Der Ball rollt wieder

FIFA 21 im Test: EA mit kleinen Änderungen zum großen Erfolg? Hier unser Fazit

  • Henrik J
    vonHenrik J
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FIFA thront seit Langem über allen anderen Fußballsimulationen. Ob FIFA 21 den hohen Erwartungen der Fans gerecht werden kann, erfahrt ihr in unserem Test.

  • FIFA 21 im Test: Wie schlägt sich der 26. Ableger der Reihe?
  • EA setzt auf kleine aber feine Änderungen an der Dynamik und Gameplay
  • Ein Hoch auf EA! Endlich sinnvolle Ergänzungen im Karrieremodus von FIFA 21

Vancouver, Kanada – Alle Jahre wieder beschenkt EA uns mit dem größten Glück eines jeden Fußballfanatikers. Die FIFA-Reihe besitzt seit Jahren die Monopolherrschaft unter den Fußballspielen. Für die Laien wirkt jedes FIFA gleich, doch die Experten merken die Unterschiede, mit welchen EA versucht, das Spiel Jahr um Jahr zu verbessern. Mal gelingt es ihnen und manchmal geht es komplett nach hinten los. FIFA 21 haben wir in unserem Test ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft und zeigen euch nun, ob das Runde ins Eckige muss und ob ein Spiel auch auf den virtuellen Rasen 90 Minuten geht.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)6. Oktober 2020
Publisher (Herausgeber)Electronic Arts
SerieFIFA
PlattformPS5, Xbox Series X, PS4, Xbox One, PC
EntwicklerEA Canada/Romania
GenreFußballsimulation

FIFA 21 im Test: EA wusste genau, wo man im Ultimate Team ansetzen muss

Die vergangenen Monate waren für Fußballfans keine leichten. Aufgrund der Corona-Pandemie ruhte der Ball zunächst für einige Monate. Mittlerweile sind die Profiligen zwar wieder in Betrieb, allzu viele Fans dürfen jedoch nicht ins Stadion. Gut wenn man zumindest in FIFA 21 noch richtiges Stadion-Feeling hat. Dieses ist in FIFA 21 so realistisch und einfallsreich wie noch nie zuvor.

Für den beliebten Sammelkartenmodus, Ultimate Team, hat sich EA einige detaillierte Änderungen überlegt und super umgesetzt. Um im Ultimate Team-Modus richtig durchzustarten, benötigt man die idealen Spieler, welche man vor allem über den Transfermarkt und die Packs erhalten kann. Auch wenn das Hauptaugenmerk von EA immer noch auf den Verkauf der Ingame-Währung liegt, kann man auch leicht an Packs gelangen, ohne sich FIFA Points in FIFA 21 zu kaufen.

SBCs und Saison-Ziele sind hier das Zauberwort. In den Squad-Building-Challenges müsst ihr ein Team nach genauen Vorgaben erstellen und anschließend abgeben. Als Belohnung erhaltet ihr in FIFA 21 Packs, Spezialkarten und Münzen. Die Aufgaben reichen von grundlegenden bis hin zu sehr anspruchsvollen Forderungen. Wirklich etwas verändert hat sich hier im Vergleich zum Vorgänger jedoch nicht. Es bleibt abzuwarten, ob EA genauso viele SBCs veröffentlicht wie im Vorjahr. Die schiere Anzahl an Aufgaben empfand die Community als störend.

Bei den Saison-Zielen hat sich jedoch einiges geändert. Hierbei handelt es sich um Ziele, welche man entweder durch das normale Spielen erreichen kann, ober eben nach Vorgabe erreichen muss. Gerade für den Beginn können die Ziele Gold wert sein, im wahrsten Sinne des Wortes. Münzen und Packs erhält man nämlich zuhauf durch die aufgestockten Saison-Ziele in FIFA 21. Den Start in Ultimate Team hat EA somit sehr einsteigerfreundlich gestaltet.

FIFA 21 im Test: Ultimate Team wird zum Baukasten – Die Fantasie kennt keine Grenzen

Apropos Gestaltung: In FIFA 21 könnt ihr euer Stadion nun nach euren Vorstellungen anpassen. Konnte man in den Vorjahren lediglich das Gehäuse wählen, ist nun auch das Innenleben konfigurierbar. Die Optionen sind dabei sehr vielfältig. Torsong, Stadion-Thema, Fangesänge, Vereinshymne, Choreo auf Haupt- und Heimtribüne, Stadionfarbe, Sitzfarbe, ausstellbare Trophäe und sogar die Pyro-Effekte nach einem Tor kann man anpassen.

Die Features des Stadions sind ebenfalls Karten in FIFA 21. Diese kann man, genau wie die Spieler, aus Packs erhalten oder zu einem sehr erschwinglichen Preis auf dem Transfermarkt ergattern. So lassen sich teilweise die verrücktesten Kreationen fusionieren. Das Volksparkstadion mit pinken Sitzen, Real Madrid-Choreo und BVB-Torhymne. Hört sich verrückt an? Sieht auch genauso aus. Durch die ganzen Auswahlmöglichkeiten fühlt man sich wie ein Kind im Spielzeugladen. Eine schöne Idee seitens EA, dem Spieler soviel Freiraum in der Gestaltung des neuen FIFA-Zuhauses zu lassen.

FIFA 21 im Test: Euer Stadion könnt ihr nach Belieben individualisieren.

Das besondere Stadion-Gefühl kann man anders als im Real Life auch zu zweit genießen. Im neuen Koop-Modus geht es ordentlich zur Sache. Hier könnt ihr zusammen mit einem Freund sowohl die Squad Battles als auch die Divison Rivals-Ligen unsicher machen. Statt immer nur gegen einen Freund zu spielen, steht ihr nun zusammen mit ihm auf einer Spielfeldseite. Eine neue Komponente, welche für einige lustige Momente sorgt.

Um im FUT-Koop zu brillieren, muss man sich auf seinen Partner einstellen, das eigene Spielsystem anpassen und um die Fähigkeiten des Freundes adaptieren. Man hilft und kritisiert sich gegenseitig, fast wie in einer echten Fußballmannschaft. Den kompetitiven Weekend-League-Modus kann man jedoch nicht zusammen im Koop zocken. Das ist vielleicht auch ganz gut so, da hier wohl die Freundschaft stärker strapaziert werden würde als in jeder Runde Mario Kart.

FIFA 21 im Test: EA klaut bei sich selbst und haut einige Karten aus Ultimate Team raus

„Never change a running system“ – An diesen Leitsatz hat sich EA jahrelang gehalten. Die Formel von FIFA Ultimate Team war wie die Formel der Gravitationskraft. Ändert man diese, gerät die Welt aus den Fugen. Dennoch haben sich einige wagemutige Entwickler aus Vancouver getraut, das Erfolgsrezept von FIFA zu ändern und um einige Zutaten zu erleichtern. Das Experiment ist ihnen in FIFA 21 mit Bravour geglückt.

Schluss mit Fitness- und Boost-Karten. EA hat im Ultimate Team-Modus von FIFA 21 aufgeräumt. Der Ausdauer Wert der Spieler liegt nun nach jedem Spiel wieder bei 99. Somit waren die Fitness-Karten überflüssig. Auch die Boost-Karten, welche die Attribute der Spieler künstlich angehoben hatten, sind nun Geschichte. EA hat mit dieser Aktion die Gebete der Fans erhört. Die Fitness der Spieler zu pushen war nur zeitaufwendig und hat im schlimmsten Fall sogar zu einem „Fitness-Team“ geführt, welches immer als Ersatz für die erschöpften Spieler zum Einsatz kam. Boost-Karten waren schon immer unfair. Was EA sich bei diesen Karten gedacht hat, weiß wohl keiner so recht. Ersetzt wurden sie durch die eingangs erwähnten Stadion-Optionen.

FIFA 21 im Test: Grafik und Gameplay – Deja vu, I‘ve just been in this place before

Die Grafik von FIFA 20 war hübsch. Die Grafik von FIFA 21 ist ebenfalls hübsch, da sie genau dieselbe wie aus dem Vorjahr ist. Tatsächlich erkennt man grafisch so gut wie keinerlei Unterschiede. Stellt man die Grafik von FIFA 20 und 21 nebeneinander und würde sowohl Laien als auch FIFA-Experten darum bitten, die Grafik den jeweiligen Spielen zuzuordnen, wäre die Fehlerquote wohl fast so hoch wie im Passspiel vom FC Schalke 04.

„Das neue FIFA sieht genauso aus wie das Letzte“, dieses Statement stimmt in diesem Jahr. Vielleicht hätte EA diesmal den Weg einschlagen sollen, den auch Konkurrent Konami gegangen ist. Statt eines neuen Vollpreistitels veröffentlichte Konami lediglich ein Update für das bereit vorhandene Pro Evolution Soccer. Dass EA jedoch nichts an der Grafik geändert hat, ist logisch. Am 19. November erscheint FIFA 21 nämlich für die beiden Next Gen-Konsolen PS5 und Xbox Series X. Dort wird sich grafisch, dank der neuen Engine, einiges ändern. Wir testen hier jedoch nicht die Next Gen-Version, weshalb die gleichgebliebene Grafik mächtig auf die Stimmung schlägt.

Auch im Gameplay kamen uns im Test dieselben Eindrücke wie im letzten FIFA. Es ist langsamer als sonst. Dieses Gefühl beschleicht auch die restliche Community von FIFA 21. Durch etliche Patches hat sich dieses Gefühl in den letzten Jahren jedoch nach und nach aufgelöst. Damit dies in FIFA 21 nicht passiert und die Teams nicht nur aus Tempo-Granaten bestehen, hat EA weiter eingegriffen. So haben sie die Tempo-Werte von einigen Spielern stark reduziert. Die bekanntesten Beispiele sind wohl Jadon Sancho und Serge Gnabry. Ihre neuen Tempo-Werte entsprechen jedoch nicht mal ansatzweise der Realität. Auch wenn wir es gutheißen, dass EA das Tempo in FIFA 21 reduzieren möchte, war dies der falsche Weg.

FIFA 21 im Test: Die Tempo-Werte einiger Spieler gingen komplett unverdient nach unten.

Die weiteren Gameplay-Änderungen passen sich jedoch perfekt dem Spielgeschehen an. Durch das agile Dribbling kann man Verteidiger nun richtig alt aussehen lassen. Die Ballführung ist nun eine ganz andere und Spezialbewegungen lassen sich sehr viel smoother ausführen als noch in den Jahren zuvor. Wenn man sich durch mehrere Finten einen Weg in den gegnerischen 16er bahnt, fühlt man sich wie Diego Maradona bei seinem Jahrhunderttor. Natürlich sind für solche Dribblings die passenden Spieler in FIFA 21 notwendig.

FIFA 21 im Test: Durch das agile Dribbling zieht ihr elegant an Gegnern vorbei.

Auch in Sachen Positionsspiel haben die Spieler in FIFA 21 Nachhilfe bekommen. Den richtigen Riecher besitzen nun die meisten Stürmer. Sie wissen genau, wie sie sich zu positionieren haben, wenn eine Flanke oder flache Hereingabe kommt. Des Weiteren scheinen die Stürmer nun auch endlich verstanden zu haben, was Abseits ist. Anstatt blind drauf loszulaufen, achten sie gezielt auf die Position des letzten Verteidigers. Der Spielfluss erhält somit eine ganz andere Dynamik. Je weniger Unterbrechungen, desto besser.

Wer die Positionierung der Spieler lieber selbst in die Hand nehmen möchte, kann dies durch die neuen kreativen Läufe tun. Nachdem ihr einen Pass gespielt habt, könnt ihr für kurze Zeit die Kontrolle über den freien Spieler übernehmen. So könnt ihr neue Wege finden, um an den Gegnern vorbeizukommen – ebenfalls eine sehr gute Ergänzung für das Gameplay in FIFA 21.

Wenn man in FIFA ein Tor kassiert, meckert man entweder über den Torwart, die Abwehr oder EA selbst. Zumindest die zweiten Beschuldigten haben sich nun aus der Schusslinie gebracht, indem sie sich in die Schusslinie warfen. Verteidiger sollten keine Angst vor dem Ball haben und sich in jeden Zweikampf und Schuss werfen. Diese Lektion haben nun auch die virtuellen Spieler übernommen. Wer gerne einen Schuss aus der zweiten Reihe abgeben möchte, muss nun damit rechen, dass ihm ein Verteidiger zuvor kommt. Anstatt nur alibimäßig vor dem eigenen Tor herumzudümpeln, wirft sich eure Hintermannschaft nun in die Schüsse. Da sie dies automatisch tun, hat man in der Verteidigung nun eine Sorge weniger.

FIFA 21 im Test: Verteidiger werfen sich nun wirklich in jeden Ball.

FIFA 21 im Test: Karrieremodus nun detaillierter und ohne Bugs

Mit dem Karrieremodus aus FIFA 20 waren nur die Wenigsten zufrieden. Zu gering waren die Änderungen, zu hoch die Fehlerquote, was Bugs anging. Nachdem EA diese Probleme lange vor sich hingeschoben hatte, hat der Karrieremodus von FIFA 21 mehr zu bieten. Zum einen ist der Trainingsablauf nun endlich ein richtiges Spielelement. Statt seine Spieler einfach nur zum Training abzuschieben, kann man die Einheiten nun präziser steuern und ausführen. Die Trainingseinheiten werden dabei in einem wöchentlichen Terminplan festgehalten.

Auch die Entwicklung der Spieler ist nun eine andere. Nach wie vor verbessern sich Spieler durch eine gute Spiel- und Trainingsleistung, können jedoch auch auf andere Positionen umgeschult werden. Damit geht der Karrieremodus von FIFA 21 einen großen Schritt in Richtung Realität. Im Profifußball ist es Gang und Gäbe, dass Außenverteidiger beispielsweise auch auf den Flügeln eingesetzt werden.

Die wohl interessanteste Veränderung am Karrieremodus erlebte die Simulation von Spielen. Nun kann man die 90 Minuten detaillierter denn je verfolgen und bei Bedarf sogar selbst in das Geschehen eingreifen. Dies ist eine prima Ergänzung, da eine Saison im Karrieremodus teilweise sehr zäh sein kann. Die ein oder andere Simulation kann man als Spieler daher schon mal gebrauchen. Ein wenig entwickelt sich FIFA 21 also in Richtung Football Manager.

FIFA 21 im Test: FIFA Street in der Halle – Volta ist wieder dabei

FIFA 21 im Test: Volta ist dabei. Diesen Fakt werdet ihr schnell vergessen haben...

Da den Verantwortlichen von EA zwei Hauptmodi nicht reichen, ist in FIFA 21 auch wieder der Straßenfußball-Modus Volta vertreten. Das Konzept wurde aus dem Vorjahr komplett übernommen. Abgesehen von mehreren Spielvarianten wie zum Beispiel ein 4-gegen-4 mit fliegendem Torhüter, gibt es jedoch kaum nennenswerte Änderungen. Früher war es the Journey, heute ist es mit Volta der indirekte Nachfolger von FIFA Street. Irgendetwas gibt EA noch obendrauf, was vollkommen in Ordnung ist, jedoch keine Bäume ausreißt.

FIFA 21 im Test: Unser Fazit zum Fußball-Klassiker von EA

FIFA 21: Unser Testfazit – mit minimalen Änderungen zum maximalen Erfolg

FIFA 21 übernimmt sehr viel aus dessen Vorgänger. Dies ist per se nichts Schlechtes, da der neue FIFA-Ableger die guten Elemente übernimmt und mit Feinheiten versucht zu perfektionieren. Die Ergänzungen, welche EA hinzugefügt hat, fügen sich perfekt in die Spielmodi ein. Der Karrieremodus bekam nach etlichen Jahren eine längst überfällige Rundumerneuerung. Generell macht FIFA 21 den Eindruck, als wären darin viele Wünsche der Community erhört und umgesetzt worden. Wer große Grafik-Änderungen erwartet wird bitter enttäuscht. Diese könnte höchstens die Next Gen-Version liefern. Alle FIFA-Fans sollten allerdings zugreifen. FIFA 21 macht so einiges richtig, was die Vorgänger vergeigt haben und besitzt durch den Koop-Modus eine ganz neue Perspektive auf das Geschehen. Auch für Neueinsteiger wäre FIFA 21 das ideale erste Spiel in der Reihe.

ProCon
+ Der Ultimate Team-Modus erhielt einige sinnvolle Ergänzungen– Keine grafischen Unterschiede zum Vorgänger
+ Der Koop-Modus lässt euch nun zu zweit auf dem Rasen antreten– Der Volta-Modus scheint nur noch ein Mitbringsel zu sein
+ Eine Saison im Karrieremodus macht dank der Simulation und dem neuen Trainings-Systems wieder richtig Laune– Misslungene Ratings
+ Eure Spieler lesen das Spiel nun besser als euer Laufwerk
+ Der etwas langsamere Spieltempo sorgt für schon Kreationen aus dem Mittelfeld heraus
+ Ein Stadion-Baukasten in welchen man sich mächtig austoben kann

Jetzt seid ihr gefragt! Wie hat euch FIFA 21 bislang gefallen? Konnte der mittlerweile 26. Ableger der FIFA-Reihe eure Erwartungen erfüllen oder habt ihr euch am virtuellen Rasen und den glitzernden Sammelkarten bereits sattgesehen? Verratet uns eure ganz persönliche Testwertung zum Spiel!

Rubriklistenbild: © EA Sports

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