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Astral Chain: Der knallbunte Neuling von Platinum Games im Test.

Auf die Kette gekriegt?

Astral Chain im Test: Als Scifi-Cop den Weltuntergang verhindern 

Astral Chain: Das neue Action-RPG von NieR: Automata Entwickler Platinum Games. Wie gut der unkonventionelle Genremix tatsächlich ist, zeigt der Test.

Wenn Platinum Games einen neuen Titel auf den Markt wirft, so ist die Anspannung oft groß. Immerhin sorgte die Spieleschmiede bereits in der Vergangenheit für brillantes Gameplay in Titeln wie Bayonetta und Nier Automata. Auch tritt das Studio oftmals mit einem gewissen Hang zum Experimentieren auf, sodass stets ein gewisses Endrisiko besteht, wie es am Beispiel Wonderful 101 zu erleben war. Dass Platinum Games auch bei Astral Chain mit etwas mehr Risiko an den Start geht, das erkennt man bereits zu Beginn des Spiels. Eine holprige Motorrad-Sequenz und eine allgemeine Identitätskrise sorgen hier für hochgezogene Augenbrauen. Glücklicherweise legt sich diese Problematik im späteren Spielverlauf, und zwar auf beeindruckende Weise. 

Astral Chain: Zunächst etwas holprig, entfaltet es schnell sein Potenzial.

Von parallelen Welten, einem zerstörten Planeten und der Versklavung von Monstern

Platinum Games schickt uns im Nintendo Switch Titel Astral Chain in eine fiktive Zukunft der Menschheit, in der sich vor geraumer Zeit mysteriöse Portale in eine unbekannte Dimension geöffnet haben. In dieser Astralebene existieren Kreaturen, die nicht nur Menschen entführen, sondern auch die Welt selbst verseuchen. Obendrein können normale Menschen diese sogenannten Chimären nicht sehen. Nur jene, die selbst eine dieser Kreaturen befehligen, sind in der Lage diese zu bekämpfen. Der Spieler selbst schlüpft hier in die Rolle der örtlichen Polizei-Sondereinheit Neuron und bekommt direkt eine dieser Kreaturen ausgehändigt, die dank modernster Technologie gefangen genommen, an einer astralen Kette angeleint und somit befehligt werden können. 

Handschellen sind so 2018. In Astral Chain dreht sich alles um Ketten.

Im Spielverlauf stehen fünf dieser Chimären zum Fangen zur Verfügung, die allesamt mit einzigartigen Fähigkeiten daherkommen. Dies ist sowohl im Kampf, als auch abseits dessen eine wertvolle Bereicherung und lebensnotwendig, um die Krise abzuwenden und die Welt zu retten. Zumindest gilt dies für den Teil, der davon noch übrig ist. Tatsächlich wurde nämlich bereits der Großteil der Welt ausgelöscht. Die restlichen Überlebenden haben sich auf eine gigantische Arche zurückgezogen, auf der eine riesige Stadt das neue Zuhause der Menschheit darstellt. 

Das duale Kampfsystem 

Wenn Platinum Games eines kann, dann vor allem brachial-rasante Kämpfe abzuliefern. Die Kampfmechanik gestaltet sich hier zudem als äußerst komplex, wie in kaum einen Titel des Entwicklers zuvor. Zum einen kämpfen die Sci-Fi-Polizisten selbst mit einem Multifunktions-Schlagstock und einer Schusswaffe gegen all die unterschiedlichen Bedrohungen des Spiels. Dazu gehören auch einige Combos, die im Laufe der Geschichte freigeschaltet werden. Gleichzeitig befehligt die Neuron Einheit jedoch auch die angekettete Chimäre, die als Legion bezeichnet wird. Die Legion agiert in der Regel eigenständig, kann aber ebenso manuell gesteuert werden, sodass der Spieler plötzlich zwei Figuren simultan bewegt. Sie kann zum markierten Feind geschickt und auch in Windeseile zurückgeholt werden. 

Gemeinsam mit der Legion werdet ihr zum ultimativen Kämpfer.

Gleichzeitig ist es auch möglich, sich dank der Kette selbst zur Legion zu schwingen. Dies ist taktisch sinnvoll, um bspw. Abgründe zu überqueren oder Attacken auszuweichen. Ebenso lassen sich Gegner mit der Kette einwickeln und so für kurze Zeit kampfunfähig machen. Dies sind natürlich nur einige Features des Kampfsystems. Hinzu gesellen sich allerlei weitere Spezialfähigkeiten der unterschiedlichen Legions. Auch Objekte in der Umgebung können im Kampf genutzt werden und so manchen Vorteil liefern. So ist es bspw. mit dem Kampfhandschuh-Legion möglich, der im Nahkampf die Fäuste schwingen lässt, Objekte auf Feinde zu werfen. Pylone in der Welt können hingegen genutzt werden, um an Ecken vorbeizuspringen. Der Tiefgang hinter Astral Chain ist beeindruckend und gerade diese Abwechslung im Kampfgeschehen ist auch notwendig, um möglichst hohe Missionsbewertungen zu erhalten. Je mehr Variationen am Ende auf dem Scoreboard stehen, desto mehr Punkte hagelt es.

Detektivarbeit gehört zum Stellenprofil 

Die futuristische Spielwelt bietet viel Potenzial für Detektivarbeit und Nebenschauplätze.

Der Spieler ist jedoch weit mehr als nur ein Chimären bekämpfender Superheld. Als Cyber-Cop gibt es natürlich klassische Polizeiarbeit zu erledigen – Akten schieben gehört zum Glück nicht dazu. Zwischen den rasanten Kämpfen muss die Neuron auch in der Stadt auf Streife gehen und Tatorte untersuchen. Das ganze Spiel ist dementsprechend prall gefüllt dank abwechslungsreicher Nebenquests. So gilt es beispielsweise einem Kind ein Eis zu kaufen, welches seins fallengelassen hat. Natürlich kommt nur die Jumbogröße mit zehn Kugeln in Frage. Doch dies gestaltet sich als gar nicht so einfach. Nicht nur muss das hochgestapelte Eis ohne größere Schäden Kind mit den leuchtenden Augen gebracht werden, auch müssen die Kugeln über die gyroskopischen Sensoren der Switch ausbalanciert werden. Als wäre das nicht schon schwer genug, gilt es auch noch heranstürmenden Damen auszuweichen, die sich gerade im Kaufrausch durch die Straßen drängeln. 

Astral Chain: Auch Rätsel spielen im wilden Genremix eine Rolle.

Diese unterschiedlichen Quests der Welt, die zwischen Neben- und Hauptaufgaben oszillieren, gestalten sich ebenfalls als äußerst abwechslungsreich. Dabei spielen auch die Legions eine wichtige Rolle. Die Biest-Legion kann bspw. genutzt werden, um Müllhaufen zu durchwühlen und Fährten aufzunehmen, wohingegen die Schwertlegion verseuchte Passanten heilen und Verdächtige abhören kann. Der Bogen Legion kann hingegen genutzt werden, um versteckte Schalter aus der Ferne zu betätigen. Entsprechend ist sowohl im als auch abseits des Kampfgeschehens ein steter Wechsel der Legions angeraten. Dank dem IRIS-System, einer Detektivsicht, die der „Eagle-Vision“ aus Assassin’s Creed ähnelt, lassen sich zudem viele Hinweise und Dinge erkennen, die fürs nackte Auge unsichtbar sind. 

Fazit

PROS

CONS

+ Rasante und anspruchsvolle Kämpfe

- Nebencharaktere werden wenig beleuchtet

+ Attraktives Weltdesign

- Charakterverhalten teils zu klischeehaft

+ Komplexes Kampfsystem

- Story teils stark vorhersehbar

+ 5 Legions mit unterschiedlichen Fähigkeiten

- Kameraführung gelegentlich störend

+ Detektivmodus und Chimärenkämpfe halten sich die Waage

+ Zahllose Freischaltmöglichkeiten und New Game+

Als Fan der Spiele aus dem Hause Platinum Games bin ich sehr beruhigt, dass sich die Wogen nach dem holprigen Spielstart doch noch geglättet haben. Je weiter ich in der Story von Astral Chain vorangeschritten bin, desto besser gefiel mir das Game. Es ist schlicht notwendig, ein paar der Legions freigeschaltet zu haben, um ein minimales Maß an Spieltiefe zu erhalten, ehe die Action so richtig losgeht. So werden die Kämpfe im Spielverlauf immer rasanter und anspruchsvoller. Hat man sich an die stellenweise etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung gewöhnt – was einzig und allein an ihrer gelungenen Komplexität liegt – so fängt Astral Chain an, einen riesigen Spaß zu machen. Die Story bleibt ebenfalls über lange Strecken spannend, wenn auch das Grundrezept in Animes und Games schon oftmals abgehandelt worden ist. Etwas schade ist lediglich, dass der Soundtrack nur als solide einzustufen ist und dass der Tiefgang der zahlreichen Charaktere des Polizeireviers zu wünschen übrig lässt. Dank New Game+ sowie zahllosen Fähigkeiten, Eigenschaften und freischaltbaren Objekten wie Kostümen, macht Astral Chain zudem auch auf lange Sicht eine sehr gute Figur.

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