Test: Titanfall

Als die Call-of-Duty-Erfinder Jason West und Vince Zampella ihren Weggang von Activision verkündeteten, um ein eigenes Studio zu gründen, war der Ärger groß. Knapp fünf Jahre und einen Rechtsstreit später, ist nun mit Titanfall das erste, neue Spiel der Respawn Studios erhältlich. Wir haben uns für euch ins Cockpit der haushohen Mechs geschwungen, um herauszufinden, ob Titanfall an alte Erfolge anknüpfen kann, oder nur ein Rohrkrepierer ist.

Mein großer Freund

Test: TitanfallDoch bevor es richtig losgeht, muss zuerst einmal das leidige Tutorial absolviert werden, das euch mit den Grundlagen der Steuerung vertraut machen soll. So kann euer Soldat eben nicht nur stupide rennen und ballern, sondern hat auch ein paar Parcours-Kunstückchen drauf, bei denen Lara Croft glatt neidisch werden würde. So könnt ihr an Wänden entlanglaufen und mit eurem Raketenrucksack einen Doppelsprung vollführen. Bitternötig, denn in der Hitze des Gefechts ist die Flucht oft die letzte Möglichkeit, um euch mit heiler Haut davonzustehlen.

Doch ihr seid nicht alleine. Schon nach wenigen Minuten in der Schlacht, steht euch einer von drei verschiedenen Titanen zur Verfügung. Einmal gerufen, knallt der Koloss auf die Erde und kann von euch als Vehikel genutzt werden. Oder – und das ist oftmals die bessere Idee – ihr stellt das Metallmonster auf „Schützen“ oder „Folge mir“ und habt so einen kampfstarken Bodyguard an eurer Seite. Auf 15 verschiedenen Maps könnt ihr euch dann nach Herzenlust austoben und verschrotten, was das Zeug hält. Allerdings sind schon in der frühen Phase des Spiels wieder zahlreiche Hardcore-CoD-Zocker unterwegs, die alles daran setzen, euch den Spielspaß zu verleiden. Da heißt es: Dranbleiben, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister.

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Muss das sein?

Neben den obligatorischem Mehrspieler-Scharmützeln, könnt ihr in Titanfall auch eine Mehrspieler-Kampagne auswählen. Hier wird – während die krude Hintergrundgeschichte aus dem Off geplärrt wird – auf verschiedenen Maps vor einem geschichtlichen Hintergrund gekämpft. Ziemlich „Banane“, aber ihr solltet den Modus trotzdem komplett durchspielen, um alle drei Titan-Modelle für die verschiedenen Mehrspielermodi freizuschalten.

Bei nur neun Karten, habt ihr die „Story“ aber in unter drei Stunden hinter euch gebracht und könnt euch voll auf das konzentrieren, was den eigentlichen Kern des Spiels ausmacht. Pfeilschnelle und unnachgiebige Gefechte für Leute mit insektenartigen Reflexen und perfektem Orientierungssinn. Zusätzlich zu den 12 Spielern, die sich gleichzeitig in einer Schlacht tummeln, gibt es für beide Seiten noch jeweils sechs Bots, die die Karte bevölkern. Die sind zwar nur Kanonenfutter, dienen mit ihrem schnellen Ableben aber immerhin dazu, das ihr schneller euren Titanen rufen könnt.

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Mirror´s Edge mit Mechs

Die 15 verschiedenen Umgebungen sind dann so auch perfekt auf eure Parcours-Fähigkeiten und die Anwesenheit der riesigen Metallburschen ausgelegt. Lagoon stellt dabei den ersten Liebling der Redaktion dar. Mit dem aquamarinen Einschlag und den Ziplines – an denen ihr euch blitzschnell von einem Punkt zum anderen abseilen könnt – ist diese Karte einfach perfekt um spannende Gefechte zu unterstützen. Seid ihr gut genug, könnt ihr die Map mit euren Fähigkeiten überqueren, ohne einmal den Boden berühren zu müssen. Das klappt auch auf der Map Nexus perfekt, allerdings sei auch hier gesagt, das schon eine Menge Übung vonnöten ist, um auch genau da hinzuhopsen, wo ihr eigentlich hinwollt.

Die härteste Map aus Titanfall stellt bis jetzt Rise dar – einfach nur ein langer Korridor lässt diese Umgebung kaum Platz für taktische Finessen. Alle Maps sind schön kompakt, abwechslungsreich und ihr stellt fest, das sich die Entwickler wirklich Gedanken gemacht haben, wie man die Map designen muss, damit man zu Fuß und im Cockpit des Mechs seinen Spaß hat.

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Wir brauchen Waffen!

Natürlich sind Soldat und auch Mechs mit zahlreichen Waffen bestückt, die ihr vor dem Kampf aber noch verändern könnt – dies geht allerdings erst ab Level 5, vorher seid ihr an eine Klasse und damit auch an eine Waffe gebunden. Später wird eure Auswahl aber immer größer und natürlich auch wuchtiger. Das macht – gerade in den ersten Spielstunden – einen großen Teil der Motivation von Titanfall aus. Praktisch nach jeder Runde schaltet ihr neue Waffen, Verteidigungssysteme und später sogar Burn-Cards frei. Diese Karten sind vergleichbar mit den Perks aus der CoD-Serie. Einmal ins Feld geworfen, habt ihr dann für die Dauer einer Runde erhebliche Vorteile auf eurer Seite.

Test: TitanfallBis alle 31 Waffen für den Robocop und euren Soldaten freigespielt sind, dürfte einige Zeit ins Land gehen. Für die zusätzlichen Anbauteile für eure Schießprügel, zockt ihr sogar noch länger. Habt ihr Level 50 erreicht, könnt ihr alle gewonnene Punkte eintauschen und einen Generationswechsel vornehmen – das könnt ihr insgesamt zehn mal machen, bis das Levelcap erreicht ist. Wir wagen uns kaum vorzustellen, wie viel Zeit man mit dem Spiel verbringen muss, bis dieser Traum Wirklichkeit wird.

Die wohl stärkste Waffe für den Soldaten im Spiel – das Kraber Scharfschützengewehr – steht euch ab Level 44 zur Verfügung, entfaltet seine volle Zerstörungskraft aber nur in der Hand eines sehr versierten Zockers. Doch so viele verschiedene Waffen es auch für euren Titan gibt, meistens kehrt ihr zur Ausgangsausrüstung zurück. Das Vortex-Schild, mit dem ihr feindlichen Beschuss aufsaugen und zurückschleudern könnt und die 40 mm Chaingun, sind aber auch wirklich ein fast unschlagbares Duo.

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One Moment in time

Lasst ihr dann abends – oder erst spät nachts, geschafft das Gamepad zu Boden sinken, sind es die Momente, die Titanfall sehr wohltuend aus der Masse der Shooter abheben: Unter Feuer hektisch einen feindlichen Turret hacken, oder im letzten Moment das Rettungsschiff der Gegner vom Himmel zu holen – das hat schon was. Muss auch, denn die Spielmodi selbst sind bekannt und nicht wirklich abwechslungsreich. Hier hätten wir uns etwas mehr Mut vom Entwickler gewünscht, denn eigentlich sind alle verfügbaren Modi altbekannt und laufen immer auf wilde Ballereien hinaus.

Vielleicht können wir uns in den angekündigten Mappacks und Updates ja auf ein paar frischere Spielmodi freuen, die noch mehr mit dem Titanen-/Piloten-Gespann experimentieren. Auch das Matchmaking läuft noch nicht so, wie es eigentlich soll. Da kann es oft passieren, das ihr mit eurer Party – bestehend aus Level 4 und Level 6 Spielern – dann gegen ein Team antreten muss, das levelmäßig schon jenseits der 30 ist. Der Ausgang dieser Partien ist dann auch natürlich eher spaßfrei.

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Ich lös Dich auf!

Schon im Vorfeld war das Geschrei groß und die Auflösung der Xbox One-Version vielen Spielern ein Dorn im Auge. Und statt den angestrebten und versprochenen 900p sind es im fertigen Spiel nun 792p. Dafür läuft das Spiel meistens sehr flüssig mit einer Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde. Ganz ehrlich: Wenn sich 12 Mechs beharken, überall alles explodiert und Schüsse aus jeder Richtung durch´s Bild pfeifen, denkt man kaum mehr über das dezente Kantenflimmern oder schwach aufgelöste Texturen nach. Das Gesamtbild von Titanfall ist hübsch anzusehen, von einer Grafikbombe, wie wir sie für die neuen Konsolen erwarten würden, ist Titanfall aber noch ein ganzes Stück entfernt.

  • Fette Mech-Action
  • 15 verschiedene Maps
  • Läuft flüssig und schnell
  • Keine „neuen“ Spielmodi
  • Überflüssige MP-Kampagne
  • Krudes Matchmaking

Boris C.

Diese Mission kann man als gelungen bezeichnen. Das erste Spiel der Respawn Studios bietet pfeilschnelle, krachende Action ohne „störende“ Beigaben. Besonders Fans von Call of Duty oder Battlefield fühlen sich hier sofort wie zu Hause und haben in den Schlachten auch meistens sofort die Oberhand. Flüssige Optik, motivierende Goodies zum Freischalten und satte 15 Maps stehen zudem ebenso auf der Habenseite des Spiels. Die wenig abwechslungsreichen Spielmodi, das verwirrende Matchmaking und das Fehlen einer Einzelspieler-Kampagne nagen jedoch am sonst positiven Gesamtergebnis. Hier kommen mit neuen Downloads hoffentlich noch ein paar erfrischende Änderungen auf uns zu. Bis dahin heißt es: Einsteigen und losballern!
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