Tippi Toppi – Das kooperative Kartenspiel im Test

Tippi Toppi: Kooperative Kartenkloppe – Kann das funktionieren?

Vor euch liegt ein Stapel mit Karten, verfügbar in vier unterschiedlichen Farben, je zweimal in den Ziffern von eins bis sieben… Oh nein, nicht noch so ein Uno-Skipbo-Elferraus-Klon. Solche Gedanken mögen erfahrenen Spielern tatsächlich in den Sinn kommen, wenn sie einen ersten Blick auf Tippi Toppi werfen. Optisch macht das Spiel tatsächlich nicht sehr viel her. Spielerisch hat es trotzdem nur wenig mit den oben erwähnten Kartenspiel-Klassikern gemein. Deutlich näher dürfte der Verwandtschaftsgrad da schon zu Spielen wie The Game oder The Mind sein, die in den letzten Jahren mit ihrer kooperativen Spielweise für Furore gesorgt haben. Tippi Toppi wandelt auf ähnlichen Pfaden wie diese beiden Kult-Spiele, fordert allerdings noch mehr eure Auffassungsgabe heraus.

In Tippi Toppi müsst ihr gleich mehrere Aufgaben parallel bearbeiten, Multitasker sind also klar im Vorteil. Dabei ist das Spielprinzip eigentlich ziemlich einfach. Das Kartenset besteht aus 56 Zahlenkarten. Dabei tauchen vier unterschiedliche Farben auf, mit Werten zwischen einem und sieben Punkten. Jede Karte befindet sich genau zweimal im gesamten Stapel. Vor Spielbeginn zieht ihr vier zufällige Karten und legt sie offen in der Tischmitte aus. Anschließend nimmt sich jeder Spieler vier Karten auf die Hand, die er vor den anderen verdeckt hält. Zum Schluss werden noch die aktuellen Missionsziele bekanntgegeben.

Vier Aufgaben gleichzeitig

Diese Ziele kommen über insgesamt 53 Aufgabenkarten ins Spiel. Zu jeder Zeit des Spiels liegen vier dieser Aufgabenkarten offen vor euch aus. Durch geschicktes Ablegen von Handkarten müsst ihr die Bedingungen auf diesen Karten erfüllen und so die Aufgaben abschließen. Je höher der gewählte Schwierigkeitsgrad, desto mehr Aufgaben müsst ihr gemeinsam erfüllen, um das Spiel zu gewinnen. Ihr solltet euch in jedem Fall gut absprechen, wenn ihr diese Mission erfüllen wollt.

Seid ihr am Zug, müsst ihr genau eine Karte von der Hand spielen und sie auf einen der vier Stapel in der Tischmitte ablegen. Die gelegte Karte muss dabei entweder die gleiche Farbe oder die gleiche Ziffer aufweisen wie die Karte darunter. Das war’s. Keine weiteren Regeln. Keine weiteren Ausnahmen. Nachdem ihr eure Karte gelegt habt, ist auch schon der nächste Spieler in der Reihe mit seinem Zug dran.

Flüssiger Spielverlauf

Beim Legen einer Karte solltet ihr darauf achten, eine der ausliegenden Aufgaben zu erfüllen oder zumindest auf die Erfüllung hinzuarbeiten. Beispielsweise könnte eine Aufgabe darin bestehen, zwei benachbarte Stapel in der Farbe orange zu haben. Habt ihr eine der vier verfügbaren Aufgaben erfüllt, legt ihr die Karte beiseite und deckt sofort eine neue Aufgabenkarte auf. Auf diese Weise sammelt ihr hoffentlich möglichst viele Aufgabenkarten, die ihr erfolgreich abgeschlossen habt.

Die einzelnen Aufgaben sind ziemlich bunt gemischt. Mal werdet ihr dazu aufgefordert, dass alle Stapel eine bestimmte Gesamtsumme aufweisen. Ebenso könnte aber gefordert werden, dass die Summe der orangenen Stapel der Summe der grünen Stapel entspricht. Manchmal benötigt ihr vier aufeinanderfolgende Zahlen oder dürft keine zwei gleichen Farbstapel haben. Die Aufgabenkarten geben tatsächlich sehr vielfältige Ziele aus. Das macht es für euch als Spieler nicht gerade leicht, zumal sich manche Missionsziele auch konträr zu einander verhalten. Dies kann etwa geschehen, wenn euch eine Mission dazu anhält, einen besonders hohen Gesamtwert zu erzielen, während eine zweite Mission eine ziemlich niedrige Gesamtsumme fordert.

Game Over

Eure Aufmerksamkeit wird in jedem Fall auf die Probe gestellt. Immer wieder müsst ihr euch einen guten Überblick über die Gesamtsituation auf dem Spieltisch verschaffen. Gar nicht so leicht. Dies gilt umso mehr, da ständig das Damoklesschwert des Game Overs über euch hängt. Das Spiel wird sofort beendet, wenn der aktuelle Spieler keine Karte von der Hand spielen kann. Es bedarf also wohl einer gewissen Absprache, wenn ihr das Spiel nicht vorzeitig verlieren wollt.

Leider ist die Kommunikation in Tippi Toppi ein wenig eingeschränkt. Ihr dürft euren Mitspielern nicht verraten, welche Zahlenwerte und welche Farben ihr auf der Hand haltet. Ihr dürft euch jedoch darüber austauschen, auf welche Stapel ihr vielleicht spielen könntet. Ebenso dürft ihr euch darauf verständigen, welche der vier Aufgaben ihr als Nächstes erfüllen wollt.

Kooperativer Quickie

Wie viele Aufgabe ihr erfüllen müsst, hängt vom gewählten Schwierigkeitsgrad und der Zahl der Mitspieler ab. Auf der einfachsten Stufe reichen euch schon 12-14 erfüllte Aufgaben. Im Champion-Level müsst ihr hingegen schon 20-22 Aufgabenkarten gesammelt haben. Diese Missionsziele solltet ihr erreichen, bevor euch der Stapel mit den Nachziehkarten ausgeht. Verbleibende Handkarten dürfen zwar noch gespielt werden, anschließend ist aber definitiv Schluss. Wie bereits erwähnt, endet das Spiel sofort, sobald der aktive Spieler keine seiner Handkarten auslegen kann.

Das Regelwerk bietet alternativ auch eine High-Speed-Variante an. Stellt hierzu einen Timer auf fünf Minuten. Alle Spieler dürfen ihre Karten wild durcheinander ablegen, die sonst übliche Reihenfolge wird ignoriert. Zur Abwechslung kann dieser Modus mal ganz spaßig sein, auf Dauer weiß die Standard-Variante aber dann doch besser zu gefallen. Den Schwierigkeitsgrad erhöhen könnt ihr mit dem Modus „Enjoy the Silence“. In dieser Variante darf überhaupt nicht kommuniziert werden.

Lobend erwähnt werden muss zudem, dass ihr Tippi Toppi sogar alleine spielen könnt. Das Spiel funktioniert problemlos nach den gewohnten Regeln. Ansonsten dürfen sich bis zu vier Spielern an einer Partie Tippi Toppi beteiligen. Ein Durchlauf dauert meist nicht viel länger als zwanzig Minuten. Tippi Toppi steht ab sofort im Handel und kostet zwischen 10€ und 12€.

schnell gespielt, schnell erlernt
kooperative Spielweise
kommunikativ
fordert eure Kombinationsgabe
auch alleine spielbar
alternativer Highspeed-Modus sorgt für Abwechslung
Kartenpech kann für Dead Ends sorgen
optisch schlicht

Sebastian Hamers

Kooperative Kartenspiele sind weiter voll im Trend. Nach den Erfolgen von The Game oder The Mind kommt nun Tippi Toppi in den Handel. Das Spiel ist aber kein plumper Klon der Erfolgshits, sondern bringt genug eigene Ideen. Tippi Toppi spielt sich nochmals herausfordernder als die beiden geistigen Vorfahren. Da immer vier Aufgaben parallel zu bearbeiten sind, müsst ihr immer einen guten Überblick über die gesamte Spielsituation behalten. Im Kopf laufen somit gleich mehrere Rechnungen zeitgleich ab. Zudem müsst ihr auch noch darauf achten, dass ihr eure Mitspieler nicht versehentlich schachmatt setzt. Obwohl ihr im Grunde immer nur eine einzige Karte ablegen müsst, spielt ihr Tippi Toppi eben nicht einfach so runter. Dies gilt insbesondere, wenn ihr viele ehrgeizige Spieler am Tisch habt. Trotz des höheren Herausforderungsgrads ist Tippi Toppi schnell erklärt und spielt sich von der Mechanik her auch sehr flüssig. Lange Wartezeiten sind nicht zu befürchten. Im Gegenteil, durch die kooperative Spielweise ist eure Aufmerksamkeit eigentlich durchgehend gefordert. Kleine Wehrmutstropfen sind die Dead Ends, die euch hin und wieder mal einen Strich durch die Rechnung machen. Manchmal fallen euch die Karten so ungünstig in die Hand, dass ihr keine Chance habt, das Spiel erfolgreich zu beenden. Ein gewisser Glücksfaktor bleibt also erhalten. Tippi Toppi ist ein herausfordernder Spiele-Quickie mit kooperativer Spielweise und einen hohen Grad an Interaktion. Somit ist das kleine Kartenspiel eine wunderbare Ergänzung zu den etablierten Platzhirschen The Game und The Mind.
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