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DOLMEN im Test: Ambitioniertes Horror-Soulslike mit zu wenig Biss

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Von: Joost Rademacher

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Mit DOLMEN will Massive Work Studio dem Subgenre der Soulslike seinen Sci-Fi-Horror-Stempel aufdrücken. Ob das funktioniert, haben wir für euch getestet.

Natal –  Es ist kein dankbares Unterfangen für Massive Work Studio, DOLMEN gerade jetzt herauszubringen. Das erste große Projekt des brasilianischen Studios trägt seine Einflüsse von From Softwares Spielen am Ärmel – und das, wo letztere doch gerade erst ihr eigenes Subgenre mit Elden Ring praktisch perfektioniert haben. Ein frisches Setting und eine saftige Portion Space-Grusel sollen es für DOLMEN jetzt richten. Aber ist das auch genug, um sich vom restlichen Soulslike-Wust abzuheben? Wir haben uns durch die Tiefen des Sci-Fi-Horror-RPG gekämpft, um darauf eine Antwort zu finden.  

Name des SpielsDOLMEN
Release20. Mai 2022
PublisherMassive Work Studio, Prime Matter, Koch Media
EntwicklerMassive Work Studio
PlattformPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X|S, PC
GenreAction-Rollenspiel

DOLMEN im Test: Ein Soulslike, wie es im Buche steht

DOLMEN ist durch und durch ein Action-RPG nach alter Souls-Tradition. Daraus macht es auch keinen Hehl – hier sind alle typischen Elemente zu finden, die in einer Post-Dark-Souls-Welt zu erwarten sind. Schon das Kampfsystem und das Interface lassen wenig Zweifel darüber zu, woran sich die noch frisch gegründete Spieleschmiede Massive Work Studio orientiert hat.  

Aus der Third-Person-Perspektive wird mit leichten und schweren Angriffen gekämpft, geblockt und ausgewichen und die eigene Ausdauer will dabei stets im Blick behalten werden. Außerdem sind Heilungsmittel begrenzt und Gegner respawnen bei jeder Rast. So weit, so typisch, aber ein Kniff kommt durch Schusswaffen, die ein kleines Shooter-Element hereinbringen und besonders für Elementschaden praktisch sind.  

Person in futuristischer Rüstung hält Schusswaffe
DOLMEN im Test: Pistolen brechen das Gameplay angenehm auf © Massive Work Studio

Grundsätzlich ist das alles funktional und macht, was es soll, aber im Gameplay von DOLMEN fehlt es oft an Schliff und Konsequenz. Der unmittelbare Kampf fühlt sich immer etwas unbeholfen an; den Angriffen fehlt die nötige Wucht, Gegnerbewegungen und Angriffsmuster sind häufig schwer zu lesen und die Kameraempfindlichkeit will sich oft nicht so richtig einpendeln.

Eine etwas bessere Figur machen da die Bosskämpfe, die zwar zum Teil ein wenig zu simpel geraten, aber bei den Bossen kleineren Maßstabs durchaus passabel sind. Ein spannender zusätzlicher Ansatz ist auch, dass Bosse auf Wunsch wiederbelebt und mehrmals bekämpft werden können, was den Charakterfortschritt gut hervorhebt. Nur im Kopf bleiben die Designs der Gegner nicht wirklich hängen.

DOLMEN im Test: Das tödlichste Heilungssystem im Genre, aber die Waffen können punkten

Ein Problem teilen sich normale Gegner und Bosse in DOLMEN aber gleichermaßen: ein unausgereiftes, unnötig strafendes Heilungssystem. Pistolen und Heilung teilen sich eine gemeinsame Energieleiste, die sich nach Schüssen zwar wieder auflädt, aber bei Heilung dauerhaft abnimmt. Zur Wiederherstellung der Energie gibt es Items, aber sie zu konsumieren, braucht in etwa drei Sekunden absoluten Stillstands. Bei Bossen und in größeren Gefechten – und DOLMEN schmeißt hin und wieder mit größeren Gegnergruppen um sich – wird das Aufstocken der Energie so praktisch unmöglich.  

Das führt bei der ohnehin schon zu erwartenden hohen Schwierigkeit des Spiels zu Toden, die sich praktisch unausweichlich und unverdient anfühlen. Gerade in Verbindung mit den schwer zu lesenden Angriffen der Gegner wird das immer wieder der Fall sein. In einem Soulslike kann das den Spielfluss schnell hemmen, gerade weil Tode in diesen Spielen eigentlich als Lernerfahrung gelten sollten.

Dolmen Hauptcharakter steht humanoidem Monster gegenüber
DOLMEN: So klare Indikatoren wie bei diesem nicht blockbaren Angriff gibt es selten ©  Massive Work Studio

An anderer Stelle kann DOLMEN dafür mit seinen Waffen und dem dafür vorgesehenen Crafting-System punkten. Neue Waffen erhaltet ihr nur auf eurem Raumschiff, das im Spiel als Homebase fungiert. Dort nutzt ihr in der Welt gefundene Einzelteile in Verbindung mit fallengelassenen Items von Gegnern, um neue Klingen und Wummen zu craften. Je seltener die Teile, desto besser ihre Effekte auf die finale Waffe. Ein cooles Konzept, da sich starke neue Waffen wie ein belohnendes Investment anfühlen und man sich an jede ein bisschen persönlich gebunden fühlt.

DOLMEN im Test: Ein starkes Setting, dem das Spiel nicht immer gerecht wird

Ähnlich positiv verhalten sich die Dinge beim Setting. Es mag in den Bildern und einigen Ansätzen schon angeklungen sein: DOLMEN verfrachtet seine Soulslike-Elemente in ein Science-Fiction-Szenario, schmückt die Idee aber mit einem Schub Horror weiter aus. Die Einflüsse sind vielfältig, erinnern häufig an andere Space-Horror-klassiker wie Ridley Scotts Alien oder Dead Space. Das Gegnerdesign fällt in eine ganz ähnliche Schiene, die man in Rick & Morty liebevoll „Cronenbergs“ (in Anlehnung an den Body-Horror von David Cronenberg) nannte.  

Das Leveldesign kann dem grundsätzlich coolen Setting aber nicht immer ganz gerecht werden. Ein schöner Ansatz ist, dass die eher linearen Level hin und wieder durch kleine Umgebungsrätsel aufgebrochen werden. Besonders in den frühen Stunden fehlt aber die nötige Abwechslung in den Umgebungen, zu oft verlässt DOLMEN sich einfach auf kantige Korridore einer Raumstation, die von fleischigen Auswüchsen überwuchert werden. Im späteren Verlauf des Spiels öffnet sich das Leveldesign etwas mehr, aber im Gesamten passiert zu selten etwas Neues.

Dolmen Hauptcharakter neben großem Alien-Kadaver
DOLMEN im Test: Die Umgebungen wissen durchaus, sich in Szene zu setzen © Massive Work Studio

Ähnlich wenig tut sich auch in der Story, die nach einer einzigen Cutscene am Start eher dünn in den unspektakulären Dialogboxen an Terminals in der Welt weiter erzählt wird. DOLMEN fährt den klassischen DOOM-Plot: Die Menschheit entdeckt eine neue Art der Energiegewinnung, Dinge gehen schief, wir als Spieler*innen müssen es richten und eine überrannte Raumstation säubern.

Charaktere mit allzu viel Tiefgang braucht man auch nicht zu erwarten, aber eine Pulitzerpreisverdächtige Story ist auch gar nicht der Anspruch von DOLMEN. Viel mehr soll das Spiel durch die Umgebungen und die Atmosphäre getragen werden, was durch das bereits erwähnte Setting des Spiels durchaus passabel funktioniert.

Designschwächen zeigen sich neben der Spielwelt und Story außerdem immer wieder im Interface von DOLMEN. Die Spielmenüs, das Inventar und Dialogfelder wirken allesamt ein wenig lieblos gestaltet und unausgegoren, stellenweise ließe sich beinahe ein wenig mangelnde Nutzer*innenfreundlichkeit vorwerfen. Die Auswahl der Ausrüstung im Charakterbildschirm oder schon die Charaktererstellung am Start des Spiels gehen bei weitem nicht so leicht von der Hand, wie sie es sollten, gerade weil das ausgewählte Menüfeld sich nicht stark genug von den restlichen Optionen im Menü abhebt.

DOLMEN im Test: Unser Fazit zum Horror-Soulslike im Weltall

Punktewertung zu DOLMEN
DOLMEN im Test: Unser Fazit zum Horror-Soulslike im Weltall © ingame

Massive Work Studio hatte es mit DOLMEN alles andere als leicht. Beim ersten Spiel des frisch gegründeten Studios waren die Ambitionen hoch, vielleicht zu hoch. Der Gedanke, die Souls-Formel in den Weltall mit starken Horroreinflüssen zu verfrachten, trägt einiges an Potenzial, dem DOLMEN nicht völlig gerecht werden kann. Das Action-Rollenspiel hat grundsätzlich gute Ideen, die dem Gameplay ein eigenes Flair geben und kann grundsolide Systeme für Crafting und Charakterfortschritt vorweisen.

In der weiteren Ausführung hapert es aber oft. Kämpfe haben immer wieder einen Anflug von Unfairness und mangelnder Griffigkeit, die besonders durch das schlecht durchdachte Heilungssystem und das nicht wirklich polierte Trefferfeedback nur verstärkt werden. Zusammen mit der unbeholfen gestalteten Nutzeroberfläche wird die Spielerfahrung immer wieder ein wenig beeinträchtigt. Wer wirklich noch nicht genug von Souls und Soulslikes hat und das Genre gerne mit mehr Sci-Fi- und Horror-Elementen erleben will, kann sich DOLMEN gerne mal genauer ansehen. Pflichtprogramm ist das Rollenspiel aber nicht zwingend.

ProContra
+ Spannendes Setting mit guten Gegnerdesigns- Kampfsystem leidet unter schwachem Trefferfeedback und Gegneranimationen
+ Angenehme Variation im Kampf durch Schusswaffen- UI ist häufig sehr undurchsichtig
+ Interessantes Craftingsystem- Spielfluss wird durch unfaire Momente geplagt
+ Level werden durch gelegentliche Rätsel aufgelockert- Story gerät schnell ins Hintertreffen
- Keine Multiplayer-Komponente

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