Mammut-Rollenspiel

Final Fantasy 7 Remake im Test: Warum wir wirklich mehr wollen!

  • Marco Kruse
    vonMarco Kruse
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Auf ein Remake von Final Fantasy 7 mussten wir lange warten. Der Test vom Final Fantasy 7 Remake zeigt genau warum wir noch mehr wollen.

  • Das Final Fantasy 7 Remake erscheint am 10. April 2020 exklusiv für die PS4.
  • Entwickler Square Enix krempelt das Original um und setzt auf Grafikpower mit neuen spielerischen Stärken.
  • Unser Test zeigt, ob das Rollenspiel auch nach 23 Jahren noch überzeugt.

Tokio, Japan – Gamer müssen vor allem eins besitzen: Logisches Denkvermögen. Wenden wir dies auf die Entwicklung eines Highend-Games an, könnte eine einfache Formel für Erfolg lauten: Ein absoluter Klassiker der Rollenspielbranche, gepaart mit hochwertiger Grafik und neuen, tiefgehenden Inhalten dank erhöhter Spielgröße. Heraus kommt dann ein neuerliches Meisterwerk. So oder so ähnlich muss es sich Square Enix gedacht haben, als sie mit den Arbeiten am Final Fantasy 7 Remake begonnen haben. Im Test zeigen wir, ob die Erfolgsformel aufgeht.

Final Fantasy 7 Remake im Test: Kleine Geschichtsstunde

Bereits 1997 ist das ursprüngliche Final Fantasy 7 für die erste Sony PlayStation erschienen. Für die damaligen technischen Standards war es ein Meisterwerk. Die Grafik war herausragend für seine Zeit und die tiefgreifende Story mit überraschenden Wendungen verblüffte noch den letzten Kritiker. Auch der Soundtrack und allem voran das innovative Gameplay waren ebenfalls ausschlaggebend für die guten Wertungen, die Square Enix damals einheimsen könnte. Doch schon früher hatten die Entwickler um Yoshinori Kitase mehr im Sinn.

Final Fantasy 7 Remake: Endlich erstrahlen Cloud Strife und sein Buster Schwert im neuen Glanz.

Die Entwickler von Square Enix ließen sich Zeit. Sie wollten das perfekte Erlebnis mit der Neuauflage von Final Fantasy 7 schaffen. Um dies umzusetzen, haben sie gewartet, bis der technische Fortschritt den eigenen Ansprüchen genügte. Über 20 Jahre mussten Fans letztendlich warten. Aber nun ist es endlich da, das Final Fantasy 7 Remake.

Final Fantasy 7 (Square Enix): Die Mako-Stadt Midgar

Vor dem Release hat Square Enix schon eine Vielzahl an Screenshots und Trailers veröffentlicht, die vor allem aus grafischer Sicht sehr viel versprochen haben. Einer dieser Trailer beinhaltete auch das komplette Intro des Final Fantasy 7 Remake, mit dem ihr in das Abenteuer in der Stadt Midgar hineingesogen werdet. Nahtlos geht es direkt ins Geschehen über und ihr findet euch in der Rolle des Ex-SOLDATEN Cloud Strife, der als Söldner der Rebellengruppe Avalanche um Anfüher Barret Wallace bei einem Anschlag auf einen Mako-Reaktor der Shinra-Company behilflich ist. Aber nur gegen Bezahlung versteht sich. Warum die Gruppe dies tut und was es mit den Mako auf sich hat, erfahrt ihr im Laufe des Spiels.

Final Fantasy 7 Remake: In der Mako-Stadt Midgar ist die Hölle los – ihr seid mittendrin.

Soweit dürfte die Story allen Fans noch in Erinnerung sein. Und auch alle Neu-Interessierten konnten dies schon einmal in der vorab erschienenen Demoversion erleben. Von da an nimmt die Story allerdings Fahrt auf und es kommen neue Aspekte hinzu. Vermeintliche Nebencharaktere wie die Avalanche-Mitglieder Biggs, Jessy und Wedge erhalten mehr Ausdruck und eigene Hintergrund-Stories. Aber auch die bisherigen Hauptfiguren Tifa Lockhart und Aerith Gainsborough bekommen ihre ganz eigenen Abschnitte, in denen das Band zu Cloud gefestigt wird.

Wer jetzt an das Original denkt und überlegt, dass sie dort schon etliche Stunden in das Spiel gesteckt haben, könnte sich fragen, was für einen gigantischen Umfang denn das Final Fantasy 7 Remake hat, wenn noch neue Inhalte hinzukommen. Aus diesem Grund hat Square Enix die Neuaufmachung in mehrere Episoden unterteilt.

Zunächst sorgt so eine Ankündigung bei den Fans immer für Zweifel. Square Enix versprach aber von vornherein, dass jede Episode ein eigenes, vollwertiges Spiel sein werde. Und stellen  außerdem bis zu 100 Stunden Spielspaß pro Ausgabe in Aussicht. Aussagen, welche die Erwartungshaltung der Fans nicht gerade herunterschrauben. Aber schon die ersten paar Stunden lassen das Fan-Herz höherschlagen. Nicht nur die wunderschöne Grafik hat sich aus all den vorab veröffentlichten Materialien bestätigt, auch die neuen Inhalte passen nahtlos in das Geschehen und geben der vorher schon überwältigenden Geschichte noch mehr Kontur und Breite.

Final Fantasy 7 Remake: Alles wie vorher? Denkste!

Die größte Veränderung hat es mit dem Final Fantasy 7 Remake wohl im Kampfsystem gegeben. Punktete das Original mit einem innovativen, zeitbasiertem Aktionssystem im Rundenformat, ist das Remake deutlich dynamischer und action-basierter. Nichtsdestotrotz gibt es auch eine Aufladungs-Komponente, die euch das Verwenden von speziellen Fähigkeiten und Magie erlaubt. Diese ATB-Leiste (Active Time Battle) lädt sich mit der Zeit von alleine auf oder durch Angriffe. Zwischen den Charakteren eurer Party könnt ihr jederzeit hin- und herwechseln, aber auch aus der Ferne ihre Aktionen bestimmen, sobald sich die ATB-Leiste gefüllt hat. Dadurch lässt sich im Kampf taktisch viel anstellen, was ihr im weiteren Verlauf des Spiels auch verinnerlichen müsst, um eine Chance gegen die stärker werdenden Gegner zu haben.

Final Fantasy 7 Remake: Das Kampfsystem ist grundsaniert und gut wie nie zuvor.

Gleichzeitig stellt euch Square Enix aber recht frühzeitig eine neue Rollenspiel-Komponente des Remake vor, nämlich die Waffenmodifikation. Eure Waffen lassen sich also nicht mehr nur mit Materia ausstatten, die für Zauber und andere Vorteile sorgen. Ab sofort könnt ihr eure Waffen auch skillen. Ein aktives Skillsystem gibt es in Final Fantasy, abgesehen von der Materia, zwar nicht wirklich. Durch die Waffenmods, die sich immer wieder auf bestimmte Art und Weise zurücksetzen lassen, könnt ihr eure Charaktere unterschiedlich aufbauen und im Laufe der Geschichte verschiedene Schwerpunkte setzen.

Final Fantasy 7 sorgt für fließende Übergänge. Oder doch nicht?

Grafisch ist dasFinal Fantasy 7 Remake ein absoluter Hingucker. Von Videosequenzen zum Spielgeschehen gibt es keine Abstufungen in der Darstellung und ihr kommt zu jeder Zeit in den vollen Genuss von atemberaubenden Texturen. Nur an einigen wenigen Stellen scheint Entwickler Square Enix der Fokus eher auf den Moment als auf das große Ganze gelegen zu haben und weit entfernte Dinge wirken etwas schwammig. Dies drückt das Spielgefühl aber in keinster Weise. Und auch die Übergänge zwischen Dialogszenen und sequenzierte Bewegungen, wie dem Öffnen von Truhen, ist fließend. Aber da wären wir gleichzeitig auch bei einer Sache, die nicht so gut gelungen ist.

Final Fantasy 7 Remake: Die Grenzen zwischen Gameplay und Zwischensequenzen sind herrlich fließend.

Während das Kampfsystem wirklich stark ist und mit viel Dynamik punktet, wirkt der einfache Erkundungsmodus sehr steif und unflexibel. Abgesehen von Gehen und Laufen könnt ihr nichts weiter machen. Kein Springen, kein Ducken, kein Balancieren, kein irgendwas. All diese Bewegungen sind sequenziert und ihr dürft lediglich den Joystick in die vorgesehene Richtung drücken. Auch Quicktime-Events oder ähnliches, die das Ganze etwas aufregender machen, sucht ihr im Final Fantasy 7 Remake vergeblich. Anfangs ist dies vielleicht noch zu akzeptieren, wird aber im Laufe des Spiels, wenn ihr einige Stellen mehrmals passieren müsst, immer nerviger. Und vor allem erwarten wir von einem ausgebildetem Elite-SOLDATEN, dass er einen zwei Meter tiefen „Abhang“ auch einfach runterspringen kann und dafür keine Leiter benötigt.

Aber so ist es nun mal und so wird das Final Fantasy 7 Remake gespielt. Dadurch werden einige Passagen im Spiel vielleicht auch etwas gestreckt, sodass das allgemeine Tempo des Spiels variiert. Hinzu kommen aber noch einige Kamera-Locks, die meistens auf eine weitere Sequenz hindeuten, zu der ihr dann aber nach einem Vollsprint nur regelrecht hinschleichen könnt. Dies sorgt dann auch schon das ein oder andere Mal für ein wenig Frust. Diese harten Gameplay-Cuts hätte Square Enix ruhig etwas eleganter bewerkstelligen können. Gerade, weil diese Episode des Remakes auf dem Original basiert und daher sehr linear in puncto Geschichte und Vorgehensweise ist. Dafür gibt es allerdings so gut wie keine Ladebildschirme, die euch aufhalten.

Final Fantasy 7 Remake: Sucht euch eine Sprache aus

Die deutsche Sprachausgabe kommt den Final Fantasy 7 Remake gerade gelegen.

Auch eine feine Sache am Final Fantasy 7 Remake ist die komplette deutsche Sprachausgabe. Das Remake ist vollständig synchronisiert und das auch auf eine überzeugende Art und Weise. Sicherlich sind die japanischen und englischen Sprecher immer noch eine Sache für sich, dennoch kann sich das Spiel auch in unserer Muttersprache hören lassen. Zusätzlich wird das epische Abenteuer noch mit einer fantastischen Musik unterlegt, die in ihrer Qualität fast schon ihresgleichen sucht. Auch die Soundeffekte passen auf den Punkt genau und untermalen unsere Eindrücke. Im wahrsten Sinne des Wortes liefert Square Enix mit dem Final Fantasy 7 Remake also ganz großes Kino.

Was wir dahingegen nach unserem ersten, vollständigen Playthrough noch nicht wissen, ist die Sache mit dem maximalem Level. Die Entwickler haben an verschiedenen Stellen im Spiel für praktische Gegebenheiten zum Grinden gesorgt, sodass ihr nicht immer wieder zwischen den Slums von Sektor 7 und Sektor 5 hin- und herlaufen müsst. Dennoch lies sich das Final Fantasy 7 Remake auch ohne das harte Leveln nach knapp 40 Stunden beenden, wenngleich einige Kämpfe ziemlich herausfordernd waren. 

Ob ihr aber das Ende auf Level 100 erreichen könnt und was das für die nachfolgenden Episoden bedeutet, können wir an dieser Stelle leider nicht sagen. Wenn ihr euch zudem noch mit den vielen, durchaus abwechslungsreichen Minispielen des Final Fantasy 7 Remake aufhaltet und wirklich alle Collectables sammelt, kommt ihr den versprochenen 100 Spielstunden sicherlich etwas näher. Im höheren Schwierigkeitsgrad, der nach dem ersten Beenden verfügbar ist, lässt sich sicherlich noch einiges mehr anstellen. Aber nicht jeder ist ein Befürworter dieser ganzen Spielereien und könnte nach knapp 30 Stunden bis zum Ende etwas enttäuscht sein.

Final Fantasy 7 Remake Erfolgsrezept: Viel Liebe zum Detail

Eine große Stärke des Final Fantasy 7 Remake: Die dynamischen Dialoge in Midgar.

Was unser Herz so richtig erobert hat, sind aber die kleinen Dinge des Spiels. Eure Charaktere passen sich äußerlich nicht nur durch ihre Ausrüstung und Waffen an. Auch diese Gegenstände zeigen ihre Materia offen zur Schau, was immer wieder ein Hingucker ist. Die eingeführten Nebenquests, die ihr zwischendurch erledigen könnt, wirken sich auch auf die Dialoge unter den Bewohnern von Midgar aus und so passen sich die Gespräche mit NPCs immer eurem Ruf in der Gemeinschaft an. 

All diese Kleinigkeiten bewirken eine noch stärkere Bindung zu den Charakteren und zur Geschichte des Final Fantasy 7 Remake. Dadurch schafft es Square Enix, auch nach so langer Zeit noch einmal, uns in den Bann der Geschichte zu ziehen.

Final Fantasy 7 Remake: Testfazit zur immersiven Neuauflage

Final Fantasy 7 Remake im Test: Noch immersiver als das Original.

Durch die vertiefte Story, durch neue Hintergründe zu vermeintlichen Nebencharakteren, durch eine wunderschöne Grafik, bezaubernder Musik und einer erstklassigen Sprachausgabe ist das Final Fantasy 7 Remake noch immersiver, als es das Original vor über 20 Jahren bereits geschafft hat. Das Kampfsystem ist dynamisch und abwechslungsreich, aber vor allem fordernd, was für reichlich Spielspaß sorgt. Leider kann das Gameplay aber auf weiter Strecke nicht großartig punkten und einige Abschnitte ziehen sich unnötig in die Länge. Dennoch bekommt das Remake eine klare Kaufempfehlung für Fans und solche, die es noch werden wollen. Das Final Fantasy 7 Remake ist genau in diesen Zeiten die richtige Mischung aus Serie zum Anschauen und Videospiel mit aktiver Beteiligung.

Pros

Cons

+ Wunderschöne Grafik

- Sehr linear

+ Tiefgreifende Story

- Kamera- und Bewegungs-Locks

+ Sehr gute Integration neuer Inhalte

- Sequenzierte Bewegungen

+ Super Soundtrack

- Keine 100 Spielstunden nötig

+ Deutsche Sprachausgabe

+ Dynamisches Kampfsystem

+ Waffen-Mods für untersch. Skillung

+ Detailreichtum

+ Kaum Ladebildschirme

Jetzt seid ihr gefragt! Wie gut gefällt euch das Final Fantasy 7 Remake? Haut eure ganz persönliche Testwertung zum Spiel in die Umfrage!

pl

Rubriklistenbild: © Square Enix

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