Zooooomies!

Forza Horizon 5 im Test: Pure Lebensfreude bei 380km/h

  • Joost Rademacher
    VonJoost Rademacher
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Sonnige Strände, antike Tempel, fette Sportwagen – Forza Horizon 5 entführt uns ins sonnige Mexiko. Kann das Rennspiel seinen genialen Vorgänger nochmal überbieten?

Hamburg – Wenn man Videospiele beruflich spielt, fängt man unweigerlich an, sie auf eine andere Weise zu betrachten. Der unreflektierte Blickwinkel des genüsslichen Zockens verschwindet. In jedem Moment hinterfragt man als Kritiker:in die Qualitäten des Spiels und muss die Schwächen hervorheben, sowas ist einfach Teil des Jobs. Forza Horizon 5 macht einem diese objektive Position extrem schwer. Der neue PS-Spielplatz von Playground Games versprüht Charme und Lebensfreude in einem Ausmaß, dem ich mich im Test nur mit Mühe entziehen konnte.

Name des SpielsForza Horizon 5
Release05. November 2021
HerausgeberMicrosoft Game Studios
EntwicklerPlayground Games
PlattformXbox Series X|S, Xbox One, PC
GenreRennspiel, Open World

Forza Horizon 5 im Test: Ein Rennspiel kommt weder zu spät, noch kommt es zu früh

Playground Games hatte nach Forza Horizon 4 extrem hohe Erwartungen zu erfüllen. Der letzte Teil der Forza-Spinoffs mit Arcade-Flair und offener Welt verbesserte die Erfahrung an nahezu allen Fronten und galt seinerzeit als eines der besten Rennspiele der letzten Jahre. Das England von Teil 4 glänzte mit seinen regelmäßig wechselnden Jahreszeiten und bot genug Inhalt, um seine Fans mindestens drei Jahre lang befriedigt zu halten. Diese drei Jahre sind jetzt aber vorbei. Perfektes Timing, um mit Forza Horizon 5 neues Futter zu liefern.

Der Zeitpunkt für den Release von Forza Horizon 5 könnte kaum besser sein. Playground Games hat im März mit dem Release des Vorgängers auf Steam eine ganz neue Fanbase erreicht, die jetzt schon heiß auf den Nachfolger sind. Nebenbei feiert die Xbox Series X bald ihren ersten Geburtstag und Fans der Konsole lechzen nach großen Exklusivtiteln, die die Konsole mal so richtig ausreizen. Und wow, Forza Horizon 5 nutzt die Power der Konsole ab der ersten Minute in vollen Zügen – und Helikoptern.

Forza Horizon 5 im Test: So richtig hübsch, so richtig spektakulär

Dieses Mal zieht es das namensgebende Horizon-Festival ins sonnige Mexiko. Euer Charakter ist praktisch derselbe wie im vierten Teil, hat also schon in England mit wahnsinnigen Rennskills Wellen geschlagen und sich einen Namen als ‚Superstar‘ erarbeitet. Als eben solcher gebührt euch in Forza Horizon 5 die Ehre, das Festival mit einem Eröffnungsrennen einzuläuten und aus Hubschraubern über Vulkanen, Wüsten und Dschungeln abgeworfen zu werden. Es ist der gleiche Trick, den Playground Games im Vorgänger gebracht hat, aber aus gutem Grund. Dieses Eröffnungsrennen hat eine Anziehungskraft, die einen nicht loslässt.

Forza Horizon 5: Schöner sind Rennspiele nie gewesen

Das liegt zunächst an einer der offensichtlichsten Stärken von Forza Horizon 5 – es ist zum Niederknien hübsch. Zwischen wahnsinnig detaillierten, dynamischen Wettereffekten, fotorealistischen Automodellen und einem knallbunten, abwechslungsreichen Mexiko gibt es nicht einen Moment, in dem das Spiel auch nur ansatzweise durchschnittlich aussieht.

Noch dazu läuft Forza Horizon 5 auf der Xbox Series X im Performance-Modus bei 60 FPS, wobei die Einbußen in der grafischen Qualität marginal sind und im unmittelbaren Gameplay praktisch nicht auffallen. Tatsächlich gefällt mir der Performance-Modus in praktisch allen Belangen besser, die Bewegungsunschärfe ist im Qualitäts-Modus teilweise dann doch etwas arg und die Steuerung fühlt sich bei 30 FPS einfach weniger direkt und reaktionsschnell an. Trotzdem soll gesagt sein, dass dieses Spiel rein technisch eine Meisterleistung ist und wahrscheinlich zum Schönsten gehört, was man sich derzeit an Videospielen auf die Netzhaut brennen kann.

Forza Horizon 5 im Test: Ein bisschen was von allem, die ganze Zeit

Sobald das Festival eröffnet ist und ihr die ersten – etwas überdrehten und KrAsS HiPpEn – Gespräche mit euren Festival-Ansprechpartner:innen überstanden habt, lässt Forza Horizon 5 euch so richtig von der Leine. Mit einer sehr guten Startaufstellung aus drei verschiedenen Autos dürft ihr in freier Wahl die Rennmodi und Aktivitäten kennenlernen, die aus früheren Teilen der Reihe wohlbekannt sind. Wieder werdet ihr Straßen-, Dirt- und Querfeldein-Rennen verschiedenster Couleur bestreiten und bei unterschiedlichen Aktivitäten, wie Blitzerzonen oder Gefahrenschildern die offene Welt unsicher machen.

Forza Horizon 5: Langeweile? Nicht mit mir!

Zum Glück kleistert Playground Games eure Map nicht mehr in den ersten drei Stunden mit unzähligen Rennveranstaltungen zu, wie es noch in Teil 4 der Fall war. Stattdessen könnt ihr in Forza Horizon 5 dank des neuen, etwas aufgeräumten Ablaufs der Kampagne selbst entscheiden, wann ihr welche Aktivitäten eurer To Do-Liste hinzufügt.

Für jeden Renntypen gibt es eine eigene Kategorie in der Kampagne, die ihr freischalten könnt, sobald ihr genug Erfahrungspunkte gesammelt habt. Ob ihr querbeet alle Renntypen durcheinander spielt oder lieber eine Kategorie nach der anderen abarbeitet, bleibt euch komplett selbst überlassen. Damit gibt Forza Horizon 5 ein Gefühl von Kontrolle über das Geschehen, das im Vorgänger oft verloren gegangen ist. Zuletzt winken für jeden Zweig der Kampagne auch wieder die guten alten Schaurennen, die inzwischen zwar nicht mehr groß überraschen, aber gewohnt bombastisch daherkommen.

Forza Horizon 5: Die Schaurennen sind gewohnt spektakulär

Im Laufe der Kampagne von Forza Horizon 5 schaltet ihr auch wieder kleinere und größere Horizon Storys frei, in denen ihr separate Einzelkampagnen bestreiten dürft. Diese winken zwar oft mit dicken Belohnungen in Form von neuen Autos und bringen gute Erfahrungspunkte, aber im Gegensatz zu den tatsächlichen Rennveranstaltungen sind die hier vorhandenen Aufgaben häufiger etwas halbgar. Einige Kapitel der Storys dauern nicht einmal eine Minute, sind zu einfach und fühlen sich in der Folge irgendwie unausgegoren an.

Forza Horizon 5 im Test: Am Asphalt kleben, auch im 8. Gang

Zum Glück machen die Horizon Storys aber nur einen Bruchteil der Gesamterfahrung von Forza Horizon 5 aus. Hauptsächlich geht es immer noch um eine Sache und eine Sache allein: Fette Autos möglichst schnell, stylisch und waghalsig über die Straßen von Mexiko zu jagen. Da will ich jetzt gar nicht groß um den heißen Brei herumtanzen, Forza Horizon 5 spielt sich fantastisch.

So eine Aussage überrascht jetzt wohl kaum noch jemanden. Die Fahrphysik und die Präsentation der Rennen hat Playground Games immerhin seit mindestens zwei Iterationen von Forza Horizon im Griff und daran ändert sich auch in Teil 5 wenig. Wer aber Erfahrung mit der Reihe hat, dürfte die kleinen Änderungen am Handling zweifellos bemerken. Die Autos reagieren ein ganzes Stück direkter und präziser auf eure Eingaben und sind wesentlich gnädiger mit kleineren Korrekturen geworden, auch der stärkere Abtrieb einiger Hochleistungskarren ist definitiv spürbar.

Forza Horizon 5: Egal ob Sonne, Wind oder Regen – Die Ideallinie sitzt

Wie gesagt, es sind kleine Veränderungen, die Playground Games am Handling von Forza Horizon 5 vorgenommen hat. In der Praxis fühlt sich das Spiel so aber nochmals zugänglicher an als früher, ohne zu sehr in seine Arcade-Einschläge abzudriften. Vor allem ist das Geschwindigkeitsgefühl dieses Mal richtig mächtig und Geschwindigkeiten über 300 km/h fühlen sich angemessen halsbrecherisch an. Bei ausgeschalteten Fahrhilfen bleibt für Simulations-Fans aber weiter eine Menge Realismus erhalten. Da muss sich also niemand sorgen, dass Forza Horizon 5 jetzt zu ‚casual‘ geworden ist.

Forza Horizon 5 im Test: Autos und Rennen bis alle Nähte platzen

Um die neue Steuerung in Fleisch und Blut übergehen zu lassen werdet ihr auch reichlich Zeit haben. Der Umfang aller Rennserien, Nebenaktivitäten und Storys von Forza Horizon 5 ist enorm und dürfte euch stundenlang bei der Stange halten. Wenn ihr diese unzähligen Events irgendwann abgeschlossen haben solltet, wäre das aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Zusätzlich wartet im Anschluss noch das Event Lab auf euch, in dem ihr eure eigenen Rennen basteln und teilen könnt und ihr könnt mit wöchentlichen Playlists neue Autos freischalten – und davon gibt es mehr als nur eine Handvoll.

Schon zum Release stellt Forza Horizon 5 euch mehr als 526 Autos zur Seite. Von Oldtimer-Limousinen bis zum 2020er Koenigsegg Jesko ist hier so ziemlich alles vertreten, was ihr euch an fahrbaren Untersätzen nur wünschen könntet. Einige Modelle davon könnte man als Füllmaterial sehen, aber für Sammlerinnen und Sammler bietet Horizon 5 das wahre Auto-El Dorado. Besonders lädt es immer wieder ein, neue Autos auszuprobieren und so lange mit den unzähligen Tuning-Möglichkeiten aufzumotzen, bis sie perfekt auf den eigenen Fahrstil passen.

Forza Horizon 5: Diese Corvette ist schnell, aber noch nicht schnell genug!

Auf Dauer wäre es aber ganz schön einsam, so viel Content völlig alleine zu spielen. Zum Glück könnt ihr, wie in früheren Teilen, so ziemlich alle Inhalte von Forza Horizon 5 gemeinsam oder gegeneinander mit euren Freund:innen spielen. Der Onlinemodus des Spiels ist praktisch allumfassend, nur gab es kleinere Verbindungsprobleme zum Start des Spiels, die hoffentlich bald gefixt werden. Das einzige, was wohl nicht zu fixen ist, ist wohl das Ausbleiben größerer Innovationen im Gegensatz zum Vorgänger.

Vieles von dem, was Forza Horizon 5 macht, hat man in Teil 4 schon in ersten Versuchen gesehen. Von der Horizon Arcade über die einzelnen Jahreszeiten, die sich in Mexiko nicht einmal allzu stark unterscheiden, wagt Playground Games dieses Mal nicht allzu viel wirklich Neues. Das ist aber Meckern auf äußerst, ÄUßERST hohem Niveau – denn was sich an Inhalten, Technik und Gameplay in Forza Horizon 5 findet, ist in einem so polierten, so perfekten Zustand, dass es einen in einer Tour staunen lässt.

Forza Horizon 5 im Test: Unser Fazit zum Rennspiel der Superlative

Forza Horizon 5: Unsere Wertung zur Tropenraserei

Playground Games wusste genau, was es mit Forza Horizon 5 machen wollte. Nach vier Spielen hat das Team offenbar sämtliche geplante Konzepte und Ideen ins Spiel eingebracht und konnte jetzt den neuen Teil nutzen, um fast jeden einzelnen Aspekt des Arcade-Rennspiels auf die Spitze zu treiben. Forza Horizon 5 ist eine Augenweide in jeder Hinsicht, spielt sich so gut wie noch nie und die schiere Menge an Content macht aus dem Spiel scheinbar ein Fass ohne Boden. Lediglich mit völlig neuen Ansätzen hält das Spiel sich etwas zurück.

Ich muss zugeben, in der Testphase hat Forza Horizon 5 mich komplett eingenommen. Wenn ich es nicht gespielt habe, konnte ich nur daran denken, das Pad wieder in die Hand zu nehmen. Wenn ich dann wieder mit 400 Sachen durch die Weiten Mexikos ballern konnte, vergaß ich beizeiten, dass ich überhaupt einen Test dazu schreiben sollte. Irgendwann habe ich dann nur noch losgelassen und angefangen, das Spiel einfach zu genießen. Und genau das ist, was wirklich gute Spiele mit einem machen sollten. Playground Games hat – schon wieder – eins der besten Rennspiele seiner Art geschaffen.

ProCon
+ Wunderschöne offene Welt mit abwechslungsreichen Arealen - Horizon Story-Missionen beizeiten etwas halbgar
+ Technisch eine Meisterleistung- Etwas wenig Innovation gegenüber dem Vorgänger
+ Durch verbesserte Fahrphysik so zugänglich wie noch nie- Zum Start gelegentliche Probleme beim Online-Service
+ Gigantischer Fuhrpark aus über 526 Autos- Nebencharaktere mit etwas unbeholfenen Dialogen
+ Detaillierte Tuningoptionen und visuelle Anpassung
+ Mehr Übersicht mit aufgeräumter Kampagne
+ Event Lab bietet praktisch unendliche neue Rennen
+ Langzeitmotivation ohne Ende

Rubriklistenbild: © Playground Games

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