Kingsman: The Golden Circle: Actiontraining und Heimkino-Kritik zur Rückkehr des Agenten-Ensembles

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Egal ob Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan oder unser jüngster James Bond Daniel Craig. Alle waren über die Jahre hinweg im Auftrag ihrer Majestät auf Ganovenjagd, haben ordentlich Backenfutter verteilt und sahen dabei stets aus, wie ein stilvoller Gentleman eben aussehen muss. Doch das Vereinigte Königreich hat auch ein anderes, wesentlich skurrileres Gesicht, wenn es um Geheimdienste geht. Dies bewies uns zumindest der 2014 erschienene Blockbuster Kingsman: The Secret Service. Der Streifen, der auf einer britischen Comic-Reihe basiert, persiflierte nicht nur regelrecht das Agenten-Dasein, sondern erwies er sich ebenso als erfolgreiches Actionspektakel, das sich vor allem durch die legendäre Kirchenszene in der Erinnerung des Publikums verankerte.

Naheliegend, dass bei all der positiven Resonanz im Herbst letzten Jahres die Fortsetzung Kingsman: The Golden Circle folgte, in der im Hinblick auf die Action nicht nur eine Schippe drauf gelegt wurde, sondern gefühlt ein ganzer Kipplaster. Im Rahmen des Heimkino-Starts wurden wir in das Kingsman Arms Pub nach London eingeladen, um dort an einem Actiontraining mit zwei der Stuntmen teilzunehmen. Was dabei entstanden ist und ob die Rückkehr der Kingsman eine würdige ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.Kingsman: The Golden Circle - Event Galerie

 

Kingsman´s back alright

Ein Jahr ist verstrichen, seit die Kingsman die Machenschaften des Internet-Moguls Richmond Valentine aufgehalten und dadurch die Welt in letzter Sekunde gerettet haben. Nun lebt Eggsy zusammen mit der schwedischen Prinzessin Hilde in dem alten Domizil seines verstorbenen Mentors Harry Hart, in dessen Fußstapfen er bei den Kingsman getreten ist. Doch wie es das Schicksal eines Geheimagenten so will, bleibt dieser Frieden nicht allzu lang bewahrt.

Ein ehemaliger, für tot geglaubter Kollege Eggsys taucht aus dem Nichts auf und reißt den jungen Kingsman aus seiner alltäglichen Idylle. In der Folge eines rasanten Kampfes verliert der Angreifer seinen kybernetischen Arm, der sich in das Netzwerk des Geheimdienstes hackt. Kurz gesagt: Der Geheimdienst ist nun nicht mehr allzu geheim. Das Resultat ist ein Anschlag auf die Spionageorganisation und bis auf Eggsy scheint kein Agent dem Attentat entronnen zu sein. Konfrontiert mit einer unbekannten Gefahr, die allen Anscheins etwas mit dem mysteriösen Golden Circle verbindet, steht der Sprössling in den Trümmern, die einst sein Leben waren. Alleine kann er die neue Bedrohung weder aufspüren noch bekämpfen, doch wer wird ihm in dieser verlustreichen Zeit zur Seite stehen?

Die Statesmen betreten den Ring

Mit dem Comeback der Agenten sind mit Michael Caine, Samuel L. Jackson, Sofia Boutella und Mark Hamil ein paar große Namen aus dem Kingsman-Universum verschwunden, aber ebenso große hinzugekommen. Denn neben den Briten stoßen nun auch internationale Kollegen dazu, die sich selbst die Statesmen nennen. Das US-amerikanische Pendant zu den Kingsman, nur dass diese statt der Manufaktur eines Schneiders eine Whisky-Brennerei als Fassade nutzen. Kopf der feuchtfröhlichen Cowboys ist kein geringerer als Jeff Bridges, der „Champagner“ schlürfend und nuschelnd den Ton angibt. Ihm unterstellt sind die beiden Macho-Agenten „Tequilla“ (Chaning Tatum) und „Whisky“ (Pedro Pascal). Vor allem letzterer hat uns mit seinem schmierigen Look und der Einstellung eines alten Wild West-Halunken besonders gefallen.

Ansonsten ist die alte Brigade, bestehend aus Eggys (Taron Egarton), Merlin (Mark Strong) und Harry (Colin Firth) wieder vereint und tritt gegen die neue Superschurkin Poppy (Julianne Moore) an. Ach ja und ein scharmützelnder Elton John ist auch noch dabei, wodurch manch eine Szene einen rigorosen Sketch-Vibe bekommen und teils einer Episode Saturday Night Live entstammen könnte.  Nicht jedermanns Sache, doch wir fanden, es fügt sich gut in den Rest des Films ein und eignet sich ganz gut als lockere Wochenendunterhaltung. Oder um es in den Worten des britischen Rock’n’Roll-Musikers zu sagen: „Saturday night’s alright for fighting!“

Es hagelt Action

Nachdem der erste Auftritt der Kingsman die Messlatte für atemberaubende Stunts schon ziemlich hoch gelegt hatte, kam auf Regisseur Matthew Vaughn eine verdammt große Hürde zu. Durchtriebene Verfolgungsjagden, knallharte Schlägereien und wilde Schusswechsel, die allesamt am Rande der Realität kratzen, haben unsere Erwartungen auf die Spektakel in Kingsman: The Golden Circle in die Höhe schießen lassen. Und so viel sei zur Action gesagt: alles ist größer, lauter, wilder, schneller und verrückter. Es wird mit jonglierenden Revolvern geballert, durch elektrische Lassos gesprungen oder mit Regenschirmen ankommende Granaten abgewehrt. Die wildesten Action-Phantasien, die man nur haben kann, flimmern hier über den Bildschirm.

Oftmals wird der Schritt in diese Richtung negativ bewertet, doch bei Kingsman ist es insofern angebracht, da sich der zweite Teil wesentlich stärker nach einem cineastischen Comic anfühlt. Während sich der erste Teil größtenteils wie ein Hybrid aus Film und Comic anfühlte, der häufig nicht genau wusste, auf welches dieser beiden Medien er denn jetzt mehr Wert legen möchte, traut sich die Fortsetzung, die Handlung und Figurenkonstellation in derartig exorbitante Gefilde zu überzeichnen, dass James Bond & Co. dagegen wie ein Haufen in die Jahre gekommener Lahmärsche wirken.

„Wollen wir hier den ganzen Tag nur herumstehen oder kämpfen wir?“

All diese Action wäre natürlich nicht möglich, ohne das Stunt Team, was uns zu dem Grund für unseren kleinen Ausflug in die Heimat der Kingsman bringt. Wir hatten die große Ehre, im Kingsman Arms Pub Andy Lister und Elmo Walker zu treffen, zwei Stuntmen der Kingsman-Filme. Während Andy schon in den letzten beiden Bond-Filmen das Stunt Double für Daniel Craig sein durfte, ist Kingsman: The Secret Service Elmos erstes großes Projekt und auch sein erster Agentenfilm gewesen.

Zusammen haben die beiden 36-jährigen Stunt Performer ein kleines Actiontraining vorbereitet, das ein paar simple Grundlagen des gestellten Kämpfens beinhaltet. Auf die Anweisungen von Andy und dank einer vorher eingeübten Choreografie durften wir also eine kleine Kneipenschlägerei inszenieren, bei der wir in aller Kingsman-Manier Elmo in die Schranken weisen durften. Mit einem klassischen Kingsman-Regenschirm, einem Zuckerglas und einem zusammenklappbaren Tisch war auch für die nötigen Waffen eines typischen Barfights gesorgt. In dem nachfolgenden Videoclip und der Bildergalerie könnt ihr das Ergebnis unseres Besuchs begutachten.

 

Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Training blieb noch ein wenig Zeit, um ein paar Worte mit einem der beiden Stuntman zu wechseln. Dabei stand uns Elmo mit Rat und Tat zur Seite und plauderte ein wenig über seinen außergewöhnlichen Job. Elmo erzählte uns unter anderem, wieso er sich ausgerechnet für den Beruf des Stuntman entschieden hat. Sein Vater Rob Walker ist Film- und Fernsehregisseur und die Faszination für Filme scheint bei ihnen wohl in der Familie zu liegen. Demnach wollte Elmo seinen Vater mit Stolz erfüllen und stieg ebenfalls in die Branche der Filmproduktion ein, nur eben in einen anderen Bereich.

Außerdem fragten wir Elmo, was denn für ihn als Stuntman die schwierigste Szene gewesen wäre. Die Antwort findet sich relativ zu Beginn von Kingsman: The Secret Service, in dem es zu einer Kneipenschlägerei zwischen ein paar Gaunern und Harry kommt. Die Szene beinhaltet eine ziemlich rasche und komplexe Choreografie, die im Endeffekt jedoch den Aufwand wert gewesen ist. Denn nicht umsonst hat man die Szene in der Fortsetzung erneut eingebunden, parodiert und um die Kampftechnik von Pedro Pascal bzw. seinem Stunt Double Michael Rawlins erweitert.

An dieser Stelle muss auch für Rawlins eine Lanze gebrochen werden, der zwar nicht an dem Event teilgenommen hat, dessen akrobatische Fähigkeiten mit dem Lasso und der Peitsche jedoch unter den Extras der DVD & Blu-ray zu bestaunen sind. Insgesamt fällt das Zusatzmaterial zu Kingsman: The Golden Circle ziemlich opulent aus. Denn neben ein paar Concept Arts und einigen Setbildern wartet ein zweistündiges Behind-the-scenes auf euch, das nur so vor grazil durchchoreographierten Stunts und Kunststücken absoluter Gewandheit trotzt. Und wie es sich für solch eine Art von Bonusmaterial gehört, lassen es sich Cast und Crew nicht nehmen, die eindrucksvollen Geschehnisse zu kommentieren. Für hungrige Fans der Reihe ist also ausgesorgt.

Kingsman: The Golden Circle“ ist erhältlich als 4K Ultra HD Blu-ray, Blu-ray, DVD und Download.

Fazit

Klar, Kingsman ist kein anspruchsvolles Kino, das sich in die Liga von James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer einreiht, aber diesen Anspruch haben die Filme auch gar nicht. Vielmehr handelt es sich um einen spaßigen Trip durch die Agentenwelt, bei der das Augenmerk ganz klar der Action gilt. Eine solide Story, ein toller Cast und grandiose Kämpfe, die in vollkommener Absurdität enden, machen Kingsman: The Golden Circle zu einem achtbaren Nachfolger, der bei Weitem nicht frei von Fehlern ist, aber geeignete Kost für einen Abend, an dem man sich gemütlich vom oberflächlichen Mehr Schein als Sein-Blockbuster berieseln lassen möchte. Und seien wir ehrlich: Wir alle kennen diese Abende.

 

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