Bleeding-Edge-Artwork
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Bleeding Edge: Unser Ersteindruck frisch von der Gamescom.

Nach 30 Minuten mit dem Online-Shooter

Bleeding Edge in der Gamescom-Vorschau - Overwatch in brachial

  • Christian Böttcher
    VonChristian Böttcher
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Wenn Hellblade die Therapie war, ist Bleeding Edge der Rückfall. Wir haben uns den brachialen Multiplayer-Shooter von Ninja Theory auf der Gamescom angeschaut.

Bleeding Edge macht nicht viel neu, dafür aber einiges richtig. Das neue Spiel von Ninja Theory surft auf der Erfolgswelle von Overwatch mit, verleiht dem Genre aber seinen ganz eigenen Twist. Wie der aussieht, konnten wir in einer 30-minütigen Anspielsession auf der Gamescom 2019 herausfinden.

Bleeding Edge: 12 nicht ganz so heldenhafte Helden

Das Grundkonzept von Bleeding Edge fällt denkbar simpel aus: Im Online-Multiplayer auf recht großen Karten hauen sich 4 Helden pro Team gegenseitig die Köppe ein. Nicht ungeplant oder gar willkürlich, sondern mit Taktik und ordentlich mechanischem Skill. Genau wie beim Genre-Vorreiter von Blizzard dürft ihr dabei aus einer ganz ansehnlichen Menge an Antihelden wählen. 12 verschiedene Charaktere stehen euch vor dem Match zur Verfügung, eingeteilt in drei Klassen.

NameKlasseRolle
ButtercupHeavyMelee
El BastardoHeavyMelee
MakutuHeavyMelee
DaemonAssassinMelee
GizmoAssassinRanged
MaeveAssassinRanged
NidhöggrAssassinMelee
ZeroCoolSupportRanged
MikoSupportRanged
KulevSupportRanged

Wählt ihr den Heavy, seid ihr fortan der Tank der Gruppe. Eure Aufgabe ist es, als fleischlicher Schild vor euren weniger schlagkräftigen Mitspielern Stellung zu beziehen, Schaden zu minimieren oder den feindlichen Supportern auf die Mütze zu geben. Die wiederum haben die Aufgabe, das eigene Team am Leben zu halten, mit heilenden Fähigkeiten zur Seite zu stehen oder aber per Crowd-Control Verwirrung zu stiften. Besser im Verwirrung stiften ist nur die dritte Gruppe an Helden in Bleeding: Edge: Die Assassinen. Ihr einiziges Ziel: Tote Supporter! Um das zu erreichen, verfügen sie über ein breites Arsenal an Schadensfähigkeiten, Illusionen und anderem Schabernack.

Doppelte Ult - doppelter Spaß

Wie beim großen Vorbild verfügt jede Figur über drei herkömmliche sowie eine ultimative Fähigkeit. Beispiel gefällig? In unserem kurzen, aber schmerzhaften Intermezzo mit Bleeding Edge haben wir uns für Miko, eine Supporterin entschieden, die auch im Nahkampf ordentlich Voodoo-Kloppe verteilt. Die exotische Lady verfügt über eine Granate, mit der sie Verbündete heilt und feindliche Kämpfer aus ihrer Reichweite stößt. Darüber hinaus hat sie eine schnelle Kettenheilung in petto, mit der sie das eigene Team am Leben hält. Kleiner Vorteil gegenüber Overwatch: Mit einem Doppelklick auf die entsprechende Taste heilt sich Miko zuerst einmal selbst. Nutzt ihr Single-Tap heilt sie hingegen euer aktuelles Ziel.

Miko ist der einzige Support, der auch im Nahkampf glänzt.

Komplettiert wird ihr Kit durch einen praktischen Gefrier-Effekt, mit dem sie Gegner auf der Stelle erstarren lässt und somit zu leichter Beute macht. Beim Blick auf ihre ultimative Fähigkeit stellten wir jedoch einen großen Unterschied zu Overwatch fest. Denn davon hat jede Figur in Bleeding Edge gleich zwei zur Verfügung. In Mikos Fall bedeutet das: Entweder ihr macht alle Freunde in der Nähe für einige Sekunden unsichtbar – praktisch für ausgetüftelte Hinterhalte – oder ihr wirkt einen potenten Heilstrahl auf Verbündete, den ihr per Knopfdruck zwischen euren Buddies hin- und herdirigiert.

So müssen Multiplayer-Karten aussehen

Notwendig sind gelegentliche Hinterhalte, weil Bleeding Edge nicht mit einem klassischen Team-Deathmatch an den Start geht. Stattdessen dreht sich alles um eine wilde Mischung aus klassischer Jagd nach Kills und einem Control-Modus. 500 Punkte gilt es zu ergattern, um den Sieg einzufahren. Punkte hagelt es für Kills, Killstreaks, vor allem aber für gehaltene Punkte auf den recht großen Karten. In unserer Session bestand die Map aus drei Abschnitten, mit jeweils einem einzunehmenden Punkt in der Mitte.

Um den Kampf rund um A, B und C noch schneller und dynamischer zu machen, stellt euch Ninja Theory ein Hoverboard zur Verfügung, dank dem ihr in Sekundenschnelle von einem Punkt zum nächsten gelangt. Im Kampf hat es zwar keine Funktion, stellt aber sicher, dass ihr jederzeit auf Zack sein müsst, denn hinter der nächsten Ecke könnte bereits ein neuer Gegner mit Board auf euch warten. Die Maps sind grundsätzlich recht offen gestaltet und stehen Overwatch in Sachen Vertikalität in Nichts nach. Klippen, Tunnel und andere Unwegbarkeiten: Bleeding Edge weiß wie man gute Multiplayer-Karten entwirft

Kontrolliertes Chaos

Für einen gewissen Chaosfaktor sorgen außerdem die vielen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung. In unserer Session beispielsweise fuhr immer wieder ein gigantischer Zug quer über die Map – mit fatalen Folgen für alle, die auch nur eine Sekunde zu lang auf den Gleisen verharrten. Was sich für uns noch nach einem unkontrollierbaren Zufallsfaktor anfühlte, könnte sich im finalen Spiel jedoch als wichtiges taktisches Element herausstellen. Treibt ihr das Gegnerteam auseinander, kurz bevor der Zug kommt, sorgt die vorbeirauschende Bahn beispielsweise dafür, dass ihr einige Sekunden zahlenmäßig überlegen seid.

Die Fähigkeiten der 12 "Helden" lassen sich wunderbar kombinieren.

Teamplay steht ohnehin in großen Lettern auf dem Spielkonzept von Bleeding Edge geschrieben. Vor allem, weil das recht überschaubare Kämpferfeld viele Möglichkeiten zum Rumprobieren bietet. Keine zwei gleichen Helden sind pro Team erlaubt, was das Balancing selbstverständlich erschwert, aber auch für spielerische Vielfalt und taktische Tiefe sorgt. Hinzu kommt, dass die Fähigkeiten der 12 Charaktere förmlich danach schreien, kombiniert zu werden. ZeroCool z.B. kann große Mauern erschaffen und so die Fluchtwege der Gegner abschneiden. Das kombiniert mit einem gezielten Feuerstoß des untoten Nidhöggr endet garantiert in feindlichem Grillgut.

Zwei Oktan drüber

Ganz so blutig wie Bleeding Edge zunächst klingt, ist der neue „Helden-Shooter“ von Ninja Theory dann aber doch nicht. Stattdessen setzt das Game voll auf den kompetitiven Multiplayer mit schnellen, effektgewaltigen Schlachten. Auf effektive Gewalt verzichtet das Spiel dabei aber größtenteils. Zwar wirft Bleeding Edge mit Partikeleffekten um sich als wären sie Kamelle auf dem Kölner Karneval, bleibt aber immer im Rahmen der kindlichen Freuden.

Over the top steht ganz oben auf der Liste von Ninja Theory.

Trotzdem ist Bleeding Edge kein Kind von Traurigkeit. Grafik und Inszenierung fallen herrlich übertrieben aus und lassen den leichten Dieselpunk-Look des Spiels voll zur Geltung kommen. In seltenen Momenten erinnert das Ganze an Sunset-Overdrive von Insomniac Games. Lediglich der Sound konnte bei uns noch nicht recht landen. Viel mehr als ein verhaltenes Dröhnen lassen viele der Fähigkeiten nicht hören. Bleibt abzuwarten, ob der Fighter-Shooter abseits vom Messsetrubel soundtechnisch etwas mehr reinballert.

Fazit

Bleeding Edge ist nicht so weit von Overwatch entfernt wie wir es gern hätten - ein weiterer Helden bzw. Antiheldenshooter, der auf nur allzu vertraute und erfolgreiche Mechaniken setzt. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass sich das neue Spiel von Ninja Theory von anderen Vertretern des Genre absetzen kann. Dafür sorgen der herrlich übertriebene Charme, die gelungene - wenn auch bisher einzige - Karte sowie die Kombinationsmöglichkeiten der Charaktere mit den vielfältigen Umgebungen. Laune macht der überdrehte Online-Shooter schon jetzt eine ganze Menge.

Bleeding Edge erscheint 2020 für Xbox One und PC.

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