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Dead Island 2: Die Zombie-Überraschung des Jahres in der Preview

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Von: Joost Rademacher

Auf der Gamescom 2022 ist Dead Island 2 endlich zurück ins Rampenlicht getreten. Wir durften bereits eine Mission der brutalen Zombie-Action anspielen.

Nottingham, England – Wunder passieren immer wieder. Die Wege höherer Mächte sind aber unergründlich, also kann es auch mal sein, dass ein Wunder in Form blutrünstiger Zombies kommt. Dass Dead Island 2 nach über acht Jahren Entwicklungschaos tatsächlich am Leben ist, und dann auch noch in spielbarer Form kommt, das grenzt an eben so ein Wunder. Schon vor der Ankündigung auf der Gamescom 2022 durften wir uns hinter verschlossenen Türen eine Mission aus Dead Island 2 reinfahren – und verraten euch, ob die neu entdeckte Vorfreude gerechtfertigt ist.

 Dead Island 2: Doch keine Vaporware – Zombie-Action kehrt nach acht Jahren Pause zurück

Vaporware ist ein oft gefürchteter Begriff im Gaming. Unter dieser Wortneuschöpfung versteht man häufig Spiele, die irgendwann angekündigt wurden, aber weder erschienen sind, noch in irgendeiner Weise vom Entwickler ausdrücklich gecancelt wurden. Sie lösen sich sprichwörtlich in Dunst (vapor) auf. Auch Dead Island 2 galt lange als eines dieser Vaporware-Spiele und sprang seit seiner Ankündigung vor satten acht Jahren insgeheim von Entwickler zu Entwickler, bis Dambuster Studios sich des Zombie-Problemkindes annahm. Jetzt ist Dead Island 2 endlich wieder bereit für das Auge der Öffentlichkeit.

Seinem Namen zugegen findet Dead Island 2 nicht mehr in einem tropischen Inselresort statt, wie es noch beim ersten Teil der Fall war. Stattdessen hat das Virus aus dem ersten Teil sich auf das amerikanische Festland ausgeweitet, wo es große Teile der Bevölkerung dahingerafft hat. Als einer von sechs verschiedenen Hauptcharakteren, die alle mit eigenen Fähigkeiten daherkommen sollen, ist es in Dead Island 2 an euch, das post-zombieapokalyptische Los Angeles zu erforschen und zu überleben. 

Dead Island 2 Key Art
Dead Island 2: Der neue Teil wird tatsächlich in Los Angeles spielen, wie vor acht Jahren schon angekündigt © Deep Silver/Dambuster Studios

Überleben ist in diesem Fall aber eigentlich der falsche Ausdruck. Entwickler Dambuster Studios, das früher unter dem Namen Free Radical Design schon die Timesplitters-Spiele entwickelte, erklärte in der ersten Präsentation zu Dead Island 2, dass die Spieler*innen in der Apokalypse mehr aufleben als überleben sollen. Niemand soll sich im neuen Ableger vor den untoten Horden verstecken müssen, stattdessen sind alle Weichen auf knallharte Konfrontation gestellt. Dead Island 2 will euch keinen Grusel, sondern brutale, Ins-Gesicht-Nahkampf-Action bieten – und die wird es wohl zuhauf geben. 

Dead Island 2: Keine Zurückhaltung in der Gewaltdarstellung – Dambuster will Blut sehen

In unserer Preview-Session konnten wir schon eine Mission aus der Mitte des Spiels anzocken und uns eingehend mit der neuen „F.L.E.S.H“-Technologie von Dead Island 2 vertraut machen. Darunter verbirgt sich ein neues, dynamisches Modell für Gore-Effekte und das hat es schon so richtig in sich. Ob man einen klobigen Hammer, ein Katana oder einen Kugelhagel auf die Zombies einschlagen lässt, jede Art von Schaden hinterlässt detaillierte Spuren und zaubert ein waschechtes Blut-Ballett auf den Bildschirm. 

Das ist zum einen richtig abgefahren, zum anderen aber auch haarsträubend brutal und lässt uns schon beim Gedanken an die USK-Wertung mit einigen Sorgen zurück. Immerhin hat auch Genre-Kollege Dying Light 2 hierzulande keinen ungeschnittenen Release erhalten. Dead Island 2 ist das aber herrlich egal, die Entwickler erklärten schon während der Präsentation, dass sie die Altersfreigabe für Erwachsene so richtig ausreizen wollten.

Dead Island 2 Screenshot
Dead Island 2: Verfaulte Fratze plus blitzige Axe gleich blutiges Gespratze: © Deep Silver/Dambuster Studios

Passend zum Gewaltgrad und dem weniger starken Fokus auf den Horror-Aspekt will Dambuster Studios mit einem entsprechenden „Vibe“ auffahren. Dead Island 2 zielt voll auf einen „Pulp“-Ton ab, wie die Entwickler*innen es nennen. Dazu gehören ein visueller Stil, der einen gewissen Anarcho-Punk-Charme versprüht und eine gehörige Schippe kruden Humors, der die Schnetzelei auflockern soll. Wie sich das im Gesamtbild zusammenfügt, bleibt abzuwarten, aber ein paar clevere visuelle Gags und flapsige Sprüche riefen unweigerlich Erinnerungen an Timesplitters hervor. Da lag ein schöner Hauch der früheren „Free Radical“-Identität in der Luft. 

 Dead Island 2: Mit Händen und Füßen gegen die Zombiehorden – und mit Schwert, Knüppel, Pistole...

Die kleinteilige Zerstückelung der Zombies will in Dead Island 2 aber auch nicht von ungefähr kommen, denn in Sachen Gameplay und Kampfsystem schepperte es in unserer Session schon gewaltig. Dead Island 2 hält sich nicht damit zurück, euch möglichst viele Zombies vor die Klinge zu stellen und ebenso werdet ihr wohl auch reichlich Werkzeuge bekommen, euch selbiger zu entledigen. Mit unserem Mid-Level-Charakter konnten wir schon Schusswaffen, Schwerter, Hämmer und Krallen sowie Stiefel in Richtung der verfaulten Gesichter schicken – wer weiß, was Dambuster noch an Waffen in der Hinterhand hat. 

Dead Island 2 Screenshot
Dead Island 2: Rustikale Waffen nach Marke Eigenbau gehören zum Apokalypse-Alltag © Deep Silver/Dambuster Studios

Das Studio will euch mit Händen und Füßen voran ins Gemetzel schicken und zusätzlich zur Waffenvielfalt werdet ihr auch die nötigen Skills und das entsprechende Trefferfeedback erhalten, um das mit möglichst viel Spaß an der Sache zu machen. Von Dropkicks über aufgeladene Angriffe bis hin zu Elementarschäden und -effekten, die sich auch mit der Umgebung verbinden lassen – wo ein Treffer landet, tut es richtig weh. Das kommt einerseits vom F.L.E.S.H-System, andererseits von schön übertriebener Ragdoll-Physik über die ihr gegnerische Zombies ineinander schleudern und Crowd Control betreiben könnt. Das ist nichts völlig Innovatives, machte in der Beta-Fassung von Dead Island 2 aber schon mächtig Laune. 

Dead Island 2: Viel Blut, aber noch mindestens genauso viele Fragen

Ein weiteres Feature im Kampfsystem lässt euch für kurze Zeit auch selbst in einen zombiehaften Blutrausch geraten, in dem ihr mit den Horden um euch herum so richtig aufräumen könnt. Als zusätzliches Element für die akute Action eine feine Sache – ob das reicht, um die Kämpfe ausreichend frisch zu halten, ist aber eine andere Frage. Schon im ersten Teil war die zunehmende Eintönigkeit der Kämpfe ein häufiger Kritikpunkt, leider konnten wir uns in unserer begrenzten Spielzeit noch kein genaueres Bild davon machen. Auch fragt sich noch, wie Dead Island 2 das Feature in der Story verbauen will.

Generell stehen nach unserer kurzen Session noch einige Fragezeichen im Raum. So solide das Gameplay von Dead Island 2 bisher auch zu sein scheint, der gespielte Part war nur ein wirklich kleinstmöglicher, sehr linearer Querschnitt dessen, was das Spiel final zu bieten haben dürfte. Wir haben zum Beispiel noch nichts von der kompletten Open World gesehen, in der Dead Island 2 stattfinden wird, geschweige denn umfangreichere Cutscenes zu Gesicht bekommen. In der Hinsicht ist also gesunde Skepsis angebracht, auch wenn die bisher bekannten Ausschnitte aus dem begleitenden Trailer zum Spiel schon durchaus unterhaltsam wirken.

Dead Island 2 Screenshot
Dead Island 2: Wer weiß, was dieser Kollege noch für eine Rolle spielen wird © Deep Silver/Dambuster Studios

Dead Island 2: Unser Ausblick auf das wiederbelebte Splatter-Spektakel

Dead Island 2 war in der von uns angespielten Session schon blutig, brachial und pures Entertainment. Humor und Kampfsystem sitzen bereits in der jetzigen Beta-Version, Waffen- und Gegnervielfalt machen so weit ebenfalls einen grundsoliden Eindruck. Es ist eine simple Formel, die sich schon einige Male bewährt hat: viele fliegende Kicks in Zombie-Visagen = viel gut. Die Grundbedingungen für ein absolut stabiles, punkiges Zombie-Actionspiel mit geschmackvoll eingesetztem Schwachsinn sind also gegeben.

Fragen tun sich aber noch bei allem auf, was nicht mit dem Gameplay zu tun hat – aus dem ganz einfachen Grund, dass Story, Open World, oder auch Charakterfortschritt noch nicht in der Preview zu sehen waren. Immerhin ist bis zum 3. Februar 2023 noch Zeit. Zeit, in der Dambuster Studios genug Gelegenheit haben wird, uns mit weiteren Trailern, Präsentationen oder Previews noch weiter zu überzeugen. Dead Island 2 hatte jahrelang unsere Neugier, jetzt hat es unsere Aufmerksamkeit.

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