Frosted Games: Matthias Nagy im Interview

Mittlerweile gilt Matthias Nagy, Inhaber des Verlags Frosted Games, schon als Wiederholungstäter. Mit seinem Verlag war der Berliner Brettspiel-Enthusiast natürlich auch in diesem Jahr wieder als Aussteller auf der SPIEL in Essen aktiv. Im Interview berichtet er von den Anfängen als Verleger, der Philosophie von Frosted Games und warum sein aktuelles Programm vielleicht für Freunde von LucasArts-Spielen spannend sein könnte.

ingame: Viele Brettspieler sind über den Brettspiel-Adventskalender auf Frosted Games aufmerksam geworden. Kannst du uns verraten, was es damit auf sich hat? Wie entstand diese Idee und wird es demnächst auch wieder einen solchen Kalender geben?

Die Idee entstand als ich als Selbständiger mal wieder auf der Suche nach Aufträgen war und meine Bewerbungsunterlagen für Verlage vorbereitet hatte und dann auf einmal daran erinnert wurde, für die Kinder doch bitte Adventskalender zu kaufen. Meine Frau und ich hatten schon vor 20 Jahren solch eine Idee, aber da war sowas ja gar nicht sinnvoll machbar. Ich dachte mir aber, heutzutage könnte es klappen und bastelte eine Präsentation und ging damit in Essen 2014 von Verlag zu Verlag. Mit viel Erfolg und mächtig tollen Rückmeldungen. Dieses Jahr ist nun schon der vierte Kalender draußen, aber ich merke, dass er wirklich viel Arbeit macht. Mit 24 Verlagen gleichzeitig reden und alles bis zur Deadline fertig zu haben, kostet echt Mühe. Aber das Ergebnis ist immer wieder grandios und ich bin sehr froh, sowas anbieten zu können.

 

Frosted Games auf der SPIEL in Essen

ingame: In diesem Jahr hat der Verlag auch einige Spiele im Programm, die auf der Messe in Essen vorgestellt wurden. Was sind in diesem Jahr eure Highlights?

Naja. Spiele habe ich schon seit Anfang an im Programm, aber das war gefühlt natürlich alles so ein bisschen Nebenbei. Dieses Jahr habe ich mein großes Highlight mit Reykholt. Einem leichten Uwe Rosenberg-Spiel, wo die Spieler als Gemüsezüchter in Island versuchen, Touristen anzulocken. Das Ganze basiert auf einem berühmten Tomatenrestaurant in Reykholt und bietet einen Worker-Placement-Mechanismus in einem Rennspiel. Das wahre Highlight aber ist, dass es als erstes Spiel von Uwe einen Story-Modus enthält. Daneben stärke ich meine 2er-Reihe von Spielen mit der Neuheit Der Vetternkrieg. Die Spieler sind die Lancaster und York im Rosenkrieg und versuchen sich die Krone Englands anzueignen. Dazu arbeiten sie auf der einen Seite mit einem kartengesteuerten Spiel, auf der anderen Seite werden die Kämpfe in einer Bluff-Partie ausgetragen. Und dann ist da noch Der Unterhändler. Ein Solospiel, in dem wir versuchen müssen, die Geiseln aus den Armen eines Geiselnehmers zu befreien, welcher aber unterschiedliche Forderungen hat und dabei auch eine entsprechende Aggressivität vorweisen kann. Hier wird das Spiel vor allem durch die vielen Geiselnehmer mit ihren Sonderregeln immer wieder frisch gehalten. Schließlich noch mein persönlicher Favorit: Trick ‘n Trouble. Ein kooperatives Stichspiel für genau 3 Spieler mit jeder Menge Andeutungen an alte Point-and-Click-Adventures von LucasArts.

Vom Goodie-Boxen-Hersteller zum Brettspiel-Verlag

ingame: Vom Hersteller von Goddie-Boxen hat Frosted Games jetzt den Weg zum Brettspiel-Verlag geschafft. Wie kam es dazu?

Frosted Games steht tatsächlich vor allem für Spiele mit einer festen Spielerzahl. Der Unterhändler, aber auch das angekündigte Dawn of the Zeds oder das noch geplante Nemo’s War sind reine Solospiele. 13 Tage, 13 Minuten, Eiserner Vorhang, Hochverrat, Der Vetternkrieg, aber auch das für das nächste Jahr geplante Revolution of 1828, Watergate und auch Medusa Park sind reine 2er Spiele. Trick ‘n Trouble als 3er Spiel unterstreicht das. Da ist ein Reykholt mit 1-4 schon eher die Ausnahme. Der andere Schwerpunkt ist aber die Geschichte im Spiel. So wie 13 Tage auch viel über die Geschichte, die erlebt wird, vermittelt oder wie Hochverrat einen Aspekt mitbringt, den die meisten nicht auf dem Schirm haben, will ich auch zukünftig etwas Geschichtsmaterial mit in die Schachtel legen und so Geschichte lebendig vermitteln.

 

ingame: Seit diesem Jahr besteht eine Kooperation mit Pegasus Spiele. Wie wichtig ist diese Partnerschaft für Frosted Games?

Eine schwere Frage. Für mich eröffnet es viel Freiheit. Ich kann ein Spiel wie Paper Tales nach Deutschland holen, ohne dass ich wissen muss, wie man das am besten vermittelt. Pegasus hilft mir beim Vertrieb, beim Marketing und auch bei anderen Punkten und das macht es für mich einfacher, weitere Projekte anzustoßen.

ingame: Was dürfen wir in der nächsten Zeit von Frosted Games erwarten?

Der Plan sieht derzeit noch ein paar schöne 2er-Spiele vor und auch ein paar schwere Highlights wie das Cooper Island von Andreas Odendahl. An schönen Spielen sollte es nicht mangeln. Aber derzeit muss vor allem das aktuelle Programm noch an die Spieler gebracht werden.

 

Spiele nach dem eigenen Geschmack

ingame: Wie schafft es ein Brettspiel in euer Verlagsprogramm? Wie wählt ihr die Titel für euch aus?

Das wichtigste ist vermutlich einfach: Es muss mir gefallen. Wenn ich ein Spiel auf dem Tisch habe und denke „ist das cool“, dann schaue ich nach, ob ich es rausbringen will oder nicht. In 90% der Fälle sollte die Antwort eher Nein lauten, denn ich kann ja keine 100 Spiele im Jahr machen. Wenn das Spiel einen spannenden Kniff hat, gerade auch zu zweit gespielt wird und zusätzlich noch in weiteren Testrunden ankommt, dann hat es eine gute Chance.

ingame: Warum erfreuen sich Brettspiele einer immer größeren Beliebtheit? Warum sollten sich auch Videospieler intensiver mit analogen Spielen beschäftigen?

Ich kann da nur raten, denke aber wir haben vor ein paar Jahren einen Tipping Point überschritten, als Will Wheaton mit seiner YouTube Show gezeigt hat, wie cool Brettspielen sein kann. Früher waren Brettspiele ja etwas Selbstverständliches, aber durch den Wandel der Medien ist es irgendwann weggefallen und das Spielen als reine Kinderbeschäftigung abgetan worden. Dazu kommt, dass viele immer nur dieselben 4 Spiele erwähnen wie Monopoly und Activity und manche glauben, das wäre alles was an Spielen gibt, so wie manche auch glauben Videospiele wären nur Counterstrike oder Pac-Man. Wer reinschnuppert stellt fest, dass sich da eine Welt eröffnet, die viel mehr zu bieten hat und wo aber richtig kuratiert werden muss, um sich durch den Dschungel zu schlagen. Videospieler sollten sich nicht unbedingt mehr mit Brettspielen beschäftigen, sondern für sich feststellen, was ihnen Spaß macht. Wenn sie Geselligkeit mit anderen Menschen mögen und diese vielleicht nicht nur vor dem PC über Teamspeak erleben wollen, dann kann ein analoges Brettspiel hier genau das Element sein, das einen zusammenbringt und wie man einen Abend verbringen kann, der mit dem richtigen Spiel auch wirklich erinnerungswürdig ist.

ingame: Brettspieler kennen dich nicht nur als Kopf von Frosted Games, sondern auch als Medienschaffender. Welche Projekte betreibst du derzeit?

Ist Medienschaffender der richtige Begriff? Ich bin halt ein Teil eines Podcast-Projekts, die Bretterwisser. Als wir angefangen haben, gab es nur einen anderen deutschsprachigen Brettspiel-Podcast, inzwischen gibt es mehr als zwei Dutzend. Auch ein Zeichen, dass viel passiert und immer mehr Menschen da einen Bereich finden, an dem sie Freude haben. Ab und zu schreibe ich noch einen Artikel für spielbar.com und für ein andere Print-Zeitschrift, die noch in der Planungsphase ist, werde ich auch Artikel besteuern. Ich mache auch mit einem Freund einen englischsprachigen Podcast, aber das ist ja eher was Kleines. Von daher, wer mich hören will, einfach mal bei www.bretterwisser.de reinhören.

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