Der Jäger oder Gejagte?

Hitman 3 im Test: Krönender Abschluss der Trilogie? – Agent 47 am Ende

  • vonLars Bendixen
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Noch ein letztes Mal macht Agent 47 Jagd auf seine Ziele. Ob er sich ruhmreich in den verdienten Ruhestand begeben darf, erfahrt ihr in unserem Test zu Hitman 3.

  • Hitman 3 erscheint sowohl online als auch in einer Retail-Fassung am 20. Januar für PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series XNintendo Switch, PC sowie Google Stadia.
  • Hitman 3 im Test: Kann Entwickler IO Interactive die Trilogie erfolgreich abschließen?
  • Im Test zeigen wir euch die Stärken und Schwächen von Hitman 3.

Kopenhagen, Dänemark – Da ist er wieder: Agent 47, der wohl beste Auftragskiller der Welt. Drei Jahre nach Hitman 2 nimmt IO Interactive dieses Mal sowohl die Entwicklung, als auch das Publishing in die Hand. Im Vorfeld war der Videospiel-Entwickler deswegen gehypt, nun „ungebremst“ die Möglichkeiten von Hitman 3 ausleben zu können. So versprach man nicht weniger als das beste Spiel der Hitman-Reihe abliefern zu wollen. Für wie gut wir Hitman 3 schlussendlich befinden, erfahrt ihr in unserem Test.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)20. Januar 2021
Publisher (Herausgeber)IO Interactive
SerieHitman
PlattformPlayStation 4, PlayStation 5, Nintendo Switch, Xbox One, Xbox Series, Microsoft Windows, Google Stadia
EntwicklerIO Interactive
GenreStealth-Computerspiel

Hitman 3 im Test: Welchen Job hat man als Agent 47?

Hitman 3 knüpft sowohl bei Gameplay als auch Story an die vorherigen Teile an. Wer also mit einem Stealth-Game wenig anfangen kann, wird auch hier seine Schwierigkeiten haben, obwohl das Spiel durchaus anfängerfreundlich ist. So könnt ihr zwischen den drei Schwierigkeitsgraden Einsteiger, Profi und Meister wählen. Auch wie man die Missionen angeht, ist euch selbst überlassen. Daher kann Agent 47 sein Spawn, Loadout, sowie praktische Materialien, wie Münzen, die Gegner ablenken können, frei wählen. Je häufiger man eine Mission spielt, desto mehr Auswahl kriegt ihr geboten.

Hitman 3 im Test: So sieht das Menü vor Missionen aus

Doch worum geht es in den Missionen? Agent 47 hat je nach Setting verschiedene Aufgaben. Meist muss er bestimmte Zielpersonen ausschalten, doch auch das Besorgen einer Fallakte oder das Eliminieren eines tödlichen Virus können das Ziel einer Mission sein. Das Besondere: Wie ihr eure Aufgaben und Ziele erledigt, ist euch völlig selbst überlassen. Natürlich könnt ihr blind in die Menge hereinrennen und alles, was in eurem Weg steht, dem Erdboden gleichzumachen. Doch dies führt nur selten zum Ziel in Hitman 3. Schlauer ist es, sich als Leibwache zu verkleiden, Drinks zu vergiften, Kronleuchter fallen zu lassen oder einen Moment trauter Zweisamkeit mit seinen Ziel an einem unbewachten Ort zu verbringen.

Hierbei bekommt man nicht selten die Hilfe von sogenannten Story-Missionen. Folgt man ihrer Anleitung, gelangt man auf unterschiedlichste Art zu den gewünschten Personen. In der Location Dartmoor zum Beispiel kann Agent 47 seine Ermittlungen als Privatdetektiv an einem Mord in der Königsfamilie aufnehmen und gerät dabei an gute Gelegenheiten, sein Ziel aus der Welt zu schaffen und an eine Fallakte zu gelangen. Doch auch als Fotograf, Gärtner oder Bestatter hat Agent 47 die Möglichkeit Unruhe zu stiften. In diese spielerischen Grundschizophrenie liegt die Quintessenz von Hitman 3, wie auch seinen Vorgängern. Es geht nicht darum, schlichtweg seine Ziele auszuschalten, sondern dies in seinem eigenen Stil zu tun. Das Wie ist entscheidend.

Hitman 3 im Test: Agent 47 legt als Privatdetektiv den Fall vor

Hitman 3 im Test: Diese Vorzüge hat es gegenüber seinen Vorgängern

Wo wir schon beim Wie und den Vorgängern sind: Hitman 3 bietet den Fans die größte je dagewesene Palette an Möglichkeiten. Einen großen Anteil daran tragen die Settings. Diese wirken wahrlich erfrischend und jede Location in Hitman 3 hat ihr eigenes Flair, sodass es sich eben nicht so anfühlt, als würde man immer wieder dasselbe tun. Es läuft eben nicht jede Mission nach dem Motto: „Töte XY und tschüss!“. Zudem ist jeder Schauplatz genial gestaltet und bietet extrem viel Detailreichtum. Die Aussicht vom größten Wolkenkratzer der Welt in Dubai, die Atmosphäre in Dartmoor, die Tanzfläche Berlins im alten Nukleargebäude, der moderne Look Chongqings: jede Location hat ihre ganz eigenen Highlights.

Hitman 3 schafft es euch noch näher an ein Setting zu binden und erfüllt das werdet ihr selbst beim Spielen noch erfahren, so einige Wünsche der Fans. Dabei bleibt IO Interactive ihrem üblichen Humor auch in Hitman 3 treu. Obwohl einige Todesursachen oder Erfahrungen absurd und teilweise grausam sind, konnten wir uns an manchen Stellen ein Lachen einfach nicht verkneifen. Weitere Vorteile bietet nun das Freilegen von Abkürzungen für weitere Playthroughs und die neue Kamera, mit welcher ihr Story-Elemente aufdecken könnt, sowie euch Zugang zu bestimmten Orten verschafft.

Hitman 3 im Test: Mögliche Abkürzungen in Dubai

Nun kommen wir nicht darum, auch ein Wörtchen zur Grafik zu verlieren. Und diese hat auch ohne Raytracing, welches im späteren Verlauf von 2021 noch in Hitman 3 gepatcht werden soll, ein großes Update erfahren. Auf dem PC gibt es kein Tearing, Schatten und Lichter sind noch detailgetreuer und die Locations in Hitman 3 sind definitiv auch grafisch auf Top-Niveau. Nur Agent 47 ist anscheinend verjüngt worden und zieht im optischen Vergleich mit seinem Vorgänger aus Teil Zwei den Kürzeren – ein echter Verwandlungskünstler eben. Doch den Großteil des Spiel sind wir ohnehin nur damit beschäftigt, uns seinen Barcode anzuschauen.

Hitman 3 im Test: „Das große Manko“

Das größte Manko an Hitman 3, ist nicht das Stealth-Gameplay an sich, sondern wie es von der Gaming-Community wahr genommen wird. Was einige nicht verstehen: Hitman 3 ist nicht dafür gedacht, jedes Setting möglichst schnell abzuschließen und das ganze Spiel in Windeseile durchzuspielen. Denn dann steht man wirklich vor dem Problem, dass Hitman 3 zu wenig Umfang bietet. Erfahrene Fans wissen: Hitman 3 ist eine Sandbox. Immer wieder neue Wege zu finden, sich durch die Missionen zu schlängeln, ist der wahre Kick bei Hitman. Und dann kann man auch etliche Hundert Spielstunden als Agent 47 verbringen. Klar ist, aber auch: Nicht Jeder ist für diese Art Gameplay gemacht.

Hitman 3 im Test: Die düstere Tanzfläche in Berlin

Ein weiterer Kritikpunkt liegt oft in der Steuerung und in der berechenbaren KI. Und ja, da wird ein wunder Punkt getroffen. Die Steuerung wirkt besonders auf Neulinge oft abgehackt und schwergängig. Doch einerseits soll das Schießen ganz bewusst nicht leicht sein und andererseits ist es meist reine Gewöhnungssache, bis man sich mit dem Gameplay von Hitman 3 akklimatisiert hat.

Auch was die KI anbelangt, hagelte es vor Release ordentlich Kritik. Doch stellt euch folgende Frage: Wollt ihr uns ernsthaft verklickern, dass ihr lieber eine KI hättet, die kaum Schwachstellen hat und euch am Fließband erwischt? Eine berechenbare KI ist in Hitman 3 notwendig, um die Missionen erfolgreich abschließen zu können und das Frustrationslevel nicht auf Dark Souls-Niveau anzuheben.

Ebenfalls offensichtlich: IO Interactive hat mit Hitman 3 das Rad nicht neu erfunden. Es ist und bleibt eine Fortsetzung. Solltet ihr eine völlig neue Spielerfahrung suchen, lauft ihr Gefahr, enttäuscht zu werden. Darauf zielte IO Interactive allerdings auch gar nicht ab. IO Interactive wollte mit neuen Locations überzeugen, die Story abschließen und insgesamt Agent 47 einen erfolgreichen Abschluss verschaffen. Und dies haben sie mit Hitman 3 größtenteils erreicht. Ein wenig schade für uns deutsche Fans ist dabei allerdings, dass es auch in Hitman 3 keine deutsche Sprachausgabe gibt. IO Interactive, sowie die NPCs vertrauen völlig auf eure Englischkenntnisse. Aber keine Sorge, deutsche Untertitel gibt es trotzdem.

Hitman 3 im Test: Die Skyline von Chongqing

Einen Punkt gibt es noch loszuwerden, der ein wenig aus der Reihe tanzt. Es ist schon arg schade, wie unterschätzt generell Hitman 3 ist. Viele wollen sich dem Spiel schlichtweg nicht annehmen. Vielleicht trifft es einfach nicht mehr den Zeitgeist, da besonders auch Singleplayer-Spiele immer weiter in den Hintergrund rücken. Vielleicht ist es zu speziell. Vielleicht bekommt das Spiel einfach zu wenig Publicity. Liest man sich die Kommentarsektion zu Hitman 3-Trailern durch, wird bereits viel über das kommende James Bond-Spiel von IO Interactive, statt über Hitman 3 gesprochen. Dabei können besonders Fans von Stealh-Games absolut nichts mit dem Finale der Trilogie falsch machen.

Hitman 3 im Test: So gelang IO Interactive ein erfolgreicher Abschluss der Story

Sind wir ehrlich: Die Story von Hitman ist nicht der Grund, warum Fans so verliebt in das Spiel sind. Sie wirkt teilweise zu verstrickt und kompliziert. Viele Fans verlieren leicht den Überblick vom Gesamtbild. Dennoch geben wir euch den Rat: Gebt der Story eine Chance. Belest euch vorab ein wenig über die Trilogie und versucht die neuen Eindrücke von Hitman 3 ins große Ganze einzupflegen. Denn nicht nur thematisch, auch die Storyline knüpft an Hitman 1 & 2 an. Mithilfe seines langen verloren gegangenen Kindheitsfreund Lucas Grey und der Agenten-Händlerin Diana Burnwood, die Agent 47 auch stimmlich in den Missionen begleitet, macht 47 Jagd auf die obersten Partner der Organisation Providence.

Hitman 3 im Test: Diana Burnwood verwickelt in schwierigen Angelegenheiten

Anders als noch in Hitman 2, bekommen wir hier von IO Interactive nicht nur Standbilder präsentiert, sondern gut animierte Zwischensequenzen, welche auch technisch auf einem höheren Niveau sind. Die Story ist ein wahres Auf und Ab und hält einige gute Wendungen parat. Auch wenn wir zu gerne nur auf die Story näher eingehen möchten, wollen wir euch natürlich nicht die Freude vorwegnehmen. (Daher wurden auch die zwei letzten Settings nicht genannt). Dennoch ist die Story noch besser in Hitman 3 in den Missionen eingebaut und ihr als Agent 47 steht im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt des Geschehens. Der Abschluss ist unserer Meinung nach gut gelungen und daher fällt Abschied nehmen von Agent 47 noch schwerer.

Hitman 3 im Test: Das Fazit zum letzten Teil der Trilogie

Hitman 3 im Test: Ein würdiges Finale zwischen Schleichen, Töten und Killer-Cosplays.

Hitman 3 ist und bleibt ein Nischen-Spiel. Fans von Stealth-Games werden sich in Hitman 3 pudelwohl fühlen. Doch auch Neulinge, die in die Nischen eintauchen wollen, können, sind sie erstmal auf den Geschmack gekommen, etliche schöne Stunden in Hitman 3 verbringen. Es fiel uns schwer Kritikpunkte zu finden, da IO Interactive das abgeliefert hat, was sie uns versprochen hatten: Mehr Entfaltungsmöglichkeiten, neue interessante Locations, verbesserte Grafik und geschliffene Story-Elemente auch wenn die ganz großen Innovationen dabei auf der Stelle bleiben. Alles in allem ist Hitman 3 der erfolgreiche Abschluss einer großartigen Trilogie.

ProCon
+ deutlich mehr Möglichkeiten beim Schleichen, Verkleiden und Töten– sehr spezielles Gameplay
+ rundum verbesserte Grafik- Mehr vom Selben
+ Story besser integriert und animiert- keine deutsche Sprachausgabe
+ 1A Stealth-Game
+ mehr Varianz bei Missionszielen
+ Level sind detailliert und spektakulär gestaltet
+ spannende Locations mit toller Atmosphäre

Rubriklistenbild: © IO Interactive

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