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High on Life im Test: Meckern auf tiefem Niveau

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Von: Jonas Dirkes

High on Life beendet das Gamingjahr mit einem abgefahrenem Drogentrip. In dem wird ausgiebig geplappert und gemeckert, ohne es selbst besser zu machen.

Meckern ist ziemlich einfach, oder? Die Suppe ohne Salz, der mittelmäßige Superhelden-Blockbuster und sowieso alles, was Die da Oben machen – fad, belanglos, falsch! High on Life, das neue Spiel vom Rick & Morty Schöpfer Justin Roiland, stimmt in diesen Singsang fröhlich ein und schlägt mit dem Vorschlaghammer genüsslich auf die Gamingindustrie. Nur blöd, wenn man das, was man anprangert, selbst keinen Hauch besser macht.

Name des SpielsHigh on life
Release (Datum der Erstveröffentlichung)13. Dezember 2022
PublisherSquanch Games
EntwicklerSquanch Games
PlattformenXbox One, Xbox Series X, PC
GenreEgo-Shooter, Adventure

High on Life im Test: Kein Spiel für professionelle Griesgrame

Auf dem Papier klingt es nach dem Blitz in der Flasche: Justin Roiland schraubt mit seinem Entwicklungsstudio Squanch Games an einem Shooter. Dazu nehme man dann sprechende Waffen, eine Handvoll Kopfgeldjäger sowie Drogen und schon hat man im Grunde eine spielbare Folge Rick & Morty. In der Realität sprechen die Waffen in High on Life aber vielleicht ein bisschen zu viel, die Kopfgeldjagden sind ein wenig zu monoton und die Drogen definitiv gestreckt. 

Worum geht es in der Story von High on Life?

In High on Life sind wir mit der plappernden Kanone Kenny (Justin Roiland) unterwegs, um das diabolische G3 Kartell von der Unterjochung der Erde abzuhalten. Die wollen die Menschheit nämlich schlicht als Droge in der Bong rauchen. Gemeinsam mit dem auf unserem Sofa gecrashten und in die Jahre gekommenen Kopfgeldjäger Gene bilden wir eine Front gegen die G3 und bringen ihre Führungskräfte nach und nach zur Strecke.

Knifey aus High on Life.
Wirklich jede Waffe in High on Life labert euch zu. © Squanch Games

Man muss sich keine Illusionen machen: High on Life ist ein verdammt lustiges Spiel geworden. So abgefahren die Prämisse des Shooters ist, muss man sich auch den Humor vorstellen. Denn bei Waffe Kenny bleibt es nicht, jeder gelegte Boss bringt ein neues Schießeisen in das Inventar. Und ja, alle haben Augen, und ja, alle reden auch durchgehend kontextsensitiven Stuss. Nur professionelle Griesgrame werden die Mundwinkel während der 10-12 Stunden Spielzeit von High on Life kein einziges Mal heben.

Fairerweise liegt das wohl aber auch daran, dass High on Life Gamern einfach alles an den Kopf wirft, was es hat. Hier wird manisch gegen die Wand geworfen und geschaut, was so kleben bleibt. Das kann man urkomisch finden, aber auch sehr, sehr nervig. Wir gehören zur ersteren Fraktion. Wer mit dem Humor von High on Life nichts anfangen kann, sollte sich vermutlich eher nach einem anderen Shooter umsehen. Unentschlossene können die Frequenz der Kommentare im Menü immerhin verringern.

Kenny aus High on Life in Action
High on Life im Test: Meckern auf tiefem Niveau © Squanch Games

High on Life im Test: Wie Doom bei Wish bestellt

Für einen guten Witz muss am Ende immer jemanden bezahlen und High on Lifes liebstes Opfer sind Videospiele. Seien es endlose Fortsetzungen, langweilige Gameplay-Mechaniken wie Detektivmodi oder aber miese Tutorials. Jeder kriegt sein Fett weg. Viel besser macht es High on Life aber eigentlich selbst nicht. Anstatt die Spielregeln eines Shooters zu brechen, hält man sich brav an die Konventionen des Genres. Mehr noch, High on Life ist so klassisch angelegt, dass es im Jahre 2022 eigentlich wie ein Relikt aus den 00er Jahren wirkt. Eigentlich spielt sich High on Life wie Doom bei Wish bestellt.

Wie sieht das Gameplay von High on Life aus?

High on Life ist ein recht klassischer Shooter. In verschiedenen Leveln versucht ihr einen Kopfgeldjäger ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Die Welten sind dabei zwar offen, Missionen aber sehr linear gehalten. Während der Spielzeit baut ihr euch ein üppiges Waffenarsenal auf, das sich durch simple Mods zusätzlich verbessern lässt. In der Manier von Doom wechselt man die vielen Waffen in High on Life stetig durch und kombiniert Nah- mit Fernkampf. Viele verschiedenen Gegnerarten bietet das Spiel leider nicht, dafür ist die Varianz der gut geschriebenen und ulkigen Bosskämpfe aber eines der Highlights von High on Life.

Oft genug fällt diese paradoxe und inkonsequente Handhabe den Waffen in High on Life sogar selbst auf. Anstatt aber spielerische Lösungen zu finden, werden die eigenen Mängel mit einem Treppenwitz weggelacht. Hahaha… bitte denkt nicht weiter darüber nach. Schade, denn hier hätte High on Life wirklich glänzen können. Anstatt das Medium Videospiel zu durchschauen und an seine Grenzen zu bringen, wie es etwa ein The Stanley Parabel schon 2013 tat, kratzt High on Life mit Handschuhen an der Oberfläche.

Sweezy aus High on Life erzeugt eine Zeitblase
Jede Waffe in High on Life hat eine zusätzliche Fähigkeit, Sweezy kann zum Beispiel eine Zeitblase erzeugen. © Squanch Games

High on Life im Test: Fazit zum abgedrehten Shooter von Justin Roiland

Jetzt haben auch wir viel gemeckert. Und auch wir merken: Ja, das ist wirklich ziemlich leicht. Wer aber wie High on Life den Moralapostel der Videospielwelt mimt, es dann aber keinen Deut besser macht, muss das ertragen können. Spielerisch ist High on Life nicht weiter erwähnenswert. Das Game ist ein in den 00ern hängengebliebener Doom-Klon, der auch technisch niemanden zum Staunen bringen wird.

Wenn man den Gameplay-Aspekt von High on Life aber als Trägermedium für eine wahnwitzige Story voller guter Gags versteht, ähnlich einem No More Heroes, dann kann High on Life durchaus Klick machen. High on Life ist weder AAA-Blockbuster noch Indiegame und allein dafür möchten wir das Spiel schon küssen. Wir wünschen uns mehr von diesen kleinen, seltsamen 10 Stunden Spielen von Squanch Games – nur beim nächsten Versuch gerne mit besserem Fundament.

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