Let’s Play’s: Im Grunde Piraterie?

Phil Fish, Chef und Mitbegründer des Entwicklerstudios Polytron Corporation, verantwortlich für den Indie-Hit Fez, ist für alles andere als überlegte Äußerungen bekannt.
Schon oft ist der Kanadier durch seine provokanten Aussagen in sozialen Netzwerken auf die Schnauze gefallen. So oft, dass er im Sommer 2013 schließlich ankündigte aus der Spieleindustrie anzusteigen und Fez II cancelte.
All diese negativen Erfahrungen haben ihn aber nicht davon abgehalten schon wieder auf den Titelseiten der Spielredaktionen zu landen.

Let´s Play´s: Im Grunde Piraterie?

„Wenn du mit dem Hochstellen meiner Inhalte auf deinen (Youtube) Kanal Geld verdienst, schuldest du mir Geld. So einfach ist das,“ twitterte der zu extremen Reaktionen neigende Fish. „Die Werbeeinnahmen sollten mit den (Spiele)Entwicklern geteilt werden. Dies sollte in Youtube implementiert sein. Alles andere ist im Grunde Piraterie.“

Er mag zwar mit der unverfrorenen Art und Weise, wie er seine Meinung rüber gebracht hat, alleine sein, nicht aber was mit den Inhalt seiner Aussage.
Der mit seiner Wii U alles andere als gut dastehende Spielegigant Nintendo hat zu selben Zeit, als sich der Fez Erfinder aus der Spieleentwicklung zurückgezogen hat, mit ähnlichen Forderungen Schlagzeilen gefüllt.
Nur ging der Mario-Konzern sehr viel weiter und verlangte die gesamten Werbeeinnahme, die Let’s Player mit dem Abfilmen der Nintendo Spiele verdienen.
Von seinen Anlegern getrieben winkte Nintendo zwischenzeitlich sogar mit der Sperrung der entsprechenden Let’s Play’s. Mittlerweile ist Nintendo aber schon schon zurück gerudert, befindet sich nun auf einer Linie mit Phil Fish und verlangt lediglich einen Anteil an den Let´s Play Gewinnen.

Von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen kann man die Forderung der Entwickler nach Beteiligungen an den Gewinnen verstehen.
Allein auf Youtube gibt es Milliarden an abgefilmten und kommentierten Spieleszenen. Sicherlich haben sich nicht wenige Zuschauer auf Grund von Let’s Play’s dazu entschieden ein bestimmtes Spiel nicht zu kaufen, sei es weil das Gameplay ihren Erwartungen nicht entsprach, oder sie sich einfach daran statt gesehen hatten.

Auf der anderen Seite können Let’s Play’s aber auch einen nicht zu unterschätzenden Werbewert bieten.
Vor allem kleinere Spieleentwickler, zu denen sich der Provokatör Phil Fish auch einmal zählte, können mit den Videos Massen erreichen, die sie sonst mit herkömmlichen PR-Maßnahmen niemals erreichen könnten.
Wenn sich solche Großen wie Gronk, Sarazar oder Piwdiepie dazu entschließen auch nur ein Video über ein bestimmtes Indie-Spiel zu drehen, kann man sich sicher sein, dass besagtes Spiel schlagartig durch die Decke geht.
Wie sonst konnten Kleinprojekte wie Slenderman, Day Z oder Flappy Bird solch einen Bekanntheitsgrad erreichen.

Dies scheint Phil Fish  wohl bei seinem inzwischen runtergenommenen Tweet vergessen zu haben, denn neben der Berichterstattungen der Spieleredaktionen über Fez haben vor allem die Let’s Player ihm zu dem Erfolg verholfen, der ihn dann bedauerlicherweise zu Kopf gestiegen ist.
Let’s Play’s als Piraterie zu bezeichnen greift zu kurz, da es zu einem Let’s Play nicht nur dazu gehört einfach ein Spiel abzufilmen, sondern zu kommentieren und somit das Video mit der eigenen Persönlichkeit zu füllen. Darüberhinaus bestehen viele Let’s Play’s nicht nur aus abgefilmten und kommentierten Gameplay, sonder sind auch noch stark editiert.

Im Jahre 2010 filmte Youtuber Ezeguil Guerisoli ausgewählte Spielszenen des Sandbox-Epos GTA IV ab, unterlegte das Gameplay mit atmosphärischer Musik und ließ einen professionellen Sprecher drüber sprechen.
Das sich aus diesen Baustein zusammensetzende Video „Mastermind – Episode 1“ erzeugte so viel Aufmerksam, dass Rockstar Games es zu seinen Favoriten hinzufügte und den Youtuber sogar einstellte.
Und Rockstar ist nicht alleine, was die Unterstützung von Youtubern angeht. Publishergrößen wie Ubisoft, EA und Warner Brothers Games binden mittlerweile Let’s Player in ihre Marketingstrategien ein, schicken diesen unentgeltlich Exemplare ihre Spiele und laden sie zu Veranstaltungen ein. Privilegien die vor ein Paar Jahre bloß Spieleredaktionen genossen haben.

Von der Mehrzahl der Spieleschmieden werden Let’s Play’s also immer noch als Mehrwert und nicht bloß als stumpfe Piraterie angesehen und das ist auch gut so, wie wir finden.

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