Grafikkartenkühler wechseln – Wie geht’s und was bringt’s?

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Kühlertausch: Wie geht’s und was bringt’s?

Vor allem PC-Spieler können ein Lied davon singen wie schnell Komponenten im eigenen System altern. Gerade bei Grafikkarten macht sich der Alterungsprozess schnell bemerkbar, wenn die neuesten Spiele nicht mehr flüssig laufen. Zudem haben die meisten Grafikkarten noch ein weiteres Problem: Ihre Kühler. Diese tun ihren Job, sind aber meist nur sehr laut und nicht immer ganz effizient. Genau aus diesen Gründen haben wir uns mal anschaut, was ihr noch so aus einer alten Karte herausholen könnt. Eine Variante, um Verbesserungen vorzunehmen, ist es, den Kühler tauschen, um der Lautstärke entgegenzuwirken und Potenzial zum Übertakten freizusetzen.

Alt und Neu

Als Gaming Redaktion steht bei uns natürlich auch der ein oder andere Rechner im Büro, der uns immer mal wieder zum Experimentieren dient. Für den Versuch des Grafikkühlerwechsels diente uns ein System, welches wir nicht für unsere primären Tests benutzen, sondern für unsere gemeinsamen Zockrunden im Büro zum Einsatz kommt.

Die Daten vom Testsystem.

  • ASRock 970M Pro3
  • AMD FX-8300
  • 2x 8GB – DDR3 SDRAM
  • Palit GeForce GTX 1050 Ti StormX 4GB
  • Be Quiet – System Power 350 Watt
  • 240 GB SSD – PNY  CS 900

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Der Blick aufs Testsystem


Die Ausgangslage

Wie unschwer zu erkennen, haben wir uns für das Projekt die im System vorhandene Palit GeForce GTX 1050 Ti StormX 4GB ausgesucht. Die Karte ist recht speziell, weil sie mit 16,6 x 10,7 Zentimetern sehr klein gehalten ist und auch die Kühlung mit dem 80 Millimeter Axial-Lüfter samt darunter befindlichem Aluminium-Radiator ohne Heatpipes recht einfach daherkommt, was jede Menge Platz für Verbesserungen bereit hält. Bevor wir jedoch zum Tuning kommen, haben wir uns natürlich erst einmal mit den „Ausgangswerten“ beschäftigt. Wichtig war uns dabei das direkte Empfinden in der normalen Umgebung (Im Büro mit offener Seitenwand) und nicht im Testlabor, wo kein Wind weht. Schließlich soll das Ganze den Bedingungen bei euch Zuhause möglichst nahe kommen. Somit schildern wir euch in Sachen Lautstärke unsere Empfindungen, wobei wir die Temperatur klar über Messwerte angeben.

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Der Standardkühler unserer Karte

In Sachen Lautstärke zeigt sich bei den Ausgangswerten ein zweigeteiltes Bild. Im Office-Betrieb mit normalen Windows-Anwendungen lässt sich der Kühler nämlich kaum wahrnehmen. Das lässt sich durch Messwerte (via MSI Afterburner) gut untermauern und so bewegt sich die Temperaturkurve zwischen 30 und 34 Grad.

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Gebt ihr der Karte jedoch zu tun mit Spielen wie Metal Gear Solid V – The Phantom Pain steigt die Temperatur erheblich auf 53-56 Grad an und auch der Lüfter ist nun deutlich zu hören.

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Das schafft der Standard-Kühler beim Zocken


Die Qual der Wahl

An dieser Stelle blieben wir bei der Frage hängen, welcher neue Kühler denn eigentlich auf unsere Karte passt. Lösungen gibt hier von den unterschiedlichsten Herstellern. Wir haben die Chance genutzt, uns die Lösungen von ARCTIC genauer anzuschauen. Auswählen könnt ihr hier aus kompletten Passiv-, normalen Kühler – oder sogar Wasserkühlungsvarianten. Wichtig ist jedoch, dass ihr immer genau nachschaut, ob der jeweilige Kühler auch für eure Karte ausgelegt ist. Dafür findet ihr bei jedem Modell eine Kompatibilität-Liste, in die ihr schauen könnt. Unsere Wahl fiel auf den Accelero Mono PLUS, welcher dank seiner kompakten Abmaße und hoher Kühlleistung gut zur unsere Karte passt.

Der Accelero Mono PLUS zeichnet sich vor allem durch sein durchdachtes Kühlsystem aus, bei dem 5 Kupfer-Heatpipes über der CPU sitzen. Diese transportieren die Abwärme zu einem Alu-Kühlkörper aus insgesamt 43 Finnen, über dem ein eigenständiger 120 mm Lüfter sitzt, der für den nötigen Luftstrom und hohe Kühlleistung sorgt.  Mit knappen 55 Euro ist dies zwar nicht das günstigste Tuningteil für euren Rechenknecht, jedoch in Hinsicht auf die Standardkühler in jedem Fall eine Überlegung wert.Special-Grafikkartenlüfter-Bild-5

Alles muss runter

*Warnung: Bevor ihr jedoch loslegt, hier noch der wichtige Hinweis, dass mit dem Wechseln des Kühler auch die Hersteller-Garantie eurer Karte erlischt* 

Der Accelero Mono PLUS kommt in einer schlichten und durchsichtigen Plastikhülle zu euch nach Hause, in der sich alle wichtigen Teile, bis auf Werkzeuge befinden, damit ihr auch gleich mit dem Wechseln beginnen könnt. Beim Blick auf die Anleitung wird deutlich, dass ihr ein bisschen handwerkliches Geschick und Wissen mitbringen solltet, um die nächsten Schritte erfolgreich durchzuführen zu können. Von da an heißt es: Alten Kühler entfernen und die neuen Teile anbringen! Dabei solltet ihr immer vorsichtig sein, um nicht Komponenten auf dem Board der Grafikkarte zu beschädigen.

Da der Accelero Mono PLUS und andere Kühler von ARCTIC gleich auf mehrere Karten passen, solltet ihr euch eure eigene Karte anschauen und analysieren. Das ist wichtig, um herauszufinden, wo sich die RAM-Bausteine und Spannungswandler befinden, denn dafür findet ihr im Lieferumfang passende Kühlkörper in den unterschiedlichsten Größen. Bevor ihr euch jedoch darauf stürzt, müsst ihr euch erst die alte Stromversorgung euer Karte anschauen und mit der Anleitung abgleichen. Dies ist entscheidend, damit später keine Probleme entstehen und der neue Lüfter des Kühlers nicht nur Strom bekommt, sondern auch richtig gesteuert wird.

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Ein wenig Bastelei erwartet euch

Ein bisschen Strom bitte

Hierbei hat der Accelero Mono PLUS einen 4-Pin-Anschluss, der eventuell nicht auf jede Karte passt, wie in unserem Fall. Die Palit GeForce GTX 1050 Ti StormX 4GB besitzt nämlich nur einen 2-Pin-Anschluss. Damit blieb uns nur die Variante, den Lüfter via Adapter direkt ans Netzteil zu schließen ohne die Lüftersteuerung via PWM nutzen zu können. Wählen konnten wir dank beliegendem Adapter aus 7 V (Niedrigere Geschwindigkeit) oder 12 V (Maximale Geschwindigkeit). Beachtet jedoch immer die entsprechende Anleitung, um zu vermeiden, den vorhandenen 3-Pin-Anschluss mit 7V auf einen 12V-Anschluss vom Netzteil oder Mainboard zu stecken, da euch sonst der Motor des Lüfters abrauchen kann oder besser gesagt wird.

Wie in der Schule

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Extrakühlung für RAM-Bausteine

Habt ihr das sichergestellt, geht es darum, den RAM-Bausteinen und Spannungswandlern ihre neuen, schicken Kühlkörper zu verpassen. Dafür müsst ihr diese „Bausteine“ mit einem handelsüblichen Radierer bearbeiten, um später auch sicherzustellen, dass der beliegende Wärmeleitkleber auch wirklich haftet. Damit später auch alles klappt, solltet ihr in Sachen Passgenauigkeit Kühlkörper und des neuen Kühlers in einem „Trockenversuch“ anlegen, um zu schauen, ob sich am Ende nicht doch Teile berühren. Es gilt schließlich, Kurzschlüsse zwischen Kühlkörpern und Bauteilen der elektrischen Schaltung der Karte zu verhindern. Auch hier solltet ihr, wie schon erwähnt, immer vorsichtig sein. Danach den Kleber auftragen, Kühlkörper langsam und sicher an Ort und Stelle bringen und gute 60 Minuten warten.


Kühler rauf

Anschließend geht es an die Montage des eigentlichen Kühlers. Da GPU-Chips und Fassungen je nach Karte unterschiedlich ausfallen, liegen im Lieferumfang eine Montageplatte und Befestigungsplatten bei. Mit diesen könnt ihr den Kühler dann fest auf die kompatiblen Karten bekommen. Um festen und sicheren Sitz auch zu garantieren, liegen dem Paket noch unterschiedliche Abstandshalter und vier Unterlegscheiben bei. Hört sich jetzt alles kompliziert an, ist aber in der Praxis in maximal 5 Minuten gemacht. Danach vergewissern, dass der Stromanschluss richtig verkabelt ist und den Rechner zum Testversuch starten.Special-Grafikkartenlüfter-Bild-7

Neuer Wind

In Sachen Lautstärke haben wir natürlich den Lüfter des Kühlers erst einmal auf 7V laufen lassen, um im Officebetrieb zu schauen, welchen Unterschied dies macht. Wie zu erwarten dreht der 120 mm extrem leise, sodass er im normalen Windowsbetrieb nicht mehr wahrnehmbar ist. Um zu checken, was im Temperaturbereich möglich ist, haben wir für alle weiteren Tests den Lüfter natürlich auf maximaler Drehzahl laufen.

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Test des neuen Kühlers – Officebetrieb

Wie zu erwarten fiel der Unterschied hier deutlich aus und so kamen wir im Officebetrieb mit einem Mix aus Surfen, Schreiben, Chatten und 4K-Youtube-Videos-Schauen nie über 28Grad. 


Nicht der kleinste Mucks

Der anfangs erwähnte Heatpipe-Finnen-Kühlkörper leistet eigenständig so einen guten Job, dass wir die Karte sogar ohne Lüfter des Kühlers laufen lassen konnten. Das ist zwar in der Praxis nicht zu empfehlen, macht aber deutlich wie durchdacht das System von ARCTIC ist.

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Officebetrieb nur mit Passivkühlung

Der gleiche Mix aus Surfen, Schreiben, Shatten samt 4K-Youtube-Videos, dieses Mal nur mit Passivkühlung, lässt die Temperatur passiv gerade einmal im Maximum bis zu 10 Grad wärmer werden und auf 37 Grad ansteigen.

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Spielbetrieb nur mit Passivkühlung

Spielen mit „Passivkühlung“ ist auch ohne Probleme möglich und lässt die Temperatur im Vergleich zur Standardkühlung um bis zu 11 Grad ansteigen. Hier konnten wir Werte zwischen 55 und 65 Grad feststellen.

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Extremtest Passivkühlung

Komplette Dauerbelastung ist dann jedoch nicht ratsam und lässt die Temperaturen stetig ansteigen. Nach fast 15 Minuten Dauerbelastung mit Furmark waren 72 Grad erreicht und somit unser Testende. Hier wollten wir Karte und Kühlkörper nicht weiterbelasten.


Einmal volle Luft

Ein komplett anderes Extrem zeigt sich jedoch, wenn bei voller Leistung auf dem Kühlkörper ordentlich Luft durch euer System pustet. Hierbei lief unser Lüfter auf dem Kühler via 12V-Anschluss immer unter Volllast bei 1,500 U/min. Das macht den Lüfter beim Zocken zwar wahrnehmbar, aber auch nur schwerlich. Solltet ihr nicht gerade einen echten Leisetreter auf eurer CPU sitzen haben, hört ihr diesen garantiert eher als den Lüfter des Accelero Mono PLUS. Die Herstellerangaben liegen hierbei bei 0,4 Sone bei 1,500 Umdrehungen, was unseren Höreindrücken entspricht. Ähnlich gut sieht es bei den Temperaturen aus.

Accelero Mono PLUS beim Zocken

Zocken wieder ebenfalls mit MGS V stört das System nun nicht mehr die Bohne und lässt nur noch kühle 34 Grad zu. Zur Erinnerung: Der Standard-Kühler lag hier bereits bei Werten von 54 Grad.

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Accelero Mono PLUS beim Furmarkdauertest

Viel erstaunlicher sind jedoch die Werte beim Furmak Dauertest auf 1080p. Hier schnellt die Gradzahl gerade einmal auf 38 Grad und das bleibt auch so, denn auch nach über einer Stunde Dauerbetrieb änderte sich nichts an diesem Wert. Spätestens mit diesen Ergebnisse sollte vor allem Overclockern deutlich werden, welches Potenzial in neuen Kühlern liegt und das schon auf vermeintlich kleinen Karten.


Fazit

Nach dem Wechseln unseres Kühlers sind wir schwer angetan, welches Potenzial noch in unserer Karte liegt. Gerade die Temperaturwerte zeigen deutlich, welches Potenzial noch in Sachen Übertaktung vorhanden sind. Klar wird damit nicht plötzlich das Doppelte an Leistung freigesetzt, aber der Alterungsprozess eures Rechner ein wenig verlangsamt. Und auch für diejenigen, für die dies nicht wichtig, gibt es wichtige Nebeneffekte. Dank der niedrigen Temperaturen werden eure Nerven und eure Hardware geschont. Vor allem an heißen Sommertagen ist das ein echter Segen beim Zocken. Wenn ihr also die nötige Vorsicht an den Tag legt, ist der Wechsel eines Grafikkartenkühlers zwar nicht unbedingt ein Kinderspiel, aber mehr als eine Spielerei samt echtem Mehrwert für die Praxis.

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