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In Cult of the Lamb werden wir zum düsteren Sektenanführer und indoktrinieren unsere Anhänger

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Von: Daniel Meyer

Cult of the Lamb: Eine Kirche, deren Besuch sich lohnt
Cult of the Lamb: Eine Kirche, deren Besuch sich lohnt! © Devolver Digital / Massive Monster

Opfergaben, Anbetungen und Kreuzzüge im Namen eines dämonischen Wesens - Im zuckersüßen Design zeigt Cult of the Lamb, warum Sekten cool sein können.

Melbourne, Australien - Wir kennen alle solche Spiele, in denen wir ein kleines Dörflein aufbauen müssen. Nach und nach schalten wir neue Gebäudearten frei, langsam wächst die Einwohnerschaft und alle verstehen sich wunderbar. Dies trifft auch auf Cult of the Lamb zu, nur dass es kein Dort sondern eine Sekte ist, die wir aufbauen und deren Bewohner wir mit düsteren Ritualen, bewusstseinsverändernden Pilzen und allerlei anderen teuflischen Dingen in unsere Denkweise zwingen. Warum Cult of the Lamb von Massive Monster mit diesem Prinzip ins Schwarze getroffen hat, verraten wir in unserem Test.

Name des SpielsCult of the Lamb
Release11.08.2022
EntwicklerMassive Monster
PublisherDevolver Digital
PlattformXbox One, Xbox Series S/X, PS4, PS5, Nintendo Switch, PC
GenreAction, Simulation, Rogue-lite

Cult of the Lamb - Niedlich und tödlich: Ein Wolf im Schafspelz! Ein Monster im Test

Zum Beginn von Cult of the Lamb werden wir vor vier finstere Bischöfe geführt und - ganz Opferlamm wie wir sind - sogleich zum Tode verurteilt. Dadurch soll sich eine bestimmte Prophezeiung nicht erfüllen. Doch noch im Tode, treten wir vor eine dunkle Macht, die uns in die Welt der Lebenden als dessen Auserwählten zurück entsendet. Unser Ziel: die besagten vier Bischöfe töten und damit die Ketten der Gefangenschaft dieser düsteren Macht sprengen.  

Cult of the Lamb im Test: Gepriesen sei das Lamm!

Zunächst eine wichtige Kleinigkeit: Es ist unser Kult, daher müssen wir uns tatsächlich nicht um jeden Firlefanz selber kümmern. Hat ein Bewohner sich übergeben? Dann soll doch einer den Hausmeisterposten übernehmen und den Dreck selber wegmachen. Nahrungsmittel anpflanzen, bewässern und ernten? Ganz bestimmt keine Aufgabe eines glorreichen Lamms!

Aber ganz auf dem faulen Fell legen wäre fatal, denn in Cult of the Lamb funktioniert nichts ohne Glauben. Sinkt der Glaube an uns zu sehr, fangen die tierischen Bewohner an, aufmüpfig zu werden oder sogar abzuhauen. Da hilft nur noch eins: an den Pranger stellen und eine Dosis Indoktrination.

Cult of the Lamb: Euer Kult, eure Regeln
Cult of the Lamb: Euer Kult, eure Regeln! © Devolver Digital / Massive Monster

Das Glaubenssystem in Cult of the Lamb kommt besonders ausgeklügelt daher. Die meisten Aktionen haben Auswirkungen auf den Glauben. Stirbt ein Anhänger oder versagen wir in einem Dungeon-Run, verlieren die Anhänger den Glauben an uns. Um diesen zu stärken, können wir in unserer eigenen Kirche Messen abhalten und sogar Rituale durchführen. Im Laufe des Spiels schalten wir so immer neue, witzige und düstere Rituale frei, wobei es immer zwischen zwei unterschiedlichen zu wählen gilt. So können wir unsere Sekte nach eigenen Wünschen individualisieren.

Tagsüber arbeiten unsere knuffig-süßen Anhänger in unserem Dorf, und können Holz, Steine und Nahrungsmittel sammeln. Wer gerade nichts zu tun hat, betet unseren Altar an, wodurch wir Inspirationspunkte verdienen. Haben wir genug gesammelt, können wir im Forschungsbaum neue Gebäude freischalten. So gesellen sich im Laufe von Cult of the Lamb Toiletten, Propaganda Lautsprecher, zahllose Dekorationen und sogar eine Missionarsunterkunft hinzu. In Letzterer können wir Anhänger auswählen und zu Missionaren ausbilden, die dann die Welt bereisen und unter anderen Ressourcen für uns sammeln, oder beim Versuch sterben.

Cult of the Lamb: Solides Kampfsystem mit stimmiger Optik!
Cult of the Lamb: Solides Kampfsystem mit stimmiger Optik! © Devolver Digital / Massive Monster

Dabei präsentiert sich Cult of the Lamb als gelungene Mischung aus Basenbau und Rogue-lite-Dungeon-Crawler. Die meisten Ressourcen zum Bau unseres Dorfes erhalten wir in Dungeon-Runs. Als Belohnung winken außerdem neue Gefolgsleute, Blaupausen für den Sektenbau und kosmetische Items. Der Weg bis hin zu den vier Bischöfen ist mit diversen Minibossen und anderen Begegnungen gepflastert. Am ehesten lässt sich Cult of the Lamb als Mischung aus den Spielen The Binding of Isaac und Don’t Starve darstellen, wobei der Titel aus beiden Marken die besten Aspekte aufgreift.

Cult of the Lamb: Mörderisch süßes Dungeon-Crawling im Test

Zu den größten Pluspunkten hinter Cult of the Lamb zählt das Design. Dieses präsentiert sich in einer kindgerechten, verspielt-lieblichen Optik. Dass sich dies nicht zwingend in der Altersfreigabe widerspiegelt, erkennt man spätestens, wenn unser niedliches Lamm in der Luft schwebt, aus den Augen blutet und das Wort seines dämonischen Meisters verkündet. Auch das Ritual des Aufstiegs in die nächste Bewusstseinsebene scheint von den Anhängern missverstanden worden zu sein, denn niemanden scheinen die Körperteile und Knochen des „Auserwählten“ zu stören, die daraufhin in Cult of the Lamb vom Himmel regnen.

Abseits des Basenbaus gibt es vier Dungeons zu erforschen, in denen wir, wie in The Binding of Isaac, von Raum zu Raum voranschreiten. Erst wenn alle Gegner im jeweiligen Raum besiegt sind, kann es weiter gehen. Dabei werden uns zum Beginn eines Dungeon-Runs je eine Waffe und eine Fähigkeit zur Verfügung gestellt. Schade ist, dass es wenige Möglichkeiten gibt, diese Ausrüstungsgegenstände zu beeinfluss. Zwar gibt es manche Räume, in denen wir Alternativen zur Verfügung gestellt bekommen, jedoch ist dies hinsichtlich Menge und Variationen dennoch etwas ernüchternd.

Cult of the Lamb: Wer obsiegt? Düsteres Monster oder diabolisches Lamm
Cult of the Lamb: Wer obsiegt? Düsteres Monster oder diabolisches Lamm? © Devolver Digital / Massive Monster

Die Kämpfe selbst sind minimalistisch gehalten. Eine Taste zum Angreifen, eine fürs Ausweicehn und eine für unsere Spezialfähigkeit – das war es schon. Vergleicht man Cult of the Lamb mit anderen Rogue-lite-Titeln, so kommt der Schwierigkeitsgrad sehr seicht daher. Einige Bosse haben es zwar in sich, doch die normalen Gegner stellen mit etwas Vorsicht alles andere als eine Herausforderung dar. Kritischer ist hingegen, dass während unserer Kreuzzüge die Zeit weiterläuft. Ereignen sich zu viele negative Ereignisse im Kult während unserer Abwesenheit, so kann dies erhebliche Auswirkungen auf den Glauben haben.

Fazit

So schwer es ist dies zuzugeben, nach Cult of the Lamb fällt es uns doch etwas leichter, Sektenanführer zu verstehen. Angebetet werden, ein eigenes Weltbild erschaffen, Polygamie und natürlich all die Anhänger, die alles für unsere Sache geben. Cult of the Lamb schafft es, diese Aspekte humorvoll zu transportieren und einen gelungenen Mix aus Basenbau, Rogue-lite-Dungeon-Crawling mit ganz eigenem Humor zu präsentieren. Dabei sind es insbesondere die Freiheiten, hinsichtlich wie wir unsere Sekte führen wollen, besonders attraktiv.

Lieber einen Sonnenschein-Kult oder eine düstere unbarmherzige Sekte? Die Entscheidung liegt bei uns. Etwas schade ist jedoch, dass die Anzahl an Waffen und Fähigkeiten überschaubar bleibt, der Schwierigkeitsgrad eher einfach daherkommt, aber auch, dass der Titel zum Launch noch sehr verbuggt ist. Zu oft passiert es, dass bestimmte Aktionen der NPCs sich aufhängen, gar nicht erst ausgeführt werden oder sogar ein Neustart des Spiels notwendig wird, weil nichts mehr funktioniert. Cult of the Lamb gehört zudem nicht zu den Spielen, die uns über Wochen an die Konsole fesseln, dafür aber ca. 20 Spielstunden gute und entspannte Unterhaltung präsentiert.

ProContra
+ Süß-diabolischer Look- Noch sehr verbuggt
+ Solides Gameplay- Schwierigkeitsgrad könnte intensiver sein
+ Tolles düster-humorvolles Setting- Item-Vielfalt recht niedrig
+ Schöner Basenbau mit vielen Möglichkeiten- Fehlender Tiefgang
+ Endlich mal Sektenanführer sein!

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