Greedfall in der Vorschau: Fantasy-Rollenspiel mit Zukunft?

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Mehr als drei Jahre ist Greedfall, das neue Projekt der französischen Spiders Studios, schon in der Mache und so langsam lichtet sich der Nebel um das vielversprechende Fantasy-Rollenspiel. Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr einen ersten Blick auf Atmosphäre und Story des Epos werfen durften, sind wir erneut für euch nach Paris getourt, um endlich herauszufinden wie genau sich das Ganze denn nun eigentlich spielt.

Hände runter - Hier gibt es nicht zu zocken!

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Am Anfang unserer Session mit den Jungs und Mädels von Spiders steht jedoch zunächst einmal Ernüchterung. Den Controller selbst in die Hand nehmen durften wir nämlich auch dieses Mal nicht. Stattdessen erwartete uns eine rund 1-stündige Demo, in der wir einem der Entwickler beim Durchqueren der Welt von Greedfall über die Schulter schauen. Trotzdem können wir uns nun ein ganz gutes Bild davon machen, was uns spielerisch im Frankreich des 17. Jahrhunderts erwartet.

Die großen Worte zur Geschichte blieben dieses Mal aus. Einzig und allein die Tatsache, dass uns ein episches Abenteuer bevorsteht, scheint wichtig. Als männlicher oder weiblicher Protagonist und Emporkömmling einer reichen Aristokratenfamilie stürzen wir uns also in eine Welt, die zunächst recht vertraut scheint. In einer der eindrucksvollen, wenn auch noch recht unbelebten Städte der semi-offenen Spielwelt demonstrieren uns die Entwickler, dass Rollenspiel ganz oben auf ihrer To-Do-Liste steht.

Vielfältige französische Questligkeiten

Eine der ersten Quests im Spiel verschlägt uns in ein heruntergekommenes Hafenviertel, wo die örtliche Schlägertruppe unseren liebenswürdigen, aber recht provokanten Cousin gefangen hält. In guter alter RPG-Manier gibt uns Greedfall nun eine ganze Reihe an Möglichkeiten, den Pechvogel aus seiner misslichen Lage zu befreien. Nicht jede davon bringt allerdings das gewünschte Ergebnis. Das recht simple Quest-System schlägt euch keinen festgelegten Lösungsweg vor und lässt euch somit alle Freiheiten, die ein gutes Rollenspiel ausmachen.

Sanfte Worte und gekonntes Verhandeln gehören zur harmlosen Kategorie, flammende Sabotage und offener Kampf ziehen blutige Konsequenzen nach sich. Entscheidungen sind ein Kernelement des Spiels und sollen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte nehmen. Um Ärger in der Stadt zu vermeiden, entschließen sich die Entwickler dazu, die Banditen zu bezahlen und Cousin Constantin kommt in Windeseile wieder frei - Der Auftakt für eine Reise ins Ungewisse.

STOP! Hammerzeit!

Die Geschichte von Greedfall spielt nämlich zur Zeit kollektiven Aufbruchs in Frankreich: Der Kolonialzeit. Die Welt will erobert werden und Constantin ist als Pionier ganz vorne mit dabei. Unser Held fungiert dabei zunächst nur als Bodyguard. Bevor die beiden aber das nächste Schiff besteigen und zu einer noch unerforschten Vulkaninsel namens Teer Fradee aufbrechen können, dürfen wir noch den ersten großen Kampf des Spiels miterleben. In unserer letzten Vorschau träumten wir noch davon, endlich einer der großen Bestien des Spiels gegenüberzustehen. Dieser Traum wird an der Kaimauer blutige Realität.

Aus einem der Schiffsrümpfe bricht kurzerhand ein gigantisches Monstrum hervor, das zunächst stark an eine der Kreaturen aus der Feder von Witcher-Vater Andrzej Sapkowski erinnert - ein uraltes Baumwesen mit Geweih und todbringenden Klauen. Ein epischer Kampf zwischen uns und der Bestie entbrennt - zumindest so lange, bis der Bildschirm einfriert. Schnell wird uns klar: Hier blicken wir nicht auf Performance-Probleme, sondern eines der wichtigsten Features, das die Kämpfe in Greedfall definiert: Die Pause-Funktion.

Was Rollenspieler wollen

Das Spiel lässt euch die Wahl, ob ihr euch lieber in schnellen Echtzeit-Schlachten mit euren Gegnern anlegt oder zwischenzeitlich das Geschehen einfriert, um manuell Ziele festzulegen und die Ruhe zu bewahren. Anders als beispielsweise im großen Dragon Age zwingen euch die Entwickler jedoch nicht einen der beiden Wege auf, sondern lassen euch jederzeit die Wahl. In hektischen Auseinandersetzungen gegen viele Widersacher kann ein gut getimter Druck auf den Stop-Knopf Leben retten.

In Kombination mit recht umfangreichen Skillbäumen, einem variablen Schwierigkeitsgrad, der sowohl gekonntes Ausweichen als auch Blocken belohnt und 200 verschiedenen Rüstungen, Talenten sowie vielfältigen Gegnertypen lässt sich schon jetzt mit Fug und Recht behaupten: Greedfall weiß, was Rollenspieler wollen. Fraglich bleibt nur, ob sich das letzten Endes auch im Umfang widerspiegelt, denn in der Vergangenheit krankten die Spiele von Spiders nicht selten an Content-Mangel. Auf Nachfrage sprechen die Entwickler von satten 60 Stunden Spielzeit, 35 davon allein in der Hauptgeschichte.

Zwischen den Fronten

Kämpfe tragt ihr jedoch nicht allein gegen die natürlichen Feinde der kolonialisierten Inseln aus. Auch die menschlichen Bewohner stehen mit den zivilisierten Eindringlingen auf Kriegsfuß. Der Zwiespalt zwischen Natur und Technik, Glaube und Unglaube sowie Tradition und Fortschritt stellt ganz klar das größte Konfliktpotenzial in Greedfall dar. Hier kommen auch die zahlreichen Fraktionen ins Spiel, die euch im Spielverlauf begegnen. Jede davon verfügt über ganz eigene Wertevorstellungen und Umgangsformen.

Während ihr bei den Wissenschaftlern der Bridge Island vielleicht mit diplomatischem Geschickt weiterkommt, geht es bei den Ureinwohnern der neu erschlossenen Inseln unter Umständen etwas ruppiger zu. Was wir bislang von Greedfall gesehen haben, lässt auf tiefschürfende Charakterzeichnung und unvergessliche Begegnungen schließen. Mit wem ihr euch umgebt spielt nämlich eine ebenso große Rolle wie euer eigenes Verhalten. Bis zu fünf Begleiter sollt ihr um euch scharen können, die nicht nur im Kampf eine große Hilfe sind, sondern auch mit anderen nützlichen Fähigkeiten aufwarten.

Kann sich sehen lassen

Habt ihr beispielsweise eine Ureinwohnerin im Schlepptau, die sowohl die Sprache der Indigenen als auch der Imperialisten spricht, verschafft euch das im diplomatischen Alltag enorme Vorteile. Allerdings müsst ihr auch damit rechnen, dass ihr mit einer "Wilden" als Begleitung gar nicht erst eine der größeren Städte der Insel betreten dürft. In ansprechend geschriebenen Dialogen mit gelungener Vertonung erfahrt ihr, welche Konsequenzen eurer Handlungen haben, sodass wir uns nicht nur auf die Kämpfe, sondern auch die einzigartige Geschichte von Greedfall freuen.

Als Bonus obendrauf gibt es grafische Pracht, die für ein vergleichsweise kleines Studio wie Spiders (40 Entwickler) durchaus mit der AAA-Klasse mithalten kann. Nicht nur die Zwischensequenzen punkten mit wuchtiger Bildsprache, auch die Landschaften der fremden Insel können sich sehen lassen. Zwei Wermutstropfen gibt es dennoch: An Gesichtsanimationen und Sounddesign muss noch gewerkelt werden. Wenn wir im wuseligen Stadtleben nicht mehr hören als unsere eigenen Schritte und dazu noch in scheinbar Kaugummi-zermalmende Gesichter schauen müssen, dann landet die Atmosphäre gern mal im Keller.

Greedfall erscheint 2019 für PC, PlayStation 4 und Xbox One

Fazit

Auch wenn wir nach einem Jahr Wartezeit noch immer nicht selbst in Greedfall reinzocken durften: Mehr denn je sind wir davon überzeugt, dass uns Ende 2019 ein Fantasy-Rollenspiel mit Potenzial zur Genre-Bestie bevorsteht. Setting und Story setzen Segel in neue Gefilde und versprechen frischen Wind, während das Kampfsystem erprobten RPG-Dauerbrennern seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Die Präsentation erteilt dem Indie-Charme des Studios eine Absage und möchte ambitioniert bei den ganz Großen mitmischen. Das Epos weiß dabei ganz genau, was Rollenspieler wollen.

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