+
Cyberpunk 2077: In der Gamescom-Demo spielt Keanu Reeves nur eine kleine Rolle.

Auch auf Deutsch ein Ohrenschmaus

Cyberpunk 2077: Gamescom-Vorschau - Deshalb ist die deutsche Demo unser Messehighlight

  • schließen

Cyberpunk 2077: Das heißeste Spiel der Gamescom 2019. Wir haben uns vor Ort die deutsche Version des Mammut-RPGs angeschaut – mit einigen Überraschungen.

Wenn CD Projekt schon vor der Präsentation Bier serviert, steht fest: Die Deutschen sind los. Als die Fachpresse im eigens umgebauten Kino Platz nimmt, ist die Stimmung ausgelassen. Sekunden später herrscht Totenstille. Grund dafür: Die rund 45-minütige Gameplay-Demo von Cyberpunk 2077, in der erstmals die deutsche Fassung des Mammut-Rollenspiels gezeigt wird, flackert an der Leinwand auf. Wir mittendrin, mit schweißnassen Händen und einem skeptischen Ausdruck im Gesicht, der sich nach Ende der Präsentation in ein breites Grinsen verwandeln sollte.

Gameplay wem Gameplay gebührt

Immer mehr Infos zu Johnny Silverhand kommen zum Vorschein. Er ist eine Art Night City Guide.

Bereits auf der letztjährigen Gamescom hatte Cyberpunk 2077 einen prominenten Auftritt. Damals drehte sich alles darum, einen ersten Eindruck der Spielwelt zu vermitteln. Night City, die abgerockte Stadt, in der das Abenteuer des hochgezüchteten Protagonisten V stattfindet, stellte sich als Star der Show heraus. Der Fokus in diesem Jahr liegt anders: Auf 100% Gameplay

Zu diesem Zweck hat sich CD Projekt die Mühe gemacht, gleich zwei Varianten der Hauptfigur zu erstellen, zwischen denen sie on the fly hin und herwechseln können. Das wird im finalen Spiel nicht möglich sein, funktionierte aber hervorragend, um uns die spielerischen Möglichkeiten von Cyberpunk 2077 in all ihren Facetten zu zeigen. Und die sind gewaltig! Einziger Wermutstropfen: Selbst zocken durften wir leider immer noch nicht.

Ein Blick in die Vergangenheit - mit Konsequenzen für die Zukunft

Zunächst jedoch drehte sich alles um die Charaktererstellung, einen nicht unwichtigen Teil der Night-City-Experience. Zu Beginn des Spiels habt ihr die Wahl zwischen einer männlichen und weiblichen Version des Hauptcharakters V. Diese könnt ihr nach Herzenslust mit allerlei Slidern, Farben, optischen Highlights (Augmentierungen, Tattoos etc.) pimpen. Anschließend folgt der wahrlich interessante Part, denn bereits im Editor stellt euch Cyberpunk 2077 vor eine knifflige Entscheidung. Aus welchem Milieu stammt euer ganz persönlicher V?

Cyberpunk 2077: Eure Vorgeschichte bestimmt den Lauf des Spiels.

Derzeit gibt euch Cyberpunk 2077 drei mögliche Abstammungen vor: Entweder ihr startet als Streetkid und genießt im Spielverlauf Vorteile, wenn immer ihr euch mit der raubeinigen Unterschicht einlasst. Alternativ kann euer Charakter auch eine unternehmerische Vergangenheit (Konzerner) hinter sich lassen und deshalb ein Experte in allem sein, was mit Tech zu tun hat. Bei der dritten Option gebt ihr ein Leben als einsamer Nomade auf, um euch in Night City zu einer berüchtigten Persona non grata aufzuschwingen.

Bandenkrieg im Neonlicht

Wie von CD Projekt gewohnt hat jede dieser schicksalhaften Hintergrundgeschichten im späteren Spielverlauf sowohl Vor- als auch Nachteile. Schließlich habt ihr es auch in Cyberpunk 2077 mit einem waschechten Rollenspiel zu tun - und das trotz der Shooter-Parts, die gelegentlich das Gameplay auflockern. Mit einem Lebensweg ausgestattet, katapultierte Level-Design-Guru Miles Tost den knallharten V anschließend mitten in eine Mission in der Spielmitte.

Pacifica: Einer der sechs Distrikte in Cyberpunk 2077.

In einem der sechs Distrikte von Night City gilt es, die mysteriöse Hacker-Legende Brigitte ausfindig zu machen. Die vielbeschäftigte Dame ist jedoch so schwer aufzutreiben, dass V erst eine Palette an Kontaktmännern aufsuchen muss, um an Informationen zu gelangen. In der rund 30-minütigen Quest kämpft, schleicht und diskutiert sich V einmal quer durch einen amtlichen Bandenkrieg zwischen zwei Gangs:  Den Voodoo Boys und Animals.

Placide gehört zu den Voodoo Boys und hat einen Job für euch.

Während erstere klar von den haitianischen Einflüssen des Pacifica-Distrikts geprägt sind, in dem die Mission stattfindet und sich in ihren Reihen oberchilliges Inselfranzösisch als Verkehrssprache durchgesetzt hat, haben sich die Animals in einem verlassenen Einkaufszentrum eingenistet, wo sie sich muskelstimulierende Substanzen hinter die Binde kippen, bis ihnen die Arme platzen. Besonders clever scheinen die Burschen auf den ersten Blick jedoch nicht. Der erfahrene Rollenspieler erkennt sofort: Das sind die "Bösen" in unserer Demo.

Reinschleichen und rausballern

Von diesem Moment an präsentierte die Demo zwei Versionen von V im Wechsel - mit unterschiedlichen Werten und dementsprechend auch Skills ausgestattet. In Cyberpunk gibt es derzeit diese fünf Attribute:

  • Körper
  • Intelligenz
  • Technik
  • Reflexe
  • Coolness

Während der männliche V sich mit hohen Werten in Intelligenz und Coolness perfekt als Netrunner, eine Art Hacker, eignet und aus den Schatten heraus agiert, zeichnete sich die weibliche V durch körperliche Stärke und einen hohen Waffenskill aus - perfekt für die direkte Konfrontation. In einem derzeit noch recht unübersichtlichen Skilltree verzweigen sich die Werte wiederum in kleinere Unterkategorien.

Eine Entwicklerin spielte uns also ein und dieselbe knifflige Situation im Spiel aus zwei Perspektiven vor. Hacker V nutzt dabei die Umgebung und Stealth-Mechaniken des Spiels aus. Besonderheit in Cyberpunk 2077: Da fast jede Figur im Spiel mit technischen Veränderungen am Körper rumläuft, lassen sich nicht nur Geschütztürme, Automaten oder Sparrings-Puppen manipulieren, sondern auch die Menschen selbst.

Neue Augmentationen gibt's beim zwielichtigen Händler in der Nachbarschaft.

In einer Situation zwingt V einen der Animals, sich selbst mit dem eigenen, kybernetischen Arm zu erwürgen - und das völlig beiläufig. Das Prädikat "schmerzhaft spaßig" hat sich Cyberpunk 2077 damit also mehr als verdient. Im Kontrast dazu soll es jedoch auch möglich sein, das Spiel durchzuzocken, ohne auch nur einen einzigen Gegner zu töten. Es scheint, als würde CD Projekt genau da ansetzen, wo sie mit The Witcher 3 aufgehört haben: Bei grenzenloser spielerischer Freiheit.

Wie wir einige Minuten später erfahren, lässt sich die angespannte Situation im Hauptquartier der Animals nämlich auch mit einer guten Portion Muskelkraft lösen. Die weibliche V kann verschlossene Türen aufhebeln und im Ansturm Gegner entwaffnen, um diese anschließend gegen sie zu verwenden. Ebenfalls mit im Arsenal: Das sogenannte Nanowire, eine Art Cyber-Garotte, die sowohl zum Hacken auf kurze Distanz taugt, aber auch im offenen Nahkampf eine gute Figur macht. 

Gleichsam ist es möglich, Gegner als menschlichen Schutzschild zu nutzen, um vorzurücken. Einziger Kritikpunkt, den wir bis dato am Kampfsystem von Cyberpunk 2077 finden können, sind die Sounds und Animationen der Waffen. So durchgestylt und wunderbar bildgewaltig das Spiel ansonsten ist, so lasch wirkten bislang die Feuergefechte - und das trotz abgetrennter Körperteile. Dieses Gefühl löst sich aber möglicherweise in Luft auf, sobald wir selbst Hand anlegen dürfen.

Waffen in Cyberpunk 2077: Eine der kleinen Baustellen.

Nichts für schwache Augen, Ohren und Nerven

Generell ist Cyberpunk 2077 kein Kind von Traurigkeit. Explizite Gewalt, Sprache und Einblendungen im Motion Graphics-Stil, die euch bei Erstkontakt das Hirn frittieren, sind tief in Night City verwurzelt und gehören zum spielerischen Konzept dazu, das CD Projekt RED abfeuert. In Sachen Dialoge bleibt sich das Studio treu und setzt mehr auf authentisches Miteinander als steif-aufgesetzte Gespräche vom Fließband. Das spürt man übrigens auch beim Durchqueren von Night City. Selbst in der kleinsten Gasse herrscht emsiger Trubel. Ob das schlicht der recht strikt durchchoreographierten Demo zu verdanken ist, bleibt jedoch abzuwarten.

Was auf Anhieb wunderbar funktionierte, war die deutsche Sprachausgabe. Bereits vergangene Woche enthüllte CD Projekt, dass Benjamin Völz als altbekannte Stimme von Keanu Reeves auch in Cyberpunk 2077 mit an Bord ist - eine echte Bereicherung! Darüber hinaus liefert jedoch auch der Rest der deutschen Sprecher fulminant ab. Besonders beeindruckt waren wir von der Auswahl der Sprecher. Bis auf eine sehr unangenehme Ausnahme passen die nämlich wie Arsch auf Eimer zu ihren digitalen Gegenstücken. Die Spitze der Authentizität: Placide, ein Begleiter von V, der mit rauchiger Stimme und perfekt nuanciertem französischem Akzent für Gänsehaut sorgt.

In der Demo macht die deutsche Sprachausgabe einen fantastischen Eindruck.

Einzig die Lokalisation sorgt bei uns noch für Fragezeichen. In einem kurzen Statement vor der Präsentation ließ Miles Tost durchblitzen, dass die deutsche Umsetzung extra für die Gamescom erstellt wurde und nicht aus dem offiziellen Script stammt, das im finalen Spiel Anwendung findet. Es ist sogar fraglich, ob das Team bis dato überhaupt an der deutschen Lokalisation gearbeitet hat, abseits der gezeigten Fassung. Wenn es in der Notsituation statt "I can't hold out much longer" dann plötzlich "Ich kann nicht lange halten" heißt, müssen wir uns fragen: Sind wir noch im Gefecht oder schon auf dem Männerklo? Bis zum Release am 16. April 2020 darf hier gern nachgebessert werden.

Von Night City zu Light City

Für Wiedergutmachung sorgt jedoch die Optik von Cyberpunk 2077 - zumindest für Current-Gen-Verhältnisse. Night City kann grafisch problemlos mit kommenden Titeln wie Ghost Recon: Breakpoint oder Call of Duty: Modern Warfare mithalten. Nicht zuletzt liegt das an den bombastischen Lichteffekten, die wir in der Präsentation bestaunen durften. Night City von wegen! 

Alles leuchtet in den hellsten Farben - und das auch dank Ray-Tracing.

Jeder Straßenzug erstrahlt in Neonfarben, plastische Werbetafeln lenken die Aufmerksamkeit gekonnt von einer Ecke des Bildschirms zur anderen und in Wasser-, Blut-, genau wie anderen Pfützen spiegelt sich alles, was sich in einem Videospiel spiegeln muss. Der Grund dafür liegt auf der Hand: NVIDIAs Ray-Tracing-Technologie. Bleibt lediglich die Frage, ob der farbenfrohe Spaß letztlich auch auf dem Durchschnittsrechner läuft und wie viel der Grafikpower auf den Konsolen der Current- sowie Next-Gen übrigbleibt.

Fazit

Kann Cyberpunk 2077 dem massiven Hype gerecht werden, der aktuell um das futuristische Rollenspiel wabert wie Zuckerwatte um ein Holzstäbchen? Wahrscheinlich nicht. Hat es trotzdem das Potenzial zum besten Spiel der aktuellen Konsolengeneration? Problemlos. In der 45-minütigen Demo beweisen die Entwickler von CD Projekt RED, das sie nach dem bahnbrechenden Erfolg von The Witcher 3 nicht vergessen haben, welche Kernpunkte ein gutes Rollenspiel abhaken muss: Eingängige Mechaniken, spielerische Freiheiten und Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden - egal wie klein oder schmutzig. Schraubt das polnische Studio bis zum Release im kommenden Jahr noch an der deutschen Fassung und den Shooter-Mechaniken, lassen wir uns von Keanu nur zu gern nach Night City entführen.

Die Demo hinterließ uns mit einem Cliffhanger: Was hat es mit dem Deepweb auf sich?

Cyberpunk 2077 erscheint am 16. April 2020 für PlayStation 4, XBox One und PC.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

Teamfight Tactics: Alle Champions, Klassen und Origins in der Übersicht

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

GTA 5 Online: Alles zum neuen Update - Wann öffnet das Casino?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Teamfight Tactics (TFT): Item Tier List - Wem gebe ich was?

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle wichtigen Updates

Gamescom 2019: Die Gaming-Messe ist eröffnet. Hier alle wichtigen Updates

Kommentare