Werwörter im Test – Das Wortspiel mit geheimen Rollen

Werwörter-Test-Bürgermeister-Seherin

Wörter erraten im Werwolf-Kosmos

Die Werwölfe vom Düsterwald? Kennt doch eigentlich jeder. Als das Partyspiel in den frühen 2000er Jahren veröffentlicht wurde, eroberte es rasch die Studentenbuden und anschließend auch die Familienheime. Etliche Erweiterungen und Abwandlungen später bringt der Ravensburger Verlag nun Werwörter in den Handel. Die Werwolf-Variante fand sogleich viele Fans und schaffte es jüngst sogar auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2019. Im Vergleich zum Ur-Werwolf hat sich thematisch dabei gar nicht viel getan. Noch immer treiben in einem mittelalterlichen Dorf die Werwölfe ihr Unwesen. Glücklicherweise hat der Bürgermeister inzwischen jedoch ein Zauberwort entdeckt, um die Lykanthropen ein für alle Mal aus dem Dorf zu vertreiben.

Die Sache hat, wie könnte es auch anders sein, aber natürlich einen gewaltigen Haken. Das Zauberwort hat den Bürgermeister leider verstummen lassen. Seine Mitbürger versuchen daher das Zauberwort zu erraten. Der Bürgermeister kann auf ihre Fragen allerdings nur mit Hilfe seiner Antwort-Marker reagieren. Mit diesen rudimentären Hilfsmitteln versucht die Dorfgemeinschaft jetzt das geheime Zauberwort zu ermitteln. Die Werwölfe haben sich indes wieder inkognito unter das Volk gemischt und versuchen, die Mission der Einwohner scheitern zu lassen.

Wer ist wer im Märchenwald?

Die Spielvorbereitungen von Werwörter ähneln dem des geistigen Vorbilds. Zunächst wird jedem Spieler eine Rolle zugeteilt. Dies geschieht durch das zufällige Ziehen einer Rollenkarte. Eure Rolle haltet ihr dabei natürlich stets vor euren Mitspielern geheim. In jedem Spiel wird je eine Rollenkarte für den Bürgermeister, den Werwolf und die Seherin benötigt. Insgesamt braucht ihr eine Rollenkarte mehr als Spieler vorhanden sind. Die übrigen Rollen werden mit Dorfbewohnern besetzt.

Nachdem jeder Spieler also eine Rollenkarte gezogen hat, bleibt genau eine Karte übrig. Diese verbleibende Rollenkarte geht an den Bürgermeister, der in seinem Amt öffentlich auftritt. Seine zweite Rollenkarte bleibt indes geheim. Als Bürgermeister könnt ihr folglich auch ein Doppelleben als Werwolf oder Seherin führen. Gerade ein Bürgermeister-Werwolf kann für einen besonders pikanten Spielverlauf sorgen. In größeren Runden, ab etwa sechs Spielern empfohlen, könnt ihr zudem eine zweite Werwolf-Rolle hinzufügen.

Das magische Wort

Der Werwolf sowie die Seherin haben sich Undercover unter das Volk gemischt. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern versuchen sie nun das Zauberwort zu erraten. Als Werwolf könnt ihr vielleicht ein paar Fragen stellen, um die Meute auf eine falsche Fährte zu locken. Ihr wollt natürlich verhindern, dass die Dorfbewohner das geheime Zauberwort entdecken. Dabei solltet ihr allerdings ziemlich vorsichtig vorgehen. Sonst müsst ihr euch am Ende doch noch der Lynchjustiz stellen und landet am Galgen.

In der Rolle des Bürgermeisters kommt euch eine Art Spielleiterfunktion zu. Ihr seid zunächst für die Wahl des Zauberwortes zuständig. Am besten bedient ihr euch dazu der Begleit-App, die ihr euch für iOS- und Android-Geräte kostenlos herunterladen könnt. Die App unterbreitet euch Vorschläge, wie euer Zauberwort lauten könnte. Aus den vorgeschlagenen Optionen wählt ihr ein Wort aus. Dieses muss im Spielverlauf von den Dorfbewohnern erraten werden.

Begleit-App führt durch das Spiel

Die Begleit-App führt euch auch durch den weiteren Spielverlauf. Sie weist euch genau an, wann welche Spieler die Augen zu öffnen oder zu schließen haben. Nachdem der Bürgermeister das Wort gewählt hat, schließt er nun seine Augen. Anschießend wird die Seherin wach, sie darf sich das gewählte Zauberwort nun ebenfalls ansehen. Nachdem die Seherin wieder eingeschlafen ist, wird nun der Werwolf erweckt. Auch der Werwolf weiß um das geheime Wort. Lediglich die armen Dorfbewohner tappen im Dunkeln umher.

Die Dorfbewohner, inklusive der Seherin und des Werwolfs, bombardieren nun den Bürgermeister mit Ja/Nein-Fragen. Da der Bürgermeister verstummt ist, nimmt dieser nun seine Antwort-Marker zu Hilfe. Er beantwortet die Fragen, indem er dem Fragesteller einen passenden Chip zukommen lässt. Ihm stehen dabei 35 doppelseitige Ja/Nein-Marker zur Verfügung. Weiterhin gibt es noch einen Marker „Nah dran“, einen Marker „Falsche Fährte“, zehn „Vielleichts“ sowie den Richtig-Marker.

Die Macht der Seherin

Hat ein Dorfbewohner das Zauberwort korrekt erraten, schiebt ihm der Bürgermeister den Richtig-Marker zu. Gleichzeitig tippt er in der App den dazugehörigen Button. Der Werwolf deckt nun seine Rollenkarte auf. Er hat nun fünfzehn Sekunden Zeit, um die Seherin der Gruppe zu enttarnen. Dazu darf der Werwolf genau einen Tipp abgeben. Hat er die Seherin entdeckt, hat er das Spiel doch noch herumgerissen und die Partie gewonnen. Ohne die Seherin ist auch das Zauberwort nutzlos. Ohne ihre magischen Kräfte können die Werwölfe auch mit dem Zauberwort nicht vertrieben werden.

Deutlich bessere Siegchancen hat der Werwolf jedoch, wenn es den Dorfbewohnern nicht gelingt, das Zauberwort zu erraten. Für ihre Mission haben sie nur vier Minuten Zeit. Der Timer wird dabei praktischerweise ebenfalls direkt von der App verwaltet. Weiterhin sind ihre Rateversuche durch die Ja/Nein-Marker limitiert. Sobald der Bürgermeister den letzten Ja/Nein-Chip verteilt hat, gilt die Aufgabe als gescheitert.

Die letzte Patrone

Genau wie der Werwolf haben aber auch die Dorfbewohner noch ein letztes Ass im Ärmel. Gemeinsam darf die Gruppe jetzt noch versuchen, den Werwolf aufzuspüren. Es folgt eine Abstimmung unter allen Spielern, wer wohl der Werwolf sein mag. Eine Minute lang könnt ihr nun über das Votum diskutieren. Dann zeigen alle Spiele gleichzeitig auf einen Mitspieler. Der Spieler mit den meisten Stimmen deckt seine Rollenkarte auf. Handelt es sich dabei tatsächlich um den Werwolf, haben die Dorfbewohner das Spiel doch noch gewonnen.

Wenn ihr das Spiel noch etwas aufpeppen wollte, könnt ihr auch noch die beiden zusätzlichen Rollen mit ins Spiel nehmen. Stets im Doppelpack kommen die beiden Freimaurer ins Spiel. Sie wachen in der Nacht gemeinsam auf und sehen sich nach dem anderen Freimaurer um. Die Freimaurer gehören der Dorfgemeinschaft an. Sie haben lediglich den Vorteil, dass sie um einen sicheren Verbündeten wissen.

Zusätzliche Rollen

Einen kleinen Vorteil hat auch die Wahrsagerin. Sie wacht direkt nach der Seherin auf, sieht aber nur einen sehr kleinen Teil des Zauberworts. Wie viele Buchstaben die Wahrsagerin zu sehen bekommt, lässt sich in der App einstellen. Ansonsten gehört die Wahrsagerin ganz normal zur Dorfgemeinschaft und versucht ihren Teil zur Lösung beizutragen. Sollte sie sich am Ende des Spiels aber vom Werwolf erwischen lassen, haben die Dorfbewohner ebenso verloren als wenn die Seherin enttarnt wird.

Egal mit welcher Konstellation ihr das Spiel bestreitet, die Spieldauer beläuft sich tatsächlich auf weniger als zehn Minuten. Ein paar kleine Vorbereitungen müssen getroffen werden, der Hauptteil des Spiels ist ohnehin durch den Vier-Minuten-Timer begrenzt. Für die Auswertung braucht es ebenfalls nur wenige Minuten.

Wenn ihr partout auf die App-Unterstützung verzichten wollt, könnt ihr Werwörter auch vollständig analog spielen. Das Zauberwort lässt sich beispielsweise mit der beiliegenden Wortwolke ebenso zufällig ermitteln. Eigentlich gibt es aber keinen Grund auf die App zu verzichten, das sie ihren Job sehr zuverlässig erledigt. Werwörter ist für drei bis zehn Spieler ab zehn Jahren ausgelegt. Das Spiel findet ihr bereits im Handel. Preislich müsst ihr mit etwa 10-12€ rechnen.

Wörterraten im Werwolf-Universum
partytauglich
mit kostenloser Begleit-App
sorgt für spannende Gruppendynamik
spielt sich kurz und knackig
mechanisch simpel

Sebastian Hamers

Spielerisch ist Werwörter kein Hexenwerk. Was auf den ersten Blick vielleicht sogar ein wenig banal klingt, entwickelt aber eine überraschend intensive Dynamik. Es ist tatsächlich die Interaktion unter den Spielern, die dem Spiel seine Würze verleiht. Jeder Spieler steht unter Verdacht, ein Werwolf zu sein. Davon ist sogar der Bürgermeister nicht ausgeschlossen. Bemerken die Dorfbewohner, dass seine Antworten nicht immer ganz so stimmig sind, kann das ein Hinweis auf seine Geheimidentität sein. Manchmal nimmt das Spiel auch eine besondere Wendung. Wenn sich der Werwolf sicher ist, die Wahrsagerin enttarnt zu haben, wird der beim Erraten des Zauberworts sicher sehr gerne mithelfen. Schließlich kann er in diesem Fall am Spielende ganz komfortabel die Wahrsagerin um die Ecke bringen und seine Schreckensherrschaft fortführen. Andersherum hat ein Bürger möglicherweise gar kein Interesse mehr, das Zauberwort zu erraten, wenn er die Identität des Werwolfs erkannt hat. Deshalb hat die Geheimhaltung der eigenen Rolle auch eine hohe Priorität. Als Werwolf oder Wahrsagerin müsst ihr ein wenig mit angezogener Handbremse spielen. Werwörter ist ein kurzes und knackiges Wörterraten mit einer spannenden Gruppendynamik, das vor allem in etwas größeren Gruppen sehr gut funktioniert.
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