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Call of Duty Modern Warfare: Neustart 

Das beste CoD aller Zeiten?

Call of Duty: Modern Warfare im Test: Gelungener Neustart oder gescheitert beim Versuch?

Entwickler Infinity Ward setzt endlich neue Impulse. Warum Call of Duty: Modern Warfare zu den besten Shootern des Jahres gehört, haben wir im Test herausgefunden.

2019 ist das Jahr, an das sich viele CoD-Fans noch lange erinnern werden. Denn nach Jahren der Stagnation traut sich Entwickler Infinity Ward, der Serie endlich wieder neue Impulse zu verleihen. Das Ergebnis: Ein ernstzunehmender Anwärter auf den Shooter des Jahres.

Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal "Hier!" schreien würde, wenn es darum geht, das nächste Call of Duty zu testen. Irgendwann hatte mich die Serie zurückgelassen wie diesen einen Kameraden, der im Feuergefecht angeschossen wird und nicht mehr aus eigener Kraft laufen kann. Mit jedem neuen Serienableger wandelte sich mein Interesse gleichermaßen im Jahresrhythmus in Gleichgültigkeit. Ich kam schlicht nicht mehr mit.

Modern Warfare: Die Neuauflage fährt groß auf.

Nun ist 2019 und die Serie schaut seit Call of Duty 4: Modern Warfare mittlerweile auf zwölf erfolgreiche Jahre zurück – zumindest für Publisher Activision. Denn rein spielerisch hat sich Call of Duty nur marginal von seinem Kern-Gameplay emanzipiert. Stattdessen ersann das abwechselnd tätige Entwicklertrio, Infinity Ward, Treyarch und Sledgehammer Games, immer abstrusere Szenarien. Zuletzt entwickelte sich die Reihe zunehmend ins Fantastisch-Futuristische und steckte uns als Spieler in reflexsteigernde Exo-Anzüge oder schoss uns sogar ins Weltall.

Modern Warfare: Alles auf Anfang

Dass ich nun doch zu Call of Duty zurückkehre, hat vor allem mit dem Smartphone zu tun. Oder genauer: mit dem mobilen Ableger von Call of Duty für Smartphones. Selten habe ich so viel Zeit damit verbracht, abends noch ein, zwei Runden auf sechs Zoll mit Touchsteuerung zu spielen. Nun, was soll ich sagen? Dank Call of Duty Mobile hatte ich schlicht wieder Bock.

Die Kampagne von Modern Warfare: Kurz wie immer, konsequent wie nie

Fast zu meinem Erstaunen fühlt sich das neue Call of Duty: Modern Warfare (ohne Nummerierung) wirklich gut an. Das ganz große Wow-Gefühl von 2007 löst MW zwar nicht aus, aber es kommt verdammt nah dran. Fünf bis sechs Stunden umspannt die Kampagne und unterhält dabei aufs Allerfeinste – sowohl was die Handlung angeht, vor allem bei den Protagonisten (ja, tatsächlich!), als auch, dank eigens dafür entwickelter Engine, audiovisuell.

Das neue Call of Duty: Fiktiv, aber realistisch

Call of Duty: Modern Warfare verortet die Reihe wieder in der Gegenwart und erdet sie somit. Der ausgetragene Konflikt in MW ist zwar fiktiv, wirkt aber durchaus glaubhaft. Das macht schon die Intro-Sequenz deutlich: Im Dunkel eines Vans sitzen wir mit geladener Waffe und schauen mit gesenktem Blick auf die Waffen der anderen Insassen. Als der Van anhält, richtet sich die Kamera automatisch auf den Mitfahrer neben uns. Er trägt keine Waffe, sondern einen Sprengstoffgürtel. Dann öffnet sich die Tür, wir stehen mitten auf dem belebten Piccadilly Circus in London. Kurz bevor der Attentäter die panische Masse mit sich reißen kann, blendet das Bild auf schwarz. Puh, harter Tobak!

Zeitsprung. 24 Stunden vorher. Das Spiel überlässt uns erstmals die Kontrolle. Im Schutz der Dunkelheit arbeiten wir uns durch einen Wald Richtung feindlichen Stützpunkt vor. Schon hier lässt MW ordentlich die grafische Potenz durchblitzen. Das Mondlicht fällt fast schon fotorealistisch durch die Baumkronen und lässt die Szenerie in nuanciertem Dunkelblau leuchten, durch das die Nebelschwaden wabern. Andeutend heißt diese erste Mission „Fog of War“, denn Kriegsnebel ist in Modern Warfare durchaus wörtlich zu verstehen.

Das neue Call of Duty: Ein grafisches Brett.

Gemeint ist ein Giftgas, das sich die terroristische Organisation Al-Qatala aneignen will, um sich damit nach Urzikstan abzusetzen. Das fiktive Land im Kaukasus wird von den angrenzenden Russen drangsaliert und erinnert somit frappierend an reale Konflikte. Die Al-Qatala sind es auch, die den Anschlag in London verüben. Während wir zunächst als CIA-Agent Alex dem Giftgas und somit den Al-Qatala nach Urzikstan nachjagen, schlüpfen wir in London in die Rolle des SAS-Sergeants Kyle. Er ist direkt am Ort des Geschehens, als am Piccadilly Circus die Bomben explodieren. 

Der Kampf durch das Chaos, das auf dem großen Platz herrscht, ist brutal und schweißtreibend. Von überall vernehmen wir Schreie, die sich nicht genau lokalisieren lassen. Dazwischen immer wieder Schüsse und Explosionen. Während wir damit beschäftigt sind, selbst zu überleben und nicht einem Terroristen mit AK47 oder Sprengstoffgürtel zum Opfer zu fallen, müssen wir teilweise handlungsunfähig zusehen, wie Passanten hingerichtet werden. Modern Warfare ist schonungslos in seiner Darstellung. Mehr als einmal stockt mir während der Kampagne der Atem.

Aufs Schießen konditioniert

CoD:Weite Felder weichen engen Straßenschlachten.

In einer späteren Mission in London etwa stürmen wir, wieder als Kyle, unter anderem mit Serienveteran Captain John Price, ein mehrstöckiges Familienhaus, das als Unterschlupf der Terroristen gilt. Wohnung für Wohnung, Raum für Raum sichern wir das Gebäude – natürlich nicht, ohne auf Widerstand zu treffen. Dank der verbesserten Mechanik lassen sich Türen nun aufbrechen oder leise öffnen, sodass wir zunächst eine Blendgranate in den Raum werfen können, bevor wir hineinstürmen. Ich nutze das taktische Element, um nach und nach die Feinde auszuschalten. Denn eine Sekunde des Zögerns bedeutet in CoD den sofortigen Tod. Selbst auf niedrigem Schwierigkeitsgrad halten unsere Protagonisten nicht viel Feindbeschuss aus. Zum Glück sind die Wiedereinstiegspunkte fair gesetzt und die Ladezeiten kurz.

Weil mich CoD über die Jahre so sehr darauf konditioniert hat, auf alles sofort zu schießen, nutzt Infinity Ward diese Eigenheit für ein paar perfide Momente. Ich will sie nicht spoilern, nur so viel: Während wir uns in London durch das Haus nach oben kämpft, stoßen wir in einer der Wohnungen auf eine Frau. Ehe ich reflexartig abdrücken kann, ergibt sie sich, stürmt dann plötzlich auf den Tisch hinter sich zu und ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, sie auszuschalten, bevor sie eine Sprengladung fernzünden kann. Puh, richtig knapp, erst einmal durchatmen. Wenig später eine ähnliche Situation, wieder eine Frau, wieder ergibt sie sich. Ich zögere erneut, obwohl ich es besser wissen müsste. Sie schreit, dreht sich um…Mehr sei hier nicht verraten.

Knifflige Situationen: Kein Einzelfall in Modern Warfare

Entwickler Infinity Ward hat verstanden, wie man eine Handlung packend inszeniert. Diese kurzen Adrenalinschübe plus die Action im Stakkato zeichnen Modern Warfare wie damals CoD 4: Modern Warfare aus. In einer späteren Situationen erkämpfen wir uns als Alex in Urzikstan den Weg in eine Botschaft, während die Al-Qatala unter der Führung des Butchers versucht, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. An einer durch Panzerglas getrennten Schleuse stehen wir ihm gegenüber. Handlungsunfähig müssen wir dabei zusehen, wie er zunächst einen Mann vor den Augen eines Kindes hinrichtet und anschließend … nun ja.

Eingeschränkte Handlungsfreiheit

Das Spiel bietet uns zwar an, seiner Forderung, die Tür zu öffnen, nachzugeben. Allerdings führt das unweigerlich in den Tod und das Ende der Mission – ein echte Handlungsoption haben wir hier nicht. Wir werden zum Voyeur degradiert. Überhaupt sind echte Entscheidungsfreiheit und Handlungsoptionen oft nur vorgeschoben. Den Verlauf der Handlung beeinflussen können wir nicht. Das soll aber nicht als Vorwurf verstanden werden. Denn obwohl wir auch in Modern Warfare das über die Jahre etablierte Spielprinzip wiederholen – verschanzen, Schergen ausschalten, vorrücken, verschanzen, etc. –, fühlt sich MW nie redundant oder anstrengend an. Die Atmosphäre ist von Anfang so dicht, die Handlung so gut erzählt und die grafische Darbietung teilweise so opulent, dass sich spielmechanische Makel verschmerzen lassen. Zumal das typische CoD-Gameplay immer wieder aufgelockert wird.

Gelegentlich lockert Infinity War das typische CoD-Gameplay auf.

In der Botschaft etwa steuern wir zwischenzeitlich die Überwachungskameras, um die Assistentin des Botschafters heimlich an den Terroristen vorbei zu lotsen. In einer Rückblende steuern wir mit Farah erstmals ein kleines Mädchen, das sich gemeinsam mit ihrem Bruder Hadir gegen die Russen zur Wehr setzt. Das Geschwisterduo führt in der Gegenwart schließlich die Rebellen gemeinsam mit Alex gegen die Russen ins Feld. Es ist schön zu sehen, dass sich Modern Warfare mittlerweile traut, eine starke Frau als Protagonistin zu etablieren, die Männer befehligt und auf sich selbst aufpassen kann. Überhaupt sind Farah und die übrigen Figuren toll und glaubwürdig geschrieben und hervorragend animiert. Ich könnte ihnen stundenlang beim Mission Briefing zuschauen.

Modern Warfare: Endlich erwachsen

Was sich in Modern Warfare übrigens nicht mehr findet: wilde Zeitlupenschießereien, als hätte Michael Bay Regie geführt. Und über diese Designentscheidung bin ich sehr glücklich. Denn unter anderem dadurch fühlt sich Modern Warfare dunkler, dreckiger und erwachsener an als die oft überdrehten Vorgängern. Auch die ausschließlich auf Provokation ausgelegten Missionen, wie „No Russian“, sind in der Form nicht mehr dabei. Dem übersteigerten Selbstzweck der Provokation ist Modern Warfare glücklicherweise entwachsen

Modern Warfare: Dunkler, dreckiger, erwachsener

Gleichwohl gibt es auch hier noch genügend Situationen, die eine Wirkung haben, die nachhallen und im Gedächtnis bleiben. Modern Warfare schafft ohne Zweifel noch genügend erinnerungswürdige Momente, komprimiert in einer Handlung, die, dadurch, dass sie in der Gegenwart spielt, noch viel drastischer ist und eindringlicher als bei den Vorgängern.

Toller Mehrspielermodus, enttäuschender Koop

Was darf in einem Call of Duty natürlich nicht fehlen? Der Mehrspielermodus. Auch hier hat sich Infinity Ward vorab überlegt, was die Essenz des beliebten Mehrspieler-Wahnsinns ausmacht. Statt zig virtuelle Währungen einzuführen oder irgendwelche Spezialisten mit besonderen Fähigkeiten, zieht MW den Fokus wieder enger. Die verschiedene Spielermodelle unterscheiden sich nur noch visuell. Freischalten lassen sich dafür noch jede Menge Waffen mit unzähligen Modifikationen und natürlich Perks sowie – ja, sie sind zurück – Killstreaks

Bei letzterem handelt es sich um Belohnungen, die sich im Spiel aktivieren lassen, sobald man eine gewisse Anzahl Feinde erledigt hat, ohne selbst zu sterben. Und das ist echt hart. Überall und ständig campen Sniper und warten nur darauf, dass man leichtsinnig über die Karte rennt. Ich sag mal so: Die Medaille, die ich am häufigsten verdient habe, ist „Comeback“. Die gibt’s, wenn man nach mehr als drei eigenen Ableben endlich mal wieder einen Feind aufs Korn nimmt. Aber hey, Spaß macht der Mehrspielermodus wie eh und je.

Für reichlich Abwechslung sorgen unter anderem die neuen Spielmodi. In Ground War kämpfen erstmalig 64 Spieler in zwei Teams gegeneinander. Auf riesigen Karten gilt es Zonen zu erobern und zu halten. Zum handtaschengroßen Waffenarsenal gesellen sich in Ground War auch Fahrzeuge wie Panzer oder Hubschrauber, die das Geschehen noch explosiver gestalten und die Verweildauer auf den Karten oft drastisch verkürzen. Grafisch ist Ground War der schwächste Modus, auf der PS4 Pro laden die Texturen oft spät – Schuld dürften die Größe der Karte und die Anzahl der Spieler sein.

Die Vielfalt der Karten könnte größer ausfallen. Der Spaßfaktor stimmt.

Noch viel mehr Spaß macht Gunfight – quasi das exakte Gegenstück zu Ground War. Auf winzigen Karten beharken sich hier zwei 2er-Teams ohne Ausrüstung. Stattdessen gilt es, die auf der Karte verteilten Waffen schnellmöglich aufzusammeln, um sich vor dem Gegner einen Vorteil zu verschaffen. Die Runden sind schnell, intensiv und unfassbar spaßig.

Leider lässt sich das vom Koop-Modus nur bedingt sagen. Für ein, zwei vergnügliche Stunden taugt das gemeinsame Erledigen der Missionen zwar durchaus. Allerdings sind diese oft lieblos gestaltet, viel zu lang und durch ewig neu auftauchende Gegner irgendwann nur noch nervig. An die Qualität des gleichnamigen Special Ops aus Modern Warfare 2 reicht die Neuauflage nicht heran. Aber als Bonus zur hervorragenden Kampagne und dem unerschütterlichen Mehrspielermodus hat der Koop-Modus durchaus seine Berechtigung – wenn auch nur für ein paar Stunden.

Fazit: Diese Wertung geben wir Call of Duty: Modern Warfare

Tja, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich nochmal "Geil!" schreien würde, wenn mich jemand fragt, wie ich Call of Duty finde. Aber tatsächlich hat mich Modern Warfare eines Besseren belehrt und bewiesen, dass ich die Reihe zu früh abgeschrieben hatte. Aber diesen Fehler meinerseits räume ich nur allzu gerne ein. Denn das Spielgefühl im Einklang mit dem perfekt balancierten Pacing, der spannenden Dramaturgie und der fast schon unverschämt cineastischen Inszenierung haben einen der besten Shooter der vergangenen Jahre hervorgebracht. Nach all den Loot-Shootern mit ihren offenen Welten fühlt es sich 2019 wieder erstaunlich frisch ab, einen gradlinigen Shooter ohne Gameplay-Klimbim zu spielen.

PROS

CONS

+ Knackige Kampagne

- Verhalten der KI oft unglaubwürdig

+ Gut geschriebene, glaubwürdige Charaktere

- Mehrspielerkarten laden zum Campen ein

+ Grafisch beeindruckende Level

- Enttäuschender Koop-Modus

+ Erinnerungswürdige Wow-Momente

+ Wuchtiges Waffengefühl

+ Motivierender Multiplayer

Alexander Kraft

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Und Entwickler viel an den Spielmodi gepfeilt haben gab es nun den ersten Shock. Infinity Ward hat nun plötzlich beliebten Spielmodus von Modern Warfare gelöscht, weshalb die Spieler stellenweise auf die Barikaden gehen. 

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