Adellos: Interview mit Till Engel über seinen ersten Messeauftritt auf der SPIEL in Essen

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Als Besucher einer großen Publikumsmesse, die sich mit Spielen beschäftigt, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sich mit allen Titeln umfassend zu befassen. Dies gilt für die gamescom in Köln genauso wie für die SPIEL in Essen. Im Oktober gab es in der Ruhrmetropole rund 1400 neue Brettspiele zu sehen. Für einen kleinen Verlag ist es da natürlich nicht einfach, genügend Aufmerksamkeit für sein eigenes Spiel zu bekommen, gerade wenn es sich dabei um den Debüt-Titel handelt. Zu den Debütanten auf der SPIEL gehörte in diesem Jahr auch Till Engel, der auf der Essener Messe sein Brettspiel Adellos vorstellte. Wir haben mit Till nicht nur über sein neues Spiel gesprochen, sondern auch über die Schwierigkeiten eines kleinen Verlags in der Branche Fuß zu fassen.

Alle Details zu Adellos im Interview

ingame: Hallo Till!  Bevor du detaillierter etwas über dich und deinen Verlag erzählst, berichte uns doch etwas über deinen spielerischen Werdegang. Welche Spiele spielst du oft und gern? Was sind deine Wurzeln?

Ich bin ein Fan von Strategie-Spielen. Aufgewachsen bin ich nämlich mit PC-Spielen wie Schlacht um Mittelerde, Warcraft 3, Empire Earth, Settlers, Anno und vor allem Battle for Wesnoth. Letzteres ist ein rundenbasiertes Strategiespiel, das auf Hexagonen gespielt wird. Gerade Battle for Wesnoth war ein großer Einfluss für meinen Entwicklungsprozess. Im Brettspiel-Bereich fallen Dominion, Die Siedler, Carcassonne, Risiko und Stratego sofort auf, die auch ihren gewissen Anteil an Inspiration lieferten. Last but not least, bin ich leidenschaftlicher Sammelkartenspieler. Ich habe jederzeit spielbereite Decks zu Magic, Pokemon und Yu-gi-oh! im Schrank liegen.

ingame: Wie entstand die Idee, ein Brettspiel zu entwickeln?

In den letzten Jahren habe ich vermehrt Brettspiele gespielt und mich dafür auch in Brettspiel-Gruppen eingefunden. Dabei kam ich nicht umhin zu bemerken, dass es das Brettspiel, was ich gerne spielen würde, nicht zu geben schien. In meiner freien Zeit nach der Arbeit kam mir irgendwann 2016 die Idee, ich könnte doch ein eigenes Spiel entwerfen. Und sobald ich angefangen hatte, die ersten Skizzen zu zeichnen und die ersten Einheiten zu schreiben, war ich Feuer und Flamme für die Idee eines eigenen Spiels.

 

ingame: Dein erstes Spiel hört auf den Namen Adellos. Worum geht es in deinem Spiel?

Adellos ist ein Strategie-Taktik Spiel für zwei bis vier Spieler. Eine Runde dauert zwischen 20 und 45 Minuten, das Spiel kann entweder durch KO aller Gegner oder durch Domination (King-of-the-Hill-Prinzip) gewonnen werden und hat einen hohen Wiederspielwert. Es gibt 4 verschiedene Fraktionen, die asymmetrisch sind. Jede Fraktion verfügt über 3 unterschiedliche wählbare Anführer. Strategie-Fans kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten.

ingame: Bei rund 1.400 Neuheiten auf der Messe in Essen ist es für einen kleinen Verlag doch sicher nicht einfach, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu ziehen. Wie begeisterst du die Spieler für eine Partie?

Ich spreche sie an, gebe ihnen einen ganz kurzen Abriss über das Spiel und wenn sie dann interessiert sind, lade ich sie zu einer Partie ein. Das Schöne bei so einer Messe ist ja, dass viele Spieler eben mit dem Plan anreisen, bislang noch unbekannte Spiele zu testen. Es gab Zeitpunkte, vor allem am Freitag und am Samstag, da hätte ich mir noch einen weiteren Demo-Tisch gewünscht.

ingame: Was sind die Stolpersteine für einen kleinen Verlag, der sich erstmals als Aussteller auf der SPIEL in Essen betätigt? Lohnt sich eine Messe-Teilnahme überhaupt?

Meiner Erfahrung nach ist das finanzielle Risiko die größte Hürde. Informationen und Wissen rund um Messen oder generell das Entwickeln von Spielen sind über das Netz durchaus zugänglich. Was abschreckt und Sorgenfalten auf die Stirn zaubert, ist der hohe finanzielle Aufwand für eine Messeteilnahme. Ob sich die SPIEL als Messe für kleine Autoren lohnt, hängt denke ich davon ab, wie effizient man die Zeit nutzt. Man sollte unbedingt selber viel rumlaufen, mit anderen Autoren, Verlagen und der Presse sprechen. Die Connections, die man auf so einer Messe möglicherweise findet, sind unbezahlbar. Das habe ich dieses Jahr auch noch nicht richtig gemacht.

 

ingame: Wie geht es mit Adellos weiter? Wie gut sind die Chancen, das Spiel demnächst beim Brettspiel-Händler seines Vertrauens zu finden? Welche alternativen Bezugsquellen gibt es?

Adellos ist zu günstig, als dass es irgendein Händler in seine Regale stellen würde. Händler kaufen Spiele im Schnitt für 50% des Originalpreises. Das würde in meinem Fall, bei einem Spielepreis von 30€, aber bedeuten, dass ich mit jedem verkauften Spiel knapp 8 € Verlust mache. Und das kann ja nicht das Ziel sein. Adellos ist allerdings auf meiner eigenen Website im Online-Shop erhältlich. Dort kann man das Spiel bei Interesse einfach über das Netz erwerben.

ingame: Wie sehen die Pläne für die Zukunft des Verlags aus? Gibt es bald ein zweites Spiel von dir?

Ja, ich arbeite im Moment ganz aktiv an einem Worker-Placement-Brettspiel namens „Founding Tarnaris“ für 2-6 Personen im Adellos-Universum. Außerdem möchte ich in der Zukunft auch gerne noch ein Adellos-CCG (Sammelkartenspiel) entwickeln und arbeite mit einem befreundeten Autor gerade an einem Abenteuerspiel im Adellos-Universum, das Ähnlichkeiten mit Legenden von Andor hat.

 

ingame: Wie stehst du zu weiteren Messe-Teilnahmen, auch abseits der SPIEL in Essen?

Man wird mich und den Adellos-Stand sicher auch auf anderen Messen noch entdecken können. Im Moment wäge ich ab, ob ich nächstes Jahr zur Messe in Duisburg oder zur Messe in Ratingen gehen soll.

 

Vielen Dank an Till Engel für das Interview. Die ausführliche Rezension von Adellos folgt.

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