Far Cry at its best

Far Cry 6 im Test – Ein echtes Highlight ohne Höhepunkte

  • Noah Struthoff
    VonNoah Struthoff
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Far Cry 6 kommt als neuster Teil der beliebten Open-World-Reihe und verspricht Großes. Doch kann es das halten? Wir verraten es euch im Test.

Toronto – Far Cry 6 ist nach Corona-Verschiebung und vielen Ankündigungen endlich erschienen und die Story verspricht erneut einen spannenden Kampf zwischen Rebellen und einem gewalttätigen Machthaber. Bereits die Vorgänger-Teile haben packende Stories geliefert und Open-World-Fans begeistert. In Far Cry 6 kehrt ihr zurück in ein bekanntes Setting: eine paradiesische Insel in der Karibik und trotzdem ist vieles anders. Reicht das aber für ein Höhepunkt im vollen Gaming-Release-Kalender?

Name des SpielsFar Cry 6
Release (Datum der Erstveröffentlichung)07. Oktober 2021
Publisher (Herausgeber)Ubisoft
SerieFar Cry
PlattformenPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, PC
EntwicklerUbisoft Toronto
GenreFirst-Person-Shooter, Open World

Far Cry 6 im Test: Altbekannte Handlung im neuen Gewand

Wer die Far-Cry-Reihe gespielt hat, braucht für die Handlung von Far Cry 6 keine große Erläuterung. Ihr geratet mit dem Hauptcharakter Dani mehr oder weniger unfreiwillig in einen Kampf zwischen den Guerilla-Rebellen und dem tyrannischen Machthaber Anton Castillo. Selbstverständlich schließt ihr euch den Rebellen an und versucht mit aller (Waffen)-Gewalt den Tyrannen von seinem Thron zu stoßen.

Während ihr in den vergangenen Teilen von Far Cry immer wieder ein komplett neues Gebiet entdecken konntet, erinnert das Setting von Far Cry 6 stark an den dritten Teil der Reihe. Damals musstet ihr auf der paradiesischen Insel Rook Island gegen der brutalen Inselführer Vaas kämpfen. In Far Cry 6 geht es nach Yara, was am ehesten an die Karibik-Insel Kuba erinnert. Auch dort gibt es wunderschöne Strände, tiefen Dschungel und mit Anton Castillo ebenfalls einen fiesen Machthaber.

Anton Castillo ist euer Gegenspieler und ein tyrannischer Machthaber

Natürlich gibt es aber auch hier Unterschiede, die dafür sorgen, dass Far Cry 6 ein ganz eigenes Setting bekommt und sich trotz diverser Ähnlichkeiten komplett neu anfühlt. Es gibt riesige Tabak-Felder, mehrere Großstädte und ganz unterschiedliche Regionen, die sich in der Vegetation unterscheiden. Dabei erinnert das Spiel sogar manchmal eher an Just Cause 3, als an ein altes Far Cry.

Wundert euch also nicht, wenn ihr an einigen Stellen Flashbacks bekommt, denn die Ähnlichkeiten sind durchaus gegeben. Allerdings müsst ihr auch keine Angst haben, dass es zu krass an Far Cry 3 erinnert.

Far Cry 6 im Test: Gameplay zum Schmunzeln, doch ohne große Ausreißer

In Far Cry 6 gibt es keine großen Ausreißer bei der Grafik und beim Gameplay und trotzdem reicht das völlig aus. Die Far-Cry-Reihe war nie ein absolutes Highlight für Shooter-Fanatiker und das ist es auch nicht in Far Cry 6. Die teilweise sehr verrückten Waffen spielen sich abwechslungsreich und realistisch. Allerdings ist das nicht vergleichbar mit Top-Shootern wie Call of Duty oder Battlefield. Doch das muss auch gar nicht sein, denn Far Cry 6 lebt nicht durch die heftigen Shooter-Animationen, sondern viel mehr durch die starke Story.

Die Grafik macht selbst auf der PS5 keine riesigen Sprünge und selbst ein Laie erkennt, dass dort definitiv Luft nach oben ist. Vergleicht man den sechsten Teil beispielsweise mit dem vierten, der schon vor sieben Jahren veröffentlicht wurde, erkennt man kaum einen Unterschied.

Die Supremo in Far Cry 6 im Einsatz.

Der Sound hingegen ist absolut klasse und dabei oftmals sogar zu realistisch. Wenn ihr fiese Soldaten mit Feuergeschossen vollpumpt, dann sind die Todesschreie manchmal so laut, dass Gegner aus weiter Entfernung alarmiert werden. Auf der einen Seite ziemlich cool, doch auf der anderen Seite auch nervig.

Far Cry 6 im Test: Lästige Open-World-Probleme, die für viel Action sorgen

Genau wie die anderen Far-Cry-Teile kämpft der sechste Teil der Reihe mit einem klassischen Open-World-Problem: Die Map ist riesig und das ist auch verdammt gut, doch am Ende sind die Strecken zwischen den wichtigen Punkten einfach zu groß. Manche Missionen liegen so weit voneinander entfernt, dass ihr teilweise länger für die Fahrt als für die eigentliche Mission benötigt. Das bessert sich im Laufe des Spiels, denn dann schaltet ihr einen Wingsuit und weitere Unterschlupfe für die Schnellreise frei, doch das Problem bleibt manchmal bestehen.

Auf der anderen Seite macht genau dieses Problem den Charakter von Far Cry aus. Es gibt eigentlich kaum eine gemütliche Fahrt zur nächsten Mission. Manchmal visiert euch ein Panzer an und ihr nehmt besser schnell die Beine in die Hand und manchmal landet ihr innerhalb von wenigen Sekunden in einem riesigen Kampf zwischen Guerilla und Soldaten. Das sorgt für Abwechslung und Unterhaltung auf den langen Strecken. Bringt aber definitiv etwas mehr Zeit mit, denn wer die Straßen der Insel Yara befährt muss immer mit dem schlimmsten rechnen.

Far Cry 6 im Test: Ein Protagonist mit verrückten Waffen, der für die kleinen Highlights sorgt

Far Cry 6 hat kein großes Highlight, was man komplett herausstellen kann, doch der Protagonist Dani sorgt für die kleinen Überraschungen. Zunächst könnt ihr bei der Charakter-Erstellung auswählen, ob ihr einen männlichen oder weiblichen Protagonisten haben möchtet. Dadurch entwickelt sich Dani für euch eher zur Identifikationsperson. Dani ist charismatisch, gewitzt und unfassbar herzlich. Im Laufe der Story entwickelt ihr schnell eine Verbindung zum Charakter und fühlt euch komplett in die Story herein.

Die Protagonist Dani aus Far Cry 6.

Die angesprochenen kleinen Höhepunkte entstehen unter anderem durch die zahlreichen, verrückten Waffen, die Far Cry 6 auszeichnen. Wie bereits in den Vorgänger-Teilen könnt ihr aus Schrott und normalen Alltagsgegenständen verrückte Waffen zusammenbauen. So ballert ihr mit einer Nagelpistole oder einem Rucksack voller Raketen umher und sorgt für ein ordentliches Feuerwerk. Manche Waffen sehen dabei einfach nur einzigartig aus und andere Wummen sind zudem noch richtig stark und gehören zu den besten Waffen in Far Cry 6. Der Spaß ist also vorprogrammiert.

Far Cry 6 im Test: Die tierische Unterhaltung zum Verlieben

Sollte euch Dani als Protagonist nicht überzeugen, dann wird es spätestens Guapo tun. Guapo ist ein Krokodil mit Goldzahn und Trainingsjacke – cooler geht es nicht mehr. Das Krokodil ist eines der zahlreichen Amigos, die ihr als tierische Partner mit auf eure Abenteuer nehmen könnt. Guapo schaltet ihr schon früh im Spiel frei und als Willkommensgeschenk wirft euch das freundliche Krokodil erstmal ein abgebissenes Bein eines Soldaten zu. Das Krokodil ist also nicht nur stark, sondern auch ein echter Freund.

Euer Amigo Guapo in Far Cry 6.

Wer es nicht so mit abgebissenen Beinen hat, der kann auch im Laufe der Story auf andere Amigos wechseln. Mit Chorizo könnt ihr einen kleinen Dackel mit Gehhilfe ins Team holen, der euch allerlei nützliche Items besorgt. Zudem gibt es noch Chicharron, einen angriffslustigen Kampfhahn mit Stachelhalsband – sollte euch Guapo also nicht überzeugt haben, wird es spätestens Chorizo oder Chicharron getan haben.

Far Cry 6 im Test: Eine starke Story für lange Spielenächte

Far Cry war schon immer besonders stark in der Story und genau dort punktet auch der sechste Teil der Reihe. Dieses Mal müsst ihr drei verschiedenen Rebellen-Truppen bei unterschiedlichen Missionen helfen, damit ihr schlussendlich gemeinsam gegen Anton Castillo kämpfen könnt. Dabei sind die Missionen abwechslungsreich und energiegeladen. Langweilig wird euch nicht und es wird eine Geschichte erzählt, die euch selbst nach dem Ausschalten von Konsole oder PC beschäftigt.

Die Nebencharaktere, die euch im Kampf unterstützen, sind abwechslungsreich und haben spannende Geschichten zu erzählen. Dabei geht es um den jahrelangen Kampf, den die Rebellen bereits gegen das Regime geführt haben und die gnadenlose Ausbeutung der Menschen durch Anton Castillo. An manchen Stellen scheint es sogar fast so, als könnten die Storys aus dem echten Leben entsprungen sein.

Ein Gefecht in Far Cry 6.

Doch auch hier muss erwähnt werden, dass Far Cry schon immer mit solchen Storys gepunktet hat und die Geschichte rund um Yara kein absolutes Highlight ist. Sie ist durchaus spannend, doch im Vergleich zu den Storys aus Far Cry 3 oder 4 erblasst sie etwas. Dennoch solltet ihr sie unbedingt im vollen Umfang genießen, denn auch hier erkennt man die Detailtiefe in jeder kleinen Geschichte.

Far Cry 6 im Test: Ohne große Höhepunkte zum Highlight im Oktober – So schneidet es ab

Far Cry 6 ist ein aalglattes Spiel ohne große Fehler oder Probleme. Allerdings fehlen auch die großen Ausreißer nach oben. Wer ohnehin ein Fan der Reihe ist, kommt auch bei Far Cry 6 voll auf seine Kosten. Eine starke Story und ein cooler Protagonist sorgen für das richtige Feeling. Ihr müsst aber auch damit rechnen, dass es keinen absoluten Höhepunkt gibt.

Wer das klassische Far-Cry-Abenteuer erleben möchte, sollte sich den sechsten Teil der Reihe anschauen, doch wer hier auf ein Meisterwerk eines Open-World-Spiels gehofft hat, kommt nicht auf seine Kosten. Dafür ist das Gameplay dann doch etwas zu einseitig und die Story erinnert an manchen Stellen zu sehr an die Vorgänger.

Far Cry 6 im Test – Ein echtes Highlight ohne Höhepunkte

Der Spielwitz, den Far Cry aber schon immer innehatte, bleibt bestehen und vor allem mit den tierischen Amigos und den verrückten Waffen werdet ihr euren Spaß haben. Far Cry 6 wird nie langweilig und selbst nach der Story könnt ihr noch viel im Spiel erleben. Genau dadurch punktet das Spiel.

ProContra
+ starke Story mit packendem Ende- vergleichsweise schwache Grafik
+ charismatischer Protagonist zum Identifizieren- teilweise zu viele Parallelen zu den Vorgänger-Teilen
+ lustige Amigos für den Spielwitz- lästige Fahrten aufgrund von großer Open World
+ verrückte Waffen für die Abwechslung im Kampf

Rubriklistenbild: © Ubisoft

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