Interview: Die Legende von Andor – Michael Menzel

Michael Menzel ist bekannt für seine liebevollen Illustrationen, mit denen er vielen Brettspielen den letzten Schliff gegeben hat. Als Brettspiel-Autor ist er allerdings auch schon in Erscheinung getreten. Sein bekanntestes Werk: Die Legende von Andor. In diesen Tagen erscheint bereits der dritte Hautteil des Brettspiel-Epos. Michael Menzel hat uns anlässlich der baldigen Veröffentlichung Rede und Antwort gestanden.

 

ingame: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns Rede und Antwort zu stehen. Interessanterweise begann Ihre Karriere mit Computerspielen. Was hat Sie schließlich dazu bewogen, den Schwenk zu den Brettspielen zu wagen?

Sehr gerne beantworte ich Ihre Fragen. Der Wechsel zu den Brettspielen war keine bewusste Entscheidung, sondern eher eine Verkettung von glücklichen Zufällen. Als das kleine Entwicklerstudio, bei dem ich als 2D-Artist angestellt war, in die Insolvenz ging, habe ich einiges probiert (VHS Kurse geben, Messestände designen, Wandmalereien, etc.) aber das Illustrieren von Brettspielen, war das einzige, was wirklich gut geklappt hat. Nach dem ersten Probeauftrag wusste ich: Das ist ein Traumjob! Da musst du dran bleiben.

 

ingame: Was kann ein Brettspiel, was ein Computerspiel nicht leisten kann?

Über aktuelle Computerspiele kann ich leider nichts sagen. Dazu kenne ich mich da zu wenig aus. Aber ich glaube, dass die wirklich guten Brettspiele den Spielern sehr viel Freiraum lassen und nur eine Basis bilden, um miteinander zu interagieren. Ein ideales Beispiel ist Catan. Die Regeln für’s Handeln sind so herrlich frei, dass sie uns den Raum lassen um zu offenbaren, wer wir wirklich sind. Wenn mein Mitspieler also ein Depp ist und mir 3 Schafe für ein jämmerliches Holz bezahlt, ja dann ist das eben so und das Spiel erlaubt es! Und wenn der vermeintliche Depp dann mit diesem 1 Holz den letzten Siegpunkt macht und gewinnt, dann möchte man in die Tischplatte beißen und …  :-)  Das Brettspiel gibt nur den Rahmen vor, den wir mit unserem Selbst ausfüllen dürfen.

 

ingame: Warum sollten sich Videospieler mit Brettspielen im Allgemeinen und mit Die Legenden von Andor im Speziellen beschäftigen?

Auch bei Andor liegt der Reiz im Freiraum. Man spielt kooperativ und versucht gemeinsam die Burg des Königs gegen dunkle Kreaturen zu verteidigen. Weil die Kreaturen immer zahlreicher und stärker werden, müssen die Helden sich weiter ausrüsten und Nebenquests erfüllen. Und darin liegt die Schwierigkeit. Denn die Helden müssen immer abwägen an welcher Stelle sie sich in den Dienst der Gruppe stellen und wann sie auf eigene Faust handeln. Das Spiel macht hier keine Einschränkungen und so ist es an den Spielern selbst die Balance zu halten. Nur ein gutes Team wird gewinnen können!

 

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ingame: Im Brettspiel-Bereich ist Ihr Name fest mit Illustrationen zu vielen bekannten Spielen verbunden. Wie kam es zum zeitweisen Wechsel in die Autorentätigkeit?

Auch das war ein Zufall. Mein Sohn und ich sind große Herr der Ringe-Fans. Wir wollten gerne etwas in diesem Genre spielen. Aber leider waren die Spiele zu komplex (er war damals gerade 9 Jahre alt) oder zu abstrakt. Wir wollten aber ein Abenteuer mit den typischen Rollenspiel-Elementen, wie Items, Charakterentwicklung und Storytelling. Im Urlaub habe ich dann angefangen ein eigenes Spiel zu entwickeln. An eine Veröffentlichung haben wir dabei lange nicht gedacht. Ich glaube deshalb fühlt sich Andor auch so frisch an – wir hatten keine Zielgruppe im Kopf außer uns selbst.

 

ingame: Was ist das Besondere an Die Legenden von Andor? Woher kommt der große Erfolg der Reihe?

Ich glaube die Dichte zwischen Story, Spielmechanik und Grafik ist absolut ungewöhnlich und erzeugt sehr viel Stimmung. Ein weiteres wichtiges Element ist die Losspiel-Anleitung. Die habe ich mir aus den Computerspielen abgeschaut. Anders als bei anderen Brettspielen, fängt man bei Andor schon nach 1 Seite Regel an zu spielen. Erste, einfache Aufträge müssen erfüllt werden. Nach und nach kommen weitere Aufgaben und Regeln ins Spiel. Aber immer erst dann, wenn man sie benötigt. Also wie ein Tutorial im Computerspiel.

 

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ingame: Der dritte Teil der Reihe steht nun in den Startlöchern? Auf was dürfen sich Kenner der Brettspiel-Serie freuen? Was ist das Besondere am dritten Teil?

Es ist das große Finale. Die Helden erleben ein Abenteuer im Grauen Gebirge, einem unwirtlichen und gefährlichen Ort. Mit unserem Tross ziehen wir in 7 epischen Legenden bis ins Land der Krahder und versuchen die verschleppten Bauern zu befreien. In jeder Legende erwarten uns neue Aufgaben. Zudem müssen wir mit heimtückischen Skelettkriegern, Riesen und Hexern fertig werden. Teil III ist ein Standalone, benötigt kein Material aus anderen Andor-Spielen und ist erneut mit einer Losspiel-Anleitung ausgestattet für den leichten (Wieder)-Einstieg.

 

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ingame: Geben Sie uns einen kleinen Ausblick auf zukünftige Projekte? Wird es weitere Andor-Spiele geben?

Im Frühjar 2017 erscheint die Ergänzungsbox „Dunkle Helden“, mit der man Teil III auch mit 5-6 Spielern spielen kann. Was danach kommt? Das ist alles noch sehr vage aber auf unserer Homepage legenden-von-andor.de informieren wir die Fans so früh wie möglich.

 

ingame: Was halten Sie von Legacy-Spielen, die im letzten Jahr für Furore sorgten? Ist so ein Konzept auch für Andor denkbar?

Ich finde die Legacy-Spiele sehr interessant und bestimmt wäre das auch für Andor denkbar. Wer weiß … :-)

 

ingame: Was wird aus Ihrer Sicht der nächste große Trend für das kommende Brettspiel-Jahr?

Ich habe seit einiger Zeit den Eindruck, dass besonders die thematischen Spiele in den Fokus rücken. Diese Art von Spielen zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Regeln im Thema verankert sind und sich dadurch intuitiver spielen lassen. In Andor III gibt es z.B. ein besonders wertvolles Kraut, dass auf dem Spielplan positioniert wird. Am Ende jeden Tages wächst es nach (es wird noch ein Plättchen dazu gelegt) aber natürlich nur, wenn es nicht vorher gepflückt wurde. Die Spieler müssen sich also ein bisschen beherrschen und immer so viel Kraut übrig lassen, dass es nachwachsen kann. So eine Regel braucht man nur einmal zu hören, dann vergisst man die nicht mehr, weil es so schön thematisch stimmig ist.

 

ingame: Was sind Ihre drei Brettspiele und Videospiele für die einsame Insel?

Bei den Computerspielen muss ich leider passen – da müsste ich mal meinen Sohn fragen :-) Bei den Brettspielen auf jeden Fall Catan, Codenames und Die Säulen der Erde. Letzteres ist ebenfalls ein sehr thematisches Spiel. Zudem hat es eine solche Spannungskurve, dass man in der letzten Runde tatsächlich ins Schwitzen gerät, weil der große, gut vorbereitete Plan aufgeht – oder eben nicht :-)

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