Treasure Island im Test: Eine Schatzsuche mit coolen Gimmicks

Treasure-Island-Spielbrett

Treasure Island: Die Schatzsuche mit cleveren Ideen erfordert detektivisches Geschick und Schlitzohrigkeit eines Piraten

Sowohl die Video- als auch die Brettspielwelt erlebt jedes Jahr eine wahre Flut neuer Spiele. Da mag man fast schon glauben, dass es völlig unmöglich ist, mal wieder eine wirklich innovative Spielidee zu erleben. Umso überraschter ist man als Spieler dann über die frische Brise, wenn dann doch mal wieder so ein neues Spiel auf den Tisch kommt. Ein solches Spiel könnte tatsächlich Treasure Island sein, das nun ganz frisch in deutscher Sprache in den Handel gekommen ist. Treasure Island wartet mit ein paar ziemlich außergewöhnlichen Ideen auf. Witzigerweise haben sich die französischen Spieleentwickler von Matagot dabei den Uralt-Schinken „Die Schatzinsel“ zum Vorbild genommen.

In Treasure Island erlebt das alte Holzbein Long John Silver seinen dritten Frühling. Er steht im Mittelpunkt der Schatzjagd auf einer verlassenen Pirateninsel. Als einziger Pirat ist ihm der genaue Aufenthaltsort des Schatzes bekannt. Seine Crew hat indes gemeutert und fordert ihren Anteil an der Beute. Silver weigert sich allerdings beharrlich, das Schatzversteck preiszugeben. Die Piraten lassen nicht locker und befragen ihren Kapitän mit sanftem Druck nach dem Versteck. Long John Silver windet sich, muss aber wohl oder übel seiner Crew stückweise ein paar Details verraten. So kommen die Piraten ihrem Ziel immer näher. Die Zeit drängt allerdings. Long John Silver hat längst seine Flucht von der Insel geplant.

Schatzsuche für Piraten mit Orientierungssinn

Einer von euch übernimmt die Rolle des berüchtigten Long John Silver. Der Rest der Truppe spielt seine Piratencrew. Als Piraten spielt ihr allerdings nicht kooperativ. Jeder möchte den Schatz für sich beanspruchen und sich mit den Dublonen davonstehlen. Keine leichte Aufgabe, denn Silver verteilt nur sehr zaghaft seine Informationshäppchen. Auch über den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen müsst ihr euch Gedanken machen, der Typ hat es faustdick hinter den Ohren.

Zunächst breitet ihr aber den Faltplan mit der Insel vor euch aus. Dieser ist doppelseitig bedruckt. Eine Seite ist bunt und ziemlich schick, die Rückseite ist farblich dezent, bietet dafür aber eine bessere Übersicht. Long John Silver muss sich nun Gedanken darüber machen, wo er den Schatz verstecken möchte. Das Versteck kann sich fast überall auf der Karte befinden. Lediglich ein paar nicht erreichbare Orte wie Gebirge oder tiefes Wasser sind als Versteck tabu. Sein Versteck hält der Kapitän auf einer kleinen Übersichtskarte fest, die er hinter seinem Sichtschirm verbirgt.

Tage in Gefangenschaft

Die Gefangenschaft Silvers dauert genau 19 Tage an. Ist es bis zu diesem Tage keinem Piraten gelungen, den Schatz zu heben, flüchtet der Kapitän aus der Gefangenschaft. Sein Ziel dürfte klar sein: so schnell wie möglich selbst du Schatz zu heben und von der Insel zu verduften. Bis dahin nehmen ihn die Piraten aber ordentlich in die Mangel. An jedem neuen Tag muss Long John Silver sein großes Geheimnis ein Stück lüften.

Um den Spielfortschritt zu verwalten, nutzt ihr eine Kalendertafel. Dort könnt ihr ablesen, welchen Hinweis Silver am heutigen Tag abgeben muss. Viele Hinweise sind öffentlich und somit für alle Piraten einsehbar. Long John Silver hat limitierte Möglichkeiten, etwas über das Schatzversteck zu verraten. Ihm stehen dazu Hinweiskarten zur Verfügung, die er an bestimmten Stellen des Spiels ausspielen muss.

Der Nebel lichtet sich

Als Long John Silver wählt ihr natürlich vor allem die Hinweise aus, die möglichst wenig über das Versteck verraten. Dennoch wird die Luft für euch immer enger. Mit jedem neuen Hinweis erfahren die Piraten wieder ein weiteres Detail. So können sie nach und nach Teile der Insel ausschließen und kommen ihrem Ziel immer näher. Jeder Pirat bekommt einen eigenen Mini-Inselplan sowie einen Sichtschirm. Dort lassen sich die ermittelten Informationen auch optisch komfortabel verwalten.

Auf den Spielplänen darf reichlich herumgekritzelt werden. Das gilt für die Minipläne der Piraten gleichermaßen wie für das große Spielbrett. Dabei bedient ihr euch ein paar ziemlich cooler Gimmicks. Ein Hinweis weist euch beispielsweise an, eine Piratenfigur auf der Insel zu benennen, die sich innerhalb eines Acht-Meilen-Radius vom Schatz aufhält. Den Radius haltet ihr direkt auf dem Spielbrett fest. Dazu verwendet ihr den beiliegenden Zirkel, in den ihr einen Stift einspannt.

Mit Kompass, Sextant und Zirkel

 

Einen ähnlich tollen Effekt hat der Sextant. Ihr legt einen Kompass um eine Piratenfigur und richtet ihn nach Norden aus. Der Sextant gibt drei Richtungen an, in einer davon befindet sich der Schatz. Die daraus gezogenen Schlüsse könnt ihr ebenfalls wieder auf der Landkarte festhalten. Die Hinweise Silvers sind ziemlich bunt gemischt. Mal könnt ihr eine bestimmte Zone, wie etwa Wälder oder Ruinen ausschließen, mal wird verraten, ob sich der Schatz in einer Zone von maximal einer Meile von einem Ort befindet, an dem schon einmal aktiv gesucht wurde.

Long John Silver darf sogar freiwillig Hinweise geben. In einer kleinen Kiste schiebt er einem Piraten sogenannte Truhenhinweise zu. Sie lassen ebenso auf den Aufenthalt der Schatzkiste schließen oder gewähren einem Piraten zusätzliche Aktionen. Natürlich gibt Silver nicht vollkommen uneigennützig weitere Tipps. Jeder Truhenhinweis gewährt ihm Zugriff auf neue Hinweise, die etwas weniger aussagekräftig sind als die regulären Hinweiskarten.

Long John Silvers Piratenbluff

Unter jeden öffentlich ausliegenden Hinweis muss Long John Silver zudem verdeckt ein Informationsplättchen legen. Diese gibt es in den beiden Varianten „Wahrheit“ und „Bluff“. Je nach gewähltem Plättchen muss die auf der Hinweiskarte enthaltene Information stimmen oder nicht. Pro Spiel stehen Silver allerdings nur zwei Bluff-Marker zur Verfügung. Gebluffte Hinweise müssen nicht zwingend gelogen sein. Als Piratenkapitän dürft ihr euch durchaus dennoch für die Wahrheit entscheiden. Man weiß eben nicht, wo man bei diesem Schlitzohr dran ist.

Die Piraten haben aber natürlich auch ihre Methoden, um aktiv zur Schatzsuche beizutragen. An jedem Kalendertag darf ein anderer Pirat aktiv werden und dabei ein oder zwei Aktionen durchführen. Mit einer Aktion könnt ihr euch über die Insel bewegen und natürlich auch nach dem Schatz buddeln. Bei der Schatzsuche wählt ihr je nach Art der Suche eine große oder kleine kreisförmige Schablone. Mit dem Stift zeichnet ihr damit auf dem Spielfeld einen Kreis. Long John Silver muss euch jetzt verraten, ob ihr den Schatz tatsächlich entdeckt habt. Falls nicht, so habt ihr zumindest wieder ein kleines Areal ausgeschlossen. Die Suche geht weiter.

Individuelle Piratencharaktere

Zusätzlich zu diesen Standard-Aktionen verfügt jeder Pirat über ein individuelles Set aus Spezialaktionen. Diese könnt ihr allerdings zumeist nur begrenzt häufig einsetzen. Mit diesen Aktionen könnt ihr zum Beispiel auch überprüfen, ob Silver bei einem Hinweis die Wahrheit gesagt oder möglicherweise doch geblufft hat. Je nach gewähltem Freibeuter verfügt ihr über eine andere Zusammenstellung an Spezialaktionen. Einige Fähigkeiten habt ihr gar völlig individuell. Pirat Olivier bewegt sich etwa besonders schnell über die Karte. Dafür darf Anne ihr kleines Äffchen King George einsetzen, um in der Distanz auf Schatzsuche zu gehen.

Die Piraten wechseln sich untereinander in ihren Aktionen ab. Pro Tag wird immer nur einer von ihnen aktiv. Sollte Long John Silver tatsächlich über die volle Distanz von 19 Tagen durchhalten, darf auch er sich endlich über die Insel bewegen. Solange er den Ort des Schatzes aber nicht erreicht hat, haben alle Piraten weiterhin die Chance auf den Sieg.

An einer Partie Treasure Island können zwei bis fünf Spieler teilnehmen. Für einen Durchlauf benötigt ihr etwa 45-60 Minuten. Die deutsche Ausgabe von Treasure Island kommt über Pegasus Spiele in den Handel und kostet 45-50€. Bis zum 31. Juli wird Treasure Island nur in den Pegasus Premiumshops verfügbar sein. Erst danach kann das Spiel auch über die anderen Kanäle bezogen werden.

hochwertiges Material
stimmige Atmosphäre
erfrischendes Spielkonzept
optisch ansprechend
Piraten!!!!
geringere Siegchancen als Long John Silver

Sebastian Hamers

Treasure Island ist ein Deduktionsspiel im Piratensetting. In diesem Genre findet ihr sicherlich andere Spiele, die verzwickter sind und eure Köpfe mehr zum Qualmen bringen. Doch es gibt nur wenige Spiele, die sich so frisch anfühlen wie das vorliegende Piraten-Epos. Trotz eines jährlichen Ausstoßes einer vierstelligen Zahl neuer Spiele, Titel wie dieser kommt euch nicht alle Tage in die Finger. Stückweise erschließt sich den Piraten der Aufenthaltsort des Schatzes, während die Luft für Long John Silver immer enger wird. Das wird auch optisch wunderschön sichtbar. Auf den Mini-Plänen der Spieler sowie auf dem großen Übersichtsplan darf herumgekritzelt werden wie auf einer echten Karte. Ein dicker Pluspunkt ist demnach auch das haptische Element. Ausgerüstet mit Zirkel, Kompass oder Sextant wird die Piraten-Atmosphäre toll transportiert. Thematisch wurde das Piraten-Setting sehr gut aufbereitet. Für beinharte Tüftler und Rätselexperten finden sich allerdings anspruchsvollere Titel im Handel. Meist gelingt es den Piraten doch den Schatz vorzeitig zu heben. Umso erhebender ist das Gefühl für den Piratenkapitän aber dann, wenn es ihm wider Erwarten gelingt, sich mit dem Schatz davonzustehlen. Treasure Island ist ein atmosphärisch starker Titel, der sich dank frischer Ideen wohltuend aus der Spieleflut hervorhebt und so eine Bereicherung für fast jede Spielesammlung ist.
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