Blockbuster neu aufgelegt

Crysis Remastered: Neuauflage im Test – Zurück auf die Insel, wo alles begann

  • vonOliver Koch
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2007 erschütterte ein deutsches Studio die Welt der Ego-Shooter. Nun will Crytek mit Crysis Remastered an alte Erfolge anknüpfen. Unser Test zeigt, ob's klappt.

  • Crysis Remastered erschien am 18. September 2020 für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch.
  • Entwickler Crytek will dem Edel-Shooter nach 13 Jahren ein neues Gewand verpassen.
  • Ob der damals innovative Blockbuster auch heute noch Kinnladen kostet, zeigt unser Test.

Wenn ein Spiel 13 Jahre auf dem Buckel hat und obendrein den Status als eines der erfolgreichsten deutschen AAA-Games genießt, dann hat es sich eine Neuauflage wohl mehr als verdient. Drum hat Crytek im vergangenen April die Remastered-Version von jenem Spiel angekündigt, das den Auftakt für die kurzweilige Edel-Shooter-Trilogie Crysis bildete. Sieben Jahre nach dem letzten Ableger wird nun mit Crysis Remastered erneut der Nanosuit aus dem Schrank geholt und es geht zurück auf die Insel, auf der alles begann. Ob diese Rückkehr der Glorie längst vergangener Tage gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Test.  

Name des SpielsCrysis Remastered
Release (Datum der Erstveröffentlichung)18. September 2020
PublisherCrytek
SerieCrysis
PlattformPC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
EntwicklerCrytek
GenreEgo-Shooter

Ein Raptor auf Ganovenjagd

Eine Insel, eine Spezialeinheit und eine Gruppe Archäologen, die gerettet werden müssen. Die Story von Crysis ist schnell erzählt: Als Mitglied des Elite-Eingreiftrupps Raptor schlüpft ihr in euren Nanosuit und begebt euch zusammen mit euren Kameraden Prophet, Psycho, Jester und Aztec auf eine streng geheime Rettungsmission. Dabei entdeckt ihr jedoch, dass die archäologischen Funde keineswegs irdischer Natur sind und die Menschheit von einer intergalaktischen Spezies bedroht wird. Drum liegt es an euch, die Nordkoreanische Volkarmee an die Leine zu legen und gleichzeitig den Alien-Abschaum zurück in den Orbit zu schicken. Ob ihr diese knapp 10 Stunden lange Mission auf die brachiale Tour oder doch lieber still und heimlich erledigt, bleibt natürlich wieder euch überlassen.

Crysis Remastered: Noch immer ein Brett beim Leveldesign

Gewohntes Gameplay…

Für die Vorschlaghammer-Variante gibt es den Panzerungsmodus, der euch ein paar Kugeln, Schläge oder Explosionen schlucken lässt, bevor der eingesteckte Schaden an eurer Gesundheitsleiste knabbert. Schlagt ihr beim Infiltrieren der Insel hingegen lieber aus dem Verborgenen zu, so nutzt ihr den Tarnmodus eures Nanosuits. Dieser lässt euch für ein paar Sekunden unsichtbar werden. Sobald ihr jedoch einen Schuss abfeuert, löst sich eure Tarnung auf und eure Energieleiste fällt auf null. Diese muss sich nämlich nach jedem Einsatz eines Nanosuit-Features wieder regenerieren, sodass ihr nicht durchgehend unsichtbar oder mit maximaler Panzerung durch Gegnerhorden streifen könnt.  

So oder so bietet sich hier idealerweise ein Spielstil an, der beide Features kombiniert. Sprich, ihr schleicht euch im Tarnmodus in ein feindliches Lager, wechselt bei Feindkontakt rasch in den Panzerungs-Modus, knipst den Feind aus und geht wieder zurück in den Tarnmodus. Auf diese Weise lassen sich die meisten Konflikte kinderleicht lösen und bringen mit den restlichen Anzugsfunktionen wie dem Supersprint oder Supersprung den für Crysis gewohnt abwechslungsreichen Shooter-Spaß mit sich. Auch, wenn kleine Features aus dem Original, wie eine dedizierte Granatenwurftaste oder das zur Seite lehnen, fehlen.  

…mit gewohnten Schwächen

Gleichzeitig birgt das Gameplay jedoch eine exorbitante Palette an Mankos, die diesen Spielspaß ordentlich auszubremsen wissen. Da wäre zunächst einmal die super sperrige Steuerung. Das Umsehen ist äußerst träge und selbst wenn ihr die Blickempfindlichkeit hochschraubt, ist die Empfindlichkeit während des Zielens vergleichsweise zäh. Und auch die Sprungmechanik bringt euch manchmal an eure Geduldsgrenzen.

Wenn ihr zum Beispiel eine Felswand über die rausstehenden Felsvorsprünge erklimmt, so müsst ihr das aufgrund der fehlenden Greifmechanik auf äußerst grazile Weise machen, damit ihr nicht auf der Kante landet, abrutscht und erneut zum Sprung ansetzen müsst. Das bremst das sonst so schnelle Gameplay aus und lässt den Supersoldaten wie ein kleines Kind vor einer zu großen Treppenstufe erscheinen. Die in den beiden Nachfolgern integrierte Mechanik für das Greifen von Kanten wäre hier eine überaus nützliche Ergänzung gewesen.  

Puppentheater at it‘s best!

Und als wäre das noch nicht genug, sorgen miserable Animationen und asynchrone Lippenbewegungen für ein Fremdschamlevel ersten Grades und lassen Mitstreiter sowie Feinde wie Akteure in einem klamaukigen Puppentheater wirken. Und apropos Puppentheater: Die Ragdoll-Engine lässt eure Widersacher ebenfalls wie federleichte Lumpensäcke erscheinen. Denn wenn ihr eure Gegner beispielsweise mit einer Ladung Schrot füttert, machen diese einen derart beschwingten Abgang, als würde sie ein Marionettenspieler in bester Slapstick-Manier zu Grabe tragen.

Crysis Remastered: 2007 revolutionär, doch heute nur ein Schatten der Vergangenheit

Darüber hinaus wurden wir Zeuge von moonwalkenden Gefolgsmännern, Zeitlupenläufern, schwebenden Soldaten und irgendwelchen fremden Gestalten, die sich in unsere Zwischensequenzen reingebuggt haben. Und auf den Punkt, dass ein kompletter Level fehlt, möchten wir gar nicht erst eingehen. Crysis Remastered bietet unter diesen Gesichtspunkten also ein wahres Schreckensszenario. Und gemeint ist damit nicht das Setting samt der drohende Alien-Invasion.  

Der Zahn der Zeit beißt fest zu

Aspekte, mit denen Crysis vor 13 Jahren noch ordentlich punkten konnte, zählen heutzutage überwiegend zu den Standards und nehmen dem Edel-Shooter größtenteils seine einstige Opulenz. Dazu gehören unter anderem bewegende Pflanzen, Vögel am Horizont oder die belebte Tierwelt der Insel. Nichtsdestotrotz hat die tropische Spielwelt auch bei Crysis Remastered noch ihren ganz eigenen Charme und kann mit ihrem raffinierten Leveldesign, das an ausgewählten Stellen von einem genialen Soundtrack untermalt wird, faszinieren.

Abseits vom Soundtrack zeigt Crysis Remastered Schwächen in puncto Präsentation.

Doch leider reißen euch Ungereimtheiten wie ausgewaschene Texturen, niedrige Framerates, eine trübe Farbbalance und exorbitante Lags aus der Immersion. Und wenn dann beispielsweise noch Features wie das Parallax Mapping, das für die detailreiche Anzeige von Bodenstrukturen zuständig ist, an manchen Stellen rausgenommen wurde, kann selbst die Raytracing-Unterstützung nicht mehr viel geradebiegen. Diese ganzen technischen Fauxpas machen Crysis Remastered zu einem Titel, bei dem sich die Bezeichnung Remastered als äußerst fragwürdig erweist.  

Fazit

Crysis Remastered im Test: Eine Neuauflage ohne Seele

Wo die Crysis-Trilogie einst mit abwechslungsreichen Shooter-Mechaniken, einer faszinierenden Spielwelt und einer dementsprechend bombastischen Inszenierung begeistern konnte, wird uns nun mit Crysis Remastered ein technisches Fiasko serviert, bei dem man sich fragt: Was genau hier eigentlich überarbeitet wurde? Das Gameplay ist träge, die Mechaniken veraltet, ein ganzer Level fehlt und die Optik erinnert wohlwollend formuliert an die letzte Konsolengeneration. Der Titel erweist sich demnach als ein Aufguss mit so vielen Macken, die selbst euer Team-Captain Prophet nicht hätte prophezeien können. Hätten man den Nanosuit doch besser im Schrank gelassen!  

ProCon
Atmosphärisches SettingTeils sperrige Steuerung
Abwechslungsreiche Gameplay-MechanikenMiserable Animationen und asynchrone Physiognomie
Nach wie vor schönes LeveldesignOptische Defizite wie verwaschene Texturen oder trübe Farbbalance
Bombastischer SoundtrackFragwürdige Entscheidungen im Hinblick auf grafische Veränderungen
Technische Patzer wie Lags und niedrige FPS-Werte
Ein ganzer Level fehlt
Stark verbuggte K.I.

Rubriklistenbild: © Crytek

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