcrest Mannor hat Garret etwas von der Urkraft abbekommen. Mit der daraus resultierenden Fokuskraft könnt ihr Verborgenes sichtbar machen, die Zeit in Kämpfen verlangsamen und einige nützliche Dinge mehr. Wie stark ihr das nutzen könnt, hängt davon ab, welchen Schwierigkeitsgrad ihr auswählt. Drei vorgefertigte stehen euch zur Wahl und einen in dem ihr wirklich absolut alle Hilfen ausstellen könnt. Fans und Trophäen-Jägern empfehlen wir natürlich Letzteren.

Test: Thief

Licht und Schatten

Eins mag jedoch irgendwie nicht wirklich stimmen. Trotz Ausgangsspeere und Verfall der Stadt, sind die meisten Wohnungen leer und voller wertvoller Güter. Zudem wartet hinter jedem Fenster eine, wenn auch kleine, Wartezeit auf euch, was den Spielfluss stellenweise gehörig stört. Zwar fühlt ihr euch mit Garret dank Gagdets und neuer Fokus-, Schleich- und Parcours-Fähigkeiten deutlich agiler. Aber sobald ihr diese nutzt, stoßt ihr schnell aufgrund des verwinkelten Leveldesign und der zu kleinen Areale schnell an eure Grenzen.

Wo wir schon bei Thema Grenzen sind: Thief schrammt in unserem Fall auf der PlaySation 4 stellenweise an der Bewegtbildgrenze. Insbesondere die Cut-Scenes, welche stellenweise gehörig ruckeln, erleiden dadurch einen kleinen Bruch. In Kombination mit der arg verschobenen deutschen Synchronisation leidet die Atmosphäre gehörig. Schade, denn ansonsten sieht Thief wirklich fantastisch aus und kann durch exzellente Licht und Schattenspiele punkten. Selten wurde eine Stetting so schön und stimmig in Szene gesetzt wie hier. Allein an den Nebelschwaden in denen sich das Licht bricht, konnten wir uns kaum satt sehen.

  • Thief-Feeling gut modernisiertPackende Geschichte
  • Schicke Präsentation
  • Coole neue Fähigkeiten
  • Dichte und packende Atmosphäre
  • KI-Schwächen
  • Level-Design
  • Stellenweise unter 25 Frames(PS4)
  • Schwächen bei der Lokalisation

Marco K.

Mit Thief haben Edios Montreal und Sqaure Enix ein schweres Erbe angetreten und dies mit leichten Abstrichen gemeistert. Die Geschichte und die dichte, wenn auch schwere Atmosphäre, rauben euch stellenweise fast die Luft und fesseln euch vor den Bildschirm. Es sind die kleinen Dinge wie, Patzer in der KI und technische Schwächen, die einen Schatten auf das Reboot von Thief werfen. Trotzdem hatte ich viel Spiel mit Garret dabei mal eben nicht den Robin Hood spielen zu müssen.
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