10.000 PS

Fast & Furious Crossroads im Test: Vollgasrausch im Grenzbereich

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
    schließen

Fast & Furious Crossroads ist gerade ziemlich verschrien im Internet – Wie Vin Diesels neuer Ausflug in die Videospielwelt uns gefallen hat, lest ihr im Test.

  • Fast & Furious Crossroads erscheint am 7. August für Sonys PS4, Microsofts Xbox One und den PC.
  • Das Spiel von Slightly Mad Studios erzählt eine neue Geschichte aus der beliebten The Fast and Furious-Filmreihe mit Vin Diesel.
  • Ursprünglich sollte Fast & Furious Crossroads im Mai erscheinen, wurde allerdings aufgrund der Corona-Krise verschoben.

Hamburg, Deutschland - Im Endeffekt schlägt sich das auch im Gameplay von Fast & Furious Crossroads nieder, weshalb man… bitte nicht wundern, das Review soll schon so unvermittelt beginnen. Fast & Furious Crossroads schmeißt seine Spieler nämlich auch ohne jegliche Vorbereitung ins Spielgeschehen. Der Spieler drückt Start und schwupps düst Vin Diesel, mitten in ein Gespräch vertieft, über den Asphalt.

Friedensangebot: Lieber nochmal alles auf Anfang mit dem Review? Na gut, dann nehmen wir euch Stück für Stück mit auf die außergewöhnlichen, digitalen Ausflüge von Corona-Brudi Vin Diesel und seiner Pumper-Crew. Ob Fast & Furious Crossroads wirklich eine so schlechte Karosserie unter der Haube hat, wie das Internet es euch derzeit weiß machen möchte, erfahrt ihr in unserem Test zum Titel für PS4, Xbox One und PC.

Name des SpielsFast & Furious Crossroads
Release (Datum der Erstveröffentlichung)7. August 2020
EntwicklerSlightly Mad Studios
HerausgeberBandai Namco Entertainment
PlattformPS4, Xbox One, PC
GenreRennspiel

Fast & Furious Crossroads im Test: Durch die Kontrolle gerutscht

Wenn man sich die Berichte der internationalen Presse zu Fast & Furious Crossroads einmal durchschaut, dann könnte man fast meinen: Endlich gibt es einen neuen Titel, um sich die Mäuler so ordentlich zu zerreißen. Sie sind nämlich wirklich selten geworden, die Spiele die durch das Raster fallen. Heutzutage erblicken entweder kleine Indiespiele oder groß budgetierte und bis in die letzte Ecke gepolishte AAA-Spiele das pixelige Licht der Videospiel-Welt. Kandidaten wie Fast & Furious Crossroads, die mit einem mittleren Budget auskommen müssen und so naturgemäß das größte Potential zum Totalausfall haben, sind die absolute Ausnahme.

Fast & Furious Crossroads im Test: Vollgasrausch im Grenzbereich

Fast & Furious Crossroads dürfte sicherlich die starke Film-Lizenz und der passionierte Wille von Vin Diesel geholfen haben, es wirklich zu einer Veröffentlichung geschafft zu haben. Herr Diesel tankt nämlich Super, was Videospiele angeht: Bereits 2009 erschien unter der Fuchtel des Gaming-Fans bereits das relativ erfolglose und in obskure Vergessenheit geratene Wheelman. Auch in den gefeierten Riddick-Spielen hatte das wandelnde Corona-Testomonial seine Finger im Spiel. Jetzt, nachdem die Filmreihe vorerst durch das andere Corona auf Eis gelegt ist, ist also sein großes Baby Fast and Furious an der Reihe. Was sollen wir groß um den heißen Brei reden, die Presse hat recht: Als Spiel ist Fast & Furious Crossroads wirklich mies – aber genau dafür lieben wir den Titel auch.

Fast & Furious Crossroads im Test: Ja, das ist ein Camaro

Fast & Furious Crossroads im Test: Gameplay-Sünden und Trash-Tugenden

Uns macht es wirklich keinen Spaß, bei einem augenscheinlich zumindest auf der Gameplay-Ebene missglückten Titel wie Fast & Furious Crossroads jede kleinste Verfehlung aufzuzählen. Deshalb präsentieren wir euch hier nach einem langen Durchatmer nur kurz den Schnelldurchlauf:

Die Kamera von Fast & Furious Corssroad fängt meist nicht das ein, was sie sollte und lässt sich nur schwerlichst justieren. Das schmerzt am meisten. Die stetigen Unfälle der wie durch ein Wunder durch den Idiotentest gekommenen KI, lassen sich so leider nur schwer beobachten. Meist baut ihr im kaum schadensmodelierten Raser (oder besser Panzer) aufgrund der völlig schwammigen Steuerung aber sowieso einen Unfall und habt eh keine Zeit, auf die detailarme PS3-Umgebung zu achten. Obwohl es keine Karte gibt werdet ihr euch dabei in der schlauchigen Umgebung von Fast & Furious Crossroads zum Glück aber nicht verfahren. Zusätzlich ploppen in der Ferne immer wieder...

Ach, wisst ihr was? Uns hat das alles so viel gejuckt, wie die The Fast and Furios Filme ihre Glaubwürdigkeit. Die Gameplay-Passagen in Fast & Furious Crossroads machen eh nur den geringeren Teil der Kampagne des Spiels aus. Das eigentliche Highlight ist nämlich (und das meinen wir wirklich ernst) die Story von Fast & Furious Crossroads. In Cannes hätte diese sicherlich sehr schlechte Chancen auf die goldene Palme gehabt, aber für zwei bis drei kurzweilige Abende ist die nicht selten unfreiwillig komische Geschwindigkeits-Ballade ein echter Bringer.

Fast & Furious Crossroads im Test: Vin Diesel lässt nicht mit sich reden wenn es um Highspeed geht

Fast & Furious Crossroads im Test: Besser gut gewollt, als lahm gemacht

Der Fokus von Fast & Furious Crossroads liegt auch ganz unironisch klar auf der Story, die nach jedem noch so kleinen Gameplayabschnitt in den Vordergrund rückt. Hier folgt der Spieler zunächst nicht unserem Posterboy Vinny, sondern den Ex-Racerinnen Cam und Vienna durch die Straßen von Barcelona. Kumpel Sebastian hat ein gehöriges Problem mit der örtlichen Mafia, der Tadakhul und versucht seine Schulden mit, wie sollte es auch anders sein, illegalen Straßenrennen zu begleichen. Natürlich geht dabei alles schief, den wahnwitzigen Rest solltet ihr euch allerdings selbst zu Gemüte führen.

Auch wenn das Ganze vielleicht nicht oscarreif geschrieben ist, ist es dennoch unterhaltsam verfasst und hält den Spieler gut bei der Stange. Eben so kurzweilig fällt die Inszenierungen aus: Fast & Furious Crossroads wandert nicht auf den Spuren Kubricks, versteht seine Einstellungen aber in der meisten Zeit gekonnt in Szene zu setzen. Das klappt meist sogar besser als bei den üblichen AAA-Produktionen, wenn ihr uns fragt, würde da die Technik nicht oft einen Strich durch die Rechnung machen. Man merkt, dass Fast & Furious Crossroads gar nicht einmal so sehr am Können der Slightly Mad Studios, sondern eher an der Anzahl und den Ressourcen seines Entwicklers gescheitert ist. Wer eine Ader zu Trash- und Kulturprodukten hat, die nicht bis zur Unkenntlichkeit glatt geschliffen wurden, dürfte an Fast & Furious Crossroads mit seinem stabilen Fundament seine helle Freude haben.

Fast & Furious Crossroads im Test: Highspeed heißt auch übersättigte Farben

Für manche mag es ein Manko sein, die knackige Spielzeit von 4-5 Stunden hilft Fast & Furious Crossroads in jedem Fall, sein spaßiges Momentum zu behalten. Im Endeffekt schlägt sich das auch im Gameplay von Fast & Furious Crossroads nieder, weshalb man diverse Missionstypen vorgesetzt bekommt. Die gewinnen zwar alle selbst auf dem verlottertsten Rummel keinen Blumentopf und machen auch nur wenig Spaß, lassen das vermurkste Gameplay aber nicht langweilig werden. Mal versteckt man sich vor den Cops, hackt Autos oder zieht in eine Straßenschlacht. Zusätzlich gibt es sehr großzügig gesetzte Checkpoints, das lässt den Flow nie stocken – schöne Sache. 

Fast & Furious Crossroads im Test: Fazit und Wertung

Fast & Furious Crossroads: Unser Fazit zur Diesel-geschwängerten Rennspiel-Ballade

Wer Fast & Furious Crossroads tatsächlich abschreibt, nur weil das Spiel technisch und aus Gameplay-Perspektive aus der Zeit gefallen ist, der hat das Ganze mit den Videospielen nicht so recht verstanden, wenn ihr mich fragt. Eigentlich ist hier vieles richtig gedacht: Eine kompakte und abwechslungsreiche Kampagne, gefasst in eine extra für die Versoftung geschriebene Story. Gut, dass sich Fast & Furious Crossroads nicht im Olymp mit Spielen wie God of War oder Horizon Zero Dawn bei Wein und Käse vergnügt, sollte jedem bewusst sein. Fakt ist aber auch: Fast & Furious Crossroads hat den richtigen Spirit und fängt auch den selben Geist der völlig überzogenen Filmreihe wundervoll ein. Leider reicht ein guter Grundgedanke aber nicht zum Blockbuster-Kracher.

Entwickler Slightly Mad Studios fehlte es für die richtige Umsetzung leider einfach an Ressourcen. So lässt sich der Kauf von Fast & Furious Crossroads nur für beinharte Fans der Serie, Menschen mit Trash im Blut oder Genre-Historiker rechtfertigen. Das größte Manko von Fast & Furious Crossroads ist aber Folgendes: Wo ist das völlig überzogene Corona Product-Placement á la Monster in Death Stranding? Das hat uns wirklich enttäuscht! Wir empfehlen Spielern daher, sobald Fast & Furious Crossroads nicht mehr zum Vollpreis in den Läden steht, den Titel an 2-3 Abenden mit Freunden und einem kühlen Maisbier zu genießen – la Familia und so!

ProsCons
+ Trash-Feuerwerk- Mieses Gameplay
+ Kurzweiliges Abenteuer- Fahrphysik eines driftenden Panzers
+ Eigene Story für das Spiel- Technisch auf PS3 und Xbox 360-Niveau
+ Spaßige Inszenierung...- ...mit unfreiwillig komischen Sprechern
+ Knackige Spielzeit...- ...die für viele Geschmäcker zu kurz sein wird
- diverse Bugs und Fehler
- Soundtrack für Liebhaber
- Wahrlich kein Spiel für die Massen

Rubriklistenbild: © Slightly Mad Studios/ingame

Meistgelesen

Project CARS 3: Trotz Abkehr vom Sim-Racing auf den Rennspiel-Thron?
Project CARS 3: Trotz Abkehr vom Sim-Racing auf den Rennspiel-Thron?
Project CARS 3: Trotz Abkehr vom Sim-Racing auf den Rennspiel-Thron?
Need for Speed Heat im Test: Der beste Teil seit Underground 2?
Need for Speed Heat im Test: Der beste Teil seit Underground 2?
Need for Speed Heat im Test: Der beste Teil seit Underground 2?
The Last of Us 2 im Test: Meisterwerk oder Story-Chaos? Unser Fazit zum Spiel
The Last of Us 2 im Test: Meisterwerk oder Story-Chaos? Unser Fazit zum Spiel
The Last of Us 2 im Test: Meisterwerk oder Story-Chaos? Unser Fazit zum Spiel
Mortal Shell im Test: Ein Soulslike-Game, das sich sehen lassen kann
Mortal Shell im Test: Ein Soulslike-Game, das sich sehen lassen kann
Mortal Shell im Test: Ein Soulslike-Game, das sich sehen lassen kann

Kommentare