World Domination

Evil Genius 2 im Test: Von Größenwahn und Weltherrschaft

  • vonDaniel Meyer
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Held spielen war gestern. Heute schicken wir unsere Handlanger in die Welt und erobern drauflos. Wie gut das in Evil Genius 2 funktioniert, verrät unser Test.

Oxford, Großbritannien – Die Weltherrschaft mit finsteren Plänen und genügend Minions zu ergreifen, braucht Zeit und Vorbereitung. Dies gilt auch für Evil Genius 2, das neuste Game der Entwicklerschmiede Rebellion, denn der Vorgänger kam schon 2004 auf den Markt – in der Gamesbranche eine gefühlte Ewigkeit. Aber auch im Spiel müssen wir uns auf viel Arbeit gefasst machen, denn die Weltherrschaft ist zeitaufwendig, aber auch urkomisch zugleich.

Name des SpielsEvil Genius 2: World Domination
Release (Datum der Erstveröffentlichung)30. März 2021
PublisherRebellion Games
SerieEvil Genius
PlattformenPC
EntwicklerRebellion Games
GenreEchtzeitstrategie, Simulation

Evil Genius 2 im Test: Vier Oberschurken und eine Karibikinsel

Der Wiederspielwert von Evil Genius 2 ist, wie sehr schnell zu erkennen ist, hoch angesetzt. Nicht nur kann zwischen unterschiedlichen Geheimverstecken auf idyllischen Inseln gewählt werden, die wir immer wieder nach eigenen Vorstellungen Stück für Stück zu der Schurkenbasis unserer Träume ausbauen können, auch stehen uns vier Bösewichte zur Auswahl.

Im Laufe von Evil Genius 2 stößt eine ganze Reihe praktischer Handlanger zu euch.

Jeder der Fieslinge kommt dabei mit eigenen Fähigkeiten und Storysequenzen daher, die in ihrer Inszenierung gelungen mit flachem Humor und auf klischeehafter Weise auf das Helden-Schurken-Genre verweisen. So haben wir zum einen Maximilian, den größenwahnsinnigen Goldjungen, der insbesondere mit einer großen Belegschaft auftrumpft, den irren Superkämpfer Roter Iwan, der Kampfschergen besonders günstig befehligen kann, die geniale Wissenschaftlerin Zalika, bei der Forschung besonders schnell durchgeführt wird und zu guter Letzt die Ex-Spionin Emma, die dank Ihrer Erfahrungen besonders im Bereich Täuschung effizient unterwegs ist. Zusätzlich dazu verfügt jeder dieser Charaktere über zwei aktivierbare Fähigkeiten, die in der Organisation des eigenen Unterschlupfs unterstützen können.

Evil Genius 2 im Test: Tarnfirma und Basenbau

Vom Design her ist Evil Genius 2 genau das, was ich mir schon seit langem wieder wünsche: Ein Dungeon Keeper, wenn auch mit etwas anderem Setting, aber in schön. Es gibt zwar unterschiedliche Games dieser Art, jedoch ist hier die grafische Präsentation meist in 2D-Pixelart gehalten – etwas mehr Qualität in der optischen Präsentation kommt bei Evil Genius 2 also wie gerufen. Und gerade beim komplexen Bau der Basis mit all dessen Freiheiten ist dies mehr als willkommen.

Dunkle Pläne schmieden: Absolut essenziell für Evil Genius 2.

Wie jeder Superschurke müssen wir erst einmal klein anfangen. So wählen wir uns zum Start ein kleines Inselparadies aus und bauen im Inneren eines Berges unser Geheimversteck. Als Front nutzen wir eine Tarnfirma, in der wir ein Luxus-Casino aufziehen,. Dorthin verirren sich ahnungslose Touristen und können ganz nebenbei vom feinsten abgezockt werden. Im Hintergrund warten Labore, Atomgeneratoren, Trainingshallen und Unmengen an Fallen, die allesamt unerlässlich sind, um unsere Pläne voranzutreiben bzw. lästige Schnüffler Hops zu nehmen.

Der Basenbau erfolgt dabei zunächst auf einer Ebene, doch im Verlauf des Spiels breiten wir uns unerlässlich auf weitere Stockwerke auf. In klassischer Dungeon Keeper-Manier graben unsere Minions Kachel für Kachel an Erde frei und bauen dann, ganz nach unseren Wünschen, Flure, Räume und Einrichtungsobjekte. Zu letzteren zählen natürlich auch zahlreiche Objekte, die eher kosmetischer Art sind und einfach zur Verschönerung unserer Basis dienen, was uns entsprechend kreativen Freiraum bietet. Wir hoffen jedoch, dass Rebellion im späteren Verlauf noch zahlreiche weitere Objekte nachliefert.

Evil Genius 2 im Test: Dunkle Pläne und fiese Feinde

Um Geld zu verdienen, entsenden wir unsere Handlanger in die Welt. Hier, in vorher erkundeten Gebieten, können wir Pläne schmieden, um Geld zu verdienen oder Maßnahmen durchführen, um den durch die Pläne generierten Argwohn zu reduzieren. Steigt dieser so hoch, sind diese Gebiete für eine gewisse Zeit für uns gesperrt, ehe neue Pläne ausgeführt werden können. Diese Möglichkeiten, an Geld zu kommen, müssen allerdings auch erst erkannt werden, Hier kommen feindliche Agenten der unterschiedlichen Helden-Organisationen ins Spiel.

Hinter der Inselidylle von Evil Genius 2 schlummert eine waschechte Geheimbasis – Labor, Tanzfläche und Waschsalon inklusive.

In regelmäßigen Abständen besuchen nicht nur Touristen, sondern auch Ermittler, Soldaten und andere rechtschaffene Kräfte unsere Insel. Diese Kräfte des Guten können von uns entweder eliminiert oder eingefangen werden. In jedem Fall heizen unsere Handlanger den Fremden ordentlich mit einer Tracht Prügel ein. Insbesondere ausgebildete Wachen haben hier die besten Chancen, diesen Schnüfflern habhaft zu werden. Gefangene können so bspw. befragt und dadurch auch ausgeschaltet werden, wodurch wir an Informationen für neue Gelegenheiten auf der Weltkarte erhalten.

Neben diesen Plänen gibt es im Verlauf der Story zahlreiche weitere Missionen auf der Weltkarte anzunehmen. So müssen mal Politiker bestochen werden oder besondere Charaktere aufgespürt werden. Bei letzteren handelt es sich meist um Charaktere zu Nebenmissionen, die wir bspw. auch rekrutieren können. Einige davon werden im späteren Verlauf sogar zu Gehilfen, quasi Elite-Handlangern. Dazu zählt bspw. ein japanischer Schwermeister, der insbesondere im Nahkampf mehr als zu bestechen weiß und uns tatkräftig unterstützen kann.

Evil Genius 2 im Test: Solides Gameplay mit einigen Ecken und Kanten

Insgesamt kommt der Spielverlauf von Evil Genius 2 äußerst ansprechend daher. Der Basenbau geht gut von der Hand, die Einrichtungen tun, was sie sollen, doch an einigen Punkten gibt es aktuell noch Verbesserungsbedarf. So wäre insbesondere mehr Micromanagement wünschenswert gewesen. Wir können unsere Handlanger bspw. nicht in bestimmte Räume schicken, bspw. in die Kaserne, um sich auszuruhen oder die Moral zu stärken. Dies geschieht komplett automatisch. Sinken die Werte nämlich zu stark, so hat das negative Konsequenzen. Bspw. können unsere Helferlein feindlichen Kräften Geheimnisse ausplaudern oder gar komplett desertieren.

Wie bei jedem guten Superschurken dreht sich auch in Evil Genius 2 alles um das Eine: Die Weltherrschaft.

Ebenso sind manche Aufgaben nicht immer ganz ersichtlich. So bekommen wir ein Missionsziel präsentiert, doch wie dieses zu erreichen ist, bleibt im Raum stehen. Schlimmer noch, so manche Bugs können hier zu zusätzlichem Frust führen. Bspw. eine Nebenmission, die sich einfach aufhängt und nicht fortgesetzt werden kann. Aber auch simplere Probleme, wie eine Anzeige für neue Baumöglichkeiten im Baumenü, obwohl hier gar keine neuen Objekte zum Kauf verfügbar sind, störte den Spielfluss gelegentlich. Hoffen wir, dass diese Mankos zeitnah ausgemerzt werden.

Evil Genius 2 im Test: Weltherrschaftsphantasie erfüllt? Auf jedenfall!

Evil Genius 2 im Test: Ein teuflisches Vergnügen für den PC

Insgesamt macht Evil Genius 2 einen prächtigen Eindruck. Spielerisch und optisch ist der Titel genau das, was ich mir schon seit langem wünsche. Auch wenn zum Release noch so manche Bugs für Probleme sorgen können, so kommt der Titel zumindest inhaltlich genau mit den Werkzeugen daher, die ich mir für meine dunklen Weltherrschaftspläne so sehnlichst wünsche. Zahllose Handlanger anheuern, Gaunereien durchführen, Fallen aufstellen, wozu natürlich Laserschranken, Haifischbecken und andere klassische Spielereien gehören, und vieles mehr. Und sollte die Belegschaft mal einen Schub extra Motivation benötigen, so wird einfach vor versammelter Mannschaft willkürlich ein Handlanger exekutiert – brutal aber wirksam! Wenn da nur nicht die ständige Einmischung von diversen missgünstigen Organisationen wäre – aber niemand hat behauptet, dass die Weltherrschaft ein Zuckerschlecken sei. Und im schlimmsten Fall sind natürlich eh die Handlanger schuld, dass meine fiesen Pläne gescheitert sind!

ProCon
– Stimmiges und liebevolles Design– Zum Release teils noch verbuggt
– Viel Freiheit beim Basenbau– KI teils dümmlich
– Zahllose humorvolle Anspielungen – Weltkarten-Missionen teils repetitiv
– Vier Superschurken zur Auswahl
– Sandbox-Modus für barrierefreie Kreativität

Rubriklistenbild: © Rebellion Games

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