RES2k: Mehr als 30 Retro-Systeme in einer Konsole

Von außen betrachtet mag das Verhalten von uns Gamers vielleicht tatsächlich ein wenig seltsam erscheinen. Alle paar Jahre tragen wir ein neues Technik-Wunder in einem Plastikklotz nach Hause. Altgeräte werden jedoch nicht einfach entsorgt wie eine technisch überholte Spülmaschine. Nein, sie werden fein säuberlich archiviert, mitsamt einem ganzen Haufen voller Spiele im Wert eines Kleinwagens. Hin und wieder werden die alten Konsolen dann doch wieder aus dem Keller hervorgekramt, um in einem Anflug von Nostalgie der guten alten Zeit zu frönen. Schuldig, auch ich gehöre zu diesen seltsamen Retro-Gamern, die sich mit technischen Hilfsmitteln gerne wieder in die 90er Jahren zurückbeamen. Leider steht die Spezies „Retro-Gamer“ jedoch vor einigen ernstzunehmenden Problemen.

Liebend gerne würde ich mir den ganzen Keller mit altem Spielzeug zustellen. SNES, Mega Drive, C64… vielleicht sogar eines dieser damals sündhaft teuren Neo Geos… ich liebe dieses Retro-Zeugs einfach. Völlig unverständlicherweise teilt meine Familie diese Begeisterung für hoffnungslos veraltete Technik nicht besonders. Ich muss mir also einen anderen Plan überlegen, um zum einen nicht als Messie durchzugehen und um zum anderen nicht unser gesamtes Bankkonto zu schröpfen. Der alte Kram geht mittlerweile ja auch zu Rekordpreisen über die Ladentheke.

Alternativen für den Retro-Gamer

Offenbar bin ich nicht der einzige Gamer, der vor diesem Problem steht. Der Markt bietet mittlerweile viele Möglichkeiten, auch mit geringen finanziellen Mitteln und begrenztem Platzangebot, seinem Hobby nachzugehen. Gerade alteingesessene Firmen wie SEGA oder Nintendo haben in den Kindern der 80er und 90er Jahre eine gut zahlende Zielgruppe entdeckt. Der Markt wird derzeit mal wieder überschwemmt von Spiele-Sammlungen, alte Spiele auf neuen Konsolen. SEGA Mega Drive Classics hier, SNK Anniversary Collection da. Der Aufwand für die Publisher ist gering, die Spiele sind bereits vorhanden, genauso wie die passenden Emulatoren. Einfach rauf auf die Disc und fertig ist die Laube.

Es geht allerdings sogar auch ganz ohne Datenträger. Die Download-Stores von Nintendo, Sony und Microsoft sind voll mit alten Spielen, die ihr gegen Gebühr herunterladen könnt. Nicht viel anders sieht es im mobilen Bereich aus. Viele Klassiker lassen sich mittlerweile auch auf dem Smartphone zocken. Wer es ein wenig haptischer möchte, kann auch dem neuen Trend der Mini-Konsolen folgen. Für knapp 100€ bekommt ihr den Miniatur-Nachbau einer alten Konsole inklusive des passenden Controllers. Mitgeliefert werden auch noch eine handvoll Spiele, die bereits vorinstalliert sind.

Original oder Emulation

Der Nachteil solcher Geräte liegt klar auf der Hand. Sie sind nicht ganz günstig, ebenso lassen sich keine weiteren Spiele darauf installieren, jedenfalls nicht ohne das Gerät zu hacken. Außerdem sammelt sich so schnell wieder eine Menge Plastik-Kram unter dem Fernseher an. Eine optimale Lösung sieht also anders aus. Dabei ist die Idee einer Mini-Konsole ganz charmant.

Die Emulation alter Konsolen stellt hier zumindest eine Alternative dar, zumal selbst die „Original“-Minis nur auf eine Emulation setzen und natürlich nicht die originale Hardware verbaut wurde. Der Einplatinencomputer Raspberry Pi hat in Sachen Emulation die Karten nochmal neu gemischt. Dank des geringen Anschaffungspreises wurde der Mini-Computer schnell für Bastler interessant. Neben der Platine braucht es noch ein Netzteil, ein Gehäuse, eine Speicherkarte, ein HDMI-Kabel sowie natürlich einen Controller, um Retro Games ans Laufen zu bekommen. Unter dem Strich könnt ihr so schon für etwa 70€ ein lauffähiges Gerät zusammenschustern.

Die Möglichkeiten des Raspberry Pi

Fehlt nur noch die Software. Für die Emulation drängen sich vor allem zwei Möglichkeiten auf. Sowohl die Software RetroPie als auch die Recalbox ermöglichen die Emulation von so ziemlich jeder bekannten Retro-Plattform. Mit dem Controller könnt ihr euch ganz bequem durch die Menüs klicken und einzelne Spiele, schön nach Plattform sortiert, ansteuern und natürlich auch spielen.

Klingt komfortabel? Ist es auch, allerdings müsst ihr vor dem Zocken ein paar Hürden überwinden. Zunächst steht euch der Zusammenbau der Hardware bevor, der zwar kein Hexenwerk ist, aber den ein oder anderen Werkzeug-Legastheniker möglicherweise zurückschrecken lässt. Wenn ihr ein paar Euros mehr ausgebt, findet ihr aber auch schon fertig zusammengesteckte Raspberry Pis im Gehäuse auf diversen Plattformen. Als nächster Schritt steht euch die Installation des Betriebssystems bevor, sowohl RetroPie als auch RecalboxOS könnt ihr kostenlos aus dem Netz ziehen. Die Installation sollte kein größeres Problem darstellen, obwohl es auch hier ein paar kleine Fallstricke gibt.

Schwierige Rechte-Situation

Deutlich mehr Aufwand wird benötigt, um die gewünschten Spiele zu installieren. Zunächst einmal muss natürlich der rechtliche Aspekt bedacht werden. Zuletzt nahm etwa die große Emulatoren-Website Emuparadise alle ROMs vom Netz, aus Sorge vor rechtlichen Schritten der Rechteinhaber. Nintendo einigte sich außergerichtlich auf eine Entschädigung von 12 Millionen Dollar, die von zwei Webseiten gezahlt werden mussten, die Nintendo-ROMs zum Download anboten. Dennoch sind ROMs bis heute ohne großen Aufwand im Netz finden.

Das Zusammensuchen der Spiele im Netz dürfte aber dennoch ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen, zumal das Angebot immens ist. Mit RetroPie und Recalbox lassen sich etliche Retro-Maschinen emulieren, das reicht locker für ein fünfstelliges Spieleangebot. Der Bau einer Retro-Emulator-Konsole mit dem Raspberry Pi ist somit zwar günstig, kann aber sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Das Rundum-Sorglos-Paket

Bei Trading Shenzen, dem China-Technik-Versandhandel, gibt es seit kurzer Zeit eine Retro-Konsole auf Raspberry-Pi-Basis, die euch das lästige Zusammenstellen abnimmt und euch so eine Menge Zeit und Arbeit spart. Mit der RES2k könnt ihr direkt out-of-the-box loslegen. Wahlweise kommt die Mini-Konsole im Look des Mega Drives, des SNES oder des NES daher. Optisch kommt das Gehäuse den Originalen schon ziemlich nahe. Nur auf den Konsolenschacht wurde natürlich verzichtet, alle Spiele sind bereits vorinstalliert und lassen sich ganz ohne Datenträgerwechsel aus dem Hauptmenü heraus starten.

Gegenüber Mini SNES & Co hat die RES2k ebenso den Vorteil, dass sie gleich mehr als eine Plattform emuliert. Für jemanden, der viele der alten Geräte damals tatsächlich besessen hat, ist es schon eine kleine Sensation. In dem handtellergroßen Gehäuse befinden sich gleich mehr als 30 Videospiel-Konsolen zugleich. Damit könnt ihr auf ein nahezu vollständiges Spiele-Portfolio der 70er, 80er und 90er Jahre zugreifen.

Alles-Emulator im kleinen Gehäuse

Im Hintergrund des RES2k arbeitet das oben schon erwähnte RecalboxOS, das immer wieder überarbeitet wird. Updates können bequem über das WLAN heruntergeladen werden. Ebenso lassen sich auch weitere Spiele hinzufügen. Der Back-Katalog des RES2k ist natürlich nicht ganz lückenlos, dennoch ist die Spieleauswahl erstaunlich. Ihr erhaltet mehr als 14.000 Spiele, es dürften also, wenn überhaupt nur ein paar wenige Titel sein, die ihr auf der Konsole vermissen werdet.

Neben den populären Konsolen wie SNES, Mega Drive oder N64 finden sich auch einige exotische oder weniger kommerziell erfolgreiche Konsolen auf dem Gerät wieder. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Partie Bonk’s Adventure auf der PC-Engine? Die japanische 8-Bit-Konsole ist auf dem RES2k mit 313 Spielen vertreten. Nicht fehlen darf natürlich auch das Neo Geo von SNK, das damals preislich weit jenseits von gut und böse lag. Viele hochwertige Prügelspiele und Arcade-Shooter des Edelkonsolen-Herstellers könnt ihr in der Emulation nachholen.

Ebenso vorhanden sind ein paar ganz alte Schätzchen. Historischen Wert haben die Spiele auf den Systemen Apple II, Amstrad PC, Coleco Vision oder MSX. Kinder der 80er Jahre freuen sich auch sicher auf ein Wiedersehen mit dem C64 und dem Atari ST. Der Commodore Amiga hat es jedoch leider nicht in die Sammlung geschafft. Schade, gerade die Spiele auf Commodores 16-Bitter sind eigentlich ganz gut gealtert und lassen sich auch heute noch ganz gut spielen.

Klassiker en masse

Dafür haben allerdings auch viele Handheld-Konsolen ihren Weg auf die RES2k gefunden. Berücksichtigt wurden sowohl die populären Handhelds wie der Classic GameBoy, GameBoy Color und GameBoy Advanced als auch SEGAs Game Gear oder der Atari Lynx. Selbst der Neo Geo Pocket und der WonderSwan als Exoten sind auf der Konsole vertreten.

Einen Schwerpunkt bilden aber natürlich die Klassiker. Knapp 1000 Spiele sind alleine für das SNES verfügbar. Der große Konkurrent, das SEGA Mega Drive, kommt mit gut 800 Titeln auch nicht viel schlechter weg. Für das Mega Drive gibt es zudem auch noch ein paar Spiele für die Hardware-Erweiterungen 32X und das CD-Laufwerk. Das Ende der Fahnenstange bilden die Konsolen von Sony. Die erste Playstation sowie die PlayStation Portable stellen die modernsten Systeme dar, die von der RES2k emuliert werden. Mit nur knapp 80 Spielen fällt die Auswahl auf der PlayStation One zwar etwas gering aus, wichtige Klassiker wie Resident Evil 2, Twisted Metal oder Final Fatasy VII findet ihr aber dennoch wieder. Immerhin bietet die RES2k damit aber immer noch eine deutlich größere Spieleauswahl als die Mini-PlayStation.

Die Tücken der Emulation

Die breiteste Spielepalette wurde auf der RES2k für die Arcade-Automaten reserviert. In den 80er und 90er Jahren waren die Spielhallen-Automaten das Maß aller Dinge. Technisch waren die Titel aus der Spielhalle den Heimkonsolen-Versionen immer ein ganzes Stück voraus. Die wenigsten Videospieler werden sich aber wohl so einen fetten Klotz ins Wohnzimmer gestellt haben. Die Emulation ist daher eine gute Möglichkeit, diese Spiele neu zu erleben. Der Arcade-Emulator umfasst auf der RES2k mehr als 2000 (!) Titel.

Durch die verschiedenen Emulatoren, die unter der Recalbox zusammengebracht werden, habt ihr folglich eine mehr als stattliche Auswahl alter Spiele, vor allem aus den 80er und 90er Jahren. Die Emulation hat jedoch auch leider ihre Tücken. Nicht alle Titel eignen sich gleich gut, um auf der Mini-Konsole gespielt zu werden. Hier spielt vor allem die Wahl eines geeigneten Controllers eine gewichtige Rolle.

Choose your weapons

Trading Shenzen bietet euch beim Kauf der Konsole einige Steuergeräte zur Auswahl an. Der erste Controller liegt dem Paket bei, weitere Geräte könnt ihr gegen Aufpreis hinzukaufen. Beim Kauf einer RES2k im Nintendo-Look gibt es einen Controller von 8bitdo, der sich optisch am NES-Gamepad orientiert. Der Controller verfügt über ein digitales Steuerkreuz, zwei analoge Sticks, vier Aktionstasten und sogar vier Schultertasten. Damit ist der Controller also sogar für die Steuerung von PlayStation-Spielen geeignet. Für SEGA-Fans gibt es einen ganz ähnlichen Controller, der natürlich dem Steuergerät des Mega Drives nachempfunden wurde.

An das RES2k könnt ihr aber auch problemlos jeden USB-Controller anschließen. Spezifische Anschlüsse wie bei den Mini-Konsolen von Nintendo gibt es am RES2k nicht. Einige Systeme lassen sich mit dem beiliegenden Controller allerdings nicht besonders gut steuern. Der C64 oder die alten Konsolen von Atari etwa setzten seinerzeit auf den Einsatz eines Joysticks. Mit dem Gamepad funktioniert die Steuerung zwar auch, fühlt sich aber eben nicht mehr so an wie früher. Ein Teil des Retro-Erlebnis geht dadurch flöten.

Mit Kabel oder Bluetooth

Noch komplizierter wird es, wenn das System nach einer Tastatur verlangt. Vor allem bei der Emulation des C64 oder des Atari ST kommt dies hin und wieder vor. Ihr müsst nun also wohl oder übel doch noch die alte USB-Tastatur aus dem Keller holen. Der Anschluss über USB funktioniert aber immerhin ganz problemlos. Alternativ könnt ihr alle Geräte übrigens auch via Bluetooth koppeln. Der beigelegte Controller von 8bitdo etwa kann mit Kabel oder über Bluetooth betrieben werden. An der Konsole könnt ihr auch problemlos bis zu vier Controller anschließend. Damit stehen selbst Vier-Spieler-Koop-Schlachten nichts mehr im Wege.

Viele kleine Probleme lassen sich also mit ein paar Handgriffen beheben. Große Probleme in der Handhabung des RES2k sind nicht zu erwarten. Nehmt euch ein wenig Zeit für die Konfiguration des Controllers, aktiviert die WLAN-Funktion und dann sollte alles für dein Retro-Genuss vorbereitet sein. Ein paar kleine Aussetzer in einzelnen Spielen müsst ihr in Kauf nehmen. Mal lässt sich ein Spiel mit dem Controller nicht hundertprozentig genau steuern, da beim Original ein anderes Eingabegerät vorgesehen war, mal ist ein Spiel nur in französischer Sprache verfügbar. Im Großen und Ganzen läuft die RES2k aber ziemlich geschmeidig.

Ihr könnt die RES2k im Online-Shop von Trading Shenzen ab sofort bestellen. Zur Wahl stehen drei Varianten. Verfügbar ist die Konsole in der Optik von NES, SNES oder Mega Drive. Kostenpunkt: je nach Version zwischen 119€ und 129€. Im Kaufpreis enthalten ist neben der Konsole noch ein Controller, das Netzteil sowie ein HDMI-Kabel.

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